Steam Deck vs. Nintendo Switch: Wackelt die Handheld-Vorherrschaft?

Kolumne Lukas Schmid
Steam Deck vs. Nintendo Switch: Wackelt die Handheld-Vorherrschaft?
Quelle: Valve

Valve steigt mit der Steam Deck gegen die Nintendo Switch in den Ring. Muss sich der Handheld-Marktführer fürchten? Redakteur Lukas Schmid kommentiert.

Mir ist schon bewusst, die Nintendo Switch ist mehr als nur ein Handheld. Einmal ins der Konsole beiliegende Dock gepappt, und schon daddelt man fröhlich auf dem Fernseher vor sich hin.

Unbestreitbar ist aber auch: Die Switch ist vor allem deswegen erfolgreich, weil Nintendo da die gesammelte Erfahrung und Marktführer-Übermacht aus dem reingesteckt hat, was Game Boy, Nintendo DS und Nintendo 3DS da im Laufe der Jahrzehnte etabliert haben. Beim Heimkonsolengeschäft gab es Höhen und Tiefen, beim mobilen Spielen verkaufte sich sogar das "Lowlight" 3DS noch an die 80 Millionen Mal.

Dass auch Nintendo das bewusst ist, zeigt schon die Existenz der nur mobil betreibbaren Nintendo Switch Lite, anstatt der von vielen erwarteten Switch Pro kommt nun die Switch OLED, die erneut das Spielen unterwegs in den Mittelpunkt stellt.

Nun aber steigt der wohl stärkste Konkurrent um diese Marktführerschaft seit der PSP in den Ring: Steam Deck, entwickelt von Valve, und die Ansage kann sich sehen lassen: Die gesamte Steam-Bibliothek unterwegs spielen, wenn man sich separat ein Dock kauft, auch auf jedem beliebigen Bildschirm - da wirken sogar die Zigtausend Spiele im eShop der Nintendo Switch auf einmal im Vergleich mickrig.
Muss sich Nintendo also fürchten? Ich denke nicht - vorerst. In der Zukunft sehe ich aber durchaus große Herausforderungen auf das Unternehmen zukommen.


Über den Autor

Steam Deck vs. Nintendo Switch: Wackelt die Handheld-Vorherrschaft? (1) Quelle: Lukas Schmid Steam Deck vs. Nintendo Switch: Wackelt die Handheld-Vorherrschaft? (1) Lukas Schmid arbeitet seit 2010 in unterschiedlichen Funktionen bei Computec Media und damit bei PC Games, zuerst als Praktikant, anschließend als freier Mitarbeiter, dann als Volontär, Redakteur und inzwischen als Leitender Redakteur für pcgames.de, videogameszone.de, gamesaktuell.de und gamezone.de. Er liebt Action, Adventure, Action-Adventures, Shooter, Jump & Runs, Horror und Rollenspiele, mit Strategietiteln, den meisten Rogue-likes und Militärsimulationen kann man ihn jagen. Jeden Samstag um ca. 09:00 Uhr teilt er euch in seiner Kolumne mit, was ihn gerade wieder nervt oder freut. Hasskommentare und Liebesbriefe gerne in die Kommentare unter der Kolumne, an [email protected] oder auf Twitter an @Schmid_Luki.


PC in your pocket

Was Valve da ab Dezember für einen vergleichsweise kleinen Preis liefert - los geht's bei knapp 420 Euro für die günstigste Version der Steam Deck -, kann sich schon echt sehen lassen. Technisch stärker als eine PS4, zudem so viel mehr als nur eine Spielekonsole.

Wer will, haut sich eigene Betriebssysteme drauf, sogar andere Launcher wie der Epic Games Store sind möglich; diverse Anschlüsse erlauben so gut wie jede Peripherie, Bluetooth wurde auch noch reingepackt, gerade der Toaster fehlt noch.

Das liegt daran, dass die Steam Deck nicht, wie man so schön dahinfloskelt, fast schon ein PC ist - sie ist tatsächlich einer, zwar dem bisherigen Anschein nach nur in Sachen Speicherplatz erweiterbar, aber ansonsten ein Mini-PC zum Mitnehmen.

Das ist gleichzeitig die Chance für das Gerät, Fuß zu fassen und der Grund, warum ich denke, dass Nintendo vorerst nur ein bisschen schwitzen muss.

Früher war alles simpler

Steam Deck vs. Nintendo Switch: Wackelt die Handheld-Vorherrschaft? (2) Quelle: Valve Steam Deck vs. Nintendo Switch: Wackelt die Handheld-Vorherrschaft? (2) So sehr auch die Switch nicht gefeit ist vor Updates, technischen Problemchen und mehr, ist sie doch die Konsole der aktuellen Konsolengeneration, die dem Anspruch "Plug & Play" noch am nächsten kommt. Kein Browser, keine Gimmicks, kaum Apps - hier geht's ums Spielen und um wenig anderes.

Ich denke, das war mit einer der Gründe, warum die Playstation Vita damals dermaßen gegen den 3DS abstank. Sie wollte mehr sein als ein Spielegerät, bot allerlei Multi-Media-Funktionen, anders als noch die Playstation Portable, die neben den unsinnigen UHD-Filmchen auch sehr pur auf Gaming ausgelegt war.

Und ganz offenbar war mobiles Spielen auf Fast-Konsolen-Niveau offenbar damals für die meisten Käufer noch kein relevanter Faktor, der 3DS mit seinen (meist) eingeschränkteren Erlebnissen hatte hier stets die Nase vorn.

Can it run Doom Eternal?

Das weiße Modell der Nintendo Switch OLED Quelle: PCGH/Amazon Steam Deck vs. Nintendo Switch: Wackelt die Handheld-Vorherrschaft? (9) Erst mit der Switch sind solche Spiele für die Hosentasche zum Standard geworden, und nach wie vor sind viele Leute baff, wenn sie etwa ein Doom Eternal auf einmal auf dem kleinen Gerät sehen.

Der Zeitpunkt, nun in den Markt einzusteigen und mit einem deutlich potenteren Gerät dieses Versprechen überzuerfüllen, ist also mehr als logisch.

Aber: Wie erwähnt ist die Steam Deck halt weit mehr als nur der zweite Versuch einer PS Vita, und ich denke, dass der Simplizitätsfaktor für viele Spieler mobiler Geräte nach wie vor ein wichtiger Faktor ist.

Braucht's all das?

Steam Deck vs. Nintendo Switch: Wackelt die Handheld-Vorherrschaft? (6) Quelle: Valve Steam Deck vs. Nintendo Switch: Wackelt die Handheld-Vorherrschaft? (6) Warum kommt die Switch so gut an? Weil man nicht viel nachdenken muss, wenn man sich ein Spiel kauft - Modul eingelegt oder runtergeladen, und los geht's.

Mit Steam Deck hingegen bringt Valve all das, was man als Konsolen- und noch mehr als Handheldspieler vermeiden will, in einen Mikrokosmos, der für sie neu ist. Ja, die ganze Steam-Bibliothek soll problemlos laufen. Allerdings, schon jetzt gibt es erste Berichte, dass etwa der Kopierschutz bei manchen Titeln Probleme machen könnte, außerdem ist eine stärkere PS4 halt doch schon weit weg von dem, was moderne PCs und auch die Current-Gen-Konsolen leisten können.

Klar, das ist der Vorteil bei einem tragbaren PC, dann wird die Leistung halt runtergerechnet, man spielt halt auf niedrigen oder mittleren Einstellungen, und dank des kleineren Bildschirms sollte das trotzdem noch gut aussehen.
Plug & Play ist das aber nicht, und jeder PC-Spieler weiß, dass auch bei bester Hardware irgendeine Komponente einem auf einmal einen Strich durch die Rechnung machen kann.

Bei der Steam Deck werden die Spiele nämlich nicht extra optimiert, sie sollen, so die Ansage, einfach auch auf dem mobilen Gerät laufen. Bis dies das erste Mal nicht so sein wird, ist nicht einmal eine Frage der Zeit, entsprechende Berichte werden sich ab Tag 1 häufen.

Fragen über Fragen

Steam Deck vs. Nintendo Switch: Wackelt die Handheld-Vorherrschaft? (24) Quelle: CD Projekt Red Steam Deck vs. Nintendo Switch: Wackelt die Handheld-Vorherrschaft? (24) Bei der Switch hingegen, und Konsolen generell, ist das eben nicht so, da wird jedes Spiel für die Hardware optimiert. Ja, ich weiß, Cyberpunk 2077, aber machen wir doch bitte aus einer Ausnahme keinen Regelfall - zumal das Spiel ja läuft, nur halt sehr schlecht.

Ich bin tatsächlich sehr gespannt, ob Valve hier nicht mit falschen Erwartungen an eine Zielgruppe herangeht, die eventuell mit dem beeindruckenden Featureumfang der Steam Deck gar nix anzufangen weiß. Dass auch Valve sich verschätzen kann, hat man ja mit den gefloppten Steam Machines eindrucksvoll bewiesen.

Und sind PC-Spieler jetzt wirklich so scharf auf ein Gerät zum Mitnehmen, dass sie da vielleicht in Massen anbeißen? Braucht es all die PC-Funktionen? Ist dann nicht ein potenter Laptop die bessere Wahl? Klar, der Preis ist eine Ansage, aber das Nonplusultra-Gerät für alles, was anfällt, scheint mir die Steam Deck jetzt auch nicht zu werden.

Es bleibt offen

Steam Deck vs. Nintendo Switch: Wackelt die Handheld-Vorherrschaft? (18) Quelle: Nintendo Steam Deck vs. Nintendo Switch: Wackelt die Handheld-Vorherrschaft? (18) Damit will ich jetzt nicht sagen, dass sie kein Erfolg werden kann, und die Fragen, die ich stelle, sind nicht rhetorisch gemeint - ich trau mich das wirklich (noch) nicht abzuschätzen.

Aber ich denke, dass Nintendo Switch und Steam Deck nicht im direkten Konkurrenzkampf stehen werden, da ich nicht sehe, dass hier dieselbe Zielgruppe Interesse zeigt. Alleine deswegen schon, weil ich die Zielgruppe des Valve-Geräts eben noch nicht zuordnen kann.

Achtsam bleiben

Jedoch, das heißt eben nicht, dass Nintendo auf der faulen Haut liegen kann. An der Switch hat man gesehen, dass etwas, was vorher nicht Standard war, schnell solcher werden kann, Heimkonsolenerlebnisse für Unterwegs sind jetzt nichts Besonderes mehr. Und vielleicht kommen Mobilspieler ja auch auf den Geschmack der mit mehr Aufwand verbundenen Freiheit, welche die Steam Deck bieten wird.

Nintendo muss also aufmerksam beobachten, schauen, wie sich der Markt entwickelt und mit dem Gerät, welches irgendwann die Switch ablösen wird, entsprechend reagieren. Anders als bei der Wii U, wo die Zielgruppe nach dem Erfolg der Wii völlig falsch eingeschätzt wurde, hat man dann nämlich kein florierendes Handheld-Geschäft mehr, welches einem im schlimmsten Fall aus der Patsche helfen kann.


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