Augen auf beim Spielekauf - Angebliches Gameplay, unfertige Spiele, Uncut-Versionen

Special Matti Sandqvist
Augen auf beim Spielekauf - die Marketing-Tricks der Publisher.
Quelle: Ubisoft

Nicht selten greifen namhafte Publisher zu sogenannten Marketing-Tricks, um ihre Spiele besser an den Mann zu bringen. In unserem Artikel beleuchten wir die gängigsten Methoden und zeigen euch die bekanntesten Beispiele der fiesen Tricks.

Angebliche Gameplay-Videos

Ein Trailer von Aliens: Colonial Marines zeigte ein ganz anderes Spiel, als das was man Ende von Sega geliefert bekam. Quelle: PC Games Hardware Ein Trailer von Aliens: Colonial Marines zeigte ein ganz anderes Spiel, als das was man Ende von Sega geliefert bekam. Nicht nur in Sachen Screenshots schummeln manche Publisher, auch bewegte Bilder lassen sich leicht manipulieren – insbesondere wenn es um angebliches Gameplay-Material geht. Wer sich an die ersten Videos zu Aliens: Colonial Marines(2012, PC, Xbox 360 und PS3) erinnert und wie grandios das Spiel zu werden schien, dürfte beim Anblick der finalen Fassung des Ego-Shooters nicht schlecht gestaunt haben.

Denn die grafischen Qualitäten der Verkaufsfassung bewegten sich im Gegensatz zu den Teaser-Trailern mehr oder minder im Bereich des unteren Genredurchschnitts. Ähnliches gilt auch für Sonys exklusiven Shooter Killzone 2 (2009, PS3) oder das Rennspiel Motorstorm (2007, PS3), die beide die überlegenen grafischen Fähigkeiten einer PlayStation 3 demonstrieren sollten, aber am Ende in Sachen Präsentation nicht viel hübscher als der Genrestandard ausfielen.

Bekannte Spielemarken als Köder

Zwar trägt die iOS-Version von Dungeon Keeper den selben Namen, aber viel mehr Ähnlichkeiten mit dem Original hat das Spiel leider nicht. Quelle: Gamezone Zwar trägt die iOS-Version von Dungeon Keeper den selben Namen, aber viel mehr Ähnlichkeiten mit dem Original hat das Spiel leider nicht. Welcher Spieleveteran träumt nicht von einem gelungenen Dungeon Keeper- oder Syndicate-Remake? Viele Meisterwerke aus den 90ern haben noch heute zahlreiche Fans und so wundert man sich, dass etwa Electronic Arts noch keine grafisch und gameplay-technisch verbesserten Versionen auf den Markt gebracht hat. Doch halt! Wer ein Android- oder Apple-Smartphone sein Eigen nennt, findet in den Appstores tatsächlich Titel, die zum Beispiel auf den Namen "Dungeon Keeper" oder "Theme Park" hören und im Auftrag von Electronic Arts entwickelt wurden. Leider handelt es sich bei diesen Spielen jedoch um Titel, die fast nur den Namen mit der Vorlage gemein haben und ansonsten Free2Play-Spiele sind, die weniger Spaß machen, dafür aber das angeblich kostenlose Verkaufsprinzip mit einem Pay2Win-System ins Umgekehrte drehen, ergo nach einigen Wochen Spielzeit locker mehr kosten können als Vollpreistitel.

Neben EA hat auch Activision dank vieler Spielemeilenstein-Lizenzen wie etwa Pitfall! (1982, Atari 2600) auch mit dem Namen eines Spiels Kundenfang im Appstore betrieben und einen Endless-Runner im Stil von Temple Run unter dem ehrwürdigen Namen herausgebracht. Fälle von missbräuchlicher Namensgebung finden sich nicht nur in den Appstores, einige Serien-Reboots fielen so "radikal" aus, dass man sich wiederrum fragen muss, was die Gemeinsamkeiten mit dem hochgelobtem Original zu tun hat. Auch hier ist Electronic Arts mit dem Ego-Shooter Syndicate (2012, PC, Xbox 360 und PS3) an vorderster Front, denn bis auf die dystopische Cyberpunk-Welt und einige Hitec-Waffen teilte der von Serienfans sehnlichst erwarte Reboot kaum etwas anderes mit dem grandiosen Original von Peter Molyneux.

Unfertige Spiele

Die erste Version von X: Rebirth hatte so viele Bugs, dass der Spielspaß stark beeinträchtigt war. Quelle: PC Games Hardware Die erste Version von X: Rebirth hatte so viele Bugs, dass der Spielspaß stark beeinträchtigt war. Manchmal übernehmen sich die Spieleentwickler und wollen ein so ambitioniertes Projekt auf die Beine stellen, dass entweder ein Haufen Bugs oder eine Verschiebung des Erscheinungstermins so gut wie vorprogrammiert sind. Solche Titel sind eine echte Gratwanderung für einen Publisher, denn so oder so macht der Hersteller die potenziellen Kunden unglücklich. Entweder fällt die Wartezeit auf den sehnlichst erwarteten Titel viel zu lang aus und das Interesse flacht ab oder im schlimmsten Fall kommt ein Spiel auf den Markt, das nicht richtig spielbar ist und der Hersteller muss sich mit einem großen Image-Schaden abfinden.

Was jedoch auffällig ist: Bislang hat kein Publisher auf einer Verpackung den Hinweis gegeben, dass das betroffene Spiel unter Umständen noch unfertig ist. Und dabei gab es Bug-Katastrophen in der Geschichte der Videospiele zuhauf - auch in den letzten Monaten. Das bekannteste deutsche Spiel mit einem eingebauten Fehlerteufel dürfte Gothic 3 von Jowood gewesen sein, das auch nach dem letzten offiziellen Patch nicht bugfrei war. Das jüngste internationale Beispiel ist Electronic Arts Battlefield 4, das noch immer einige Probleme mit dem Netcode hat. Doch im Vergleich zu einem X: Rebirth oder eben Gothic 3 ist der EA-Shooter bereits seit dem Release zumindest spielbar.

Angebliche Uncut-Versionen

Obwohl Call of Duty: Modern Warfare 2 laut Activision in Deutschland komplett ungeschnitten erschien, unterschied sich die Flughafen-Mission stark von der internationalen Version. Quelle: pcgames.de Obwohl Call of Duty: Modern Warfare 2 laut Activision in Deutschland komplett ungeschnitten erschien, unterschied sich die Flughafen-Mission stark von der internationalen Version. Wer die Wahl hat, greift stets zu einer unzensierten Fassung eines Spiels, anstatt eine womöglich kaputt geschnittene Version eines Titels zu erwerben. Insbesondere in Deutschland müssen Videospiele aufgrund vieler Auflagen auf den hiesigen Markt angepasst werden, etwa zu brutale Szenen abgemildert werden oder verfassungsfeindliche Symbole entfernt werden. Komisch ist aber, dass Publisher gerne ihre Spieleverpackungen mit Uncut-Aufklebern in Deutschland schmücken, obwohl offensichtlich das entsprechende Spiel geschnitten wurde. Das vielleicht bekannteste Beispiel hierfür ist Call of Duty: Modern Warfare 2 (2009, PC, Xbox 360, PS3). Activision teilte in einer Pressemitteilung mit, dass "Modern Warfare 2 in Deutschland ungeschnitten erscheinen wird. Alle Spielmodi, Level, Missionen, Gegner und Animationen sind enthalten".

Dennoch kann man in der deutschen Version im Gegensatz zur internationalen Fassung während einer Mission am Flughafen nicht auf Zivilisten schießen. Laut Activision handelte es sich bei dieser Änderung aber nicht um eine "Kürzung" oder einen "Schnitt". Ob nun also ein Spiel "uncut" ist oder nicht, scheint eine Auslegungssache des Publishers zu sein und dient offensichtlich nur dem Marketing. Übrigens: Auch auf sogenannte Limited Editions trifft ähnliches zu. Electronic Arts verkauft zum Beispiel noch heute eine limitierte Edition von Battlefield: Bad Company 2, eines Ego-Shooters aus dem Jahr 2010. Inwiefern nun eine solche Edition irgendeinen Sammlerwert hat, lässt sich kaum beantworten. Jedenfalls wirkt es so, als ob die hergestellte Stückzahl des Titels weniger etwas mit der Bezeichnung "Limited Edition" zu tun hat und viel eher als Köder dient.

Kostenlose Spiele, die keine sind

Clash of Clans Quelle: Supercell Das finnische Entwicklerstudio Supercell verdient sehr viel Geld mit einem kostenlosen Spiel für iOS und Android. Vor allem liegt das an einem ziemlich unfairen Pay2Win-System im Spiel. Branchenanalysten sehen im sogenannten Free2Play-System die Zukunft der Spieleindustrie. Anstatt für ein Spiel gleich 50 bis 60 Euro zahlen zu müssen, kann man Free2Play-Titel kostenlos herunterladen und spielen. Jedoch gibt es eine nicht gerade kleine Menge an schwarzen Schafen im Free2Play-Sektor, vor allem bei den iOS- und Android-Titeln. Wenn man etwa erfolgreich in Supercells Clash of Clans sein und mit den anderen Spielern mithalten möchte, darf man sich auf Ausgaben im Bereich von mindestens rund zehn Euro im Monat einstellen.

Tut man das nicht, muss man zum Beispiel Wartezeiten von über einer Woche in Kauf nehmen, um etwa ein Verteidigungsturm zu verbessern. Das gleiche gilt auch für EAs Theme Park und Dungeon Keeper - ohne Moos ist in diesen Spielen wahrlich wenig los. Man sollte aber nicht vergessen, dass viele der zurzeit finanziell erfolgreichen Free2Play-Titel komplett auf ein Pay2Win-System verzichten. Im Diablo-ähnlichen Rollenspiel Path of Exile dienen die Ingame-Käufe nur der Optik und in World of Tanks kann man mit Geld nur geringfügig schneller vorankommen.

Bildergalerie

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