Sudden Strike 4 in der Vorschau: Die Echtzeit-Strategie-Reihe gehört noch lange nicht zum alten Eisen
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Generäle, Schlachten und der Zweite Weltkrieg: Kalypso bringt mit Sudden Strike 4 die klassische Echtzeitstrategie wieder zurück auf den Monitor. Unsere Vorschau erklärt, warum das Spiel noch lange nicht zum alten Eisen gehört.
In der Ruhe liegt die Kraft - dieser Gedanke bleibt nach gut vier Stunden mit Sudden Strike 4 bei uns hängen. Wer Panzer und Soldatentrupps durch die Wirren des Zweiten Weltkriegs schubst, braucht einen kühlen Kopf und die passende Taktik. Der vom Wormser Publisher Kalypso in Kooperation mit dem jungen, ungarischen Studio Kite Games entwickelte vierte Teil der Echtzeitstrategiereihe geht laut Hersteller zurück zu den Wurzeln der Reihe. Was sich wie das übliche Marketing-Blabla anhört, stellt sich im ausführlichen Hands-on aber als durchaus pragmatische Marschroute für ein angenehm traditionelles Taktikerlebnis heraus.
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Sudden Strike 4 in der Vorschau: Alles Einstellungssache
Noch bevor der erste Panzer über das Schlachtfeld rollt, suchen wir das Optionsmenü auf. Löblich: Obwohl sich Sudden Strike 4 Kite Games zufolge stark an den ersten beiden Teilen der Reihe orientiert, will es sich als modernes Strategiespiel nicht vor den aktuellen Vorlieben der breiten Masse verschließen. Der Genre-Gourmet von heute verlangt nach Einstellungsmöglichkeiten und möchte seine Spielerfahrung selbst bestimmen. Nach einem harten Arbeitstag sucht manch einer vielleicht Zerstreuung und freut sich dann über einen eher seichten Feldzug. Der Schwierigkeitsgrad lässt sich daher vor jeder Mission einstellen. Gut für Einsteiger: Auf der neuen, leichten Stufe müsst ihr nicht unbedingt jede Einheit aus dem Lehrbuch kennen
Quelle: PC Games
Das Feuer der anrückenden Truppen konzentriert sich auf die leichte Feldhaubitze, dabei richtet das schwere 88-mm-Flak 36 daneben weitaus mehr Schaden an.
oder euch gar vorsichtig von einem Schützengraben zum nächsten vorkämpfen. Manchmal genügt der klassische Tank-Rush, fast wie damals in Command & Conquer.
Doch Veteranen müssen jetzt nicht die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, denn Kite Games denkt auch an sie. Optische Hilfsmittel wie beispielsweise Projektilspuren könnt ihr auf Wunsch einfach abschalten. Gleiches gilt für Missionsziele, Minimap und Markierungen. Wer will, spielt also komplett ohne Benutzeroberfläche. Das erfordert nicht nur Kenntnisse über jeden Truppentyp, sondern natürlich auch über Kurzbefehle. Anders bekommen wir dann nämlich unsere Soldaten nicht aus den Transportfahrzeugen.
Für das letzte Quäntchen Authentizität sorgen die Sprachoptionen: Wir entscheiden, ob alle Charaktere - also unsere Befehlshaber und die Truppen - Deutsch sprechen oder ihre Muttersprache verwenden. Kontrollieren wir beispielsweise die Russen, verstehen wir zwar nur Bahnhof und müssen auf Untertitel setzen, der Atmosphäre kommen solche Anpassungen aber zweifellos zugute. Schöne Randnotiz: Als Alliierte kontrollieren wir Amerikaner und Briten - beide Parteien erhalten Muttersprachler mit entsprechendem Akzent. Andere Entwickler hätten da vielleicht einen einfacheren Weg gewählt.
Quelle: PC Games
Im Kampf niedergeschossene Soldaten segnen nicht sofort das Zeitliche. Mithilfe des Medi-Pack-Perks oder anrückender Sanitäter beleben wir sie wieder - wenn auch mit nur wenigen Energiepunkten auf dem Konto.
Sudden Strike 4 in der Vorschau: Die Lehren des Krieges
Neben dem Schwierigkeitsgrad wählen wir vor Beginn jeder Mission einen General aus. Alliierte, Deutsche und Russen verfügen über jeweils drei verschiedene legendäre Anführer, die zwar nicht aktiv mitkämpfen, wohl aber die Einsätze durch eine breite Auswahl an Perks stark beeinflussen. Grob teilen sich die sogenannten Lehren in die Klassen Infanterie, Panzer und Support. Die Zusammenstellung der
Quelle: PC Games
Jede der drei Parteien verfügt über drei verschiedene Lehren - verkörpert durch bekannte Generäle. Mithilfe gesammelter Sterne schalten wir Zusatzfertigkeiten frei und unterstreichen so unseren Spielstil.
Fähigkeiten obliegt uns selbst. Mit zuvor durch gute Leistungen erbeuteten Sternen greifen wir auf einen breiten Fundus an Spezialfertigkeiten zurück.
Der russische General Konstantin Konstantinovich etwa stärkt mit seinen Grundfähigkeiten verschanzte Infanterietruppen und legt ihnen zusätzliche Granaten ins Marschgepäck. Die entsprechenden Upgrades vorausgesetzt, verfügen die Soldaten über ein Medi-Kit und können sich so auch ohne Sanitäter selbst heilen. Mit dem Perk "Granaten-Übungen" werfen die Burschen die Bomben gar weiter. Andere Hilfsmittel bringen uns Rauchbomben, die einen künstlichen Nebel des Krieges erzeugen und so präzisen
Beschuss erschweren. Für Missionen mit starkem Infanterieeinsatz können diese Hilfsmittel bereits den Unterschied machen. Noch dazu erlauben die Lehren allerlei Experimente und beeinflussen maßgeblich die Herangehensweise an die Einsätze selbst. Wer also mit Konstantinovich auf Panzer setzt, hat zwar weiterhin eine Chance auf den Sieg, macht es sich aber auch unnötig schwer.
Sudden Strike 4 in der Vorschau: Pause muss sein
In Sudden Strike 4 erhält jede der drei Parteien ihre eigene Kampagne. Im Gegensatz zu anderen Strategiespielen bauen diese nicht aufeinander auf: Zwar müssen wir die Missionen erst freischalten, doch grundsätzlich zwingt uns das Spiel nicht, eine Kampagne nach der anderen durchzuzocken. Nachdem wir inzwischen fünf gespielten Einsätze absolviert haben, fällt uns zunächst die Unterschiedlichkeit der Schwierigkeitsgrade auf. Bereits auf mittlerer Stufe fordern spätere Operationen und strafen unbedachtes Vorgehen sofort ab.
Ferner variiert Sudden Strike 4 das Spieltempo immer wieder geschickt. In einem Moment schleichen die Missionen geradezu vor sich hin und wir beobachten andächtig, wie sich unsere Truppen über den Bildschirm schieben. Doch solche Augenblicke bereiten meist nur die nächste Gemeinheit vor. Das Ausspähen der Gebiete und das Vorausplanen entscheiden mitunter über Sieg oder Niederlage. In der "Schlacht bei Sedan" - einer fortgeschrittenen Mission der Deutschen - beispielsweise sichern wir zunächst einen Brückenkopf, ehe wir feststellen, dass der Übergang zerstört wurde. Wir müssen also eine künstliche Brücke bauen. Das kostet Zeit, in der wir immer wieder anrückende alliierten Truppenverbände abwehren müssen.
Viel wichtiger ist aber das spätere Vorgehen. Kämpfen wir uns mit unserem Konvoi bestehend aus Panzer III E, Truppentransportern und Versorgungsfahrzeugen zentral durch die gegnerischen Bunkeranlagen, erleiden wir schwere Verluste. Genau deshalb lohnt sich ein Druck auf die Leertaste zum Pausieren des Spiels. Ohne Zeitstress ziehen wir Einheiten, platzieren Soldaten und prüfen, wo der Feind nachrückt. Bislang fehlt dem Pausenmodus noch das optische Feedback, was eine korrekte Planung erschwert. Derartige Funktionen sollen aber noch bis zum Erscheinen des Spiels im Frühjahr 2017 nachgereicht werden.
Sudden Strike 4 in der Vorschau: Ich sehe was, was du nicht siehst
Der bereits erwähnte Nebel des Krieges spielt in Sudden Strike 4 eine entscheidende Rolle. Er bestimmt nämlich, wann unsere Einheiten angreifen und wie schnell sie reagieren. Als wir uns zum Beispiel an einem Schlüsselpunkt
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Rufen wir einen Jäger oder einen Bomber, legen wir zunächst den hier blau markierten Zielbereich fest. Die Flugzeuge tauchen aber erst gut zehn Sekunden später auf.
der Mission "Westfeldzug" verbarrikadieren, schlagen aus dem Nichts plötzlich Artilleriegeschosse im Zentrum unserer Einheiten ein. Diese kommen augenscheinlich aus der Distanz. Wir können den Verursacher erst dann ausmachen, wenn wir einen Soldaten in einem der Hochsitze positionieren. Den Rest übernehmen dann die 88-mm-Flugabwehrkanonen, die auch gegen Bodentruppen zum Einsatz kommen. Infanterie besitzt grundsätzlich eine höhere Sichtweite als Panzer und ist zudem in der Lage, Fahrzeuge auch an deren Geräuschen zu erkennen. Gelbe Symbole zeigen euch an, ob es sich um Kettenpanzer oder bereifte Vehikel handelt.
Panzerführer öffnen zwar die Luke und blicken aus ihrem stählernen Monster hinaus, das jedoch bietet gegnerischen Schützen die Gelegenheit für präzise Abschüsse und das anschließende Kapern der Tanks. Grundsätzlich gehört das Übernehmen feindlicher Fahrzeuge in Sudden Strike 4 zum
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Getöse auf dem Schlachtfeld: Bomber und Jäger der Alliierten machen sich über Truppen der Russen her.
guten Ton und erleichtert mitunter die Missionen. Es schwächt jedoch auch die eigene Infanterie. Abhängig vom Panzertypen erfordert es oft drei oder mehr Männer, um die Kolosse zu kontrollieren. Je qualifizierter die eingesetzten Soldaten sind, desto effizienter ist der Einsatz der Maschine. Ein Sanitäter an der Kanone macht beispielsweise einen schlechteren Job als ein gelernter Schütze. Diese Kleinigkeiten bringen zusätzliche Tiefe ins Gameplay von Sudden Strike 4.
Überhaupt fallen uns in unserer Anspiel-Session viele, "liebenswerte" Details auf. Auf der Karte "Leningrader Blockade" etwa beschützen wir einen Lastwagenkonvoi, der sich seinen Weg über einen zugefrorenen See bahnt. Durch gezielten Mörser- und Artilleriebeschuss zerbrechen wir die Eisdecke und versenken kurzerhand die Feinde. Auch auf erdigem Terrain hinterlassen Granaten und Schüsse tiefe Einschläge. Panzer und andere Fahrzeuge rumpeln hübsch animiert über die Löcher hinweg; Soldaten tun sich schwer, die Gräben zu überwinden.
Sudden Strike 4 in der Vorschau: Lasst euch zurückfallen!
Nicht alle Missionen aber erfordern das Erobern wichtiger Stützpunkte. In der Mission "Schlacht um Kursk" kommt es vor allem auf eine vernünftige Defensive an. Denn die deutschen Truppen rücken an, während die Russen vier Verteidigungsringe halten müssen. Auch in diesem Fall steht die richtige Positionierung der eigenen Truppen im Vordergrund: Infanterieeinheiten postieren wir in Schützengräben, in denen sie Panzerbeschuss geschützt sind, aber selbst ordentlich Schaden anrichten. Für einen Hinterhalt verstecken wir zudem Truppen in nahegelegenen Wäldern. Dort sind sie speziell für die blinden Panzer nahezu unsichtbar und klären nebenbei das Gebiet für uns auf.
Der Stellungskampf stellt sich im Probespiel als willkommene Abwechslung zu den übrigen Missionen heraus. Dank der Pausenfunktion bereiten wir die Defensive auf jede Welle vor, müssen jedoch einige Male zurückfallen, um nicht vollends überrannt zu werden. Es fühlt sich fast so wie ein Schachspiel an: Welcher Schützengraben wird als nächstes angegriffen? Wo haben wir noch Löcher in der Verteidigung? Welche Haubitzen benötigen Nachschub? Versorgungstrucks befüllen die Panzer und andere Vehikel wieder mit Benzin und laden deren Munitionsvorräte auf. Wer darauf nicht achtet, der erlebt schnell eine böse Überraschung. Um diese beim Gegner zu verursachen, greifen wir auf Luftunterstützung zurück. Mit dem Aufklärungsflugzeug Petljakow Pe-2 decken wir für einige Minuten zuvor angewählte Kartenausschnitte auf - zumindest, sofern die Maschine nicht abgeschossen wird. Deshalb erschreckt uns auch das Auftauchen des legendären deutschen Panzers Tiger II (auch Königstiger genannt) nicht, den wir zunächst lahmlegen und dann selbst übernehmen. Wie alle Panzer verfügt auch er über eine Schwachstelle an der Rückseite und ist somit für Flankenangriffe besonders anfällig. Aber mal ehrlich: Das wissen Kenner ohnehin bereits aus ganz vielen anderen, im Zweiten Weltkrieg angesiedelten Strategiespielen.
