Split Fiction ist das beste Koop-Abenteuer seit Jahren und trotzdem nur halb so gut, wie es sein könnte

Kolumne Annika Menzel
Split Fiction ist das beste Koop-Abenteuer seit Jahren und trotzdem nur halb so gut, wie es sein könnte
Quelle: Electronic Arts, PC Games

Es könnte absolut fantastisch sein - ist es aber nur fast. Split Fiction hat Redakteurin Anni überzeugt, aber trotzdem gibt es eine Sache, die sie am liebsten ändern würde.

Wäre Monster Hunter Wilds nicht gerade erst erschienen, wüsste ich genau, welches Spiel der heißeste Anwärter für mein Spiel des Jahres wäre: Split Fiction. So muss sich das Koop-Abenteuer mit dem zweiten Platz zufriedengeben, denn die Monsterjagd hat mich zu sehr in ihren Bann gezogen.

Bei aller Liebe für den Nachfolger von It Takes Two habe ich jedoch auch etwas an dem Spiel auszusetzen. Und es sind keine technischen Probleme, keine Differenzen mit den Charakteren, sondern es handelt sich tatsächlich einfach um den Kern des Spiels.

Drachen sind besser als Raumschiffe

Genauer gesagt ist es die gleichmäßige Unterteilung in Sci-Fi und Fantasy, denn eins von beidem ist viel spannender als das andere - vollkommen subjektiv beurteilt und ohne, dass ich mit meinen Argumenten eine Hausarbeit füllen könnte.

Ein Affe und ein lebender Baum in Split Fiction Quelle: Electronic Arts Wie die meisten Menschen meiner Generation bin ich mit Harry Potter aufgewachsen, habe mir natürlich die Extended Editions von Der Herr der Ringe und Der Hobbit angesehen und fühle mich auch heute noch beim Lesen am wohlsten, wenn ich mich unter Drachen, Fae und Zwerge mischen kann.

Dabei darf es ruhig auch mal düsterer zugehen, aber es gibt etwas, das für mich auch noch nach vielen Jahren eine Fantasy-Geschichte ausmacht: Es fühlt sich einfach magisch an. Vielleicht liegt es daran, dass viele Elemente die Grenzen von Bekanntem und Möglichem gnadenlos überschreiten, wodurch ich mich erst wirklich in die fiktiven Welten versetzen kann.

Diese Art der Immersion und Sehnsucht nach den fantastischen Lebensverhältnissen habe ich bis heute noch in keinem anderen Genre für mich finden können. In einem konnte ich das aber ganz besonders nicht und das ist leider - ihr ahnt es sicher schon - Sci-Fi.

Zaubersprüche statt Pew Pew

Die einzige Ausnahme ist vielleicht noch Star Wars, denn dafür konnte ich mich früher trotzdem begeistern lassen. Ansonsten schrecken mich Geschichten im Weltraum mit intergalaktischen Kriegen und gefahrenanziehenden Raumschiffbesatzungen schlichtweg ab.

Laserschwerter oder futuristische Schusswaffen fühlen sich für mich in Spielen auch nie so gut an wie der klassische Bogen oder magische Fähigkeiten. Und bevor ihr direkt auf die Kommentarspalte klickt und in die Tasten hämmert: Weder möchte ich euch davon überzeugen, dass Sci-Fi nichts taugt, noch euch meine Begeisterung für Fantasy aufdrängen.

Aber mit meinen Vorlieben kann ich die Diskussion zwischen Mio und Zoe in Split Fiction (jetzt kaufen 49,99 € ) nur allzu gut verstehen. Als ich mir den lieben Stefan zum Koop-Spielen schnappte, mit dem ich vor ein paar Jahren bereits It Takes Two gespielt hatte, gab es genau die gleichen Diskussionen auch abseits des Bildschirms.

Aber nur in kleinem Maße und in erster Linie, weil ich es nicht lassen konnte, gegen Mios Ideen zu sticheln und sofort zurück in Zoes Fantasy-Wohlfühlzone zu wollen - da musste er natürlich gegenhalten, verstehe ich schon. Er liegt halt bloß falsch ...

Guter Kompromiss

Spaß beiseite, aber genau den hatte ich trotzdem bisher im gesamten Spiel. Ja, sogar in den Sci-Fi-Welten! Denn die Spielmechaniken sind letztendlich eine riesige Freude und echt unterhaltsam, egal in welcher Welt man sich gerade befindet. Die Mischung macht es letztendlich wohl einfach aus.

Eine geteilte Sci-Fi-Welt in Split Fiction Quelle: Electronic Arts Außerdem finde ich die Prämisse von Split Fiction sehr kreativ und bin absolut neidisch, dass ich meine Lieblingsgeschichten wohl niemals so hautnah erleben werde, wie die beiden Autorinnen es können.

Trotzdem würde ich Split Fiction zu gerne in zwei verschiedene Spiele splitten und den armen Sci-Fi-Enthusiasten an meiner Seite für die gesamte Spielzeit in die wunderbaren Fantasy-Welten schleifen. Fehlen würde mir dabei tatsächlich nichts.

Und genau das ist der entscheidende Punkt, der dem Koop-Abenteuer für mich ganz persönlich fehlt, um auf meiner Topliste landen zu können: Die eine Hälfte finde ich absolut großartig, in der anderen, na ja, da habe ich dennoch meinen Spaß. Aber gut, dafür habe ich schließlich noch den besten Mitspieler, den ich mir wünschen könnte.

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