Oben Anno, unten Dungeon Keeper: Steamworld Build im Test

Test Felix Schütz
Steamworld Build im Test
Quelle: Thunderful Games

Die Steamworld-Serie ist immer wieder für eine Überraschung gut: Diesmal baut ihr für eure Roboter eine gemütliche Siedlung und grabt euch sogar durch unterirdische Gewölbe. Ein richtig netter Mix aus Anno und Dungeon Keeper, ideal für Einsteiger! Unser Test mit Video zeigt euch, was euch auf PC, Konsolen und Steam Deck erwartet.

Mit jeder neuen Bewohner-Klasse bekommt ihr zwar mehr Gebäude an die Hand, aber auch die Ansprüche eurer Steambots steigen mit der Zeit. Ingenieure wollen zum Beispiel frisches Wasser, Schnaps, Zugang zu einem Saloon, einen Reinigungsdienst und einen "Burgermeister".

Klingt aufwendig, ist aber schnell erledigt: Um leckere Burger zu braten, müssen zum Beispiel nur ein paar Robo-Rinder her, für die wir einfach eigene Farmen errichten. Dann noch ein Restaurant dazu und fertig - ab da ist das Burger-Problem vom Tisch.

Euch gehen die Blechkühe aus? Baut mehr Farmen. Es fehlt an Arbeitskräften? Baut mehr Unterkünfte. So wiederholt sich das Ganze, bis ihr irgendwann auch die anspruchsvolleren Forscher und Aristobots zufriedengestellt habt.

Das wird nie richtig fordernd, bleibt aber trotzdem motivierend und gleichzeitig schön zugänglich. Schon allein, weil man Gebäude nie abreißen muss, sondern ganz einfach verschieben kann - dadurch dürft ihr nämlich so lange an eurer Siedlung herumtüfteln, bis jedes Rädchen ineinander greift.

Außerdem ist es einfach eine Freude, dem Städtchen beim Wachsen zuzusehen! Da wackeln die Steambots zum Beispiel zufrieden aus der Waschanlange heraus, der Holzfäller schmückt seine Hütte mit einer gigantischen, mechanischen Axt und beim Glasbläser sehen wir aus der Nähe, wie das Material eingeschmolzen wird - das ist längst nicht so detailverliebt wie im letzten Siedler (ja, dem schlechten Teil!), aber trotzdem sehr hübsch anzuschauen.

Gefahren in der Tiefe

Fast hätten wir's vergessen: Das ganze Spiel wird auch von einer dünnen Story zusammengehalten, die in kleinen, vollvertonten Dialogen vorangetrieben wird. Kurz gesagt: Ihr sollt in den Tiefen der Mine mehrere Raketenteile ausgraben. Dabei verlassen sich eure Steambots auf eine mysteriöse KI, die aber ganz offensichtlich nichts Gutes im Sinn hat - und das war's im Wesentlichen, tiefgängiger wird der Plot leider nie.

Das wäre auch noch okay, solange man den Charakteren zumindest ein bisschen Raum zur Entfaltung gelassen hätte. Zwar gibt es auch ein paar lustige Nebenfiguren, die sich selten mal zu Wort melden - doch für die Geschichte oder das Gameplay spielen sie eigentlich keine Rolle.

Warum hat man ihnen nicht ein paar Nebenquests gewidmet? Oder sie zumindest mit bestimmten Mechaniken verknüpft? Es gibt keinen Barkeeper zum Plaudern, keinen Händler, der uns den seine Waren andrehen will. Da verschenkt das Spiel leider viel Potenzial.

Es gibt auch keinerlei Gegenspieler wie zum Beispiel in Dungeon Keeper, was aber noch lange nicht heißt, dass ihr euch deshalb zurücklehnen könnt: Ab der zweiten Minenebene tauchen nämlich gefräßige Monster auf, sobald ihr sie freigegraben habt.

Darum bekommt ihr auf dieser Stufe auch Zugriff auf die wichtigen Wachbots: Diese Einheiten greifen alle Feinde vollautomatisch an und werden bei Bedarf ersetzt, was bedeutet: Ihr braucht euch um nichts weiter kümmern und könnt die Wachen sich selbst überlassen. Zum richtigen Echtzeit-Strategiespiel wird Steamworld Build (jetzt kaufen 22,49 € ) also nie.

Ab der zweiten Minenebene trefft ihr auch auf Gegner, die euren Wachbots und Türmen aber nur wenig entgegenzusetzen haben. Quelle: PC Games Ab der zweiten Minenebene trefft ihr auch auf Gegner, die euren Wachbots und Türmen aber nur wenig entgegenzusetzen haben. Stattdessen weht eher ein Hauch von Tower Defense durch die Kämpfe. Nach einer Weile stößt man nämlich auf Nester, aus denen dann immer wieder neue Gegnerwellen spawnen. Hier solltet deshalb ein paar Geschütze installieren, die möglichst viele Gegner ausknipsen, bevor sie eure Räume und Geräte kaputt machen.

Aber selbst das wäre noch kein Beinbruch: Eure Reparaturtrupps setzen sich flott in Bewegung und beheben das Problem ganz von alleine. Es gibt außerdem nur sehr wenige Abwehrgebäude und auch bei den Gegnertypen wurde gespart - ihr braucht also keine Meisterstrategen sein, um euch die Gegner vom Hals zu schaffen.

Macht euch das Leben leichter

Genau wie an der Oberfläche solltet ihr eure Mine mit der Zeit optimieren. Mit Beschleunigerpads lassen sich zum Beispiel häufige Laufwege abkürzen. Noch besser sind aber die praktischen Teleporter, die ihr an zwei beliebigen Punkten in der Mine verteilt: Damit sind nicht nur eure Sammler und Arbeiter deutlich effektiver, auch eure Wachen können die Teleporter nutzen und so blitzschnell von einem Monsternest zum nächsten springen. Damit werden auch die härtesten Angriffe zum Kinderspiel.

Um Arbeitskräfte einzusparen, könnt ihr nach einer Weile auch praktische Förderbänder in eurer Mine bauen. Die transportieren dann Eisen, Wasser, Öl und andere Rohstoffe vollautomatisch zum Aufzug, dadurch wandern eure Ressourcen noch schneller und zuverlässiger ins Lager. Und es sieht auch einfach ganz hübsch aus, wenn sich die Förderbänder wie ein Netzwerk aus Adern durch das gesamte Stockwerk ziehen.

Der Saloon ist ein Versorgungsgebäude und erhöht die Zufriedenheit eurer Ingenieure. Quelle: Thunderful Games Der Saloon ist ein Versorgungsgebäude und erhöht die Zufriedenheit eurer Ingenieure. Letztendlich dreht sich alles darum, für jede Ware und jeden Rohstoff einen Überschuss zu erzielen. Das könnt ihr euch in einem simplen Menü auch jederzeit anschauen. An den Diagrammen erkennt ihr dann sofort, wo ihr im Plus seid und wo ihr vielleicht nachbessern müsst. Zum Beispiel könnt ihr die Wege in eurem Städtchen zweimal aufwerten, dadurch erhöht sich die Reichweite eurer Gebäude deutlich.

Außerdem könnt ihr für viele Gebäude auch eines von mehreren Upgrades installieren, die dann zum Beispiel die Produktionsrate erhöhen oder eine Arbeitskraft ersetzen. Das Verteilen der Upgrades gerät zwar im späteren Spielverlauf etwas unübersichtlich, aber man braucht auch nicht viel Zeit darauf verschwenden - das Feature ist ohnehin völlig optional.

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