Mit einem Lastwagen gemütlich durch den Weltraum fliegen - kann das Spaß machen? Und wie! Unser Test zur Weltraumsimulation Star Trucker.
Tücken der Schwerkraft
Auf den ersten Blick eher belustigend ist der Ausfall der Gravitationssysteme: Dann schwebt euer gesamtes Hab und Gut, das ihr in eurem Truck gelagert habt, schwerelos durch die Fahrerkabine. Dazu gehören zum Beispiel die besagten Energiezellen, Benzinkanister oder kleine Warenkisten, die ihr zuvor noch ordentlich in eurem kleinen Regal verstaut hattet.
Erst bei genauerem Hinsehen bemerkt ihr zwei sehr unangenehme Probleme: Zum einen können die Gegenstände eure Sicht nach draußen oder auf einen der beiden Bildschirme verdecken, die ihr eigentlich zum Andocken benötigt oder die euch einen Überblick über sämtliche Energiezellenstände geben. Zum anderen benötigen die meisten Systeme sogenannte URK-Schnittstellen, die optisch ein wenig an Grafikkarten erinnern. Auch diese nutzen sich mit der Zeit ab und müssen daher in regelmäßigen Abständen ausgetauscht werden.
Quelle: PC Games
Deshalb sollte man immer genügend Ersatzteile dabei haben und gleichzeitig höllisch auf diese Schnittstellen aufpassen, denn sie sind zudem stoßempfindlich. Das heißt, sie geben schnell den Geist auf, wenn sie wegen der fehlenden Schwerkraft wie Billardkugeln von einer Wand zur anderen fliegen. Zumindest kann man sich ein paar Kisten besorgen, die von innen gut gepolstert sind und die darin gelagerten URK-Schnittstellen bestmöglich vor Stoßschäden schützen.
Überhaupt ist Star Trucker ein Spiel, bei dem euch sicherlich viele Anfängerfehler unterlaufen, aus denen ihr sofort lernen werdet. So dürft ihr zum Beispiel eine URK-Schnittstelle nur dann aus einem Sockel entfernen, wenn ihr zuvor das entsprechende System am Sicherungskasten deaktiviert habt. Sonst kommt es zu einem Kurzschluss und andere Systeme werden versehentlich durchgeschmort.
Gefahren im Weltall
Aufgrund des Settings bewegt ihr euch logischerweise nicht über staubige Asphaltstraßen. Stattdessen gibt es abgesteckte Wegstrecken, die ihr leicht an ihren Begrenzungen erkennt.
Solange ihr euch darin bewegt, seid ihr vor ungewollten Zusammenstößen einigermaßen sicher - vorausgesetzt, ihr kommt nicht zu weit nach links ab und kollidiert mit dem Gegenverkehr.
Die meisten Wege verlaufen aber in einem großen Bogen und kosten entsprechend Zeit. Da ihr euch aber im Weltraum befindet, könntet ihr natürlich an fast jeder Stelle vom vorgegebenen Kurs abweichen und direkt zu eurem gewünschten Ziel fliegen. Dafür müsst ihr aber auch mit frei im Raum schwebenden Schrottteilen oder kleinen Asteroiden rechnen und solltet deshalb immer die Warnsignallampe für in der Nähe befindliche Trümmerteile im Auge behalten.
Gerade in der Anfangsphase von Star Trucker sind ungewollte Kollisionen an der Tagesordnung, die zwangsläufig weitere Zeit und Ressourcen verschlingen. Anders ausgedrückt: Wer mit seinem Truck nicht gerade fehlerfrei durchs All düst, kommt um Reparaturen an der Außenhülle und den Austausch von Energiezellen kaum herum.
Quelle: PC Games
Der daraus resultierende Stress wird durch weitere Gemeinheiten verstärkt, mit denen ihr euch in später zugänglichen Gebieten und Systemen herumschlagen müsst. Dazu gehören zum Beispiel verheerende Sonnenstürme, die die Umgebungstemperatur auf über 1000 Grad Celsius ansteigen lassen.
Ebenfalls lästig: In unregelmäßigen Abständen muss man sich einem Wiegetest unterziehen, bei dem das aktuelle Gewicht des LKW inklusive Fracht gemessen wird. Ist dieses zu hoch, droht eine saftige Geldstrafe.
Weil ihr obendrein euren Truck regelmäßig aufrüsten solltet und dies ebenfalls alles andere als billig ist, fühlt man sich schnell wie in einem Fass ohne Boden. Und spätestens, wenn man finanziell ins Minus gerät und einen Kredit aufnehmen muss, glaubt man, nie wieder auf einen grünen Zweig zu kommen.
Der Mühe Lohn
Deshalb braucht man als Spieler von Star Trucker vor allem eines: Geduld ... viel Geduld! Wer sich jedoch von all den beschriebenen Sorgen nicht abschrecken lässt und im All am Ball bleibt, wird spätestens beim Freischalten weiterer Zonen belohnt. Die einzelnen Systeme entpuppen sich nämlich als grafisch erfreulich abwechslungsreich und stellen teilweise eine wahre Augenweide dar. Allein die zweite Zone strotzt nur so vor Highlights, darunter das grelle Gelb der Sonnenstürme von Heaven's Rest, der glutrot gesprengte Mond in Shatterstone oder der wie eine epische Eklipse aussehende Planet von Darkside.
Ungewöhnlich aufwendig ist auch die Soundkulisse: Während die Effekte eine coole Mischung aus Truck- und Weltraumsounds bieten, dröhnen hin und wieder echte Country-Songs aus den Lautsprechern. Diese wurden eigens für das Spiel komponiert und getextet, was angesichts der professionell klingenden Produktionsqualität wirklich bemerkenswert ist.
Fazit
Star Trucker ist nischig, aber richtig gut: Je länger man sich mit dem gemütlichen Flug durchs All beschäftigt und je besser man das Management der Energiezellen im Griff hat, desto mehr genießt man die abwechslungsreich gestalteten Systeme, die stimmige Country-Musik und das chillige Spielprinzip.
