Zurück an der Battlefront: Damals, als Star Wars noch cool war... (Kolumne)

Special Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Maria Beyer-Fistrich
Zurück an der Battlefront: Damals, als Star Wars noch cool war... (Kolumne)
Quelle: Electronic Arts

Die Liebe zu Star Wars, Vermarktungswahn und Machtfantasien: 15 Jahre nach dem Erscheinen von Star Wars: Battlefront blicken wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die Entwicklung der Star-Wars-Lizenz zurück.

Mit großer Macht kommt große Verantwortung. Okay, dieser Spruch stammt natürlich aus den Spider-Man-Comics von Marvel. Allerdings möchte ich ihn an dieser Stelle auch auf die Star-Wars-Lizenz ummünzen. Denn nicht überall, wo Luke Skywalker, Darth Vader und Co. draufstanden, waren auch qualitativ hochwertige Lizenzumsetzungen drin. Wie kaum eine andere Marke förderte Star Wars Hits, aber auch allerlei Gurkenspiele zutage. Aber mal ehrlich, das war ja bei den Filmadaptionen der jüngeren Vergangenheit nicht anders. Wie groß war 1999 der Hype auf Star Wars: Episode 1 - Die dunkle Bedrohung und wie grauenvoll war das Ergebnis? Doch das ist ein anderes Thema.

Star Wars begleitet mich gefühlt durch mein gesamtes Spielerleben und war gerade in jüngeren Jahren ein echter Kaufgrund für Video- und Computerspiele. So einflussreich das Grafik-Adventure Myst seinerzeit für den Erfolg der CD-ROM war, so baute ich 1993 doch eigens für Rebel Assault ein neues CD-Laufwerk in meinen damaligen Rechner ein. Das Ergebnis: Trotz Hakel-Steuerung und Pixel-Klumpen wuchs meine Begeisterung für George Lucas' Sternenkrieger.
Darth Vader war in Star Wars: Battlefront nicht spielbar. Er tauchte lediglich in ausgewählten Kampagnenmissionen auf oder wenn die Helden im Conquest-Modus aktiviert wurden. (1) Quelle: Moby Games  Darth Vader war in Star Wars: Battlefront nicht spielbar. Er tauchte lediglich in ausgewählten Kampagnenmissionen auf oder wenn die Helden im Conquest-Modus aktiviert wurden. (1)
Dieser Trend setzte sich mit Titeln wie X-Wing, Tie Fighter oder X-Wing vs. Tie Fighter fort und erreichte mit dem kürzlich auch für PS4 und Switch veröffentlichten Jedi Knight 2: Jedi Outcast (2002) einen vorläufigen Höhepunkt, der nur vom Erfolg des 2004 erschienenen Multiplayer-Shooter Star Wars: Battlefront übertroffen wurde. Auch wenn das Spiel damals von der Fachpresse nicht nur mit Höchstwertungen überschüttet wurde, so gehört es doch zu den All-Stars unter den Star-Wars-Games.

Erinnerungen an Star Wars: Battlefront

Star Wars: Battlefront erschien zu einem günstigen Zeitpunkt. Denn im Zuge des miesen Kinofilms Star Wars: Episode 1 - Die dunkle Bedrohung kamen ebenso durchwachsene Spiele-Adaptierungen auf den Markt. Während ich mir beispielsweise Stars Wars Episode 1: Racer von 1999 gerade noch gefallen ließ, waren Titel wie Jedi Power Battles (2000) oder Star Wars: Starfighter (2001) eher Durchschnittskost. Getreu dem Motto: "Gespielt und direkt wieder verkauft", suchte ich nach neuer Inspiration, die ich unter anderem durch das bereits erwähnte Jedi Knight 2 oder das fantastische Bioware-Rollenspiel Knights of the Old Republic fand.

Den nächsten großen Sprung in meinem Fan-Dasein schaffte ich aber erst wieder durch Star Wars: Battlefront. Der LucasArts-Shooter brachte das Beste aus zwei Welten zusammen - Battlefield und den Krieg der Sterne. Aus heutiger Sicht macht das Spiel zweifellos nicht mehr sonderlich viel her. Kein Wunder, drosselte Entwickler Pandemic aufgrund der Hardware-Limitationen sogar die Animationsstufen und Anzahl der Knochen in den Soldatenmodellen. Damals jedoch war es für mich weitaus mehr als "nur" ein solider Battlefield-Klon. Es war ein echtes Suchtspiel, das ich über Jahre immer und immer wieder hervorholte.
Aus heutiger Sicht nicht immer schön, dafür aber zweckmäßig: Dank bis zu 64 Teilnehmern am PC oder 32 Spielern an der Konsole war auf den Maps ordentlich was los. <br> &nbsp; Quelle: Moby Games  Aus heutiger Sicht nicht immer schön, dafür aber zweckmäßig: Dank bis zu 64 Teilnehmern am PC oder 32 Spielern an der Konsole war auf den Maps ordentlich was los.
 
Schuld daran ist zum einen der enorme Wiedererkennungswert, woran die Originalszenen der Filmklassiker in den Kampagnen einen großen Anteil haben. Wenn ich dann noch mit dem Snowspeeder über das Schlachtfeld auf dem Eisplaneten Hoth bretterte oder mit einem AT-ST in den Wäldern Endors für Angst und Schrecken sorgte, dann hüpfte mein Herz jedes Mal ein Stück höher. Die über 20 in der ursprünglichen Version veröffentlichten Vehikel taten ihr Übriges, dass ich mich in Star Wars: Battlefront sofort wie zu Hause fühlte. Sie sorgten aber auch als Gegner für enorm befriedigende Momente: Das Fällen eines der besagten AT-ST ist bis heute ein Garant für Jubelstürme. Star Wars: Battlefront brachte mit seinem vergleichsweise unverbrauchten Multiplayer-Konzept frischen Wind ins Genre und motivierte mich zum Online-Spiel.

Hier war ich nicht der eine Jedi, der mit Hilfe der Macht die Geschicke des Universums lenken sollte. Ich war lediglich ein Fußsoldat mit Blaster und Bazooka. Mal auf Seite des Imperiums, mal auf der der Rebellen oder der Klone. Natürlich bot Battlefront mit dem Conquest-Modus nicht gerade eine Vielfalt an Multiplayer-Spielarten, doch gerade diese Einfachheit machte den Reiz aus. Ich sorgte mich nicht um Stufenaufstiege oder andere moderne Motivationshilfen. Ich war einfach nur Teil dieser gewaltigen Schlachten und erlebte immer wieder packende, witzige und spannende Momente in einer Welt, die ich seit Kindertagen liebte.
Kein Star-Wars-Spiel ohne den dazu passenden Kult-Vorspann! Battlefront benötigte die bekannte Lizenz, um sich von der Online-Shooter-Konkurrenz abzusetzen.&nbsp; Quelle: Moby Games  Kein Star-Wars-Spiel ohne den dazu passenden Kult-Vorspann! Battlefront benötigte die bekannte Lizenz, um sich von der Online-Shooter-Konkurrenz abzusetzen. 

Enttäuschungen und eine letzte Hoffnung

Genau diese Emotionen spielen beim Thema Star Wars stets eine übergeordnete Rolle. Viele Fans verbinden damit ihre Kindheit und etwas Besonderes, dass man früher mit Freunden und Familie teilte. So war Star Wars - egal, ob als Game, Lego-Bausatz oder sonstiges Merchandise-Produkt - immer ein großes Thema. Doch das massive Ausschlachten dieser Lizenz schadete auch dem Image. Durch die verstärkte Vermarktung durch Disney und die dadurch entstehende Übersättigung an der Lizenz verlor sie auch einen Teil ihrer Magie. Wenn dann noch Auswüchse wie Star Wars: Battlefront 2 von 2017 auf den Markt kommen, die gerade zu Beginn mehr wie ein digitaler Marktplatz für Mikrotransaktionen wirken denn wie ein motivierendes, auf Kundenfreundlichkeit getrimmtes Videospiel, stirbt jedes Mal ein bisschen was in mir. Kein Wunder, dass ich mit so viel Nostalgie auf das originale Star Wars: Battlefront (nicht mit der Neuauflage von 2015 zu verwechseln!) zurückblicke. Dessen Einfach- und Unbeschwertheit geht aktuellen Videospielen leider viel zu oft ab.

Gibt es überhaupt noch Hoffnung für die Marke Star Wars? Ein wenig! Dass Disney damit weiter Milliarden scheffeln und als einer der Kaufgründe für den Streaming-Service und Netflix-Konkurrenten Disney+ nutzt, ist absolut nachvollziehbar. Doch für Videospiele - und das betrifft nicht nur Star-Wars-Adaptionen - wünsche ich mir eine Abkehr von aktuellen Marketing-Mechanismen. Spiele dürfen nicht nur "Service" sein und sollten trotz großer Marken in erster Linie den Konsumenten unterhalten. Genau das machte Star Wars: Battlefront so spielbar und unkompliziert: Es war ehrlich und ins Gesicht. Und deshalb könnte auch das am 15. November 2019 erscheinende Star Wars Jedi: Fallen Order wieder ein Zeichen der Hoffnung sein - fernab von Mikrotransaktionen und Lootboxen. Schließlich gibt es auch immer eine helle und eine dunkle Seite der Macht. Man muss sich nur für eine entscheiden!

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