Steamboy - Director's Cut

Test

Katsuhiro Ôtomos zweites Anime-Epos vermittelt mit erhobenem Zeigefinger eine klare Antikriegshaltung

Steamboy - Director's Cut England in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Während in London die Vorbereitungen für die große Weltausstellung in vollen Zügen laufen, erhält der junge Ray Steam (Tim Schwarzmaier) unerwartet ein Paket von seinem Großvater. Ray ist Spross einer genialen Erfinderfamilie, die sich der Technologie des Dampfes verschrieben hat. Der Inhalt der Kiste: Eine geheimnisvolle Stahlkugel, die gewaltige Energiereserven in sich birgt.

Kein Wunder, dass binnen kürzester Zeit gleich zwei Parteien -- die O'Hara Foundation unter Führung von Rays Vater Eddie (Christian Tramitz) und das britische Empire -- hinter dem gewieften Burschen und seiner Kugel her sind. Beide wollen die Errungenschaft für kriegerische Zwecke missbrauchen und stürzen sich während der Eröffnung der World Fair in einen offenen Krieg. Im Kugelhagel zwischen den Fronten kann nur noch Ray London vor der Zerstörung bewahren.

Rohrbruch

1988 etablierte Katsuhiro Ôtomo mit seinem Meilenstein "Akira" das Anime-Genre im Westen. Seither wartete die Fangemeinde sehnsüchtig auf sein nächstes Zeichentrick-Epos, dem an den Kinokassen leider schnell der Dampf ausging. Umso schöner, dass wir das filigrane Kunstwerk jetzt auf DVD genießen können.

Die Bonusscheibe des Doppeldeckers offeriert reichlich Zusatzinfos zu Ôtomos Mammutprojekt, das zehn Jahre Arbeit und 27 Mio. Dollar verschlang. Den Anfang macht das Making of mit Einblicken ins Produktionsstudio, Statements der Beteiligten, Konzeptzeichnungen, Animatics und Charakteranalysen. In einem separaten Interview lässt der Regisseur überdies noch einmal die gesamte Entstehung von "Steamboy" Revue passieren.

Hinter dem Menüpunkt "Multi Screen Landschafts-Studie" verbirgt sich eine Featurette, die per Splitscreen Ausschnitte aus dem Film, reale Aufnahmen und weitere Aussagen der Künstler vereint. Darüber hinaus gibt es den Abspann ohne Credits, eine selbst ablaufende Galerie mit Produktionszeichnungen sowie kurze Clips zur Animationsentwicklung. TO n

Fazit

Film-Check: Das voll digitale Zeichentrickabenteuer bombardiert den Zuschauer mit einer faszinierenden, malerischen Optik, wahnwitzigen Action-Sequenzen und einem fulminanten Schlussspektakel, das fast eine ganze Stunde der Laufzeit beansprucht. Leider kann die botschaftsträchtige Geschichte über Träume und Ziele aber nicht so richtig fesseln.
DVD-Fazit: Katsuhiro Ôtomos Verneigung vor Jules Verne und H. G. Wells schlägt mit seinem Retro-Look eine ganz andere Richtung ein als das Vorgängerwerk. Dennoch sollten Anime-Fans einen Blick riskieren. Sammler sichern sich schnell ein Exemplar der Limited Edition-Boxen mit Skizzenbuch (164 Seiten), Manga-Nachdruck (28 Seiten) und Postkarten-Set.

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