G2A.com: Reportage über Key-Reseller - Seite 2

Special Matti Sandqvist
G2A.com: Reportage über Key-Reseller - Seite 2
Quelle: PC Games

Wir waren bei G2A.com zu Besuch und haben uns mit den digitalen Marktplätzen für Spiele-Keys beschäftigt. Für unsere Reportage haben wir aber nicht nur mit dem CEO und den Angestellten von G2A unterhalten, sondern ebenso mehr oder minder erfolgreich Interviews mit Publishern geführt und auch euch um die Meinung zum sensiblen Thema gebeten. Im Artikel erfahrt ihr, welche Vor- und Nachteile das Kaufen bei nicht-autorisierten Key-Resellern hat, welche Gefahren es gibt und was wir von dem inoffiziellen Handel mit Game-Keys halten.

Key-Reseller-Reportage: So entstehen die billigen Preise

Auf einem virtuellen Marktplatz wie G2A.com entscheidet der Händler selbst, wie viel Profit er pro verkauftem Spiel machen möchte. Wenn er die Gewinnmarge auf wenige Prozent setzt, kann der Key-Reseller zwar nicht pro Exemplar viel erwirtschaften, aber sicherlich kleine Gewinne bei mehreren Hundert Produktschlüsseln machen. Zudem gibt es natürlich gewiefte Händler, die deutlich unter dem normalen Herstellerpreis an die Spiele kommen, etwa durch Rabatt- oder Bundle-Aktionen oder durch den Erwerb von Produktschlüsseln, die für einen günstigen Markt wie Russland angedacht gewesen sind. Ebenso gibt es mehrere Berichte, laut denen Rezensionsexemplare, die ein Hersteller oder Entwicklerstudio einem Influencer oder Blogger geschickt hat, auf den Key-Reseller-Plattformen gelandet sind. Das ist zwar moralisch nicht einwandfrei, aber juristisch kann man dafür kaum geahndet werden. Lediglich Keys, die zuvor mit gefälschten Kreditkartennummern von einem Hersteller beziehungsweise Entwicklerstudio erworben wurden, können tatsächlich zu Gerichtsverfahren führen - in den allermeisten Fällen aber nur gegen die Händler, nicht die Plattform oder den Käufer. Das nicht-autorisierte Verkaufen von Keys, sprich das Key-Reselling, ist laut dem europäischen Recht wiederum legal. Sobald ein Hersteller einen Produktschlüssel verkauft hat, verliert er die alleinigen Vertriebsrechte daran und hat entsprechend keine Handhabe, den Weiterverkauf zu verhindern.

G2A.com verkauft selbst keine Spiele-Keys, sondern stellt einen digitalen Marktplatz für Händler. Quelle: PC Games G2A.com verkauft selbst keine Spiele-Keys, sondern stellt einen digitalen Marktplatz für Händler. Dass der Verkauf von Hehlerware hingegen nicht nur kriminell, sondern ebenso schädlich für Spielehersteller ist, dürfte einleuchtend sein. Eine Mitarbeiterin einer Vertriebsplattform für Spiele, die lieber anonym bleiben möchte, sagte uns zu diesem Thema: "Die Plattformen [etwa G2A.com, Anm. d. Red.] fördern den Einsatz gestohlener Kreditkarten-Daten - was weitreichende Folgen hat. Mit diesen Daten werden - oftmals über Bots - automatisiert Keys gekauft. Diese werden gewinnbringend verkauft, da sie natürlich eine überragende Marge haben. Wird die Karte dann gesperrt und der Kauf rückabgewickelt, dann summieren sich die Kosten. Die Rückbuchung, die Kosten für das Spiel (der größte Teil geht ja an den Rechteinhaber) und die Logistik (Kundendienst, Finanz-Abteilung, Server-Last) bleiben komplett beim Anbieter hängen, er wird also gleich mehrfach geschädigt."

Key-Reseller-Reportage: Kommunikation zwischen Publisher und Key-Reseller - gibt's die?

Solche und ähnliche Vorwürfe weist G2A jedoch entschieden zurück. Bei unserem Besuch sagte CEO Bartosz Skwarczek uns, dass man als Betreiber eines möglichst gut funktionierenden, digitalen Marktplatzes natürlich daran interessiert sei, dass nur juristisch einwandfreie Waren auf ihrer Online-Plattform veräußert werden. Den Schaden hätten sie nämlich auch zu tragen, wenn etwa Kunden große Bedenken wegen illegaler Aktivitäten auf G2A.com hätten und deshalb lieber auf ihre Dienstleistung verzichten. Außerdem wäre man immer bereit, mit einem Publisher oder Entwickler in solchen Fällen zusammenzuarbeiten und etwa Keys vom Verkauf auszuschließen, die nachweislich durch kriminelle Aktivitäten erworben wurden.


Doch zu der angesprochenen Kommunikation mit digitalen Marktplätzen wie G2A hat die Mitarbeiterin der Spielevertriebsplattform eine gegensätzliche Meinung: "Die Kommunikation ist meistens sinnlos. Die Anbieter sind sich keiner Schuld bewusst und verweisen (natürlich!) auf die legal angebotenen Keys. Die Situation ist bizarr: Es wird ein Marktplatz angeboten und beworben und an jedem dort verkauften Spiel wird Geld verdient... und wenn es geklaute Keys sind - dann will man davon nichts wissen. Das erinnert nicht nur entfernt an die Hochzeiten von Filesharing-Diensten. "Wir sorgen dafür, dass hier keine Rechte verletzt werden." Na sicher! Wer sowas glaubt, der sollte auch mal Services wie G2A-Shield hinterfragen. Wenn alles so super und legal ist - warum gibt es diesen Schutz? Man stelle sich mal vor, man kauft bei einem Gebrauchtwagenhändler ein Auto. Dieser meint dann "Für 100 Euro mehr gebe ich ihnen den Auto-Kamutzke-Schutz" - falls gleich die Bullen kommen, und die Kiste stilllegen, denn vielleicht ist sie geklaut." Wer würde da noch kaufen wollen?"

Der Head of Communications von G2A.com, Maciej Kuc, beantwortete unsere kritischen Fragen stets offen. Quelle: PC Games  Der Head of Communications von G2A.com, Maciej Kuc, beantwortete unsere kritischen Fragen stets offen. Den angesprochenen G2A-Shield-Service gibt es auf der Plattform in der ursprünglichen Form nicht mehr und laut dem Head of Communications von G2A.com, Maciej Kuc, war die Zusatzdienstleistung auch eines der größten Fehler, die seine Firma sich bis dato geleistet hat. Denn auch ohne G2A-Shield, das man für einen Euro im Monat abonnieren kann, wäre man als Kunde stets bei G2A auf der sicheren Seite gewesen. Nicht umsonst bietet der Marktplatz einen Kundendienst in sieben Sprachen an (darunter auch Deutsch) und beschäftigt mehr als 100 von den insgesamt 750 Angestellten nur in dieser Abteilung. Ob der Kundendienst aber wirklich bei der immensen Zahl von Transaktionen auf der Webseite - 2017 wurden 25 Millionen Transaktionen im Wert von 436 Millionen Euro auf der Seite getätigt - der Lage Herr wird, ist schwer zu sagen. Wir wissen nicht, bei wie vielen Transaktionen es tatsächlich Probleme gegeben hat, nur die der bearbeiteten Fälle im letzten Jahr: 430.000. Dabei lag die Erfolgsquote des Kundendienster laut G2A gar bei 99 Prozent. Mit G2A-Shield genießt man jedenfalls den Vorteil, dass man beim Support Priorität vor den normalen Kunden genießt und so anfallende Probleme schneller gelöst werden können.

Key-Reseller-Reportage: Großes Schweigen bei vielen Publishern

Viel mehr hatte man G2A-Shield aber dafür angedacht, Kunden stärker anzubinden, weil man ihnen neben den zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen auch Rabatte bei Einkäufen angeboten hat. Zudem führt man auch laut eigenen Angaben strenge Kontrollen bei den Händlern durch. Wenn man bis zu zehn Keys auf G2A.com verkauft, muss man lediglich die eigene Telefonnummer und die Social-Media-Daten durchgeben, bei mehr als zehn Produktschlüsseln muss der Händler hingegen Belege für den Ursprung der Keys liefern. Demnach dürfte es zumindest ein wenig sicherer sein, bei den großen Key-Sellern auf G2A.com einzukaufen; eine falsche Telefonnummer oder ein Fake-Social-Media-Account sind dagegen schnell erstellt und so könnten Kriminelle relativ zügig - etwa mithilfe von Bots- Hunderte G2A-Accounts erstellen und so gefälschte oder gestohlene Keys auf der Plattform verkaufen.

Ob dies nun wirklich häufig der Fall ist, können wir nicht belegen. Erfahrungsberichten auf G2A zufolge, die es ähnlich wie bei eBay zu jedem Händler gibt, ist die Zufriedenheitsrate der Kunden meist bei über 97 Prozent, oftmals haben sogar nahezu alle Käufer eine positive Bewertung abgegeben. Das spricht für die Sicherheitsmaßnahmen, die G2A von ihren (großen) Händlern verlangt. Wir hätten gerne auch die Meinung von Publishern in der Reportage stärker beleuchtet, bekamen aber von fast allen PR-Abteilungen der Hersteller, darunter Electronic Arts, Activision und Ubisoft, keine Antwort oder eine Absage - wir sollten Verständnis dafür haben, dass man sich zu diesem Thema nicht äußern möchte.

Sandra Hübner ist Head of PR bei Daedlic. Quelle: Daedelic Sandra Hübner ist Head of PR bei Daedlic. Die deutschen Publisher Kalypso Media und Daedalic haben uns immerhin geantwortet. Sandra Hübner, PR-Chefin der Hamburger Adventure-Schmiede, sagte uns in Bezug auf die kriminellen Aktivitäten auf den Key-Reseller-Plattformen und den Ursprung der dort verkauften Produktschlüsseln folgendes: "Es ist sehr schwierig einzusehen, wie die Key-Seller an ihre Keys kommen. Da wir die Quelle somit nicht kennen und auch die rechtliche Situation keinesfalls geklärt ist, haben wir kaum Handlungsspielraum. Allerdings haben wir unser Vorgehen bereits verändert und können etwa bei Steamkeys einsehen, in welchem Land sie aktiviert wurden. Da wir wissen, welche Keys an welche Partner verkauft wurden, gibt uns das eine weitaus bessere Handlungsgrundlage. Generell haben wir auch die Anzahl der Keys reduziert, die wir herausgeben, um weitere Schadensbegrenzung zu betreiben. Darüber hinaus gehen unsere Partner-Reseller teilweise bereits an der Quelle gegen Missbrauch vor, z.B. mit geo-restrictions, dem Blockieren von Proxies, Wegwerf-Email-Adressen etc. und der Begrenzung der kaufbaren Einheiten z.B. auf einen Key pro Account." Auch Lars Racky, Community Manager bei Kalypso Media, sieht die Lösung für Publisher darin, dass man sehr sorgfältig beim Vertrieb der eigenen Keys über andere Partner umgeht, um so Missbrauch zu vermeiden. Laut ihm können aber auch Schwierigkeiten für die Kunden durch das Kaufen von Produktschlüsseln auf nicht-autorisierten Plattformen entstehen: "Grundsätzlich sehen wir den Bereich sehr kritisch, da der Kunde auf die Art und Weise Probleme bekommen kann, die nicht direkt in unserer Hand liegen. So gibt es immer wieder Beschwerden vereinzelter Kunden, dass zum Beispiel ihre Version nicht aktvierbar sei, oder eine bestimmte Sprache nicht unterstützt würde. Gerade bei nicht-autorisierten Händlern ist dies oft der Fall. Zwar können wir den Unmut der Kunden hier teilweise verstehen, aber nur bedingt weiterhelfen. Letztendlich kann nur der Key-Seller selbst für die nötige Transparenz dem Kunden gegenüber sorgen."

Key-Reseller-Reportage: Ohne Geld keine Spiele

G2A.com hat in den letzten fünf Jahren einen unglaublichen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Eine Zeuge davon: die neue, riesige G2A Arena in Rzeszów. Quelle: PC Games G2A.com hat in den letzten fünf Jahren einen unglaublichen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Eine Zeuge davon: die neue, riesige G2A Arena in Rzeszów. Laut unserer Umfrage steht bei denen, die sich gegen Key-Reseller entschieden haben, die Sorge um die Funktionstüchtigkeit der Produktschlüssel auch an zweiter Stelle. Doch noch wichtiger ist es ihnen, dass man weiterhin die Entwicklerstudios finanziell unterstützt. Das dürfte aktuell auch das wichtigste Argument sein, warum wir der Meinung sind, dass man in Zukunft lieber die Spiele-Keys über einen autorisierten Händler kaufen sollte. Wenn wir schon erwarten, dass die Spiele-Hits von morgen noch größer und schöner werden, müssen wir dafür auch Geld ausgeben. Natürlich können auch wir nicht das Verhalten mancher Publisher verstehen, die ihre Kunden bei Vollpreisprodukten nochmals zur Kasse bitten. Viel hilfreicher wäre es vielleicht, wenn die Hersteller für mehr Transparenz sorgen würden und erklären könnten, warum Videospiele heute mehr als 60 Euro kosten müssen, damit sich deren Produktion rentiert. Das Ausnutzen von Glückspielmechaniken wie Lootboxen zur Finanzierung der Spiele sorgt jedenfalls in unseren Augen nicht dafür, dass so mancher Hersteller seinen schlechten Ruf loswird. Wenn es aktuell so weitergeht, dürften die Umsatzzahlen der Key-Reseller vemutlich weiter wachsen. Die kriminellen Aktivitäten auf den Plattformen scheinen nicht die auf etablierten Internet-Marktplätzen wie eBay zu übersteigen und die große Mehrheit ihrer Kunden ist zufrieden mit ihren Dienstleistungen. Genau das belegen auch die Umsatzzahlen von G2A, die in fünf Jahren von drei auf sage und schreibe 436 Millionen Euro gewachsen sind.

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