Star Trek 5 The Final Frontier: William Shatners Pechsträhne am Rande des Universums

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Star Trek 5 The Final Frontier: William Shatners Pechsträhne am Rande des Universums
Quelle: Paramount Pictures

Teil 6 der Star-Trek-Retrospektive von Sebastian Göttling begibt sich in Flop-Gefilde: Blickt gemeinsam mit ihm zurück auf Star Trek 5: The Final Frontier!

Den Kinostart hatte "Star Trek 5: The Final Frontier" im Juni 1989 und traf auf ein Star-Trek-Fandom, das zu einem gewissen Prozentsatz verschnupft war, denn die Fans wollten sich noch nicht so recht mit der Serie "Star Trek: The Next Generation" anfreunden, die zu dem Zeitpunkt auf das Ende ihrer zweiten Staffel zusteuerte. Gegen Ende der dritten Staffel wäre man Star Trek sicherlich wohlwollender gesonnen gewesen, denn da entwickelte die Serie urplötzlich eine eigene Identität und brachte viele tolle Folgen hervor (auch wenn ich selbst eine Schwäche habe für die ersten beiden Staffeln der Next Generation - was ich vom fünften Kinofilm leider nicht behaupten kann). Eine Anti-Stimmung gegen Star Trek lag in der Luft, und Shatners Film wurde von einigen Fans in Sippenhaft genommen.

Produzent Ralph Winter sah später einen weiteren Fehler in der eigenen Hybris: "Der vierte Film war phänomenal gelaufen, wir waren daraufhin sehr von uns selbst überzeugt. Beim fünften Film glaubten wir, wir hätten eine gute Geschichte, doch statt ernsthaft daran zu arbeiten, haben wir lieber unsere eigenen Pressemeldungen geraucht." Auch hier beteuerte Winter erneut: "Verdammt, ich hätte fast das Franchise gekillt." Damit nahm er zweifelsohne einen viel zu großen Teil der Schuld auf sich, wie die oben aufgezählten, viel zu zahlreichen unglücklichen Umstände belegen.

An den Kinokassen legte der Film leider einen veritablen Bauchklatscher hin, wie zu erwarten war. Gerade einmal 63 Millionen Dollar spielte er ein, das war weniger als die Hälfte des Vorgängerfilms.

Er wurde damit der erste Star-Trek-Film, der es nicht unter die Jahres-Top-Ten in den USA schaffte - bei Weitem nicht. Zur Verteidigung des Films kann man jedoch sagen, dass er in einem unfassbar starken Kinosommer anlief.

Denn in den Wochen rund um seine Veröffentlichung starteten der Oberkracher des Jahres, "Batman" mit Michael Keaton und Jack Nicholson, mit "Indiana Jones und der letzte Kreuzzug" ein weiterer Knaller und mit "Ghostbusters 2" ein Film, der zwar ebenfalls nicht die Kritiker überzeugte, aber dennoch ein wirklich gutes Einspielergebnis hatte.

Denn ja, die Kritiken für "Star Trek 5: The Final Frontier" waren durch die Bank enttäuschend, vernichtend sogar, positive Stimmen waren nur vereinzelt zu hören. Stellvertretend für all den Gegenwind waren die Nominierungen für gleich vier Goldene Himbeeren, von denen der Film drei "gewann": Schlechtester Film, schlechteste Regie, schlechtester Schauspieler.

Die beiden letzten Kategorien gingen unmittelbar an Shatner, da konnte er einem wirklich leidtun. Es ist ein Zeichen seiner großen Souveränität, dass er noch zwei weitere Star-Trek-Filme als Hauptdarsteller drehte, den Produzenten-Chefsessel des nächsten Streifens aber wieder ohne Murren an seinen Kollegen Leonard Nimoy abtrat.

Laurence Luckinbill als einer der vergessbareren Star-Trek-Antagonisten Quelle: Paramount Pictures Laurence Luckinbill als einer der vergessbareren Star-Trek-Antagonisten Bis heute redet Shatner bestenfalls etwas enttäuscht über den fünften Kinofilm, doch es ist keinerlei Wut oder Vorwurf herauszuhören. Ein echter Profi eben.

Dabei mögen viele Fans bis heute den freundschaftlichen Ton, den der Film vor allem in den Lagerfeuerszenen des Triumvirats anschlägt. Wie kein anderer der ersten sechs Kinofilme wirkt "Star Trek 5: The Final Frontier" in diesen Momenten wie eine typische Episode der Urserie, fängt das liebevoll-neckende Wortgeplänkel der drei besten Freunde warmherzig ein.

Überhaupt gehört meine liebste Szene des Films dem McCoy-Darsteller DeForest Kelley: Als Sybok McCoy an seinen ganz persönlichen, tiefsten Schmerz heranführt, sehen wir ihn am Bett seines sterbenden Vaters.

McCoy entscheidet sich pro Sterbehilfe, nur um sein Herz dadurch gebrochen zu bekommen, dass wenige Zeit später ein Heilmittel gefunden wird. DeForest Kelley spielte zart, verletzlich, erschütternd und ließ das Publikum intensiv mitfühlen.

Die Szene ist umso eindringlicher, wenn man weiß, dass DeForest Kelley zu dem Zeitpunkt bereits mit einer Krebserkrankung zu kämpfen hatte, an der er etwa zehn Jahre später sterben sollte.

Doch: Zwei warme Szenen und eine monumentale Szene reichen leider für mich nicht aus, um einen Film zu retten, der in meiner Wahrnehmung eine unklare und fahrige Geschichte erzählt, in der zu keinem Moment echte Gefahr spürbar wird.

Es ist ein Film mit einem schwachen Widersacher und auch ein Film, der sich für keinen platten Scherz zu schade und bereit ist, jeglichen aufkeimenden Moment echter Dramatik für einen Gag unter den Bus zu werfen. Ich finde, dieser Film ist zu jeweils einem Drittel: hervorragend - etwas lahm - ein stümperhafter Schuss in den Ofen.

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