Star Wars: Battlefront 2 im Test - Fortschrittssystem, Skins, Fazit und Wertung

Test Matthias Dammes
Star Wars: Battlefront 2 im Test - Fortschrittssystem, Skins, Fazit und Wertung
Quelle: PC Games

Nach sechs Monaten langen warten wurde endlich das Progressionssystem und die Mikrotransaktionen von Star Wars: Battlefront 2 überarbeitet. Zeit sich noch einmal dem Spiel zu widmen und eine finale Wertung zu vergeben.

Es lässt sich nicht bestreiten, dass Star Wars: Battlefront 2 einen wegweisenden Einfluss auf die Spieleindustrie hatte. Allerdings nicht in der Weise, wie man sich das bei den Entwicklern von DICE und Publisher Electronic Arts vorgestellt hat. Kurz vor Release des Shooters schaukelte sich der Unmut unter Spielern über zweifelhafte Monetarisierungskonzepte wie Lootboxen derartig hoch, dass sogar Regierungen weltweit auf die Problematik aufmerksam wurden und begonnen haben diese Praktiken genauer unter die Lupe zu nehmen.

Das ausgerechnet Battlefront 2 im Fokus der Kritik stand, obwohl es beileibe nicht der erste Titel mit entsprechenden Mikrotransaktionen war, hatte sicherlich mehrere Gründe. Zum einen dürfte Star Wars als eine der beliebtesten Marken der Welt für die nötige Aufmerksamkeit gesorgt haben. Zum anderen hat vermutlich auch der ohnehin schon schlechte Ruf von Electronic Arts die Aufregung verstärkt. Wirklich ausschlaggebend war aber sicherlich auch die Art und Weise, wie Lootboxen in Battlefront 2 ins Spiel integriert waren.

Ausgangssituation

Es handelte sich dabei nicht um einen Weg an Bonus-Gegenstände wie zusätzliche Outfits oder Emotes zu gelangen. Stattdessen waren die Zufallskisten ein integraler Bestandteil des Progressionssystems des Spiels. Wer seine Soldaten, Helden und Raumschiffe mit Hilfe sogenannter Starcards verbessern wollte, musste sich für Echtgeld oder Ingame-Credits entsprechende Lootboxen kaufen und darauf hoffen, dass die gewünschten Karten enthalten sind. Was bei einem Zufallsprinzip häufig genug natürlich nicht der Fall ist.

Da Ingame-Credits mühsam erspielt werden müssen, konnten sich Spieler mit großer Brieftasche also einen Vorteil erkaufen. Der Vorwurf eines Pay2Win-Systems war entsprechend immer wieder Teil der heftigen Reaktionen gegen das Spiel. Das führte dazu, dass Electronic Arts noch wenige Stunden vor dem Release des Spiels die Notbremse zog und die Möglichkeit der Echtgeldkäufe deaktivierte. Im gleichen Atemzug versprachen die Entwickler eine völlige Überarbeitung des Fortschrittssystems.

Lootboxen gibt es nur noch in Form von täglichen Kisten und Belohnungen für bestimmte Meilensteine und zeitlich begrenzte Events. Quelle: PC Games Lootboxen gibt es nur noch in Form von täglichen Kisten und Belohnungen für bestimmte Meilensteine und zeitlich begrenzte Events. Damit stellten die Macher selbst einen großen Teil ihres Spiels in Frage und versetzten den Titel in einen unfertigen Schwebezustand. Diese außergewöhnliche Situation hat auch uns einige Kopfschmerzen bereitet. Wie sollten wir mit dem Spiel nun umgehen? Unsere Entscheidung, bis zu den angekündigten Nachbesserungen auf eine Wertung zu verzichten und nur eine Kaufwarnung auszusprechen, hat sowohl Zustimmung als auch nachvollziehbare Ablehnung hervorgerufen. Für uns fühlte es sich damals jedoch als der richtige Schritt an.

Mit zwei großen Updates im März und April haben die Entwickler von DICE nun endlich die versprochenen Überarbeitungen durchgeführt. Entsprechend werfen wir noch einmal einen ausführlichen Blick auf das Spiel. Da wir uns mit der Kampagne, dem Gameplay und den verschiedenen Mehrspieler-Modi in unserem Test im November bereits ausführlich beschäftigt haben, konzentrieren wir uns jetzt vor allem auf das neue Progressions-System und die Individualisierungsmöglichkeiten. Im Gefecht verdienen eure Truppler ganz klassisch Erfahrungspunkte und steigen damit im Level auf. Dadurch verdient ihr euch Skillpunkte und Zugang zu weiteren Starcards. Quelle: PC Games Im Gefecht verdienen eure Truppler ganz klassisch Erfahrungspunkte und steigen damit im Level auf. Dadurch verdient ihr euch Skillpunkte und Zugang zu weiteren Starcards.

Stufenaufstieg

Der Fortschritt läuft jetzt linear ab, wie man es von vielen vergleichbaren Mehrspieler-Shootern kennt. Für Aktionen während der Gefechte erhaltet ihr Erfahrungspunkte für die Klasse, den Helden oder das Fahrzeug, das ihr gerade kontrolliert. So werden alle Charaktere einzeln aufgelevelt. Mit jedem Stufenaufstieg erhaltet ihr einen Skillpunkt für die betreffende Klasse. Diesen setzt ihr ein, um neue Starcards freizuschalten oder vorhandene aufzuwerten. Welche Karten zugänglich sind und wie hoch sie sich aufwerten lassen wird dabei von der Stufe des jeweiligen Charakters bestimmt.

Skillpunkte setzt ihr ein, um neue Starcards freizuschalten, oder vorhandene in bis zu vier Stufen zu verbessern. Quelle: PC Games Skillpunkte setzt ihr ein, um neue Starcards freizuschalten, oder vorhandene in bis zu vier Stufen zu verbessern. Fortschritte in der Entwicklung eurer Einheiten lassen sich damit also nur noch durch aktives Spielen erreichen und nicht mehr durch den Einsatz von Geld. Die bis zum Zeitpunkt der Umstellung bereits frei geschalteten Starcards bleiben euch übrigens erhalten, auch wenn die Klasse möglicherweise noch gar nicht das erforderliche Level erreicht hat. Löblich. Das Herstellen von Starcards wurde komplett gestrichen, da es im neuen System nicht mehr benötigt wird. Wer noch Crafting-Parts übrig hat, kann diese unkompliziert in Skillpunkte umwandeln.

Mit dem neuen linearen Fortschrittssystem wäre es allerdings auch unerlässlich, dass es ein Matchmaking gibt, das die unterschiedlichen Stärken von Spielern berücksichtigt. Entgegen der Versprechungen der Entwickler noch vor Release, scheint das jedoch nicht wirklich der Fall zu sein. Spieler mit niedrig stufigen Charakteren werden wild mit Spielern zusammengeworfen, die auf Maximalstufe mit komplett epischer Ausrüstung sind. Das Matchmaking schmeißt Spieler unterschiedlichster Erfahrungsstufen und Ausrüstungsqualität zusammen. Quelle: PC Games Das Matchmaking schmeißt Spieler unterschiedlichster Erfahrungsstufen und Ausrüstungsqualität zusammen.

Kleider machen Leute

Gänzlich auf Mikrotransaktionen wollte EA in Battlefront 2 aber nicht verzichten. Dazu wurden zahlreiche neue Aussehen für Helden und Soldatenklassen eingeführt. Diese lassen sich entweder für Ingame-Credits oder die Premium-Währung Kristalle kaufen. Dabei unterscheidet das Spiel die Anpassungen in drei verschiedenen Seltenheitsgraden. Gewöhnliche Aussehen kosten 5.000 Credits oder 150 Kristalle, seltene Aussehen kosten 20.000 Credits oder 500 Kristalle und Epische Aussehen kosten 40.000 Credits oder 1.000 Kristalle.

Mit 40.000 Credits oder 1.000 Kristallen ist das neue Rey-Outfit aus dem Kinofilm The Last Jedi nicht gerade günstig. Quelle: PC Games Mit 40.000 Credits oder 1.000 Kristallen ist das neue Rey-Outfit aus dem Kinofilm The Last Jedi nicht gerade günstig. Auch wenn das grundlegende Konzept von Star Wars: Battlefront 2 damit in die richtige Richtung geht, übertreiben es die Macher wieder bei den Preisen der neuen Individualisierungen. Die 1.000 Kristalle eines epischen Aussehens entsprechen dem Gegenwert von zehn Euro und um 40.000 Credits zu sammeln, benötigt man rund 20 Stunden Spielzeit im Galaktischer-Angriff-Modus. Das alles für einen einzigen Skin. Besonders ärgerlich ist, dass die Freischaltung neuer Rassen, immer nur für eine Klasse gilt. Wer sich also den Nikto-Widerstands-Kämpfer für die Angreifer-Klasse kauft, hat diese nicht automatisch auch bei den andren Klassen zur Auswahl.

Alle derzeit im Spiel enthaltenen Skins freizuschalten würde daher entweder den Einsatz von über 200 Euro oder mehr als 300 Stunden farmen von Credits bedeuten. Immerhin kann der Spieler jetzt gezielt auf das Item der Wahl hinarbeiten und nur dafür Geld ausgeben, was er auch wirklich haben will. Zufallsbasierte Lootboxen sind fast vollständig aus dem Spiel verschwunden. Lediglich als tägliche Belohnung, beim Erreichen bestimmter Meilensteine sowie bei zeitlich begrenzten Events gibt es noch Belohnungstruhen. Darin befinden sich in der Regel aber lediglich Credits, Emotes und Siegesposen.

Qualitativ schwankend

Qualitativ überzeugen die neuen Anpassungen nur bedingt. Während einige Helden-Skins wie Reys Ahch-To-Outfit und die Endor-Version von Han Solo durchaus spannende Alternativen darstellen, haben sich die Entwickler bei vielen anderen Skins weniger Mühe gegeben. Das neue Aussehen von Yoda unterscheidet sich vom alten zum Beispiel nur dadurch, dass er die Kapuze seiner Robe über den Kopf gezogen hat. Bei den verschiedenen Soldaten gibt es nur Variationen des Gesichts, ohne alternativen bei der Rüstung.

Außerdem bleibt die Bindung der Klassen an ein bestimmtes Geschlecht bestehen. Spezialisten der Rebellen sind also egal mit welchem Skin immer weibliche Charaktere und Angreifer immer männlich. Hier wäre viel mehr möglich gewesen, dem Spieler wirkliche Individualisierungsoptionen zu bieten. Das hat schon der Vorgänger deutlich besser gemacht. Im Kern bleibt Battlefront 2 aber ein sehr spaßiger Mehrspieler-Shooter, der vor allem von seiner Star-Wars-Atmosphäre lebt. Welches Spielspaß Potential noch im Spiel steckt, beweist derzeit der zeitlich begrenzte Ewok-Jagd-Modus, in dem sich auf einer stockfinsteren Endor-Karte Sturmtruppen eine Nacht gegen die einheimischen Pelzknäule überleben müssen.

Fazit und Wertung

Meinung

Wertung zu Star Wars Battlefront 2 (2017) (PC)

Wertung:

7.7 /10

Wertung zu Star Wars Battlefront 2 (2017) (PS4)

Wertung:

7.7 /10

Wertung zu Star Wars Battlefront 2 (2017) (XBO)

Wertung:

7.7 /10
Pro & Contra
Einzelspieler-Kampagne ...Astreine Star-Wars-StimmungEine grafische AugenweideGelungene und eingängige SteuerungTechnisch einwandfreiBerühmte Star-Wars-CharaktereAbwechslungsreiche, schön gestaltete KartenWeniger, aber verbesserte Spielmodiüberarbeitetes, lineares Fortschrittssystem
... die aber viel zu kurz und enttäuschend ist.Klischeehafte StoryPreise für Skins übertrieben hochMatchmaking unterscheidet nicht zwischen starken und schwachen SpielernKeine privaten Matches möglichZufällige Squadzulosung bei Respawn (kein Gruppenspiel mit Freunden)Auf Konsolen teils lange Ladezeiten

Bildergalerie

  1. Seite 1 Star Wars: Battlefront 2 im Test - Kampagne, Multiplayer
  2. Seite 2 Star Wars: Battlefront 2 im Test - Fortschrittssystem, Skins, Fazit und Wertung
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk