Alle liebten Star Wars: Dark Forces - nur ich nicht!
Special
Kein Lichtschwert, keine Macht und irgendwie auch kein Tabubruch: Wieso Dark Forces bei unserem Autor Olaf Bleich durchfiel - und wie er das Spiel heute sieht.
25 Jahre stand Star Wars: Dark Forces in Deutschland auf dem Index. Doch diese Zeiten sind vorbei! Der erste Ego-Shooter in George Lucas' Science-Fiction-Universum ist seit Anfang Oktober endlich wieder frei verfügbar. Das freut mich ... lässt mich aber auch zugleich sehr kalt. Denn mit Dark Forces verbinde ich eine obskure Hassliebe, deren Erinnerungen mich zurück in meine Jugend führen.
Das Spiel erschien 1995 und damit zu einer Zeit, als die Shooter-Revolution im vollen Gange war. Auch mich hatte damals das Action-Fieber gepackt: Nach dem 1993 veröffentlichten Doom musste ich einfach jeden Shooter haben und freute mich wie ein Schneekönig auf Dark Forces. Schließlich brachte dieses Spiel vermeintlich zwei meiner liebsten Hobbys zusammen: den Krieg der Sterne und Ego-Shooter!
Quelle: Moby Games
Dark Forces griff einige Monster und Kreaturen des Star-Wars-Universums auf – wie beispielsweise diesen Kell-Drachen. Allerdings solltet ihr diesem Biest besser nicht unbewaffnet gegenüberstehen ...
Unbefriedigender Tabubruch
Allerdings gab es ein kleines Problem: Dark Forces landete schneller auf dem Index als ich "Möge die Macht mit dir sein" aussprechen konnte. Und so dauerte es einige Monate, ehe das Spiel auf der Raubkopie-Tauschbörse - alias Schulhof - auftauchte. Als ich die erste Version schließlich in Händen hielt, erwartete ich nichts mehr als den absoluten Tabubruch. Wieso? Mein Freundeskreis steigerte sich damals in eine echte Dark-Force-Hysterie hinein: Star-Wars-Lizenz, Shooter-Genre und dann auch noch auf dem Index - das musste einfach besser werden als Doom! Als Jugendlicher lockte mich hier natürlich der Reiz des Verbotenen, und wenig verwunderlich erwuchs Dark Forces in meinem Kopf schnell zu einem Kultspiel - ohne, dass ich es jemals in Aktion gesehen hätte.
Wenn man den Bericht der damaligen BPjS (heute BPjM) studiert, dann könnte man meinen, der kleine Olaf hätte sogar Recht bekommen. Dazu muss man wissen, dass Dark Forces sogar zwei Mal auf dem Index landete: Die ungeschnittene, englische und von Virgin Interactive vertriebene Variante am 30. September 1995 und die von Softgold veröffentlichte, dezent angepasste deutsche Version am 20. Oktober 1995. Die Prüfer schwadronierten im Indizierungsbescheid des Originals von "an Perfidie kaum zu überbietenden Tötungsinstrumenten", von der "Vernichtung der Gegner sowie dem Gebrauch großkalibriger Waffen" und auch von der "hochgradig realistischen Wirkungsweise" der Kanonen. Die Anpassung der "deutschen" Version sah die BPjS dagegen als gescheitert an. Schließlich stellte man doch bereits beim ersten Indizierungsbescheid klar, dass nicht die Gewaltdarstellung selbst, sondern das Spielprinzip dahinter den aus heutiger Sicht fragwürdigen Entschluss rechtfertigte.
Quelle: Moby Games
Dark Forces beinhaltete insgesamt zehn Waffen, darunter Thermaldetonatoren, Sturmtruppen-Flinten oder eben dieses schwere Repetiergewehr.
So gesehen, hätte ich eigentlich mit Dark Forces mehr als glücklich werden können. Doch ich erhoffte mir tatsächlich so etwas wie ein "erwachsenes" Star Wars. Genau das bekam ich eben nicht: Dark Forces war der Krieg der Sterne in Reinkultur - inklusive Midi-Version des ikonischen Soundtracks und dem schnittigen Pew-Pew der Blaster.
Das ist nicht mein Star Wars!
Im Jahr 1995 stand "Star Wars" für mich für die ursprüngliche Filmtrilogie, also Eine neue Hoffnung, Das Imperium schlägt zurück und Die Rückkehr der Jedi-Ritter. Dass es Bücher gab, die diese Geschichte erweitern und neue Charaktere einführen, war mir bekannt. Jedoch hatte ich mich zu diesem Zeitpunkt nie mit dem Drumherum beschäftigt. Und so war es vor allem das Fehlen bekannter Bezugspersonen in der Geschichte, das mich am Eintauchen in Dark Forces hinderte. Kein Wunder, schließlich finden die dortigen Geschehnisse vor der besagten ersten Trilogie statt.
Trotz der Suche nach den Todessternplänen und dem Wiedersehen mit Darth Vader in den Zwischensequenzen hatte ich schwer mit einem Kyle Katarn als Spielfigur zu kämpfen. Ein imperialer Offizier, der zum Söldner und zum Unterstützer der Rebellion wurde? Das passte so gar nicht in mein Star-Wars-Weltbild!
Zudem fehlte mir die Verbindung zur Macht. Wo Star Wars draufsteht, gehörten für mich auch stets Lichtschwerter und Machtfähigkeiten dazu. All das gab es in Dark Forces ebenso wenig wie wirklich imposant präsentierte Zwischensequenzen. Hatte ich noch Jahre zuvor echte Aha-Momente mit einem Rebel Assault, musste ich mich in diesem Shooter plötzlich mit allerlei Texten und eher rudimentär animierten Zwischensequenzen begnügen. Schade!
Quelle: Moby Games
Immer wieder erhaltet ihr Nachrichten und Aufträge in Textversion. Benutzerführung und Navigation von Dark Forces sind aus heutiger Sicht mehr als gewöhnungsbedürftig.
Wo bin ich?
Eines muss ich an dieser Stelle sagen: Auch, wenn Dark Forces damals eine herbe Enttäuschung für mich war, so hatte ich am Shooter-Gameplay doch meine Freude. Denn natürlich machte es mir Spaß, Sturmtruppen über den Haufen zu ballern und mich durch Raumstationen und andere Gebiete durchzuschlagen. Die eigens für das Spiel entwickelte Jedi-Engine erlaubte deutlich dreidimensionalere Levels, in denen ich - im Gegensatz zu Doom etwa - sogar über Plattformen springen konnte. Das Spiel kombinierte die Erkundung der Areale und Rätselpassagen auf Basis von Schaltern oder Schlüsselkarten stärker miteinander als andere Shooter dieser Zeit.
Doch diese Freiheiten brachten Probleme mit sich: Innerhalb der Missionen sahen viele Bereiche sehr ähnlich aus. Das erschwerte die Orientierung. Wie sehr hasse ich bis heute die Flucht aus der Kanalisation! Stundenlang irrte ich durch dunkle Schächte und verlief mich selbst mit Hilfe der Karte unzählige Male. Die Texturproblematik zog sich sogar so weit durch, dass nicht immer vollkommen klar war, ob vor mir eine Tür oder nur eine weitere Wand war. Dark Forces war für meinen damaligen Spielegeschmack vielleicht ein wenig zu progressiv.
Meine Dosis Star Wars erhielt ich übrigens zwei Jahre nach Dark Forces, nämlich im direkten Nachfolger Star Wars: Jedi Knight. Ich liebte die Story hinter dem Spiel und vor allem den Weg eines Kyle Katarn, der die Macht entdeckt und durch meine Entscheidungen zur dunklen oder hellen Seite wechseln konnte. Jedi Knight war alles, was ich mir eigentlich schon von Dark Forces erhofft hatte - nur noch einen Tick besser!
Wie beurteilt ihr Dark Forces im Rückblick? Schreibt es uns in die Kommentare!
