Duke Nukem, Max Payne, C&C Generals, Gears of War
Special 53,99 €
Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien: Wie sich die Beurteilungen im Laufe der Jahre änderten und mehr, lest ihr in unserem folgenden Artikel.
In diesem Artikel
Duke Nukem 3D (3D Realms/1996)
Noch ein Killerspiel! Als der Shooter Duke Nukem 3D 1996 erschien, begeisterte er Spieler und Kritiker mit seinem abwechslungsreichem
Quelle: Gearbox Software
In den Augen der BPjS bot Duke Nukem 3D (1996) zu viel Gewalt und Sexismus.
Leveldesign und seinem rohen Humor. Im Mittelpunkt: Duke Nukem als prolliger, muskelbepackter Macho-Held, der außerirdische Invasoren mit Pump Gun sowie Freezer-Waffe aufs Korn nimmt und das Geschehen mit trockenen Einzeilern kommentiert - gerne auch solcher sexistischer Natur gegenüber spärlich bekleideten Pixel-Damen.
Die Jugendschützer konnten darüber gar nicht lachen: "Die weiblichen Handlungsfiguren dienen als voyeuristischer Blickfang und nett anzusehende Requisite, der man sich bei Nichtgefallen auch entledigen kann. Hier werden unterschwellige Normen und Wertvorstellungen in Bezug auf das weibliche Geschlecht transportiert, die als äußerst problematisch und besonders für männliche Jugendliche in ihrer Entwicklung als desorientierend einzustufen sind."
Natürlich war auch der Gewaltgrad ein Problem für die ohnehin schon von verrohten Jugendlichen bedrohten Gesellschaft: "Der Dipl.Päd. Gerald Jörns schlägt [...] die Brücke zur 'Lust an der Gewalt', zur 'puren Lust zu zerstören, zu bedrohen oder zu zerschlagen, als einer bei Kindern und Jugendlichen vermehrt zu beobachtenden Verhaltensweise, auf die die Gesellschaft meist ohnmächtig reagiert'. Für ihn ist das 3D-Labyrinth virtuelles Abbild der komplexen Lebenswelt; nährt die virtuelle Allgegenwart feindlich gesonnener Figuren Gefühle der Bedrohung, die im realen Alltag fortwirken und Ängste schüren, die wiederum häufig genug Auslöser für Gewalthandlungen sind."
Allerdings kamen der BPjS auch leichte Zweifel und gab zu bedenken, ob "das Geschehen möglicherweise derart übertrieben inszeniert ist, daß es nicht ernstgenommen wird." Die Jugendschützer standen Duke Nukem 3D sogar zu, keine hirnlose Ballerei zu sein. Das half allerdings nicht. Der Duke kam auf den Index - bis zum Januar 2017. Dann erfolgte auf Antrag des Rechteinhabers Gearbox Software die Streichung, um Duke Nukem 3D als Neuauflage im Rahmen der 20th Anniversary World Tour (USK 16) veröffentlichen zu können.
Max Payne (2001/Remedy Entertainment)
Es gibt seit langem die Diskussion, ob Computerspiele Kunst seien. Max Payne (2001) ist eines der Spiele, das Befürworter dieser These oftmals ins Feld führen - beispielsweise aufgrund der komplexen Neo-Noir-Story, der Möglichkeit, die Zeit zu verlangsamen und seiner düsteren Ästhetik.
Die Jugendschützer von der BPjS wollten Max Payne allerdings keine künstlerischen Aspekte zugestehen. Stattdessen war die Bullet-Time, also die Verlangsamung des Geschehens auf Knopfdruck, einer der Gründe für die Indizierung und aus Sicht der Jugendschützer extrem unsportlich: "So wird als überdurchschnittliche sportliche Leistung verbrämt, was in Wirklichkeit die Möglichkeit ist, die chancenlosen 'Gegner' feige zu erschießen. Dass die Bullet-Time nicht unendlich vorhanden ist, wurde freilich nicht erwähnt.
Neben dem Gewaltgrad ("Die getöteten 'Gegner' bluten, bis das Blut spritzt. [...]schreien vor Schmerzen[...].") stieß den Jugendschützern der hohe Bodycount sauer auf: "Manchmal sind an übersichtlicher Stelle unverständlicher weise bis zu 5 Wachen auf einmal aufgestellt, die es zu 'erlegen' gilt, pro Kapitel kommt man auf diese Art auf 20 - 30 Opfer. Bei drei Spielteilen mit insgesamt 22 Kapiteln ergibt sich damit eine große Zahl von virtuellen Toten." Schlimm auch, dass nicht nur Männer ins virtuelle Gras beißen. Für Nichteingeweihte: Keine
Quelle: Steam
Ist das Kunst oder kann das weg? Der Neo-Noir-Shooter Max Payne (2001
Sorge, süße Katzenbabys kommen in Max Payne nicht zu Schaden. Stattdessen monierten die Jugendschützer: "Es müssen in einigen Sequenzen auch Frauen und Polizisten zur Strecke gebracht werden."
Hochgradig fragwürdig fand die BPjS zudem Max' moralisch begründeten Rachefeldzug, der nichts anderes als ein "Amoklauf" sei. Zudem machten sie sich Sorgen um die Englischkenntnisse - PISA lässt grüßen - der Spieler: "Überdies ist es in Anbetracht der Tatsache, dass noch keine deutsche Version vertrieben wird, äußerst zweifelhaft, ob Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, denen im Regelfalle nur Schulenglisch zur Verfügung stehen dürfte, die in teils sehr anspruchsvollem amerikanischen Slang verfassten Informationssequenzen und kleineren Gespräche überhaupt verstehen." Ob man bei der BPjS in Englisch selbst so ganz sattelfest war? Da in der Urteilsbegründung durchgehend von "Bullit-Time" statt Bullet-Time die Rede ist, kommen so manche Zweifel auf. Oder hat dort jemand zu viel den Klassiker mit Steve McQueen gesehen?
Zum Schluss konnte die BPjS Max Payne allerdings auch noch einen positiven Punkt zugestehen: "Positiv ist unter diesem Gesichtspunkt einzig zu vermerken, dass zur Szenerie des Spieles ein übernatürlicher Schneesturm gehört, der in den Tagen des Spielgeschehens über New York hinwegfegt und es dem normalen Bürger unmöglich macht, sich draußen aufzuhalten. So bleiben sie auch den Schauplätzen der Schießereien fern und die Gefahr einen nach den Maßstäben dieses Spieles Unschuldigen umzubringen, ist gering[...]." Puh! Und keine süßen Katzenbabys, möchte man noch hinzufügen. Max Payne war bis 2012 indiziert und kam auf Antrag von Rechteinhaber Take 2 wieder von der Liste. Heute hat das Kultspiel eine USK18-Einstufung.
Command & Conquer Generäle (EA Pacific/2003)
Anfang 2003 spürte die Welt immer noch deutlich die Folgen der Terroranschläge vom 11.September 2001. Die USA und ihre Verbündeten standen in Afghanistan und planten nun einen Angriff auf den Irak - aufgrund angeblicher Massenvernichtungswaffen. Deutschland lehnte eine Beteiligung an einen solchem Krieg kategorisch ab.
Genau in diese Zeit fiel die Veröffentlichung von Electronic Arts' Echtzeitstrategiespiel Command & Conquer Generäle. Inhalt des Spiels: ein bewaffneter Konflikt in naher Zukunft zwischen den drei Fraktionen USA, China und einer terroristischen Kriegspartei aus dem Nahen Osten - inklusive Biowaffen und Selbstmordattentätern. Ein Szenario also, das durchaus Parallelen zum aktuellen politischen Weltlage aufwies. Die USK sah darin offensichtlich keine Jugendgefährdung und gab dem Spiel eine USK16-Einstufung. Command & Conquer Generäle verkaufte sich wie warme Semmeln und belegte umgehend den Platz an der Sonne in den Verkaufscharts.
Quelle: PC Games
Command & Conquer Generäle (2003) wurde zunächst von der USK mit einem 16er-Siegel abgesegnet und kurz darauf dennoch indiziert.
Allerdings nur für wenige Wochen. Das Spielszenario war dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend schlichtweg zu realistisch, zu nah an den echten Ereignissen. Die damalige Familienministerin Renate Schmidt äußerte sich so: "Solche kriegsverherrlichenden Computerspiele wie C&C: Generäle, die den Einsatz von Massenvernichtungswaffen gegen wehrlose Menschen zum Ziel erhoben haben, sind grundsätzlich verabscheuenswert." Dann ging es ganz schnell. Per Eilantrag vom Bundesministerium setzte die BPjS das Strategiespiel zum 1. März 2003 auf den Index: "Es besteht bei 'Command & Conquer Generäle' darüber hinaus die Gefahr, dass das Spiel kurzfristig in großem Umfang verbreitet wird. In den Mediacontrol-Verkaufscharts [...] sowie in den aktuellen Verkaufscharts der Kette 'Saturn' belegt 'Command & Conquer - Generäle' schon jetzt den ersten Platz. Es ist daher zu erwarten, dass ein großes und der Altersstruktur nach disperses Publikum das Spiel wahrnehmen wird, zumal da 'Command & Conquer - Generäle' derzeit die Titelseiten nahezu aller Spiele-Zeitschriften schmückt."
Diesen Schritt wiederum konnte Electronic Arts nicht nachvollziehen. Tatsächlich war es ein bemerkenswert seltener Vorgang, ein von der USK mit einer Altersempfehlung ab 16 Jahren abgesegnetes Spiel nachträglich zu indizieren. Besonders pikant: Am 1. April 2003 trat ein neues Jugendschutzgesetz in Kraft, das eine nachträgliche Indizierung eines durch die USK zugelassenen Spiels unmöglich macht. Nach einer erfolglosen Klage veröffentlichte EA im September 2003 eine deutlich entschärfte Version für den deutschen Markt als Command & Conquer Generäle. Bis September 2013 blieb das ungeschnittene Command & Conquer Generäle auf dem Index und erhielt danach eine USK18-Einstufung.
Gears of War (Epic Games/2006)
Man stelle sich es einmal vor: ein großes Computerspiel-Franchise existiert in der offiziellen Wahrnehmung einfach nicht. Nicht in Spielezeitschriften, nicht in Läden. Mario? Wer ist das? Der Masterchief und Halo? Nie gehört. Unmöglich? So ist es aber im Fall von Gears of War geschehen, dessen erster (2006) und zweiter Teil (2008) lange Zeit auf dem Index standen und erst der dritte Teil der Trilogie (2011) ein USK18-
Quelle: PC Games
In Deutschland lange Zeit quasi nicht existent: das Gears-of-War-Franchise. Hier im Bild: die Remastered-Version aus dem Jahr 2016.
Logo erhielt. Die Xbox360-Killerapplikation (ein Jahr später auch für PC) aus dem Hause Microsoft erhielt von der USK keine Kennzeichnung. Daraufhin verzichteten die Redmonder auf eine Veröffentlichung in Deutschland. Ihre Begründung: "Eine spezielle Version für den deutschen Markt, die eine technische und inhaltliche Veränderung einschließt um eine Bewertung der USK zu erhalten, ist nach Rücksprache zwischen den Entwicklern und der USK ohne grundlegende Eingriffe in das Gameplay des Spiels nicht möglich. Durch solch tiefe Eingriffe würde die Erwartungshaltung der Spieler in Deutschland an das hohe Niveau des Spieles nicht mehr erfüllt [...].
Auf dem Index landete Gears of War dennoch - die internationale Version. Das Problem wie bei vielen indizierten anderen Spielen zuvor: der Gewaltgrad. Wer denkt da gerade an das Kettensägen-Gewehr? Auch fielen den Jugendschützern der ihrem Empfinden nach hohe Realitätsgrad sowie der ansehnliche Bodycount menschenähnlicher Gegner auf. Gears of War 3 wurde hingegen 2011 von der BPjM durchgewunken. Zum einen, weil es nun weniger menschenähnliche Gegner gab. Zum anderen - und das ist wohl der wichtigere Grund -, weil die "Vorbehalte gegen sogenannte Killerspiele immer mehr abnehmen würden." Für Gears of War reichte diese veränderte Wahrnehmung noch nicht zur Rehabilitation. 2016 wurde der Taktik-Shooter dann aber von der Liste gestrichen und erhielt eine USK18-Einstufung.
