Epic-Forums-Battle: Hitler vs. Stalin

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Epic-Forums-Battle: Hitler vs. Stalin
Quelle: PC Games

Viele Computerspiele setzen auf historische Szenarien. Aber wie korrekt und realistisch ist das eigentlich, was uns die Entwickler da präsentieren? In unserem ausführlichen Special beleuchten wir die Geschichte in Spielen einmal genauer und zeigen euch, ob ihr vielleicht doch mal zu einem Buch greifen solltet!

Epic-Forums-Battle: Hitler vs. Stalin

Ja, spinnen die Entwickler denn? Wenn Uniformen und Waffen oder historische Zusammenhänge nicht historisch absolut korrekt sind, entbrennen immer wieder hitzige Diskussionen. So war es einigen - vornehmlich westlichen Spielern - zu akkurat, als Entwickler Wargaming.net für die Die Darstellung der sowjetischen Soldaten in Company of Heroes 2 sorgte bei einigen Spielern für Diskussionsbedarf. Quelle: PC Games Die Darstellung der sowjetischen Soldaten in Company of Heroes 2 sorgte bei einigen Spielern für Diskussionsbedarf. sowjetischen Panzer in World of Tanks (2010) Aufschriften wie "Für Stalin" per Update nachreichte. Im hauseigenen Forum herrschte hierüber dicke Luft unter den Spielern. Prompt rechneten einige die Verbrechen von Stalin und Hitler gegeneinander auf. Wer war schlimmer? Und durften wirklich solche Schriftzüge auf einem Panzer zu sehen sein, wenn es gleichzeitig keine Hakenkreuze im Spiel gab? Auch nicht in der internationalen Version, was die Entwickler von Wargaming.net mit ihrer antifaschistischen Haltung begründeten. Ein anderes Beispiel: Über die Darstellung der russischen Soldaten in der Kampagne von Company of Heroes 2 (2013) waren nicht alle Spieler glücklich. Russische Soldaten, die ohne Gewehre gegen den Feind anrennen müssen? Das gehöre doch ins Reich der Mythen.

Aber was ist denn nun historisch korrekt?

Das Problem: DIE Geschichte gibt es nicht. Vielmehr ist Geschichte eine Interpretation von historischen Quellen - die zu unterschiedlichen Ergebnissen führen kann. Wenn Historiker sich mit einem historischen Thema beschäftigen, untersuchen sie vornehmlich Schriftstücke und setzen sich mit ihnen kritisch auseinander. Wann wurde es geschrieben? Wer hat es geschrieben und warum? Diese Fragen helfen dem Historiker, eine Quelle richtig einzuordnen. Denn: Viele Autoren verfolgen eine Intention. So gibt es beispielsweise über den Karthager Hannibal fast ausschließlich

römische Texte. Da die Römer seine Feinde waren, urteilen die Quellen nicht sonderlich freundlich über den Feldherrn. Aber was ist nun falsch und was richtig? Dies herauszufinden, ist die Aufgabe des Historikers. Aber das Ergebnis kann unterschiedlich sein: Je nach Herangehensweise, Forscher und auch Zeitgeist. Wer Geschichtsbücher aus dem 19. Jahrhundert, aus der DDR und aus der heutigen Zeit über den Aufstand des Sklaven Spartakus im Römischen Reich miteinander vergleicht, der wird auf drei sehr unterschiedliche Interpretationen des Ereignisses treffen.

Gleiches gilt für die eben erwähnten Spiele. In Ost und West gibt es eine unterschiedliche Erinnerungskultur. Während Stalin in Russland eine bestenfalls kon­troverse historische Persönlichkeit ist, wird er im Westen als totalitärer Diktator angesehen. Spieleentwickler können sich bei historischen Szenarien also durchaus aufs Glatteis begeben, wenn sie es mit der historischen Korrektheit zu genau nehmen. Kein Wunder also, dass Entwickler Paradox bei ­Hearts of Iron 4 zwar ein Wirtschaftssystem ins Spiel integriert, das Zwangsarbeitersystem aber lieber außen vorlässt und auch den Holocaust nicht thematisiert.

Fakten außenvor: Spielspaß und Story sind wichtiger!

Abgesehen von diskussionswürdigen und relativ frei interpretierbaren Quellen gibt es natürlich auch harte Fakten. Den Mauerfall hat es Spawn, aus dem Graben, Kopfschuss, Spawn ...Die Kämpfe in Verdun sind nah an der tödlichen Realität des Stellungskriegs im Ersten Weltkrieg. Quelle: Blackmill Games Spawn, aus dem Graben, Kopfschuss, Spawn ...Die Kämpfe in Verdun sind nah an der tödlichen Realität des Stellungskriegs im Ersten Weltkrieg. eindeutig gegeben. Ebenso den Mord an dem österreichischen Thronfolger und dessen Ehefrau in Sarajevo. Oder den Beginn des Amerikanischen Bürgerkriegs mit dem Beschuss von Fort Sumter. All das ist ausführlich dokumentiert. Doch auch mit den "harten Fakten" nehmen es die Entwickler nicht immer ganz genau. In einigen Fällen mag dies mit heiklen Themen zusammenhängen. In der Mehrzahl gibt es aber andere Gründe: Gameplay, Story und Spielspaß.

So kann man durchaus die Schlachten des Ersten Weltkriegs realistischer darstellen - wie es die Entwickler M2H/Blackmill Games mit dem Multiplayer-Shooter Verdun (2015) machen. Wer dort wie in Battlefield 1 planlos über das Schlachtfeld rennt, der hat schneller eine Kugel im virtuellen Kopf als er Moorhuhn buchstabieren kann. Aber die Mehrheit der Spieler zockt dann eben doch den Shooter von DICE. Das gilt auch für die historisch überwiegend akkuraten, aber sperrigen Paradox-Titel im Vergleich zu Civilization 6 oder der Total-War-Reihe. Die Stärkenverhältnisse der Panzer in World of Tanks stimmen nicht mit der Realität überein? Zwischen Mark IV und A7V gibt es in Battlefield 1 kaum In Battlefield 1 seid ihr mit den Panzern Mark IV und A7V auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs unterwegs. Quelle: Dice In Battlefield 1 seid ihr mit den Panzern Mark IV und A7V auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs unterwegs. Unterschiede? In Total War: Attila (2015) kämpft ihr mit Fantasieeinheiten? Für die Entwickler steht die Spielmechanik an erster Stelle. Wenn man die Hülle eines Panzers nicht knacken kann oder eine Fraktion über keine Speerkämpfer im Kampf gegen Pferde verfügt, dann mag das im entsprechenden Fall historisch richtig sein, aber das Gameplay käme in eine arge Schieflage. Darum haben die Entwickler in Assassin's Creed: Unity auf einen historisch korrekten Straßenverkehr verzichtet. Arno würde vermutlich mehr Tode durch Kutschenunfälle als durch feindliche Klingen sterben. Auch bei der Story nehmen sich Entwickler Freiheiten in Bezug auf historische Figuren heraus, um eine spannende Geschichte erzählen zu können. Es ist daher durchaus in Ordnung, wenn die Entwickler sich nicht sklavisch an eine historische Vorlage halten.

Beeinflussen Spiele euer Geschichtswissen?

Apocalypse Now Quelle: STUDIOCANAL Szenen aus Apocalypse Now! Doch daraus ergibt sich noch eine interessante Frage: Welchen Einfluss haben visuelle Medien wie Spiele und Filme auf unser Geschichtsbild und somit auf die gesellschaftliche Erinnerungskultur? Man denke dabei etwa an den ­Vietnam-Krieg. Filme wie Apocalypse Now (1979) und Full Metal Jacket (1987) haben unser Bild geprägt. Kein klares Gut und Böse wie im Zweiten Weltkrieg, kein heldenhafter Kampf, stattdessen Gitarren-Riffs, Helikopter, sinnlose Tode und Melancholie. Sowohl Pirates! als auch Assassin's Creed: Black Flag (2013) bedienen das durch unzählige Piratenfilme geprägte typische Bild der karibischen Seeräuber. Das hat mit der Realität oftmals ebenso wenig gemein wie die allgemeine Vorstellung von Revolverhelden und Cowboys im Wilden Westen. Spiele beeinflussen unser Bild von historischen Ereignissen. Kommt ihnen damit eine besondere Verantwortung zu? Nur bedingt, denn immerhin sind Spiele letztendlich ebenso wie Kinofilme ein Unterhaltungsprodukt. Der kommerzielle Anspruch steht klar vor dem didaktischen. Dafür eignen sich andere Formate besser. Im besten Fall weckt ein Spiel mit historischem Szenario das Interesse eines Spielers an den tatsächlichen geschichtlichen Ereignissen, und er greift zu einem Buch. Oder noch besser: zu zwei oder drei Büchern. Ihr wisst ja: die Sache mit der Interpretation.

  1. Seite 1 Assassin's Creed, Battlefield 1 und Co.: Sind diese Spiele wirklich historisch korrekt?
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