Kompetitive Shooter: Frustration als fester Bestandteil

Special Helen Schubert Annika Menzel
Kompetitive Shooter: Frustration als fester Bestandteil
Quelle: Electronic Arts

Das Spielerlebnis in Shootern wird neben schönen Emotionen oft von Frustration geprägt.

Frust zerstört nicht nur unser Spielerlebnis, sondern auch das unserer Mates. Besonders in Multiplayer-Shootern ist es ein schönes Gefühl, als Team zu gewinnen. Wenn die letzten Runden schlecht gelaufen sind, ist es Zeit für eine Pause. In diesem Fall ist das Ausloggen meist der klügere Move als der Headshot beim Gegner. 

Neben der Reihe an negativen Einflüssen ist die der positiven mindestens genauso lang. Fairerweise sind die unangenehmeren Emotionen oft individuell ausgeprägt, während Spaß und Spannung bei den meisten vorhanden sind, die gerne Shooter spielen.

Auch das Zocken mit Freunden macht meist mehr Spaß als allein. Ein gemeinsamer Sieg ist doch um einiges schöner und sogar das Verlieren fühlt sich mit Freunden nicht so schlimm an. Vielleicht geht es nicht darum, Frust zu vermeiden, sondern ihn nicht mit in die nächste Runde zu nehmen. 

ARC Raiders Quelle: Embark Studios  ARC Raiders ist ein neuer Extraction-Shooter, in dem wir entscheiden können, ob wir unsere Feinde töten oder mit ihnen zusammenarbeiten.

Loss Aversion 

Er ist nun mal ein Bestandteil von Shootern, und verlorene Matches wiegen oft schwerer als gewonnene. Dieses Phänomen ist sogar wissenschaftlich belegt und wird  Loss Aversion  genannt.  

Es besagt, dass sich eine Niederlage doppelt so schlimm anfühlt wie die Freude über einen Sieg. Shooter benutzten sie daher als gezieltes Element, um ihre Spieler am Ball zu halten. Die Angst davor, den Rang zu verlieren, ist oft größer, als die Bereitschaft, sich einzugestehen, dass man nicht in der Stimmung für ein weiteres Match ist. So nutzen kompetitive Spiele die Angst aus und geben den Spielern das Gefühl, dass sie etwas verlieren, wenn sie nicht weiterspielen.  

Das wird mithilfe von Rank Decay verstärkt, indem uns Punkte abgezogen werden, wenn wir länger nicht online sind oder, wie im Fall von League of Legends ab der Stufe Diamond, bei Inaktivität von der Rangliste verschwinden. Es werden sogenannte Banked Days gesammelt, an denen man nicht Ranked spielt.

Sobald eine gewisse Anzahl erreicht ist, werden reichlich Punkte pro Tag abgezogen. Mit dem System sorgt LoL dafür, dass sich die Spieler auf den Rang fokussieren. Dann kann es schnell passieren, dass wir nur spielen, um zu spielen, und nicht, weil wir gerne möchten. 

Premier ist der Hauptwettkampfmodus in Counter Strike und hat schon den ein oder anderen den letzten Nerv gekostet. Quelle: Valve Premier ist der Hauptwettkampfmodus in Counter Strike und hat schon den ein oder anderen den letzten Nerv gekostet. Ein weiteres gängiges Mittel sind die täglich wechselnden Shops. Sie sorgen für Angst, einen Skin zu verpassen, auf den man schon seit Wochen wartet. In Valorant kann es teilweise einige Zeit dauern, bis es den Skin, den man möchte, wieder im Shop gibt. So ist es fast eine Selbstverständlichkeit, täglich nach dem Inhalt zu sehen. 

In Fortnite und Call of Duty gibt es oft exklusive Skins oder Events, die man nur zu einer bestimmten Zeit spielen oder kaufen kann. Mit diesen Methoden binden Entwickler ihre Community an die Spiele. Doch was wäre, wenn sie Loss Aversion auf positive Weise nutzen würden? 

Sie könnten sich als Ziel setzen, die Spieler auf eine stressfreie und faire Weise im Spiel zu halten. Das ginge zum Beispiel dadurch, dass sie Erfolge nicht nur auf den Rangmodus beschränken, sondern Quests und andere Modi anbieten, die als Abwechslung dienen.

So haben die Spieler eine Motivation, auch außerhalb der gewerteten Modi am Ball zu bleiben. Der Ehrgeiz, einen guten Rang zu haben, rückt etwas in den Hintergrund, wenn stattdessen neue Items freigespielt werden. 

Der Ausgleich zu kompetitiven Spielen  

Genau in solchen Momenten von Frust merkt man, wie stark Spiele unsere Stimmung beeinflussen können. Und wie sehr wir manchmal vergessen, dass es auch anders geht. Als Ausgleich kommen uns in diesem Fall beispielsweise  Cozy Games  gelegen. In diesen Spielen verlieren wir nichts - außer vielleicht unser Zeitgefühl. Wir haben die Möglichkeit, abzuschalten und in unserem Tempo zu spielen.  

Stardew Valley ist ein Cozy Game, welches nur darauf wartet, dass wir entspannte Stunden auf unserer Farm verbringen. Quelle: ConcernedApe Stardew Valley ist ein Cozy Game, welches nur darauf wartet, dass wir entspannte Stunden auf unserer Farm verbringen. Wir freuen uns zusammen mit unserer kleinen Figur aus Pixeln, und genau das ist das Magische daran. Viele nutzen Videospiele, um dem stressigen Alltag zu entfliehen und für ein paar Stunden in einer anderen Welt unterzutauchen.  

In Cozy Games gibt es keinen Rangverlust oder toxische Kommentare der Teammates. Wir dürfen scheitern, ohne direkt etwas kaputt zu machen. Das Tempo bestimmen wir selbst und es gibt keinen Vergleich mit anderen. In den Spielen sind die Fortschritte leise, klein und konstant, und genau das wirkt beruhigend.

Wir sehen unsere Pflanzen gedeihen und hören die Vögel zwitschern. Es wird ein Ausgleich geschaffen vom stressigen Alltag oder den davor gespielten kompetitiven Spielen. Nicht alles muss herausfordern.

Manches darf uns auch einfach entspannen. Genau aus diesem Grund sollten wir bewusst darauf achten, bis wann uns das Spielen Spaß macht und wann es Zeit ist, die Waffen niederzulegen und zum Beispiel die Farm aufzusuchen. Um einen emotionalen Ausgleich zu schaffen, lautet die Lösung nicht, auf Shooter zu verzichten, sondern lediglich zu wissen, wann wir eine Pause einlegen sollten. Vielleicht brauchen wir beides: Spiele, die uns antreiben, und die Spiele, die uns auffangen. 

  1. Seite 1 Starke Emotionen beim Spielen
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