Splinter Cell Blacklist im Test: Hat Sam Fisher auf seine alten Tage noch das Zeug, der Splinter Cell-Serie nach dem umstrittenen Conviction wieder zu alter Größe zu verhelfen? Unser Test der Playstation-3- und Xbox-360-Versionen zum Schleich-Actionspiel samt Video hält die Antwort parat. Update: Jetzt mit Details, Screenshots und Wertung zur überlegenen PC-Version!
Tolles Team-Schleichen
Wer nach der Kampagne nach weiteren Inhalten dürstet, findet im Mehrspielermodus "Söldner gegen Spione" einen tollen Zeitvertreib. Die asymmetrisch verlaufenden Team-Gefechte um Computerstationen oder zu klauende Datenkoffer gestalten sich unheimlich spannend; Absprache per Headset ist Pflicht. Bis zu acht Spieler tummeln sich auf den optisch eintönigen Karten. Neben Team-Deathmatch, dessen einzige Besonderheit der Umstand ist, dass hier Spione und Söldner Teil des gleichen Teams sein können, existieren noch zwei strategisch herausfordernde Spielvarianten. In einem dreht sich alles um drei Computerstationen, welche die Spione innerhalb eines Zeitlimits zu hacken versuchen.
Sobald der Hack an einem der Terminals erfolgreich ist, muss der Hacker ein paar Minuten in der Nähe und am Leben bleiben. Derweil rücken aber die Söldner an, um den Agenten aufzuspüren und mit ihren automatischen Waffen die Kleidung zu ruinieren. Wurden alle drei Stationen gehackt oder läuft die Zeit ab, endet die Runde und die Teams tauschen die Rollen. Wer am Ende mehr Terminals gehackt hat, gewinnt die Partie - dabei zählt auch der in Prozentzahlen angegebene Fortschritt bei einem nicht vollendeten, letzten Hack. Daneben gibt es noch eine Art einseitiges Capture the Flag: Die Söldner klauen einen Datenkoffer und bringen ihn zurück zur eigenen Basis, um zu punkten; die Spione versuchen, das zu verhindern.
Quelle: PC Games
Splinter Cell: Blacklist im Test - Ab und zu steuert ihr eine Drohne und schießt auf im Voraus markierte Ziele. Das ist kurz und schmerzlos. (PS3)
Spione vertragen nur wenige Treffer, Söldner sind dagegen schwer gepanzert. Ihre Schwäche sind ihr eher langsames Tempo, die mangelnde Übersicht aus der Ego-Perspektive und der fast schon unfaire Vorteil der Spione im Nahkampf: Mittels eines simplen Tastendrucks erledigen die Spione ihre Gegner auf der Stelle, am besten natürlich von hinten oder oben. Zudem ist es den Spionen ein Leichtes, sich zu verstecken - Sonarbrille sei Dank. Und trotzdem machen die Partien ungemein Laune: Wir haben uns jedenfalls spitzbübisch über jeden perfekt ausgeführten Takedown aus dem Hinterhalt gefreut und waren anschließend mit Adrenalin vollgepumpt, wenn uns der Bewegungsmelder unseres Söldners mit lauten *Biep*-Geräuschen auf Feindbewegungen direkt hinter uns aufmerksam machte, woraufhin wir uns hektisch umdrehten und mit panischen Feuerstöße aus dem Maschinengewehr die Finsternis erhellten ...
Wie mittlerweile üblich, bietet der Mehrspielermodus von Blacklist ein Levelsystem mit haufenweise Waffen und Ausrüstungsgegenständen, die ihr nach und nach freischaltet. Ab Level 5 dürft ihr eigene Klassen kreieren: Neben virtuellem Geld kommen durch Levelaufstiege verdiente Tokens zum Einsatz, um euren Charakter mit neuen Items auszustatten. Unter anderem erhalten Spione mit der Zeit Zugriff auf eine Armbrust und einen Tarnmantel, der sie kurzzeitig unsichtbar macht, und Söldner legen Bewegungsminen oder senden einen Puls aus, der Exekutions-Zielmarkierungen feindlicher Spione von den Kameraden entfernt. Insgesamt wirken die Online-Modi sehr durchdacht - fraglich bleibt bislang noch, wie gut die Umsetzung des Netzwerk-Codes am PC gelingt. Ubisofts Ghost Recon: Future Soldier bekleckerte sich in dieser Disziplin nämlich zuletzt nicht mit Ruhm.
Steuerrecht
Mit dem Controller an der Konsole funktioniert die Steuerung sowohl aus der Außenansicht als auch der Ego-Perspektive gut. Gewöhnungsbedürftig: Schießeisen wie schallgedämpfte Pistole, Taser oder Scharfschützengewehr ladet ihr mit einem Druck auf den rechten Analogstick nach. Die Viereck- (PS3) oder X-Taste (Xbox 360) ist dagegen doppelt belegt: Im Test kam es häufiger vor, dass Sam aus Versehen eine auf dem Boden liegende Waffe aufsammelte und dafür seine mit Upgrades ausgestattete Knarre wegschmiss, anstatt sich den daneben befindlichen Gegner auf die Schulter zu wuchten.
Die in Blacklist zum Einsatz kommende Unreal Engine 3 hat auf den Konsolen schwer zu kämpfen: Besonders die Zwischensequenzen offenbaren bei einem genaueren Blick einige verschwommene Texturen. In den zu spielenden Abschnitten überzeugt das Spiel dagegen mit feinen, äußerst flüssigen Animationen des Protagonisten und hübschen Lichteffekten. Der Sound punktet darüber hinaus mit einem treibenden Soundtrack mit Gänsehautgarantie und einer durchweg guten deutschen Vertonung. Stellenweise störten aber - zumindest in unserer Testversion - nicht übersetzte Sprachfetzen feindlicher Soldaten, die in ihrer Muttersprache reden. Im Gegenzug ist manch englisches Wort zu genau ins Deutsche übersetzt. Da wird aus einem "Give me a boost!" (Hilf mir mal hoch!) schon mal ein "Gib mir 'nen Schubs!".
Edle PC-Umsetzung
Wer die Wahl hat, sollte beim Kauf von Blacklist der PC-Version den Vorzug geben: Allein schon die Grafik ist der Optik der Konsolenversion haushoch überlegen. Im optionalen Direct-X-11-Modus sehen Texturen deutlich schärfer aus als auf Playstation 3 und Xbox 360. Außerdem überzeugen die Levels mit großzügig eingesetztem Bump Mapping, das nassen Oberflächen einen hübschen Glanzeffekt verleiht. Charaktere und insbesondere ihre Kleidung sehen darüber hinaus weitaus detaillierter aus als auf den Konsolen und die Schatten sind knackscharf. Die ein oder andere schwammige Textur taucht aber auch am PC noch auf, besonders bei Nahaufnahmen in den Zwischensequenzen. Dafür gibt es umfangreiche Grafikeinstellungen mit dynamischer Umgebungsverdeckung und diversen Anti-Aliasing-Optionen bis hin zu vierfachem TXAA. Auf unseren Testrechnern lief das Spiel zudem stets flüssig mit bis zu 60 Fps.
Die Steuerungsprobleme mit dem Gamepad sind am PC passé, sofern ihr mit Maus und Tastatur spielt. Denn die Tastenbelegung lässt sich ganz nach Wunsch anpassen. Alle Menüs besitzen Mausunterstützung und lassen sich komfortabel bedienen. Ein besonderes Bonbon: Die meisten Interface-Einblendungen und Hinweisnachrichten lassen sich im Menü dauerhaft ausstellen - ein echter Segen! Großartig: Auf den insgesamt drei DVDs der PC-Fassung schlummern insgesamt sieben Sprachen, darunter Deutsch und Englisch. Jeder Spieler bestimmt im Hauptmenü seine eigene Kombination aus gesprochener Sprache, Bildschirmtexten und Untertiteln. Englische Sprachausgabe mit deutschen Unteriteln und italienischen Bildschirmanzeigen? Kein Problem!
Als Kopierschutz kommt Ubisofts Online-Plattform Uplay zum Einsatz: Nach der Installation der im Einzelhandel erhältlichen PC-Version müsst ihr das Spiel per Code-Eingabe mit einem Uplay-Konto verknüpfen, was den Weiterverkauf ausschließt. Anschließend könnt ihr den Einzelspielermodus beliebig lang im Offline-Modus ohne aktive Internetverbindung spielen. Kein Urteil können wir uns bislang über den Mehrspielermodus am PC erlauben. Bei Ghost Recon: Future Soldier, dem letzten Tom-Clancy-Spiel von Ubisoft, plagten Serverprobleme die Online-Partien am Heimrechner. Ein Bericht zu den Umständen bei Blacklist folgt nach dem Release am 22. August. Mehr zu Splinter Cell: Blacklist findet ihr auf unserer Themenseite.
