Splatoon 3: Unglaublicher Erfolg in Japan - wir klären, was dahintersteckt
Special
3,45 Millionen Einheiten von Splatoon 3 wurden innerhalb weniger Tage nach Release in Japan abgesetzt. Kein anderes Switch-Spiel hatte in dermaßen kurzer Zeit dort mehr Erfolg. Aber wieso lieben die Japaner Splatoon 3 so? Wir blicken hinter die Kulissen.
Splatoon 3 ist ein klasse Spiel. Bunt, unterhaltsam, für Einsteiger und Serien-Fans gleichermaßen geeignet, mit sinnvollen Neuerungen und etablierten Mechaniken, die wunderbar funktionieren. Aber mehr dazu lest ihr in unserem Test zu Splatoon 3. Nintendos aktuelle Interpretation eines Mehrspieler-Shooters ist seit über einem Monat erhältlich. Um in Japan einen Rekord aufzustellen, brauchte der Titel nur drei Tage. 3,45 Millionen Fassungen von Splatoon 3 wurden dort innerhalb dieses Zeitraums verkauft, Digital- und Retail-Ausgaben zusammengerechnet. Das ist genug, um andere Schwergewichte auf die hinteren Plätze zu verweisen, nicht nur Titel für Nintendo Switch, sondern plattformübergreifend.
Animal Crossing: New Horizons, sogar Pokémon: Schwarze und Weiße Edition müssen sich geschlagen geben. Die Lebenssimulation profitierte damals gehörig von den Lockdowns, der Pandemie-Beginn fiel beinahe mit dem Release zusammen und ist auch davon abgesehen ein ganz großes Ding für japanische Spieler. Was hat also Splatoon 3 (jetzt kaufen 59,95 € ), dass es dieses und andere Erfolgsspiele so einfach auszustechen vermag?
In diesem Artikel
Grund 1: Marketing
Japaner lieben Maskottchen, Japaner lieben die "kawaii"-Ästhetik. Als kawaii, das japanische Wort für "niedlich" oder "süß", gelten Figuren mit großen Augen und kindlichen Proportionen (auch wenn es natürlich Ausnahmen gibt). In Europa und Nordamerika bringt man Maskottchen für gewöhnlich mit Sport-Teams in Verbindung. In Japan haben Fernsehgesellschaften Maskottchen (Domo-kun), Urlaubsregionen im Lande (Kumamon), oder sie werden bei Aktionen wie Erdbebensicherheitsübungen genutzt (Namazu). Hunderte Maskottchen traten jahrelang sogar in einem Beliebtheitswettbewerb gegeneinander an, bis der Contest eingestellt wurde - weil die Präfekturen, Marken und andere Maskottchenväter so aggressiv miteinander um den Sieg rangen.
Auch interessant: Der große Splatoon 3 Waffenguide für Neueinsteiger
Dementsprechend konsumieren Japaner nicht nur gerne Medien mit süßen Figuren, sondern kaufen auch gerne Merchandise und Allerweltsprodukte mit solchem Design. Nintendo hat ein Händchen für Optik, die in Fernost gut ankommt - klar, schließlich sitzt das Unternehmen ja vor Ort. Und genauso wie Kirby ist Splatoon als Marke alleine schon wegen des Looks der Figuren sehr beliebt. Während es hierzulande schwierig ist, Splatoon-Fanartikel zu finden, abgesehen von Fake-Produkten aus China und unlizenziertem Kram, gibt es in Japan davon jede Menge: Handtücher, Frühstücksboxen, Gläser, Wasserspritzpistolen, Plüschfiguren, Spielkarten, Schlüsselanhänger, Mützen und, und, und - dazu kommen Süßigkeiten mit Splatoon-Branding oder Lebensmittel wie Instant-Ramen.
Die japanische Supermarktkette 7-11, die dort wirklich überall zu finden ist, fährt seit dem 29. August 2022 ein ganzes Splatoon-Menü auf, mit "Squid-Burger", einem Apfel-Trauben-"Battle"-Gelee, Tofu-Nachspeise, Donuts in den Farben des Spiels und mehr. Hier in Europa läuft zwar tatsächlich Werbung für Splatoon 3, jedoch in einem viel geringerem Umfang als in Japan - Nintendo sendet in Nippon sechs unterschiedliche Werbeclips im Fernsehen. Es ist also eindeutig: Splatoon 3 ist Japanern viel stärker im Bewusstsein als Spielern im Rest der Welt, dementsprechend hoch die Vorbestelleranzahl und generell der Hype um den Release.
Grund 2: Portabilität und lokaler Mehrspielermodus
Quelle: Nintendo
Splatoon 3: Unglaublicher Erfolg in Japan - wir klären, was dahintersteckt (1)
Es gibt kulturelle Unterschiede zwischen japanischen Zockern und den Spielern in Europa oder Nordamerika. Das Land ist einer der weltweit größten Märkte für Mobile Gaming. Der durchschnittliche Japaner spielt anders als ein Deutscher: Unterwegs wird gerne gezockt, da viele für den Weg zu Arbeit oder Schule öffentliche Verkehrsmittel anstatt das Auto nutzen. Die Nintendo Switch wurde nicht nur geboren aus der miesen finanziellen Performance der Wii U, sondern auch aus der Erkenntnis, dass Handheld-Gaming nicht tot sein muss, wie es ja die tollen Zahlen des Mobile-Marktes zeigen. Auch deshalb entschied Nintendo, die eigenen Marken trotz Bedenken von Iwata auf Smartphones auszuliefern, Super Mario Run machte den Anfang.
Einen interessanten Einblick in die von Nintendo selbst wahrgenommenen Unterschiede zwischen dem japanischen Gaming-Markt und dem internationalen äußerte Director Shinya Takahashi in einem Interview mit dem Time Magazine:
"Ich denke, es könnte einige Unterschiede in der Wahrnehmung von lokalem Mehrspieler zwischen Japan und dem Westen geben. Für uns ist das eine viel natürlichere Sache. Zum Teil wegen des DS oder 3DS - Kinder in Japan laufen zusammen zur Schule und nach Hause. Das gibt es vielfach, und dann spielen sie gemeinsam nach der Schule. Sie haben mehr Gelegenheiten, um von Angesicht zu Angesicht lokal miteinander zu spielen. Von dem, was ich höre, gibt es in den USA weniger solcher täglichen Gelegenheiten wegen des Zeitplans der Kinder. Für uns wiederum gehört so was ganz natürlich dazu, schon seit den Famicom-Zeiten, wo man sich mit zwei Controllern hingesetzt und mit einem Freund zusammen vor dem Fernseher gespielt hat. Für uns ist das lokale Spielen sehr normal."
Weiter geht's auf Seite 2!
