Lizenzspiele - Vergangenheit und Zukunft

Special Lukas Schmid
Lizenzspiele - Vergangenheit und Zukunft
Quelle: Jam City

Star Wars: Battlefront 2, Mittelerde: Schatten des Krieges und ganz aktuell Hogwarts Mystery: Lizenzspiele, welche die zugrunde liegenden Marken durch fragwürdige Finanzierungsmodelle in den Schmutz ziehen, haben derzeit offenbar Hochsaison. Eine Bestandsaufnahme und ein Blick zurück.

Ergo versucht man bei solchen Spielen natürlich auch, durch den emotionalen Faktor besonders extreme Finanzierungsmodelle durchzuboxen, da sie eher auf Akzeptanz stoßen. Das wiederum führt zu frustrierten Fans und öffentlicher Kritik - ein selbstverschuldeter Teufelskreis. Und da Mikrotransaktionen, Lootboxen und Co. heutzutage das Go-to-Modell für finanzielle Langlebigkeit darstellen, wird es in Zukunft noch vielen weiteren Lizenztiteln ähnlich ergehen.

Früher war alles besser?

Einer DER Klassiker unter den miserablen Lizenzspielen ist Superman für das Nintendo 64. Wer mit dem Mann aus Stahl lahme Flugeinlagen durch Ringe im Nebel verbindet, wird hier glücklich. Quelle: PC Games Einer DER Klassiker unter den miserablen Lizenzspielen ist Superman für das Nintendo 64. Wer mit dem Mann aus Stahl lahme Flugeinlagen durch Ringe im Nebel verbindet, wird hier glücklich. Das bedeutet aber freilich nicht, dass früher alles klasse war. Nein, vor 15, 20 oder mehr Jahren wurden bekannte Marken anders gehandhabt - die meisten Spiele dazu waren einfach schlicht und ergreifend schlecht. Wo heute durchaus Geld in die Hand genommen wird und jede Menge Menschen an den virtuellen Versionen von Hogwarts, Mittelerde und Co. arbeiten, war das früher nicht unbedingt der Fall. Die Publisher sicherten sich um teures Geld die jeweilige Lizenz, wissend, dass sich der Titel durch den bekannten Namen so oder so verkaufen würde. Mit der Lizenzgebühr war anschließend schon ein Gutteil des ohnehin meistens nicht gewaltigen Budgets verplant, sodass es dann nicht mehr darum ging, das bestmögliche Spiel abzuliefern, sondern ein halbwegs funktionales, das möglichst wenig kostet und möglichst wenig Aufwand bereitet. Besonders schlimm war (beziehungsweise ist es in seltenen Fällen auch heute noch) dann, wenn das Auftragsprojekt rechtzeitig zum Kinostart einer zugrunde liegenden Filmvorlage in den Regalen stehen musste - dann kam zu zu wenig Geld und zu wenig Personal ein besonders striktes Zeitlimit hinzu.

Lizenz-Mist mit langer Tradition

E.T. auf dem Atari 2600 ist so etwas wie der Urvater unter den schlechten Lizenzspielen. Quelle: PC Games E.T. auf dem Atari 2600 ist so etwas wie der Urvater unter den schlechten Lizenzspielen. Man muss gar nicht bis zurück in die 1980er und zum legendären E.T.-Debakel auf dem Atari 2600 gehen. Wer erinnert sich nicht mit Grauen an die Lizenzversoftung Iron Man, welche lediglich von dem sogar noch schlechteren Iron Man 2 getoppt wurde? Obwohl die Spiele bereits in der PS3- und Xbox-360-Ära auf den Markt kamen, wirken sie wie hochaufgelöste Titel der Vorgänger-Generation. Das Action-Gameplay war belanglos, der Umfang war gering und die Steuerung ein schlechter Witz. Oder das fast auf E.T.-Niveau legendäre Superman für das Nintendo 64. Mit dem Mann aus Stahl in dichtem Neben durch Ringe fliegen und sogar beim Geradeausfliegen Probleme mit der Kontrolle haben - das macht noch viel weniger Spaß, als es diese Beschreibung vermuten lässt.

Rambo: The Video Game. Tja. Wer es gespielt hat: Ihr habt unser Mitleid, seid aber auch selbst schuld daran. Quelle: PC Games Rambo: The Video Game. Tja. Wer es gespielt hat: Ihr habt unser Mitleid, seid aber auch selbst schuld daran. Oh, oder wie wäre es mit Rambo: The Video Game - mit einem Release im Jahr 2014 wohl eine der aktuellsten Lizenzgurken auf dem Markt. 26 Jahre nach Abschluss der ursprünglichen Trilogie, welche man hier nachspielt, sollte man sich eigentlich ein etwas ausgereifteres Abenteuer erwarten als diesen potthässlichen Rail-Shooter.

Iron Man war schlecht, richtig, richtig schlecht. Aber man mag es kaum glauben ... Quelle: Sega ... die Lizenzversoftung zu Iron Man 2 war sogar noch mieser. Das nennt man dann wohl Konsequenz. Quelle: Sega

Wir könnten jetzt noch reihenweise Spiele wie Spider-Man 3, Fight Club, Harry Potter und die Heiligtümer des Todes Part 1 und 2, Star Wars: Master of Teräs Käsi, Drei Engel für Charlie, Catwoman oder besonders schlimme Erfahrungen wie die diversen Hannah-Montana-Versoftungen auflisten und würden doch niemals vollumfänglich das Lizenz-Desaster abbilden, welches seit den frühen Videospieltagen für enttäuschte Fan-Gelüste sorgt. Doch wir denken, unser Punkt ist klar: Lizenzspiele waren schon früher viel zu oft nicht viel mehr als ein Versuch, unwissende Liebhaber diverser Marken abzuzocken. Heutzutage erbost einen ein Mittelerde: Schatten des Krieges zwar mit Mikrotransaktionen, ist ansonsten aber ein wirklich anständiges Spiel.

Lobenswerte Ausnahmen

Super Star Wars für das SNES und die beiden Nachfolger sind sauschwer, aber auch echt gut. Quelle: PC Games Super Star Wars für das SNES und die beiden Nachfolger sind sauschwer, aber auch echt gut. Doch nach so viel Kritik auch mal lobende Worte: Natürlich gab und gibt es auch positive Beispiele; Publisher und Entwickler, welche die ihnen anvertrauten Marken mit Respekt behandeln und versuchen, wirklich das bestmögliche Endprodukt abzuliefern. In den Frühzeiten des Mediums Videospiele sind hierbei etwa die Super-Star-Wars-Spiele für das SNES zu nennen, brüllend schwere, aber auch verdammt gute Action-Plattformer. Star Wars wurde mit dem Bioware-Rollenspiel Star Wars: Knights of the Old Republic und dem Nachfolger sowie weiteren Titeln wie Jedi Academy ebenfalls Ehre bereitet. Bei uns indiziert, darum in dieser Liste nicht beim Namen genannt, war ein Bond-Shooter für das N64 aus dem Hause des Kult-Entwicklers Rare gar so gut, dass er Ego-Shooter für Konsolen nachhaltig prägte.

Spider-Man 2 erweiterte die Handlung der Filmvorlage, hatte eine toll gestaltete Welt zu bieten und überzeugte vor allem durch das geniale Gefühl beim Schwingen zwischen Häuserschluchten. Quelle: PC Games Spider-Man 2 erweiterte die Handlung der Filmvorlage, hatte eine toll gestaltete Welt zu bieten und überzeugte vor allem durch das geniale Gefühl beim Schwingen zwischen Häuserschluchten. Nicht unerwähnt lassen wollen wir auch Spider-Man 2 für PC, PS2, Gamecube und Co., welches rechtzeitig zum Start des Sam-Raimi-Films im Handel stand und dennoch kein billig zusammengeschusterter Lizenzmüll war. Aufgrund der überzeugend gestalteten, frei erkundbaren Spielwelt Manhattan, einiger sehr kreativer Ideen, einer Handlung, die über jene des Films hinausging und vor allem der ungemein befriedigenden Schwingmechanik des Titelhelden gilt das Abenteuer trotz einiger Alterserscheinungen bis heute als eines der besten Comic- und Lizenzspiele überhaupt.

The Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay und der Quasi-Nachfolger Assault on Dark Athena sind nach allgemeiner Meinung besser gelungen als die Filmvorlage, Quelle: PC Games The Chronicles of Riddick: Escape from Butcher Bay und der Quasi-Nachfolger Assault on Dark Athena sind nach allgemeiner Meinung besser gelungen als die Filmvorlage, Ebenso überzeugte der düstere Shooter The Chronicles of Riddick - und ist somit einer der Fälle, wo die Versoftung qualitativ deutlich hochwertiger ist als die Vorlage. In jüngeren Jahren war vor allem die Arkham-Reihe rund um Batman unter der Schirmherrschaft des Studios Rocksteady ein Garant für herausragende Lizenzware, doch auch die DC-Kampfspiele Injustice: Gods Among Us und Injustice 2 oder die diversen Telltale- und Lego-Ableger zu diversen Marken zeigen, wie es richtig gemacht wird.

Es muss nicht immer Beschiss sein

Und auch ganz aktuelle, positive Beispiele existieren Lootboxen und Mikrotransaktionen zum Trotz: South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe setzte an den erfolgreichen RPG-Vorgänger an und schaffte es, genauso gut zu bleiben und ohne nervige In-Game-Einkäufe auszukommen. Dragon Ball FighterZ setzt wie die meisten Kampfspiele auf DLC-Fighter, entpuppte sich ansonsten aber als ordentliches, faires Paket. Man sieht also: Nur, weil viele es falsch machen, darf man Lizenzspiele nicht per se verdammen - damals wie heute.

Und es bleibt immer noch die Hoffnung bestehen, dass die Publisher aus ihren Fehlern lernen. Gucken wir noch einmal zurück in die Vergangenheit, darauf, wie lieblos hier mit den Marken umgegangen wurde. Es ist kein Wunder, dass es heutzutage kaum noch Spiele zu aktuellen Kinoblockbustern gibt. Ihr Ruf war angesichts einiger besonders mieser Vertreter irgendwann einfach so schlecht, dass sogar die Aussicht auf schnell verdiente Kohle es nicht mehr wert war, dafür den guten Namen zu riskieren - sowohl der Lizenz als auch des Publishers beziehungsweise des Entwicklerstudios, welche sich dafür hergaben.

Die Lego-Spiele haben sich in all den Jahren seit Lego Star Wars zwar nicht wirklich weiterentwickelt, machen aber immer noch viel Laune. Quelle: PC Games South Park: Die Rektakuläre Zerreißprobe ist ganz frisch auf dem Markt und kommt ohne unliebsame Mikrotransaktionen aus. Quelle: PC Games Dragon Ball FighterZ ist nicht nur ein tolles Lizenzspiel, sondern auch ein rundum gelungener Prügler. Quelle: PC Games

Absolut lieblos hingerotzte Massenware ist - zumindest abseits des Mobile-Marktes - eine absolute Ausnahme und wenn, dann auf eher kleine Titel beschränkt, die von Haus aus nicht den größten Appeal haben und deswegen nicht allzu viel Schaden anrichten können. Wir schauen in deine Richtung, Garfield Kart!

Aus Fehlern lernen

Die DC-Schlachtplatte Injustice 2 überzeugt wie schon der Vorgänger durch knackige Kämpfe und eine ansprechende Handlung. Quelle: PC Games Die DC-Schlachtplatte Injustice 2 überzeugt wie schon der Vorgänger durch knackige Kämpfe und eine ansprechende Handlung. Somit bleibt die Hoffnung bestehen, dass die Spielehersteller und Lizenzinhaber dieser Welt auch aus dieser Phase der Ingame-Käufe irgendwann ihre richtigen Schlüsse ziehen werden und wir irgendwann vielleicht so weit sind, dass auf bekannten Marken basierende Titel generell gleichzeitig gut sind und nicht versuchen, einen über den Tisch zu ziehen. Wer weiß, vielleicht ist dieser Lernprozess ja sogar schneller abgeschlossen, als wir es vermuten: Wenn Star Wars: Battlefront 2 und Harry Potter: Hogwarts Mystery eines gezeigt haben, dann dass man es eben doch sehr schnell zu weit treiben kann. Ja, beide Titel machten, beziehungsweise machen gutes Geld. Auf längere Sicht wird man aber vielleicht merken, dass der Schaden, den sie angerichtet haben, noch größer war als der finanzielle Nutzen. Und spätestens dann dürfte das Umdenken seinen Anfang nehmen.

Bildergalerie

  1. Seite 1 Aktuelle Lizenz-Debakel - Harry Potter, Star Wars und Der Herr der Ringe
  2. Seite 2 Lizenzspiele als Gelderschaffungs-Maschine
  3. Seite 3 Lizenzspiele - Vergangenheit und Zukunft
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