Star Wars: Episode 8 - Die letzten Jedi in der Filmkritik - besser als Episode 7?
Test
Star Wars: Die letzten Jedi startet am 14. Dezember 2017 offiziell in deutschen Kinos. Wir hatten bereits die Chance den neuen Star-Wars-Film im Rahmen einer Pressevorführung zu sehen. PC-Games-Redakteur Matthias Dammes beschreibt in dieser Spoiler-freien Review, ob sich die Macher von Lucasfilm nach Episode 7 steigern konnten.
Für Star-Wars-Fans ist die Weihnachtszeit nun seit bereits drei Jahren auch immer gleichbedeutend mit Star-Wars-Zeit. Nach Episode 7 und Rogue One kommt nun mit Star Wars: Die letzten Jedi bereits der dritte Film der neuen Disney-Ära in die Kinos. Der Hype um die wohl beliebteste Kino-Marke der Welt ist nach wie vor ungebrochen. Der Druck auf Lucasfilm und Disney ist dabei nicht gerade klein. Die häufigste Kritik an Das Erwachen der Macht war, dass sich der Film zu sehr auf den Mustern der alten Trilogie ausruhte und zu sehr auf Nummer sicher ging.
Dass der junge Regisseur Rian Johnson, der auch das Drehbuch schrieb, mit Episode 8 viel richtig gemacht zu haben scheint, wurde im Vorfeld bereits dadurch deutlich, dass ihm Disney die Entwicklung einer neuen Star-Wars-Trilogie anvertraute. Nachdem wir den Film nun selbst gesehen haben, können wir die Entscheidung durchaus nachvollziehen. Johnson erfindet das Rad zwar nicht neu, schafft es aber dennoch Star Wars einen gewissen frischen Wind einzuhauchen. Das macht es nicht ganz so einfach den Film einzuordnen. Zumindest fiel es und nach dem Abspann nicht leicht, das Gesehene einzuordnen.
Auf dieser Seite
So viel zu sehen
Quelle: Disney
Der Ausflug ins Casino dient zwar der Charakterentwicklung von Finn und Rose, hat für die eigentliche Handlung aber kaum Bedeutung.
Einer der Gründe dafür ist, dass Episode 8 ein inhaltliches Brett ist. Die Laufzeit ist mit knapp 2 ½ Stunden überdurchschnittlich lang, und in dieser Zeit passiert verdammt viel. Wir hätten den Film am liebsten direkt noch einmal gesehen, um all die Ereignisse richtig aufnehmen zu können. So mussten wir nach dem Ende zunächst erst einmal verarbeiten, was alles geschehen ist. Die Handlung wartet dabei mit zahlreichen hervorragend umgesetzten Wendungen auf. Als Zuschauer bleibt man so immer wieder gespannt, was als nächstes passiert.
Trotz der dichten Handlung passiert es dem Film jedoch auch, dass er wie so viele längere Streifen in der Mitte ein wenig durchhängt. Es ist vor allem der Ausflug von Finn und Rose zum Canto Bight Casino, der zwar wie die meisten Szenen klasse inszeniert ist und auch für die Charakterentwicklung der beiden Rebellen-Kämpfer eine gewisse Rolle spielt, aber für die eigentliche Story kaum Relevanz hat. Es wäre zu harsch zu sagen, dass sich Rian Johnson im Mittelteil etwas verzettelt habe, aber ein wenig straffer hätte es dort durchaus zugehen können.
Quelle: Disney
Luke Skywalker kämpft mit seinen Dämonen und zeigt so auch Charakterseiten, die wir von ihm bisher nicht kannten.
Die letzten Jedi
Im Grunde erzählt der Film zwei Handlungsstränge, die den Großteil der Laufzeit über parallel verlaufen, sich nur an bestimmten Punkten kreuzen und erst am Ende zusammenlaufen. Da ist zum einen Rey, die zunächst viel Zeit mit Luke Skywalker in seinem Exil verbringt. Dort versucht sie den Jedi-Meister nicht nur davon zu überzeugen dem Widerstand zu helfen - er soll ihr auch beim Verständnis ihrer neuen Kräfte behilflich sein. Dabei
Quelle: Disney
Der Widerstand ist auf der Flucht vor der militärischen Macht der Ersten Ordnung.
zeichnet der Film ein sehr ungewöhnliches Bild von Luke. Ein gebrochener Mann, der sich für sein Scheitern verantwortlich macht und mit der Welt abgeschlossen hat. Aber natürlich können die beiden, allen voran Rey, nicht gänzlich die Geschehnisse im Rest der Galaxie ignorieren.
Zwar hat die Erste Ordnung bei der Zerstörung von Starkiller-Base einen Rückschlag erlitten, durch die Auslöschung der kompletten Führung der neuen Republik schwindet aber auch die Unterstützung für den Widerstand. Das Rebellenbündnis von General Leia Organa ist auf der Flucht und versucht sich mit letzter Kraft gegen die militärische Stärke der Truppen des Obersten Anführers Snoke zu wehren.
Episode 8 geht dabei seinen eigenen Weg. Zum einen stilistisch, da der Regisseur auch viel auf ein gewisses Gefühl des Mystischen setzt und mit interessanten Interaktionen zwischen Charakteren arbeitet. Zum anderen bei der eigentlichen Handlung. Der Film ist deutlich bemühter dabei, seine eigene Geschichte zu erzählen. Allerdings schafft es auch Johnson nicht, sich völlig von der Vergangenheit zu lösen. In einigen Situationen wird durchaus noch stark aus der alten Trilogie zitiert. So ähnelt die ganze Situation mit Rey und Luke auf der einsamen Insel von Ahch-To sehr stark der Begegnung von Luke mit Yoda auf dem einsamen Dagobah.
Rose und der Admiral
In anderen Bereichen sind ebenfalls Gemeinsamkeiten zu erkennen, aber weit weniger ausgeprägt und längst nicht so aufdringlich wie noch in Episode 7. Nach dem doch sehr ernsten Rogue One hat diesmal wieder mehr Humor Einzug gehalten. Wie schon in der Original-Trilogie legt der Film eine gewisse Selbstironie an den Tag. Gut gefallen hat uns auch, dass der Film es schafft neben dem im Vorgänger etablierten Cast noch neue
Quelle: Disney
Vize-Admiral Amilyn Holden gehört zum Führungsstab des Widerstandes.
interessante Figuren einzuführen. Besonders Rose Tico, gespielt von Kelly Marie Tran, nimmt eine wichtige Rolle ein und passt sich perfekt in die Dynamik der bekannten Charaktere ein.
Einige Figuren werden aber wieder förmlich verschwendet. Das gilt nicht nur für Vize-Admiral Amilyn Holden, gespielt von Laura Dern, sondern erneut auch für Captain Phasma. Gefühlt hat die Anführerin der Sturmtruppen, gespielt von Game-of-Thrones-Star Gwendoline Christie, noch weniger Screentime als in Episode 7. Auch vom Auftritt des Obersten Anführers Snoke hatten wir uns ein wenig mehr erhofft. Allerdings wollen wir Spoiler vermeiden und gehen daher nicht näher darauf ein.
Klar ist auf jeden Fall, dass der Film noch viele Fragen unbeantwortet lässt. Zwar werden einige wichtige Details geklärt, über die Fans nun bereits seit Jahren spekulieren, aber wie für den Mittelteil einer Trilogie üblich, müssen auch noch Handlungsstränge für den letzten Teil übrig bleiben. Allerdings werden nicht alle diese Fragen im nächsten Teil eine Rolle spielen können, schlicht weil es keinen vernünftigen Grund gäbe diese wieder aufzuwerfen. Hier wurde ein wenig Potential verschwendet. Einen gewaltigen Cliffhanger braucht ihr übrigens nicht zu befürchten. Die Handlung von Episode 8 ist in sich sehr gut abgeschlossen.
Quelle: Disney
Captain Phasma ist erneut kaum mehr als schicke Dekoration.
Fazit
Auch wenn es Dinge zu kritisieren gibt, ist Star Wars: Die letzten Jedi definitiv einer der besseren Star-Wars-Filme. Wo genau man ihn innerhalb der Saga einordnet, ob über oder unter Das Imperium schlägt zurück oder Rogue One, dürfte stark vom persönlichen Geschmack abhängen. Die im Vorgänger etablierten neuen Charaktere wie Rey und Kylo Ren, aber auch Finn und Poe machen wichtige Entwicklungen durch und übernehmen endgültig das Ruder von der alten Riege. Das alles passiert in einer tollen Geschichte, die zwar hier und da noch von den alten Zeiten klaut, aber deutlich mehr Eigenständigkeit beweist.
Besonders in den Raumschlachten zeichnet der Film grandiose Bilder mit erstklassigen Effekten auf die Leinwand. Abseits davon setzt Rian Johnson die Arbeit mit vielen praktischen Effekten fort, die dem Film einen realistischeren Look verleihen. Über jeden Zweifel erhaben ist die Arbeit von John Williams, der wieder zu Höchstform aufläuft. Das liegt vor allem auch daran, dass er gefühlt wieder mehr alte Themen im Soundtrack verwendet und somit die Wiedererkennung steigert. Eine Steigerung gegenüber Episode 7 ist Die letzten Jedi ohne Zweifel. Ein klare Empfehlung für jeden Kinogänger - für Star-Wars-Fans sowieso.
