Jedi Survivor: Kolumne - Ist das auch was für Souls-Fans?

Kolumne Stefan Wilhelm
Jedi Survivor: Kolumne - Ist das auch was für Souls-Fans?
Quelle: Electronic Arts 

Star Wars Jedi: Survivor ist ein tolles Spiel - aber auch ein tolles Soulslike? Souls-Experte Stefan hat sich das Lichtschwert geschnappt und berichtet von seinen gemischten Erfahrungen.

In den Kämpfen mit vielen Standardgegnern fällt leider auch zunehmend auf, dass Jedi: Survivor im Detail nicht ganz so durchdesignt ist, wie die From-Software-Spiele. Dass hier jeder lumpige Stormtrooper eine halbwegs ernstzunehmende Bedrohung ist, passt zum Genre; dass wir ständig von außerhalb des kleinen Bildschirmausschnitts beschossen werden und die Angriffe der Feinde sich dauernd überlappen, ist aber eher frustrierend als fordernd. Zwischen all den Blasterschüssen, Granaten und unblockbaren Angriffen mal einen sicheren Treffer unterzukriegen, fühlt sich teilweise wie Glücksspiel an. So dynamisch wie ein Bloodborne-Jäger oder der Protagonist aus Sekiro ist Cal Kestis beim Kämpfen außerdem nicht unterwegs.

Im Vergleich zu seinem Vorgänger hat Respawn die Waffenauswahl aber ordentlich aufgebohrt. Jedi: Survivor bietet alle Konfigurationen, die man sich bei einem Lichtschwert vorstellen kann, später gibt's sogar noch eine Blaster-Schwert-Kombo. Trotzdem habe ich nicht das Gefühl, dass diese Optionen mir großartige neue Möglichkeiten eröffnen würden oder ich sie je nach Gegner anpassen müsste. Die Waffenklassen sind also eher Fanservice als tragendes Gameplay-Element.

Nicht falsch verstehen: Das ist alles immer noch Meckern auf ziemlich hohem Niveau, und gilt vor allem für den höchsten Schwierigkeitsgrad, den ich auch Souls-Experten nicht unbedingt empfehlen würde. Viel fordernder als die zweithöchste Stufe ist der nämlich nicht, außer, dass wir zwischendurch gerne mal willkürlich geoneshotted werden.

Die Waffen auch mal stecken lassen

Es wäre auch unpassend, Jedi: Survivor nur auf seine Kämpfe zu reduzieren. Die machen im Vergleich zu anderen Soulslikes vermutlich nicht mal ein Drittel der Spielzeit aus. Survivor ist zuallererst immer noch ein Star-Wars-Spiel. Es ist ein Blockbuster-Action-Adventure, das vor allem eine Geschichte erzählen, Atmosphäre aufbauen und abwechslungsreiches Gameplay bieten will. Und wie sich dem Test von Experte Matthias entnehmen lässt, macht es dabei einen richtig guten Job!

Cal und Merrin reiten durch die Wüste von Jedah. Quelle: PC Games Die anderen zwei Drittel bestehen dementsprechend aus überraschend vielen Platforming-Passagen und Story-getriebener Erkundung. Sieht man sich Letzteres durch die Soulslike-Schablone an, fällt positiv auf, wie viele Abkürzungen Respawn in den oft clever designten Levels untergebracht hat. Trotz des Checkpoint-Systems ist es also kaum nötig, lange Abschnitte beim Tod nochmal zu spielen. Wieder ein Pluspunkt für Einsteiger.

Die anderen Belohnungen fürs Erkunden richten sich aber deutlich an Star-Wars-Fans. Außer dem gelegentlichen Erfahrungspunkt gibt's nämlich nur kosmetische Items und Audiologs zu finden. Ja, wir dürfen unserer Figur diesmal eine andere Frisur verpassen, unseren Begleiter-Droiden umgestalten und unser Lichtschwert extrem detailliert zusammenbauen.

Aufs Gameplay wirkt sich all das aber überhaupt nicht aus, weswegen ich als Nicht-Fan sehr schnell die Lust am Erkunden verloren habe. Da hatte selbst Sekiro bessere Belohnungen auf Lager. Einen Vollbart in einer Schatztruhe zu finden, geht bei From Software allerdings nicht. Touché, Respawn!

Wohin führt uns das also? Nun, mich bringt es vor allem zu der Erkenntnis, dass auch Jedi: Survivor keinen Star-Wars-Fan aus mir gemacht hat, obwohl es sein Bestes gibt, einen Souls-Liebhaber wie mich auf der Gameplay-Ebene abzuholen. Aus meiner Perspektive bleibt das Spiel nämlich hinter seinen - zugegebenermaßen kaum zu toppenden - Vorbildern zurück.

Das heißt nicht, dass es mich nicht stellenweise gepackt und mir diesen schönen, vertrauten Souls-Adrenalinrausch beschert hätte. Diese Stellen waren aber selten und lagen weit auseinander. Jedoch hat Respawn in puncto Zugänglichkeit, Abwechslung und Blockbuster-Anstrich die Nase vorn, weswegen Genreeinsteiger hier definitiv zuschlagen können. Ein Spiel wie Jedi: Survivor kann eben auch Dinge tun, für die man From Software wahrscheinlich teeren und federn würde.

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