Star Trek 5 The Final Frontier: William Shatners Pechsträhne am Rande des Universums
Special
Teil 6 der Star-Trek-Retrospektive von Sebastian Göttling begibt sich in Flop-Gefilde: Blickt gemeinsam mit ihm zurück auf Star Trek 5: The Final Frontier!
Der Film hat eine Menge Kuriositäten im Gepäck, packen wir sie also genüsslich aus. Weil Jim Kirk selbstredend der größte aller Helden ist, ist er ein noch viel größerer Athlet, der direkt zu Beginn des Films den Berg El Capitan im Yosemite-Nationalpark freikletternder Weise erklimmt - diese heroische Inszenierung ließ sich Bill Shatner nicht nehmen. In einem anderen Nationalpark sind Sulu und Chekov unterwegs, genauer gesagt wandern sie am Fuße des Mount Rushmore. Leider fielen große Teile dieser Szene der Schere zum Opfer, denn sonst hätte man im Film ein prächtiges Matte-Painting gesehen, auf dem neben George Washington, Thomas Jefferson, Theodor Roosevelt und Abraham Lincoln auch offenkundig das Antlitz einer Präsidentin afroamerikanischer Herkunft im Granit verewigt wurde.
Product Placement spielte ebenfalls eine kleine Rolle im Film, denn die Firma Kraft brachte einen Marshmallow-Spender auf den Markt, aus dem sich Kirk, Pille und Spock am Lagerfeuer "Marschmelonen" ziehen und rösten. Dieser Spender, komplett mit ausfaltbaren Campinggabeln und -löffeln, wird heutzutage zu hohen Preisen bei eBay gehandelt (ich konnte das legendäre Gerät bisher leider nicht zu einem einigermaßen erträglichen Kurs ergattern).
24 Decks hat sie übrigens, die Enterprise-A aus dem Film - und trotzdem fliegt Spock in einer Szene, in der er mit Raketenstiefeln im Aufzugschacht unterwegs ist, an einem Schild mit der Aufschrift "Deck 78" vorbei. "Bigger on the inside" scheint hier die Devise zu sein.
Die galaktische Landkarte wird im Film genauso durcheinandergewirbelt wie die Decks an Bord der Enterprise, denn obwohl sich die Föderation eigentlich am äußeren Rand unserer Milchstraße befindet, fliegt die Enterprise am Ende des Films innerhalb weniger Stunden bis ins Zentrum der Galaxis.
Damit legt sie in etwa die Hälfte der Strecke zurück, die ab 1995 das im Delta-Quadranten verschollene Raumschiff Voyager vor sich hat und dafür circa siebzig Jahre bei maximaler Warpgeschwindigkeit benötigen soll. Es wäre wirklich nett von Captain Kirk gewesen, wenn er seiner Kollegin Janeway diese spezielle Abkürzung verraten hätte.
Schließlich sieht man in einer Szene, in der das Triumvirat im Enterprise-Knast landet, zum allerersten Mal etwas, wonach Fans schon seit den frühesten Folgen verlangten: eine Toilette an Bord eines Sternenflotten-Raumschiffes. Endlich!
Wenden wir uns den diversen Produktionsproblemen zu, die "Star Trek 5: The Final Frontier" plagten. Gerade weil der vierte Film, "der mit den Walen" und der Zeitreise nach San Francisco, mit viel Humor das beste Star-Trek-Einspielergebnis aller Zeiten eingebracht hatte, war die Vorgabe der Paramount-Chefs für den fünften Film: "diese Übung wiederholen, bitte so viel Humor wie möglich in den Film bringen."
Das Ergebnis waren besagte Raketenstiefel und Marschmelonen, viele "lockere" Sprüche, vor allem aber auch der Moment, in dem Scotty behauptet, er kenne sein eigenes Schiff wie seine Westentasche, nur um Sekunden später sehenden Auges gegen ein Rohr zu laufen und ohnmächtig aus den Latschen zu kippen.
Quelle: Paramount Pictures
Mit dem religiösen Eiferer/Spocks Halbbruder Sybok geht es nach Sha Ka Ree.
Wo der vierte Film mit gelungener Situationskomik einen Lacher nach dem anderen hervorrief, bot "The Final Frontier" neben wenigen wirklich gelungen Gags leider zum großen Teil platte Rohrkrepierer auf kindlichem Niveau.
Das nächste Problem: George Lucas' legendäre Effektschmiede Industrial Light & Magic, die für die drei vorherigen Filme spektakuläre Effekte geliefert hatte, war nicht verfügbar, weil sie beschäftigt war mit dem dritten Film der Indiana-Jones-Reihe. So lautet zumindest eine Version der Geschichte.
Die heute wahrscheinlichere Fassung ist, dass ILM durchaus ihren Wert kannten und deswegen einen höheren Preis aufgerufen hatten. Ralph Winter, einer der Produzenten von "The Final Frontier": "Die von ILM tanzten uns einfach auf der Nase herum, weil sie wussten, sie können verlangen, was immer sie wollen."
Winter machte sich daraufhin auf die Suche nach einer Ersatz-Effektfabrik und wurde persönlich eingeladen nach New York zu Bran Farren & Associates. Von Bran ließ sich Ralph überzeugen, dass dieses kleinere Effektstudio den Anforderungen eines Star-Trek-Films gewachsen war. Weit gefehlt jedoch, denn was im fertigen Film an Effekten zu sehen ist, ist selten gut, an vielen Stellen schlecht und ruckelig wie uralte Stop-Motion-Animation, extrem künstlich und teilweise sogar unfertig.
Die Spezialeffekte des Films sehen nicht aus wie aus einer hochklassigen A-Produktion von 1989, sondern wie ein B-Movie aus den frühen 70er-Jahren. Fans und Kritiker rümpften die Nase: So billig hatte Star Trek im Kino noch nie ausgesehen. Am krassesten ist sicher der Vergleich zum prachtvollen ersten Kinofilm von 1979. Ralph Winter: "Mit dieser Entscheidung hätte ich das Franchise beinahe gekillt."
Doch nicht bloß ILM war nicht zu bekommen, auch der Antagonist musste spontan umbesetzt werden. Und: Erneut war der dritte Indy-Film schuld, denn die Rolle des Sybok sollte ursprünglich dargestellt werden von niemand Geringerem als James Bond Himself, Sean Connery.
Doch der spielte zum selben Zeitpunkt den Vater des Peitschen schwingenden Archäologen und war unabkömmlich. Als Ersatzmann engagierte man Laurence Luckinbill, der zwar ein recht begabter Schauspieler und durchaus netter Typ war, aber einfach nicht das Format eines großen Star-Trek-Antagonisten hatte.
Dem Vergleich mit einem Khan Noonien Singh, wie Ricardo Montalban ihn gespielt hatte, hielt Luckinbill einfach nicht stand - und selbst der comichafte Klingone Kruge aus dem dritten Kinofilm sieht Sybok nur im Rückspiegel seines Bird-of-Prey.
Das Kinopublikum war außerdem verwirrt, ob es für Sybok nun Sympa- oder Antipathie empfinden sollte, ob er eher ein verblendeter oder ein tragischer Charakter war. Immerhin blieb Connerys Name verballhornt in einer der Bezeichnungen des Planeten Eden enthalten: Sha Ka Ree steht für Sean Connery.
