Hey, hier kommt Stubbs: Als netter, aber hungriger Zombie futtert er nahrhaftes Gehirn, benutzt seine sowie fremde Körperteile als Waffe und sucht eine geheimnisvolle Schöne.
Verliebter Zombie trifft auf arglosen Trainee: Eine unheimliche Begegnung der untoten Art mit Folgen.
1. Dezember 2005
Simons Tagebuch: Als Trainee hat man's nicht leicht. Wie heute, als Herrn Deppe die Currywurst nicht geschmeckt hat, die ich ihm besorgen sollte. Die Strafe: den Verlagskeller aufräumen. Zwischen all dem Gerümpel fand ich unter einer alten Pac Man-Schachtel ein vergilbtes Tagebuch. »Ed Stubblefield: Mein Leben und die Zeit danach« stand auf dem verschimmelten Deckel. Neugierig schlug ich die erste Seite auf. Drei CDs purzelten mir entgegen ...
1. Dezember 1933
Stubbs' Tagebuch: Heute habe ich das Geschäft meines Lebens gemacht. Aber warum hat man mich denn zur späten Stunde in diese gottverlassene Pampa bestellt? Ich muss aufhören, da kommen meine Kunden. Sie scheinen Gewehre dabei zu haben. Wollen sie etwa jagen? Ich werde mal nachfragen ...
1. Dezember 1959
Stubbs' Tagebuch: Ich bin tot. Nein, nicht ganz. Eigentlich fühle ich mich sogar ziemlich lebendig, rieche nur etwas streng, und meine motorischen Fähigkeiten lassen zu wünschen übrig. Erstmal ne' Kippe und umsehen. Die gottverlassene Pampa hat sich in den letzten 26 Jahren seit meinem unfreiwilligen Ableben ziemlich verändert: Ich stehe in einer riesigen Stadt namens Punchbowl. Aber was für eine Stadt! Fliegende Autos und Roboter! Von all dem Gucken werde ich langsam hungrig. Eigenartigerweise muss ich an menschliches Hirngewebe denken ... mmh, lecker ...
2. Dezember 2005
Simons Tagebuch: Habe heute Stubbs installiert. Was für ein abgefahrenes Konzept! In einer futuristischen Stadt in 60er-Jahre-Optik spiele ich einen liebenswerten grünen Zombie aus der Verfolgerperspektive, mit Schlapphut und Kippe auf der Lippe. Meine Aufgabe: anderen markerschütternd schreienden Spielfiguren das Hirn aussaugen. Die fallen dann für einen kurzen Moment um, sind danach aber auf meiner Seite und begeben sich ihrerseits »zu Tisch«. Ich kann sie sogar mit einem Pfiff rufen oder mit einem Stoß in die gewünschte Richtung bugsieren. Und dazu laufen bekannte Oldies wie »Lollipop« vom Band. Das nenne ich mal eine gelungene Atmosphäre!
2. Dezember 1959
Stubbs' Tagebuch: Ich hab's geschnallt. Ich bin ein Zombie, und es ist völlig okay, menschliche Gehirne zu verspachteln. Leider finden das deren Besitzer gar nicht okay. Verbal kann ich mich nicht gut ausdrücken, meine Sätze bestehen nur aus gurgelndem Nuscheln. Daher setze ich meine Fäuste und Füße zur Überzeugung ein, und greife dann beherzt zu.
Ich kann mich auch von hinten anschleichen. Ärgerlich ist, dass meine Opfer manchmal Waffen einsetzen. Da ich nur recht langsam durch die Gegend schlurfe, setzen die mir arg zu. Wenn meine Kraft zu neige geht, muss ich mich kurz ausruhen oder schnell neues Frischfleisch finden. Es klappt bis jetzt aber ganz gut: Unsere tolle Zombie-Truppe breitet sich wie ein Virus über die Stadt aus. Und ich habe mich heute verliebt! Aber, ach: Ein paar üble Hinterwäldler haben meine Angebetete entführt.
3. Dezember 2005
Simons Tagebuch: Stubbs lernt mit der Zeit ein paar tolle Tricks. An einigen Stellen schwingt er sich auf Trecker oder hinters Steuer fliegender Autos. Daneben hat er ein paar Spezialfähigkeiten auf Lager: Per Tastendruck kann er einen Wind fahren lassen, der alle umherstehenden Gegner betäubt, die dann leichte Beute für ihn sind. Oder er benutzt ein Stück Gedärm als Granate, die nach etwa fünf Sekunden explodiert und zahlreiche Feinde wie Puppen durch die Luft schleudert. Oder er schraubt seinen Kopf ab und verwendet ihn als steuerbare Bowling-Kugel, die im richtigen Augenblick explodiert.
3. Dezember 1959
Stubbs' Tagebuch: Mist! Sie haben mich erwischt und wollen mich sezieren. Ich bin auf einer Stahlliege festgeschnallt und kann nicht entkommen. Wie gut, dass ich für solche Situationen meine Hand habe. Die reiße ich mir einfach raus und steuere sie dann per Gedankenkraft. Sie kann sogar an Wänden und Decken hoch krabbeln! Der Clou: Ich übernehme damit andere Leute. Zumindest die, die keinen Helm aufhaben, denn die Hand krallt sich auf dem Kopf fest. In fremder Haut fühle ich mich richtig agil und bediene sogar Waffen. Und wenn mein Sklave draufgeht, macht mir das gar nichts -- Zombie-Hände wachsen schließlich nach.
4. Dezember 2005
Simons Tagebuch: Die Grafik von Stubbs passt wie der Zombie zum Glockenseil: Sie ist absichtlich etwas grobkörnig und erinnert an Monster-Filme der 60er-Jahre. Sobald ich in Stubbs Haut stecke, bekommt die Umgebung einen leicht grünlichen Ton. Wenn ich die Hand oder den Kopf steure, dann ist alles schwarzweiß. Überhaupt sind Stil und Design so putzig, dass ich den extremen Blutgehalt zu keiner Sekunde ernst nehmen kann. Die Gegner-Speisekarte reicht über typische 60er-Jahre-Jugendliche und -Polizisten bis hin zu Kettensägen schwingenden dicken Holzfällern mit Vollbart. Genügend nahrhafte Abwechslung für meinen kleinen Stubbs ist also vorhanden.
Stubbs' Tagebuch: In den letzten zwei Tagen habe ich etwa 500 Gehirne gegessen und dabei mindestens 25.000 Liter Blut verspritzt. So langsam fühle ich mich satt. Zwar passiert immer mal wieder was lustiges, wie etwa der Tanzwettbewerb mit dem Polizeichef von Punchbowl. Aber irgendwie langt es mir jetzt. Dabei habe ich meine Angebetete immer noch nicht gefunden. Ach, langsam artet das Zombie-Dasein in Arbeit aus. Ich glaub', ich brauche jetzt erstmal ein paar Tage Pause ...
Edward Stubblefield & Simon Fistrich
