Star Trek 5 The Final Frontier: William Shatners Pechsträhne am Rande des Universums
Special
Teil 6 der Star-Trek-Retrospektive von Sebastian Göttling begibt sich in Flop-Gefilde: Blickt gemeinsam mit ihm zurück auf Star Trek 5: The Final Frontier!
Das schwache Einspielergebnis führte dazu, dass "Star Trek 5: The Final Frontier" in vielen Ländern gar nicht erst im Kino anlief, sondern von Paramount von vorneherein auf die Direct-to-Video-Schiene gesetzt wurde. Auch ein Jump & Run für das Nintendo Entertainment System wurde kurz vor Ende seiner Entwicklung in den Giftschrank gelegt, denn Publisher Bandai sah keine Möglichkeit, diesen veritablen Kinoflop zu einem Spielehit zu drehen. Mittlerweile hat es die unfertige ROM ins Internet geschafft und auf Youtube kann man sich einige Let's Plays dazu anschauen, nur um festzustellen, dass Bandai hier eine sehr typische Spätachtziger-Videospielumsetzung geplant hatte - will sagen: schnell zusammengeschustert und durchwachsen.
In Deutschland schaffte es "Star Trek 5: The Final Frontier" im November 1989 in die Kinos unter dem äußerst seltsamen Titel "Star Trek 5: Am Rande des Universums". Seltsam deswegen, weil es für unsere Helden in die Mitte unserer Galaxie geht - und deren Standpunkt im Universum, ganz egal an welchem Ort der Milchstraße man sich aufhält, ist sicherlich nicht am Rand. Davon abgesehen lief der fünfte Star-Trek-Kinofilm in Deutschland genauso wie seine vier Vorgänger: unter ferner liefen.
Bis dank SAT.1 im Jahr 1994 hierzulande das große Star-Trek-Fieber ausbrechen sollte, würde sich diese Situation durch die ZDF-Ausstrahlung von "Star Trek: The Next Generation" ab Herbst 1990 nur unwesentlich verbessern.
Quelle: Bandai Namco
Nach dem Flop des Films an den Kinokassen wanderte Bandais NES-Umsetzung in den Giftschrank.
Zurück auf die niederländische Insel. Da saß ich nun also an Tag acht oder neun der Klassenfahrt nach Ameland, hatte von Thorsten die fantastische Nacherzählung vom "Zorn des Khan" aufgesogen und blätterte weiterhin lustlos in meinem Buch zum fünften Kinofilm
Aus der Erinnerung kann ich gar nicht mehr sagen, ob ich das Buch zu Ende gelesen habe. Wenn ja, dann auf jeden Fall nicht mehr auf der Insel, sondern nach der Heimkehr zurück in Deutschland. 2:0 für Thorsten.
Die Free-TV-Premiere von "Star Trek 5: Am Rande des Universums" in Deutschland war dann wiederum auf SAT.1 am 25. Juni 1993, ganze anderthalb Jahre nach der Erstausstrahlung des vierten Kinofilms an Weihnachten 1991. An dieser Stelle kommt meine legendäre Ungeduld ins Spiel, denn schon Anfang 1992 war überhaupt nicht absehbar, ob und wenn ja wann der fünfte Film im deutschen Fernsehen laufen würde.
Doch es war Star Trek, ich war begeisterter Neu-Fan und hatte bereits die ersten vier Filme in der Flimmerkiste und den sechsten Film auf der großen Kinoleinwand gesehen.
Da konnte es nicht angehen, dass an fünfter Position eine große Lücke klaffte. Und so nahm ich von meinem mühsam angesparten Taschengeld 29,95 DM, marschierte los in die Innenstadt, in der der Versandhandel Quelle damals noch ein Elektrofachgeschäft unterhielt, in dem es auch vereinzelte Videokassetten zu kaufen gab.
Ja: "Star Trek 5: Am Rande des Universums" von CIC-Video war meine allererste von vielen, vielen Star-Trek-Kaufkassetten. Und auch, wenn ich dem Film heutzutage nicht viel abgewinnen kann: An diese VHS-Kassette und an mein erstes Anschauen, das kindlich-naiv und frisch-fanhaft-verklärt vonstattenging, habe ich nur die wärmsten Lagerfeuer-Erinnerungen. Immerhin.
Sebastian Göttling, Jahrgang 1978, ist Ko-Moderator von Deutschlands beliebtestem Star-Trek-Podcast "Trek am Dienstag". Er forscht beharrlich auf den Retro-Gebieten Film und Fernsehen im Allgemeinen, Star Trek im Besonderen, Kultur- und Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts zwischen Space-Race und Mauerfall, Medienentwicklung, Kunst und Kommerz.
