SpongeBob SquarePants: Schlacht um Bikini Bottom im Test - Nur was für taube Nüsschen?
Test 26,99 €
Während sich die ganze Welt über den Release von The Last of Us: Part 2 freut, hat sich in dessen Windschatten das wahre Highlight des Spielemonats Juni angepirscht - ein Meisterwerk, auf das Spieler quälend lange 17 Jahre warten mussten. Die Rede ist natürlich von SpongeBob Schwammkopf: Schlacht um Bikini Bottom Rehydrated. Was die spielbare Rückkehr des saugstarken Serienhelden zu bieten hat, klären wir im Test.
"Wer wohnt in 'ner Ananas ganz tief im Meer? Saugstark und gelb und porös und zwar sehr?" Wer die vergangenen 20 Jahre nicht unter einem Stein gelebt hat (wie manch Seestern, auf den wir später noch eingehen), der hat höchstwahrscheinlich die passende Antwort parat. Es geht natürlich um Spongebob Schwammkopf. Der kleine gelbe Quadratschädel ist aus dem heutigen Medienkosmos einfach nicht mehr wegzudenken. Seit über zwei Jahrzehnten bringt er Freude in die Wohnzimmer der Welt, hat die Kinoleinwände für sich erobert und ist schließlich zur ultimativen Ikone der Internet-Memes aufgestiegen. Als Serienerfinder Steve Hillenburg im Jahr 2018 verstarb, unterschrieben sogar 1,2 Millionen Menschen eine Petition, um zu seinen Ehren einen Spongebob-Auftritt in die Super-Bowl-Halftime-Show einzubauen.
Bei all der Popularität ist es natürlich kein Wunder, dass der Unterwasserbewohner auch schon den einen oder anderen Abstecher in die Welt der Videospiele gemacht hat. Der neueste hört nun auf den unfassbar langen Namen SpongeBob Schwammkopf: Schlacht um Bikini Bottom Rehydrated - und ist ehrlicherweise gar nicht mal so neu. Wie der Titel bereits nahelegt, handelt es sich nämlich um eine Neuauflage, die am 23. Juni für PC, PS4, Xbox One und Nintendo Switch erscheint. Die Remaster-Könige von THQ Nordic, unter anderem auch verantwortlich für das im Juli erscheinende Destroy All Humans, haben dabei ganz tief in die Mottenkiste gegriffen einen 3D-Plattformer aus dem Jahr 2003 ausgegraben und ihm einen neuen Anstrich verpasst.
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Ich bin bereit!
Um Spongebob ins Jahr 2020 zu hieven, haben die Macher von Purple Lamp weder Kosten noch Mühen gescheut. Schlacht um Bikini Bottom wurde mit Hilfe der Unreal Engine 4 einmal komplett neu aufgebaut und aufgehübscht. Im Vergleich zum 17 Jahre alten Vorgänger macht das Remake so natürlich deutlich mehr her. Figuren und Umgebungen sind deutlich detaillierter, Animationen flüssiger, Texturen knackiger und Farben satter. Mit entsprechender Hardware läuft das gesamte Tiefsee-Abenteuer zudem in 4K-Auflösung und bei 60 Frames pro Sekunde. Schöne Sache!
Quelle: PC Games
Die Welt von Spongebob Schwammkopf ist quietschbunt und dank der Power der Unreal Engine 4 tatsächlich schön anszuschauen.
Bei der Story hat man sich indes strikt an die Vorlage gehalten. Die Erzählung dreht sich also immer noch um den neuesten Versuch des kriminellen Plankton, endlich die geheime Krabbenburger-Formel in seinen Besitz zu bringen. Der Schlüssel zum Erfolg soll dabei seine neueste Erfindung, der Duplicatotron 3000, sein, mit dem er sich eine Roboter-Armee zusammenstellen und Bikini Bottom unter seine Kontrolle bringen will. Dummerweise haben die Blechbüchsen aber ihre eigenen Pläne und stürzen die Stadt lieber in Eigenregie ins Chaos. Nun liegt es an unserem schwammtastischen Helden, wieder für Recht und Ordnung zu sorgen.
Zugegeben, die Geschichte ist nicht sonderlich ausgefallen. Wahrscheinlich könnte sie in ihrer Essenz auch in eine reguläre TV-Episode gequetscht werden. Dafür wirkt die Story aber stets authentisch und glänzt mit jeder Menge bekannter Gesichter und Gebiete, über die ihr im Verlauf des Spiels stolpert. Schauplätze wie die Goo-Lagune oder die Quallenfelder wählt ihr über eine Art Main Hub rund um euer Ananashaus aus. Jedes dieser Areale besteht aus einzelnen, durch Ladebildschirme voneinander getrennten Levels. Zudem könnt ihr komplett neue Teile von Bikini Bottom freischalten, indem ihr goldene Pfannenwender findet. Zu entdecken gibt es also mehr als genug - wenn euch die unsichtbaren Levelgrenzen nicht im Weg stehen. Wenn ihr den vom Entwickler vorgegebenen Pfad verlasst, werdet ihr flugs von einer freundlichen Menschenhand (bekannt aus dem TV-Intro) wieder zurück an einen sicheren Ort gesetzt. Schade, dass einem Spongebob hier nur die Illusion von Freiheit vorgegaukelt, zumal das Zurücksetzen zumindest auf der Konsole mit einer gewissen Ladezeit verbunden ist.
Quelle: PC Games
Endstation! Wenn ihr die vom Entwickler vorgesehenen Pfade verlasst, setzt euch das Spiel händisch an einen sicheren Ort zurück.
Super-Weicheischuppen Jr?
Pro Gebiet erwartet euch eine Hauptmission, die die Geschichte vorantreibt. Die fällt aber leider immer recht gleichförmig aus. Entweder gilt es, eine bestimmte Anzahl an Gegenständen zu sammeln oder alle Roboter in der Nähe auszuschalten. Das wird auf Dauer schon etwas langweilig. Immerhin weichen die Nebenaufträge, mit denen ihr zusätzliche Pfannenwender ergattern könnt, etwas von Schema F ab. Hier müsst ihr auch mal kleinere Geschicklichkeitspassagen, Rennen oder sogar sehr simple Rätsel meistern.
Auch die diversen Bosskämpfe sorgen nochmal für eine ordentliche Portion Abwechslung. In der Regel prügelt ihr euch nämlich nur durch Standard-Roboter-Mobs. Von denen gibt es zwar 14 verschiedene Typen, die sind aber meist nach nur einem Schlag hinüber - unkoordiniertes Knöpfchendrücken reicht hier also vollkommen aus. Die größeren Brocken verlangen euch indes sogar so etwas wie eine "Taktik" ab. Ihr müsst beispielsweise Angriffsmuster studieren, Attacken ausweichen und Schwachstellen anvisieren.
Quelle: PC Games
In diversen Bosskämpfen müsst ihr gegen Roboterversionen bekannter Charaktere bestehen. Das verlangt euch tatsächlich einiges ab.
Eine echte Herausforderung dürft ihr in Schlacht um Bikini Bottom aber nicht erwarten. Das Spiel ist so konzipiert, dass auch jüngere, eher unerfahrene Zocker zurechtkommen. Es gibt nur einen einzigen Schwierigkeitsgrad, regelmäßige Checkpoints und Extra-Leben en masse - die ingame natürlich die Form von Spongebobs Unterhosen annehmen. Solltet ihr dennoch mal den Löffel abgeben, zieht das keinerlei Konsequenzen nach sich, außer, dass alle Gegner im Bereich respawnen. Das ist schon sehr gnädig. Auch mit den Tutorials haben es die Entwickler wirklich gut gemeint, sodass wirklich alle paar Minuten Erklärungen eingeblendet werden.
Nein, hier ist Patrick!
Der einzige Gameplay-Kniff ist die Aufteilung des Spielgeschehens auf drei verschiedene Hauptfiguren, zwischen denen ihr dynamisch wechseln könnt. So schlüpft ihr auch in die Rollen von Patrick Star und Sandy Cheeks, was euch wiederum Zugriff auf deren individuelle Fähigkeiten gibt. Der Seestern kann etwa Früchte werfen und damit Wippen auslösen, während das Eichhörnchen als gebürtige Texanerin besonders bewandert mit dem Lasso ist.
Quelle: PC Games
Sandy kann ihr Lasso als eine Art Rotor benutzen und so durch die Luft schweben. Außerdem ist sie natürlich ein absolutes Ass in Karate.
Der gute Spongebob bekommt von seinem Freund Kumpelblase sogar vereinzelt neue Tricks beigebracht - beispielsweise eine Art Seifenblasen-Zielsuchrakete, mit der ihr entfernte Schalter aktivieren könnt. So erschließt ihr euch im Spielverlauf immer neue Wege, wodurch an manchen Stellen sogar so etwas wie Backtracking aufkommt. Hier aber auch nur von leichten Metroidvania-Elementen zu sprechen, würde wohl den unbändigen Zorn von Kollege Felix Schütz auf mich ziehen.
F ist für Freunde
Entsprechend seid ihr durch die Story in maximal zehn Stunden durch. Spongebob Schwammkopf: Schlacht um Bikini Bottom Rehydrated ist also ein eher kurzes Vergnügen. Die Spielzeit wird durch ein paar Sammelaufgaben zwar noch künstlich gestreckt. Mehr als ein nettes Extra sind Gold-Trophäen für das Finden aller Goldenen Pfannenwender, Patricks Socken oder glänzenden Objekte jedoch nicht. Selbst wenn ihr mit letzteren immerhin ein Kino-Ticket kaufen und im Filmsaal dann ein paar Konzept-Zeichnungen bewundern dürft.
Auch der komplett neue Multiplayer -Part, der sowohl lokal als auch online funktioniert, ist kaum der Rede wert. Der Hordenmodus, in dem ihr euch zu zweit durch Wellen von Angreifern prügelt, wird schnell repetitiv und lohnt sich eigentlich nur für Hardcore-Fans, die mal einen Blick auf Roboter-Thaddäus oder Patricks Eiscreme-Traumwelt werfen wollen - Content, der im Original gestrichen, jetzt aber nochmal wiederverwendet wurde.
Quelle: PC Games
Im neuen Multiplayer-Modus könnt ihr euch zu zweit dem fiesen Robo-Thaddäus und seiner Blech-Armee stellen.
Die mangelnde Tiefe und kleinere technische Unsauberkeiten wie zum Beispiel verbuggte Gegner, nachladende Texturen oder sich wiederholende Sprach-Samples verzeiht man dem Spiel aber gerne. Schließlich gleicht Schlacht um Bikini Bottom Rehydrated diese doch mit jeder Menge Fan-Service aus. Der remasterte Soundtrack sowie wie die komplett neue Vertonung zaubern Verehrern der Fernseh-Vorlage ein Lächeln ins Gesicht. War das Original für PS2, Xbox und Gamecube noch mit komplett fremden Sprechern besetzt, kommt jetzt der offizielle Cast rund um die Quietschestimme von Santiago Ziesmer zum Einsatz. Der bringt die nötige Portion Charme und Humor mit und sorgt so für ein rundum stimmiges Spongebob-Spielerlebnis. Dafür ist der Preis von aktuell knapp 30 Euro absolut vertretbar.
