Phänomen Monster Hunter - Teil 2 des Serienspecials
Special 53,99 €
Über 40 Millionen verkaufte Exemplare, eigene Fan-Messen, tonnenweise Merchandise-Artikel und sogar maßgeschneiderte Freizeitpark-Attraktionen - Monster Hunter ist ein echtes Videospiel-Phänomen. Wir widmen uns in diesem Report passend zum Release von Monster Hunter World der bewegten Historie der Koop-Kreaturenjagd und analysieren, wie die Serie nach und nach ein Millionenpublikum erobert hat.
In diesem Artikel
Mangas, Comic, Fan-Messen
Quelle: Crunchyroll
Seit dem 2. Oktober 2016 gibt’s Monster Hunter auch als Anime-Serie. Der Spaß nennt sich Monster Hunter Stories: Ride On, umfasst 55 Episoden und ist in ausgewählten Ländern unter anderem beim Streaming-Anbieter Crunchyroll zu sehen.
Keine Frage, spätestens 2008/2009 kann man in Japan von einem regelrechten Monster Hunter-Boom sprechen. Ein weiterer Beleg hierfür sind prominente Monster Hunter-Auftritte in anderen Medien. Im April 2008 zum Beispiel buhlt mit Monster Hunter Orage ein von Hiro Mashima illustrierter Manga vier Bände lang um Aufmerksamkeit. Im Oktober 2008 wiederum erscheint mit Monster Hunter Hunter Card (MHHC) ein klassisches Sammelkartenspiel. Spannend zudem die seit Sommer 2009 immer wieder stattfindenden Monster Hunter Festa-Events. Gemeint sind von Capcom initiierte Fan-Messen mit witzigen Gewinnspielen, skurrilen Foto-Möglichkeiten und zahlreichen Gaming-Wettbewerben. Wer Glück hat, trifft hier außerdem immer wieder auf Personen aus dem Entwicklerteam, die - sofern es die Zeit erlaubt - keine Gelegenheit auslassen, Feedback von den Fans einzuholen.
Neue Konsolengeneration, neue Zielgruppen
Womit wir wiederum bei Monster Hunter Tri wären, welches ebenfalls im Sommer 2009 erscheint. Das erste Spiel der dritten Monster Hunter-Generation sollte ursprünglich für die PlayStation 3 veröffentlicht werden, macht sich dann aber auf der boomenden Nintendo Wii breit. Hintergrund: Capcom zufolge hätte die Entwicklung auf der neuen, kompliziert zu programmierenden Sony-Konsole zu hohe Kosten verschlungen.
Nintendo-Fans stört das freilich wenig. Auch sie lieben die kooperative Monsterjagd, die in der westlichen Version (April 2010) sogar Voicechat über den als Zubehör erhältlichen Wii-Speak-Adapter unterstützt. Und auch sonst ist Monster Hunter Tri ein echter Kracher. Immerhin präsentiert Capcom 18 neue Monster, komplett überarbeitete Waffenklassen, völlig neue Örtlichkeiten sowie Unterwasserkämpfe, in denen man unter anderem Jagd auf das neue Flaggschiff-Monster Lagiacrus macht.
Quelle: Capcom
Monster Hunter Stories für 3DS ist eines von zahlreichen Spin-offs der Franchise. Der Spieler schlüpft in die Rolle eines Reiters, der immer neue Monster um sich schart, die ihn im Kampf unterstützen.
Und was wird aus der gigantischen PlayStation-Fangemeinde? Die will Capcom natürlich ebenfalls nicht vergraulen - und macht ihr im Dezember 2010 ein ganz besonderes Geschenk: Monster Hunter Portable 3rd. Wichtiges Alleinstellungsmerkmal: Im Gegensatz zu den ersten beiden PSP-Spielen nutzt man diesmal keine Heimkonsolen-Fassung als Grundlage, sondern entwickelt ein eigenständiges PSP-Abenteuer mit einem sehr fernöstlichen Touch, was Setting und Atmosphäre betrifft. Die spannenden, aber spielerisch etwas unausgereiften Unterwasserabschnitte von Monster Hunter Tri sind ebenfalls kein Thema und werden komplett ersetzt. Der Rest? Steht in den Geschichtsbüchern und auf Capcoms offizieller Investoren-Website. Monster Hunter Portable 3rd geht komplett durch die Decke und schafft es mit 4,9 Millionen Einheiten bis an die Spitze der meistverkauften PSP-Spiele aller Zeiten. Nicht zu vergessen Platz 5 in den Top 10 der bisher meistverkauften Capcom-Spiele überhaupt (direkt hinter Resident Evil 2).
Erstaunlich, aber wahr: Im Westen ist dieser Achtungserfolg zwar in den Medien ein Thema, eine Umsetzung des PSP-Mega-Sellers gönnt Capcom Spielern in Europa und Nordamerika trotzdem nicht. Vielleicht auch deswegen nicht, weil mit dem Nintendo 3DS (Februar 2011) und der PlayStation Vita (Dezember 2011) in Japan gleich zwei komplett neue Handheld-Generationen in den Startlöchern stehen. Doch auf welches Pferd soll man diesmal setzen? Das Dual-Screen-Nintendo-Gerät mit hippem 3D-Effekt? Oder doch besser den kraftvollen PSP-Nachfolger mit Dual-Analog-Sticks und rückseitig verbauter Touch-Oberfläche?
Capcom entscheidet sich für das Nintendo-System - und beweist damit erneut einen ziemlich guten Riecher für kommende Marktentwicklungen. Denn genau wie die Nintendo Wii ist auch das Nintendo 3DS ein echter Publikumsliebling, der allein in ersten fünf Wochen nach Verkaufsstart 3,6 Millionen Hardware-Interessenten weltweit überzeugt. Bis Jahresende kommen noch mal 11,42 Millionen 3DS-Besitzer dazu - eine solide Basis also, um die Monster Hunter-Community zügig zu erweitern.
Mittel zum Zweck ist im Dezember 2011 zunächst Monster Hunter 3G, die inhaltlich aufgepeppte Neuauflage des Wii-Hits Monster Hunter Tri. Der Titel unterstützt Local Play, erstrahlt in stereoskopischem 3D und kann wahlweise im Bundle mit dem sogenannten Circle Pad Pro erworben werden, einer klobigen, aber kultigen Analogstick- und Schultertasten-Erweiterung, die die Unterwasserkämpfe des Spiels deutlich angenehmer gestaltet.
Weniger schön: Ein weltweiter Release klappt auch diesmal nicht. Stattdessen müssen Großwildjäger im Westen geschlagene 15 Monate warten, bis das Spiel schließlich im März 2013 als Monster Hunter 3 Ultimate seinen Weg in die Händlerregale findet. Dafür dann allerdings zeitgleich auf Nintendo 3DS und Nintendo Wii U und inklusive praktischer Cross-Save-Funktion. Die systemübergreifende Monsterjagd in Echtzeit bleibt Kennern dagegen verwehrt, denn klassisches Online-Play unterstützt lediglich die Wii-U-Fassung. Oder anders formuliert: Wer Monster Hunter 3 Ultimate auf dem 3DS mit Internet-Kameraden erleben möchte, guckt in die Röhre. Local Play bleibt der höchste der Gefühle. Schade.
Der Durchbruch im Westen
Capcom selbst will die eben skizzierte Offline-Schmach freilich nicht lange auf sich sitzen lassen. Die Lösung? Heißt Monster Hunter 4 Ultimate, erscheint im September 2013 exklusiv für Nintendo 3DS, kann endlich ab Tag eins problemlos online gespielt werden und gilt bei vielen Kritikern als der bisher beste Teil der Serie. Das beginnt schon mit dem Umstand, dass Leveldesign und Gameplay viel größeren Wert auf Vertikalität legen. Das Lemuren-ähnliche und ziemlich agile Kecha Wacha zum Beispiel kann viele verschiedene Oberflächen erklimmen und sogar durch die Luft gleiten, wenn Gefahr im Verzug ist. Spieler müssen sich also ganz neue Taktiken überlegen, um es zu Fall zu bringen.
Quelle: Capcom
Ab ins kühle Nass: Als erster Titel der Serie bot Monster Hunter Tri für Wii-Unterwasserkämpfe.
Erstaunlich viel Aufmerksamkeit fließt darüber hinaus in die für den westlichen Markt optimierte Lokalisierung. Auf Anraten von Localization Director Andrew Alfonso beschließt Capcom beispielsweise Hilfetexte in den Ladebildschirmen zu verfrachten, die Einführungsmissionen weniger herausfordernd zu gestalten und wichtige Gameplay-Grundlagen bereits im Rahmen der Social-Media-Kampagne an potenzielle Kunden weiterzugeben. Und tatsächlich: Am Ende der Entwicklung geht die Rechnung auf. Als erster Serienteil überhaupt knackt Monster Hunter 4 Ultimate auch in Europa und den USA die kombinierte Bestmarke von einer Million Exemplare. Ergänzt man die beeindruckenden Stückzahlen aus Japan, kommt man (Stand heute) auf mehr als 4,1 Millionen verkaufte 3DS-Module - Wahnsinn!
Treffen der Generationen
Quelle: Capcom
Cross-Save: Mit Hilfe einer speziellen 3DS-App war es in Monster Hunter 3 Ultimate möglich, Spielstände zwischen der 3DS- und Wii-U-Version auszutauschen.
Bliebe noch Monster Hunter Generations, der aktuellste Teil für Nintendos beliebten Taschenspieler 3DS. In Japan am 28. November 2015 als Monster Hunter X (gesprochen "Monster Hunter Cross") veröffentlicht, steht hier alles im Zeichen einer Vermischung von alten und neuen Elementen. Die bekannten Waffenklassen zum Beispiel können nun allesamt mit Erweiterungen versehen werden. Des Weiteren dürfen Bestien-Bezwinger erstmals zwischen unterschiedlichen Jagdstilen und Jagdtechniken wählen und auf Wunsch sogar sämtliche Quests in der Rolle eines Pirschers (also als pelziges Katzenwesen) in Angriff nehmen. Abgerundet wird Generations von den Fatalen Vier, vier brandneuen, besonders zähen Flaggschiff-Monstern, die selbst geübten Jägern die Scheißperlen auf die Stirn treiben - und den Capcom-Verantwortliche das Grinsen aufs Gesicht. Denn auch dieser Teil verkauft sich hervorragend. Allein die 3DS-Fassung bringt es mittlerweile auf 4,1 Millionen Spiele. Rechnet man nun noch die im März 2017 veröffentlichte 3DS-Neuauflage Monster Hunter XX sowie die auf HD-Optik getrimmte Nintendo-Switch-Fassung hinzu, kommen nochmal knapp 1,8 Millionen Exemplare obendrauf.
Aufbruch in eine neue Ära
Faszinierende Monster, forderndes Teamplay und eine packende Gameplay-Grundstruktur, die in direkter Zusammenarbeit mit der Community immer wieder verfeinert wurde: Mit diesen Komponenten ist es Capcom in den letzten 14 Jahren gelungen, ein Gaming-Phänomen zu erschaffen, das weltweites Ansehen genießt und mehr als 40 Millionen verkaufte Einheiten (verteilt auf derzeit 38 Spiele) vorweisen kann.
Quelle: Capcom
Monster Hunter: World für PS4 und Xbox One bietet zahlreiche Neuerungen, allen voran viel größere Szenarien, deren einzelne Areale ohne Ladezeiten miteinander verbunden sind.
Die beste Nachricht für Fans: Bereits am 26. Januar 2018 feiert die fünfte Generation der Serie mit Monster Hunter: World auf PS4 und Xbox One ihr Debüt und führt viele wegweisende Veränderungen ein. Gespannt sein darf man unter anderem auf das neue Drop-in/Drop-Out-System, das Koop-Matches zwischen japanischen und westlichen Teilnehmern zum Kinderspiel macht und für ganz neue Bande innerhalb der Community sorgen dürfte. Nicht minder reizvoll: Erstmals hängen die Areale innerhalb der einzelnen Szenarien direkt zusammen und sind nicht mehr durch Ladebildschirme unterbrochen. Für Open-World-Spieler mag das banal klingen, im Fall von Monster Hunter jedoch impft es dem Spielkonzept völlig neue Nervenkitzel ein - etwa, wenn wild gewordene Flaggschiff-Monster ein Jägerteam plötzlich kreuz und quer durchs gesamte Level scheuchen. Abgeschmeckt wird all das mit vielen Monster-Neuzugängen, famos animierter, auf PS4 Pro und Xbox One X optimierter 4K-Optik und einer deutlich trickreicheren KI. Neugierig geworden?
