Was zum Hades ist eigentlich ein Roguelike?

Special Daniel Link
Was zum Hades ist eigentlich ein Roguelike?
Quelle: PC Games

Nur wenige Spiele können von sich selbst behaupten, ein ganzes Genre aus dem Boden gestampft zu haben. Wie Rogue das geschafft hat und damit den Weg für Spiele wie Hades eröffnete, schauen wir uns daher mal genauer an.

Ein weiterer absoluter Fan-Liebling ist Ancient Domains of Mystery, oder einfach Adom. Veröffentlicht im Jahre 1994, hatte das Spiel alles, was das Herz begehrt und mehr. Spieler konnten eine Klasse wählen, durch ihren Geburtsmonat passive Boni erhalten, Fähigkeiten und Talente erlernen, Attributspunkte verteilen und noch mehr.

Adom bietet außerdem eine Art Oberwelt mit üppigen Wäldern, grünen Feldern und gewaltigen Bergen - nur eben dargestellt in ASCII-Grafik. Diese umfasst diverse Gebiete mit NPCs, Quests und anderen Dingen.

Auch bei der Gegnervielfalt spielt Adom seine Stärken aus, und unvorbereitete Abenteuer können auf mehr Wegen denn je frühzeitig das Zeitliche segnen. Man wird versteinert, geopfert, von Monstern gefressen, oder man erstickt einfach am eigenen Erbrochenen.

Adom ist ein riesiges, ziemlich kompliziertes Spiel, im Dungeon selbst erinnert das Gameplay aber dann wieder stärker an Rogue. Buchstaben sind der Feind und um sie aus dem Verkehr zu ziehen, rennt man so lange in sie rein, bis ihre Lebenspunkte auf null fallen. Oder man beschießt sie in Rogue-Manier mit Pfeilen und nutzt mächtige Zauber.

Kämpfe laufen immer noch in Runden ab, und genau wie in Rogue kommt der Spaßfaktor daher, das gelernte Wissen einzusetzen, um mit den verschiedenen Herausforderungen des Spiels fertigzuwerden.

Unter der Flut an neuen Inhalten litt zwar das Balancing ein wenig - unserer Meinung nach steht der Archer weit über fast jeder anderen Klasse - aber Roguelike-Fans konnten gar nicht genug davon bekommen.

Noch mehr als es in Rogue ohnehin schon der Fall war, wurde in den späteren Roguelikes vermehrt auf das sogenannte "Emergent Gameplay" gesetzt. Also auf Situationen, die von den Entwicklern zwar nicht unbedingt so beabsichtigt, durch die robusten Gameplay-Mechaniken aber möglich sind.

Fans von Immersive-Sims wie Prey aus dem Jahr 2017 werden direkt wissen, wovon wir hier reden. Roguelikes wie Adom haben Emergent Gameplay vor all den Jahren schon so gut hinbekommen, dass die Spiele quasi zeitlos sind.

Die Hauptfigur im Cover-Artwork aus Prey (2017). Quelle: Bethesda Jahre nachdem die Entwicklung bereits eingestellt war, starteten die Adom-Entwickler eine Crowdfunding-Kampagne, um weiter an Adom zu arbeiten, wodurch es im Jahre 2015 dann sogar zu einem Release auf Steam kam. 2021 veröffentlichte das Entwicklerteam dann Ultimate Adom, aber über dessen Qualität wollen wir lieber nicht reden.

Obwohl traditionelle Roguelikes definitiv eine gewisse Fanbase haben, ist das Genre nach all der Zeit noch recht nischig. Mittlerweile haben Roguelikes nämlich einige Transformationen durchgemacht und was man heutzutage unter dem Genre versteht, lässt sich kaum noch mit seinen Ursprüngen vergleichen.

Roguelite statt like

Gleichzeitig hat daher auch der Genrename eine Wandlung durchlaufen. Ein Großteil der modernen Spiele sind als Roguelite bekannt, worunter Spiele wie Skul: The Hero Slayer fallen.

Hier gibt es meist eine Form von Meta-Progression und sonstige freischaltbare Gegenstände, immer öfter wird auf die Top-Down-Ansicht verzichtet und ein rundenbasiertes Kampfsystem findet man auch immer seltener.

Moderne Roguelites sind eben eine "Light"-Version von Rogue, was ihnen den Namen beschert hat. Vom ursprünglichen Konzept ist eigentlich nur der Perma-Death-Aspekt, gepaart mit dem stetigen Besserwerden übriggeblieben, sei es bei Deckbuildern, Hack-and-Slash-Titeln oder Spielen wie Vampire Survivors.

Zagreus aus Hades. Quelle: Supergiant Games Aber einige passionierte Entwickler werkeln trotzdem weiter an Spielen, die so nah wie möglich am Original sind. Caves of Qud wurde etwa erst im Jahre 2015 auf Steam veröffentlicht und gehört für Rogue-Fans zu den absoluten Favoriten der Gegenwart. Auch, wenn ein Spiel ohne ASCII-Grafik eigentlich auch kein richtiges Roguelike sein kann.

Einen ähnlichen Gedanken hatten die Entwickler von Nuclear Throne und bezeichneten ihr Spiel daher als Roguelike-like. Das Spiel zieht nämlich klare Inspiration von Rogue, bietet aber auch einige gravierende Unterschiede.

Unter anderem setzt Nuclear Throne nämlich nicht auf ein rundenbasiertes Kampfsystem. Das Spiel ist zwar näher an Rogue dran als ein Binding of Isaac, doch für die Entwickler selbst reicht das noch nicht ganz zur Bezeichnung als Roguelike.

Egal ob Roguelike, Roguelite oder Roguelike-like, das Genre hat in den letzten 40 Jahren für Millionen Stunden an Spielspaß gesorgt. Und die Beliebtheit von Roguelikes ist größer als je zuvor.

Erst kürzlich wurde auf Steam etwa Balatro veröffentlicht. Das Spiel verbindet einfach mal Poker-Gameplay mit Roguelike-Elementen. Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie sich das von Rogue begründete Genre mittlerweile gewandelt hat. Die Entwickler dürfen sich mächtig auf die Schulter klopfen, dass ihre Idee für ein Videospiel fast ein halbes Jahrhundert später immer noch für eine ganze Menge Spielspaß sorgt.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk