Frischgebackenes für den Brotkasten - die besten 20 neuen Spiele für den C64
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Bis heute brauen Hobbyentwickler in ihren Hexenküchen neue Spiele für den C64. Sie stellen sich der impossible Mission, mehr aus dem Kultrechner herauszuholen, als er eigentlich kann - mit beeindruckendem Erfolg. Unser Autor kürt die 30 besten Games der Jahrgänge 2020/21. Mit Video!
Kommen wir nun zu den besten Neuerscheinungen für den 64er. Das erwähnte Sam's Journey diente mir als Maß für die Beurteilung der aktuellen Spiele. Befriedigende Titel finden sich in der Bildergalerie "Hitlisting: Die Ränge 11 bis 20" weiter unten wieder. Die Top 10 sind natürlich spannender, los geht's!
Rang 10: Arcade Daze
Quelle: PC Games
Bei Arcade Daze muss der Spieler sein Können an 18 Automaten beweisen. In dieser Szene sind bereits 14 geschafft, da heißt es WELL DONE!
Schon bei Lazy Jones von 1984 konnten C64-Spieler im Spiel Spiele spielen. Klingt bescheuert, ist aber so. Mir gefällt die Hommage Arcade Daze, weil sie sich doppelt retro anfühlt: Zum einen locken die niedliche Pixeloptik und die fluffige Musik. Zum anderen geht es darum, zum König einer Spielhalle zu werden, wie es sie hierzulande leider kaum noch gibt. Es gilt, alle Automaten zu bezwingen, wobei es sich um Adaptionen der Klassiker Space Invaders, Pac-Man, Centipede, Frogger, Tank und Lunar Lander handelt.
Zunächst renne ich herum und sammle Geld, das einem Mädel aus der Tasche fällt. Die junge Dame will mich dafür verkloppen, darf mich also nicht erwischen. Genauso wie die Katze, die mich kurz paralysiert. Sobald ich genug Münzen eingesackt und in Spielchips getauscht habe, darf ich mich nach und nach an den Automaten versuchen. Schade, dass es nur sechs Games ins Spiel geschafft haben und nicht 18 komplett unterschiedliche Automaten. Immerhin variieren alle grafisch. Arcade Daze glänzt nicht mit Tiefgang. Als schnörkelloser Quickie für Highscore-Jäger macht es aber ordentlich Laune. Mein Geheimtipp! ( Zur Webseite )
Wertung 7/10
Rang 9: Hired Sword 2
Quelle: PC Games
Ein unanimiertes Männlein steht im Walde und grübelt: Erst in der Burg im Norden wegen eines Jobs fragen oder das Schiff im Osten aufsuchen?
Hired Sword 2 lässt sich als politisch inkorrektes, zotiges und sarkastisches Ultima beschreiben. Unter anderem geht es darum, acht Frauen rumzukriegen, was das Spiel mit hoch aufgelösten Busen-Screenshots belohnt (HiRes für C64-Verhältnisse natürlich). Ja, die Spielgrafik sieht aus, als habe sie der sehr untalentierte dreijährige Torben aus Blödesheim gekritzelt, und statt Scrolling kommt die soeben von mir erfundene Stuttering-Technologie zum Einsatz. Nicht mal die Spielfigur wurde animiert.
Hired Sword 2 präsentiert sich also als sehr, sehr oldschool. Jüngere Zocker wenden sich wohl mit Grausen ab.
ABER: Nostalgikern bereitet das Rollenspiel ein paar nette Stunden. Das zufallsgenerierte Equipment bedient Sammelsüchtige, die sich schon mal über Absurditäten wie ein Yo-Yo der Verdammnis freuen. Städte, Gebäude und Dungeons sorgen auf 20 Karten ebenso für Abwechslung wie die 36 Gegnertypen. Obendrauf gibt's Rundenkämpfe, eine witzige Story und entspannende Musik. Gegen so viel Pro statt Kontra schmiert das ebenfalls 2020 erschienene The Lord of Dragonspire deutlich ab. ( Zur Webseite )
Wertung 7/10
Rang 8: Planet X2.1
Quelle: PC Games
Aliens belagern die Basis der Menschen. Links oben: Sonnenkollektoren und Sammlerfahrzeuge. Rechts von der Fabrik stehen drei Panzer.
Die Aliens in diesem Spiel sehen lustig aus. So, als hätte Yoda was mit einer hamsterbäckigen und mausohrigen Sullustanerin gehabt. Nett sind die grünen Sackgesichter freilich nicht. Sie wollen zerstören! Bei Planet X2.1 handelt es sich, bitte jetzt festhalten, um ein Echtzeit-Strategiespiel. So was gab's für den C64 in der Form noch nie. Das Spiel hat David "The 8-Bit Guy" Murray (rund 1,4 Millionen Youtube-Abonnenten) programmiert. Es bietet 14 Karten.
Irre, was hier trotz 64-Kilobyte-Grenze alles geht: Ich beschaffe Mineralien, baue Sonnenkollektoren und Gasraffinerien. Ist die Rohstoffversorgung gesichert, entstehen Raketensilos, Mauern, Brücken und Fabriken. Die Fabriken produziert Panzer. Man kann die Tanks zu Geschützen umfunktioniert, aber auch jederzeit wieder zur mobilen Einheit zurückbauen. Der Spieler teleportiert per Tastatur zwischen den Gebäuden und bis zu zehn Fahrzeugen hin und her, kontrolliert alles manuell. Er steuert also zum Beispiel auch Sammler zum Steinbruch und zurück. Mausunterstützung? Nö! Einheiten zusammenfassen? Nö! Anfangs fühlt sich das sperrig an. Ich habe aber überraschend schnell reingefunden. ( Zur Webseite )
Wertung: 7,5/10
Rang 7: Attack of the Petscii Robots
Quelle: PC Games
Links oben geht gerade ein Levelboss hops. Die vom Spieler angeschleppten grünen Fässer bilden eine Sprengfalle. Einmal drauf schießen und … BUMM!
Attack of the Petscii Robots schafft es nicht, einen guten Ersteindruck zu hinterlassen. Die Zeichensatzgrafik tut zunächst so weh, als hätte man sich zwei ganze Zwiebeln in die Augen gerieben. Das Spiel verdient aber Beachtung: Der Entwickler, einmal mehr The 8-Bit Guy, hat es tatsächlich geschafft, ein Sandbox-Spiel ins RAM des C64 zu quetschen.
Beim Kampf Mensch gegen Maschine erkundet der Held neun Levels, um alle Roboter zu vernichten. Dafür braucht er Equipment. Er sucht zunächst möglichst unauffällig Schusswaffen, Bomben mit Zeitzünder, Erste-Hilfe-Kästen und anderes Gedöns zusammen. Petscii Robots sieht wie ein Twin-Stick-Shooter aus, doch wildes Ballern endet meist tödlich. Also schaltet der Spieler besser sein Hirn ein. Die Handlungsfreiheit und die Interaktivität der Umgebung sind für ein C64-Game sensationell. Ich kann zum Beispiel explosive Fässer zusammenstellen und so eine Sprengfalle bauen, die selbst die stärksten Roboter auf einen Schlag pulverisieren. Verschobene Möbel zwingen Wachroboter, ihre Route zu verlassen. Bringe ich EMP-Granaten mit Wasser zusammen, knipsen sie die Blechbüchsen nicht nur kurz aus, sondern sorgen für einen Kurzschluss-Exitus. Herumprobieren rockt! ( Zur Webseite )
Wertung 8/10
Rang 6: The Isle of the cursed Prophet
Quelle: PC Games
Ich glaube, ich habe noch nie ein Spiel mit höherer Schlüssel-pro-Quadratmeter-Quote gespielt: Rechts unten ist die kunterbunte Sammlung zu bestaunen.
The Isle of the cursed Prophet hat sich mir als das vorgestellt, was ich gerne als Staubsaugerspiel bezeichne: Man muss alles akribisch absuchen. Übersieht man einen Gegenstand, geht's nicht weiter. Dann muss ich alles noch mal ablatschen. Wer keine "Wander-Simulator" mag, wird hier also nicht glücklich. Ansonsten gibt sich das Action-Adventure in Zelda-Optik sehr charmant.
Das Spiel könnte auch Friedhof der Kuschelfrauen heißen, weil der Protagonist seine Gattin ins Leben zurückholen will. Er tappt bei der Suche nach 40 magischen Steinen durch die Insel-Botanik, haut Monster um und erkundet Häuser. Ungefährer Ablauf: Held findet in Gebäude A den Schlüssel X, gelangt in Haus B, erbeutet eine Sichel, entdeckt in gemähtem Gras einen Hammer, zertrümmert ein Gartentor, erschließt so ein neues Gebiet, schnappt sich dort eine Schaufel, hebt ein Grab aus, erbeutet Schlüssel Y, betritt Gebäude C und nimmt Schlüssel Z mit. Irgendwie ist das alles recht chillig. Die entspannende Musik könnte glatt beim autogenen Training laufen. Das Handbuch, das stimmungsvolle Intro (und der Schluss) sind fabelhaft. ( Zur Webseite )
Wertung 8/10
Rang 5: Soulless 2
Quelle: PC Games
Links der Held, rechts eine Axt werfende Statue und mittendrin ein schwebender Geist: Soulless 2 präsentiert sich eindrucksvoll, aber auch bockschwer.
Die Macher von Soulless 2: The Armour of Gods werben damit, dass ihr Game nach jedem Level speichert. Genau mein Humor! Immerhin verbrennen selbst fehlerlos spielende und daher nicht einmal sterbende Speed-Youtuber für das Startgebiet 25 Minuten. Ich habe schon so lange gebraucht, um die im Level versteckte Pistole zu finden - unser Amateur-Weltenretter stürzt sich nämlich tatsächlich waffenlos ins Abenteuer!
Nachdem der königliche Recke in einer wunderbar animierten Filmsequenz reitend zum Einsatz galoppiert ist, entpuppt sich das Run & Gun mit Adventure-Anleihen als Sacred Amour of Antiriad in Hübsch. Antiriad kam wie die Klassiker Hexenküche und Barbarian aus dem Hause Palace Software, legte also ordentlich vor - und Soulless 2 schafft es, das Vorbild zu übertrumpfen. Der Spieler erkundet viel und kämpft sich nicht nur horizontal voran, sondern auch vertikal, weil die Levels vielstöckig designt wurden. Soulless 2 punktet auch bei der Optik, dank vieler Gegnertypen und der pixelgenauen Steuerung. Die namengebende Armour of Gods, quasi eine Iron-Man-Rüstung, verleiht ab dem zweiten von vier Kapiteln sogar Flügel. ( Zur Webseite )
Wertung 8/10
Rang 4: Zeta Wing
Quelle: PC Games
Ein spinnerter Levelboss spuckt Giftkugeln, das Raumschiff kontert mit grünen Laserstrahlen. Sarah Jane Avery hat sich für das Shoot ’em up Zeta Wing vom Arcade-Shooter Gemini Wing (1987) inspirieren lassen.
Kommen wir zur vielleicht unbekanntesten bekannten Spieleentwicklerin des Universums: Sarah Jane Avery. Wenn die medienscheue Britin nicht gerade an modernen Spielen wie Zoo Tycoon und Elite Dangerous mitwirkt oder Fantasy-Romane schreibt, klöppelt sie hobbymäßig C64-Shoot 'em ups wie Neutron (2019) und Zeta Wing. Das zweitgenannte und hier vorgestellte Game räumte 2020 sogar den RGN Gamers' Choice Award ab.
Weil ich über die Reflexe eines Kühlschranks verfüge, haderte ich bei der schnellen Ballerei ab und zu mit dem anspruchsvollen Gameplay. Einige Space Invaders aus der Zeta-Chicken-Wing-Braterei pirschen sich zum Beispiel gerne am Bildrand heran, um mein Schiff dann durch einen plötzlichen Kurswechsel kamikazehaft von der Seite zu zerpixeln. Der Vertikal-Scroller bringt sieben Levels an den Start. Als Gemini-Wing-Hommage präsentiert er sich herrlich bunt (worunter vereinzelt die Übersicht leidet), bietet zehn Waffen-Upgrades und coole Levelbosse. Das Shoot 'em up generiert einen tollen Flow, weil die Steuerung so präzise funktioniert wie ein OP-Laser. ( Zur Webseite )
Wertung 8,5 /10
Rang 3: Millie and Molly
Quelle: PC Games
Die Omas Millie und Molly gehen im gleichnamigen Puzzle Game auf Monsterjagd. Eine der Damen lässt sich gerade auf zwei Totenkämpfe fallen (rechts), um den Pac-Man-Geist links von ihr zu attackieren.
Ich gebe unumwunden zu: Weil ich zu doof dafür bin, belegen rätsellastige Spiele auf meiner Mag-ich-nicht-Liste in der Regel den ersten Platz, noch vor Attila Hildmann zuhören und Atomkrieg. Mein IQ reicht aber, um nach 22 von 100 Levels das geniale Konzept von Millie und Molly zu erkennen: Die Regeln sind simpel, deren Umsetzung knifflig. Das Spiel mit den zwei Omas, die Monster killen sollen, erinnert an den Klassiker Boulder Dash.
Regel 1: Die Damen können die Monster nur von der Seite angreifen. 2. Felsen sind verschiebbar. 3. Erde lässt sich wegbuddeln.
Nun gilt es, alle Kreaturen zu erwischen, ohne in eine Sackgasse zu geraten. Felsen sind hilfreich, weil man sie zum Beispiel schubsen, stapeln und dann als Plattformen nutzen kann - sobald aber eine der Damen zwischen zwei Brocken steht, geht's nicht weiter. Millie und Molly können nämlich nur Leitern erklimmen und nicht hüpfen. Per Knopfdruck wechselt der Spieler den Charakter. Zum Glück gibt's für ausweglose Situationen eine Rückspultaste. Manchmal muss Millie alleine ran. Das Puzzle Game überzeugt auch grafisch. Es sieht aus wie ein zuckersüßes Jump & Run. ( Zur Webseite )
Wertung 9/10
Rang 2: MW Ultra
Quelle: PC Games
Ian, der Protagonist des Action-Adventures Metal Warrior Ultra, hat die Stadt verlassen. Jetzt versucht ein übellauniger Biker, ihn zu überfahren.
Als ich den Namen MW Ultra zum ersten Mal gehört habe, dachte mein sehr spätpubertäres Hirn peinlicherweise sofort an eine Damenbinden-Werbung. Oder geht es um einen Hooligan von Bayer Leverkusen? Um es klarzustellen: MW steht für Metal Warrior. Das Amiga- und C64-Spiel von 1993 hat nun einen 1a-Thronfolger. Ich schlüpfe in die Rolle eines Metal-Gitarristen, der sich mit Bier heilt. Allein dafür verdient das Action-Adventure Platz 2. Wegen der Verschwörungsstory hätte ich es in den 80ern als Deus Ex milliardenfach verkauft. Treffend wäre auch Cyberpunk 64, weil MW Ultra wie die Playstation-4- und Xbox-One-Fassungen von Cyberpunk 2077 nicht mal zwei Fahrzeuge gleichzeitig darstellen kann. Bitte hier hüsteln, liebe Leser!
Quelle: PC Games
Ian kämpft mit Messerstechern. Der rote Balken links zeigt die Lebensenergie, der türkisfarbene rechts, wie weit der Held von der nächsten Stufe entfernt ist.
Unglaublich, wie kreativ der finnische Entwickler Lasse Öörni (43) die Steuerung für alte Joysticks umgesetzt hat. Kinder müssen wissen, dass wir im Schulterpolsterzeitalter ja nix hatten, nicht mal Schamhaarrasierapparate oder Controller mit mehr als einer Feuerknopffunktion. Mein Alter Ego kann viel: ballern, schlagen, treten, blocken, springen, klettern, schleichen, sich verstecken, per Seilhaken herumschwingen und ein Inventar mit Erste-Hilfe-Kästen, Sprengkörpern, Schlüsseln, Code-Karten und einem Smartphone inklusive Logbuch verwalten. Kickboxeinlagen erinnern an Double Dragon, The Way of the exploding Fist und International Karate. Mein Recke beherrscht sogar Fußpfleger ... äh ... Fußfeger (verdammte Autokorrektur).
Quelle: PC Games
Zwischensequenzen mit umfangreichen Dialogen spinnen die Story weiter. Hier hängt Ian in einer Kneipe ab.
Rollenspielelemente mit den Attributen, Athletik, Nahkampf, Treffsicherheit, Tragkraft und Ausdauer machen das Game noch interessanter. Obendrauf gibt's spacige Mucke. Weiterer Pluspunkt: Der Titel bietet drei Schwierigkeitsgrade sowie eine faire Speicher- und Continue-Funktion. Die Spielzeit liegt bei durchschnittlich sechs bis acht Stunden.
Lasse Öörnie - übrigens bekennender Fan der Homebrew-Games Sam's Journey, Soul Force und Knight 'n' Grail - hat mir gesagt, dass MW Ultra 825 Bildschirme groß ist. Ich spinne mal in puncto Multi-Monitor-System rum: Basierend auf 19-Zöllnern käme eine Strecke von über 300 Metern zusammen. Holy shit! ( Zur Webseite )
Wertung 9,5/10
Rang 1: Soul Force
Quelle: PC Games
Die Levels von Soul Force bieten grafisch eine Menge Abwechslung. Hier dübelt mein Raumschiff über einen Vulkan hinweg.
E.T. nach Hause torpedieren darf ich auch bei Soul Force, dem aktuellsten Shooter von Sarah Jane Avery. Sie legt im Vergleich zu Zeta Wing noch mal eine 100-Petawatt-Ionenkanonen-Ladung drauf. Dieses neue Alien-Grillfest steht in der Tradition von Horizontal-Klassikern wie Gradius, Nemesis und R-Type. Es gilt als umfangreichstes Shmup der C64-Geschichte.
Mein Alter Ego düst nicht nur im 08/15 Instant-Weltraum herum, sondern erlebt 20 fantastisch abwechslungsreiche Levels. So jagt das Schiff über die Oberfläche eines Eisplaneten hinweg, kommt unter Wasser zum Einsatz und bahnt sich einen Weg durch einen Endor-Gedenk-Wald. Was für eine Liebe zum Detail, im Unterholz lungern tatsächlich einige Füchse herum!
Quelle: PC Games
Action zu Lande und in der Luft. Der possierliche Fuchs unterstreicht die Detailverliebtheit von Sarah Jane Avery.
Soul Force brilliert mit überdurchschnittlich vielen, originellen Gegnertypen. Sieben Power-ups bringen Streuschuss, Schild, Smartbombe & Co. ins Spiel. Die Waffen verfügen über Stärken und Schwächen, was taktische Überlegungen nötig macht. Mini-Comic-Dialoge und Pixel-Art-Ladebildschirme erzählen sogar eine kleine Geschichte. Wenn ich gezwungen wäre, etwas zu kritisieren, dann einige Levelbosse, die spielerisch und grafisch etwas uninspiriert wirken.
Sahra Jane Avery arbeitet exzessiv mit Parallax-Scrolling. Bei dieser Technik bewegt sich zum Beispiel eine Bodenfläche im Vordergrund in einer anderen Geschwindigkeit durchs Bild als der Himmel im Hintergrund. Durch die unterschiedlich schnell laufende Grafik entsteht ein Pseudo-3D-Effekt. Vielleicht habe ich halluziniert, aber ich glaube, in Soul Force bis zu sieben solcher Ebenen gesehen zu haben. Obendrein erreicht das Game dank seines Speicher- und Passwortsystems 99 Punkte auf der Fränkel-Fairplay-Skala. Selbst Gelegenheitsbrutzler feiern diesen Krieg der Sterne. ( Zur Webseite )
Quelle: PC Games
So, ich mache jetzt mal mein Seepferdchen … KAPUTT!
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Abschließend möchte ich auf ein Spiel eingehen, das nicht in den Top 10 gelandet ist, aber ein paar Extraworte verdient. Bei The Shadow over Hawksmill habe ich lange überlegt, wo ich es einstufen soll. Es bietet wie The Isle of the cursed Prophet eine Detektiv-Geschichte rund um den von Howard Phillips Lovecraft ersonnenen Cthulhu-Mythos und das Buch Necronomicon. Die Gruselatmosphäre, kleine Rätseleinlagen, das dezente Indiana-Jones-Flair und vor allem die stilvolle Grafik haben mich eine gewisse Zeit gefesselt.
Quelle: PC Games
Hübsch, atmosphärisch, aber unfair: The Shadow over Hawksmill.
Leider, ich bedauere das wirklich, entpuppt sich das Game von Homebrew-Legende Trevor Storey als Musterbeispiel für die Zerstörungskraft falscher Design-Entscheidungen. Viele der vorgestellten C64-Spiele sind schwer, das waren sie auch früher. Heutzutage, als Halbgreis, schreie ich da schon mal vorschnell "Mimimi!" The Shadow over Hawksmill geht aber nicht nur eine Speicherfunktion und ein Checkpunktsystem ab. Es gebärdet sich obendrein sehr unfair. Ich verklage es wahrscheinlich wegen Sachbeschädigung, weil mein Competition Pro doch arge Bissverletzungen erlitt.
Die ständige Monster-Reinkarnation hat mich wahnsinnig gemacht. Vor allem, weil es beim Betreten eines neuen Bildschirms oft unmöglich ist, auszuweichen. Der Held ballert auch nicht, ohne Munition zu verpulvern. Das Zielkreuz reagiert megaschnarchig, dagegen fällt jede Rede von Olaf Scholz spritziger aus. Und NATÜRLICH herrscht ohnehin Munitionsmangel. Die Idee, Schattenwesen und schwarze Fledermäuse auf schwarzem Hintergrund zu positionieren, gefällt auch eher semigut. Damit mein Hals wieder dünner wird, zocke ich jetzt zur Entspannung das an Donkey Kong erinnernde, schnörkellose Fix it Felix Jr., ein Gratisspiel zum Animationsfilm Ralph reichts.
Quelle: PC Games
Ralph reichts jetzt auch auf dem Commodore 64.
Nun bin ich anders als Jakob Voos ein Nostalgiker, der nicht auf die Idee käme, seine Texte auf dem Brotkasten zu tippen oder ihn als Bordcomputer für einen Flug zum Mars einzusetzen. Ich werde also auch weiter in den Klassikern meiner Jugend versinken, wenn mir danach ist. Die Homebrew-Szene behalte ich dennoch im Auge, sie hat mein altes Herz defloriert ... äh ... defillibriert (verdammte Autokorrektur). Ich kann künftig nicht nur beim Zocken alter Games in Nostalgie schwelgen, sondern mir mit dem frischen Nachschub noch etwas anderes aus der Vergangenheit zurückholen. Hey, mal ehrlich: War es als Kind nicht am schönsten, etwas Neues zu entdecken?
Für Retro-Gaming-Fans: Wir haben im Technik-Ratgeber die aktuellen Retro-Konsolen miteinander verglichen und erklären, was C64 Mini, NES Mini & Co. können.
