Der große Cheat-Report: Chicken Dinner zum Schnäppchenpreis

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Der große Cheat-Report: Chicken Dinner zum Schnäppchenpreis
Quelle: Bohemia Interactive

Der Handel mit kostenpflichtigen Online-Cheats boomt - und vermiest nicht nur Fans von PUBG, Fortnite, Rainbow Six Siege und anderen kompetitiven Mehrspieler-Games die Daddellaune. Doch wie genau wird geschummelt? Welche Beweggründe haben Cheater? Wer stellt die Cheats zur Verfügung? Und was unternehmen Spieleentwickler, um das Problem einzudämmen? Wir gingen auf Spurensuche - und waren erstaunt, welche Ausmaße die Betrügereien mittlerweile angenommen haben.

Das Schummeln in Videospielen hat eine langjährige Tradition und reicht zurück bis in die 1980er-Jahre. Schon in der NES-Fassung des Sidescroll-Ballerspiels Gradius (1986) war es durch die Eingabe des sagenumwobenen Konami-Codes möglich, eine Vielzahl von Power-ups freizuschalten. In id Softwares legendärem Ego-Shooter Doom (1993) reichte das Eintippen verschiedener Buchstabenkombinationen (iddqd, idclip etc.) in der Konsole, um der Dämonen jagenden Spielfigur dauerhafte Unbesiegbarkeit, das Rennen durch Wände und andere praktische Fähigkeiten zu verleihen.

Ein Grund für diese Art Cheats: Die damalige Spiele-Entwicklung war ganz anderen Rahmenbedingungen unterworfen. Modulspiele zum Beispiel mussten - mangels Update-Möglichkeit - vor ihrer Auslieferung technisch praktisch fehlerfrei sein. Um das zu erreichen, bauten viele Studios die Schummeleien bereits im Vorfeld der Veröffentlichung in ihre Spiele ein, um Testern fürs Verfeinern des Gameplays oder Leveldesigns das ständige Neuspielen von Passagen zu ersparen. War die Entwicklung dann einmal abgeschlossen, wurden die Cheats jedoch in vielen Fällen nicht mehr entfernt, da niemand die Stabilität des finalen Programmcodes gefährden wollte - oder der Entfernungsprozess schlichtweg zu viel Zeit kostete.

Da es sich bei vielen Retro-Entwicklungen allerdings um Offline-Spiele mit stark ausgeprägter Einzelspielerkomponente handelte, stellten Mogeleien für viele Gamer kein Problem dar. Sie galten, wenn überhaupt, als Kavaliersdelikt. Wer in Solospielen schummelt, beeinflusst das Spielerlebnis schließlich in erster Linie für sich selbst, ohne anderen zu schaden. Die Folge: Ende der 1980er/Anfang der 1990er wurden Cheats immer populärer und von vielen Herstellern sogar als freischaltbare Extras integriert. Bot ein Titel keine oder nur eine begrenzte Anzahl Cheats, konnte man sich alternativ mit populären Hardware-Lösungen wie dem "Game Genie", dem "Action Replay" und dergleichen behelfen.

Offline hip, online out

Spätestens mit dem Erscheinen von Quake, Team Fortress und anderen kompetitiven onlinefähigen Mehrspieler-Games Mitte/Ende der 1990er fand jedoch eine klare Trendwende statt: Cheater wurden zunehmend als Spielverderber gebrandmarkt. Kein Wunder, denn verteilt ein Teilnehmer unter Zuhilfenahme von Schummel-Software in einer Online-Ballerei plötzlich am laufenden Band Kopfschüsse oder weiß stets, wo sich seine Gegner befinden, hört der Spaß für die Mitspieler in der Regel auf. Die Cheater allerdings scheint das nicht zu stören. Im Gegensatz zu Mehrspielerpartien am geteilten Bildschirm oder auf einer LAN-Party, profitierten sie damals schließlich erstmals von der Anonymität des Internets. Folglich wusste niemand genau, wer sie waren und welche Zusatzprogramme sie im Hintergrund laufen ließen. Der Konami-Code lässt sich durch die Tastenkombination „oben, oben, unten, unten, links, rechts, links, rechts, B, A“ aktivieren und funktioniert nicht nur in Gradius, sondern auch in Dutzenden anderen Spielen des Herstellers.  Quelle: Konami Der Konami-Code lässt sich durch die Tastenkombination „oben, oben, unten, unten, links, rechts, links, rechts, B, A“ aktivieren und funktioniert nicht nur in Gradius, sondern auch in Dutzenden anderen Spielen des Herstellers. 

Auch Tony Ray, engagierter Software-Entwickler aus den USA, war zum Jahrtausendwechsel wegen der kontinuierlich zunehmenden Cheater-Anzahl in seinem Lieblingsspiel Team Fortress hochgradig frustriert. "Im Grunde genommen zerstören solche Schummeleien die gesamte Integrität eines Spiels", äußerte er sich damals gegenüber der Nachrichtenseite CBS News. Im Gegensatz zu vielen Gleichgesinnten warf Ray die Flinte jedoch nicht ins Korn, sondern entwickelte eine Anti-Cheat-Software namens PunkBuster, für die er wenig später id Software als ersten prominenten Kunden gewinnen konnte. Das Duell zwischen Cheatern und Anti-Cheat-Herstellern wurde eingeläutet - und dauert bis heute an.

Jeder Schuss ein Treffer, jeder Angriff ein Erfolg

Beim Blick auf die letzten 20 bis 25 Jahre Computerspiel-Geschichte fällt auf, dass viele Spiele deutlich komplexer wurden. Trotzdem wird bis heute mit vielen der Methoden geschummelt, die schon damals schnelle Erfolge versprachen. Weit oben auf der Beliebtheitsskala rangieren natürlich Aimbots und Wallhacks. Erstgenannte sorgen für eine präzise Ausrichtung des Fadenkreuzes auf den nächsten Gegner. Das Zielen wird also zum „Demoliere deine Online-Gegner!“ Immer mehr Cheat-Anbieter werben mit markigen Sprüchen, edel designten Websites und dem Versprechen, dass sich ihre Hacks nicht enttarnen lassen.  Quelle: Cheatautomation „Demoliere deine Online-Gegner!“ Immer mehr Cheat-Anbieter werben mit markigen Sprüchen, edel designten Websites und dem Versprechen, dass sich ihre Hacks nicht enttarnen lassen.  Kinderspiel. Ergänzt der Cheater einen sogenannten Triggerbot, muss er nicht mal abdrücken, wenn sich ein Feind in sein Sichtfeld bewegt.

Wallhacks hingegen gestalten Wände transparent bzw. machen Gegner durch Wände und Levelobjekte hindurch sichtbar. Das vereinfacht ein optimales Positionieren im Kampf sowie Angriffe aus dem Hinterhalt radikal. Zu den beliebtesten Cheater-Werkzeugen zählen zudem sogenannte ESP-Hacks. "ESP" steht für "Extra Sensory Perception" und meint im Grunde eine Fülle von Zusatzinformationen wie Lebensenergie, aktive Waffe, verbleibende Munition und Blickrichtung, die in Form von farbigen Overlays dargestellt werden. Radar-Hacks zeigen außerdem die Position aller Feinde im Radius der Minikarte, während Warning-Hacks den Nutzer darüber informieren, ob jemand auf ihn zielt oder ihn sehen kann. Klingt ziemlich fies? In der Tat. Richtig krass wird's allerdings erst, wenn "State-Manipulation-Hacks" zum Einsatz kommen, jemand also beispielsweise The-Flash-artig mit einem Speed-Hack durchs Level flitzt, Fly-Hacks nutzt, um die Regeln der Schwerkraft zu überlisten, oder mühelos durch Wände läuft. Erwähnt seien ferner kleine, aber nicht minder hinterhältige Komfort-Cheats, die unter anderem den Rückstoß und Streueffekte von Waffen deaktivieren oder für unendliche Sauerstoffvorräte unter Wasser sorgen.

Was Cheater und Hacker antreibt

Doch warum mogeln Menschen? Um die Motivation und Beweggründe von Cheatern besser verstehen zu können, lohnt ein Blick auf verschiedene Persönlichkeitsprofile. Erarbeitet wurden letztere vom renommierten finnischen Unternehmen Kamu. Es hat sich auf die Entwicklung von proaktiven Anti-Cheat-Lösungen spezialisiert, die derzeit in 65 verschiedenen Spielen zum Einsatz kommen, darunter viele Blockbuster wie Rust, Smite, Far Cry 5 und Fortnite. Aimbots unterstützen den Spieler beim Zielen und werden oft mit Sensormodifikationen kombiniert, die Feinde farblich umranden oder hervorheben.  Quelle: CS:GO Aimbots unterstützen den Spieler beim Zielen und werden oft mit Sensormodifikationen kombiniert, die Feinde farblich umranden oder hervorheben. 

Den Anfang machen die sogenannten "Griefer", ein Begriff, der sich im Deutschen wohl am besten mit "die Gramerfüllten" übersetzen lässt. "Das sind diejenigen, die sich an einem Freitagabend ein Sixpack Bier und zehn Game-Accounts kaufen und dann exzessives 'Rage Hacking' betreiben", erklärt Simon Allaeys von Kamu während einer Präsentation auf den Steam Dev Days. Zum besseren Verständnis: Von "Rage Hacking" spricht man immer dann, wenn jemand die größtmögliche Anzahl an Hacks aktiviert und sich wie ein Berserker durch die Matches ballert. "Gott sei Dank handelt es sich bei dieser Gruppe allerdings um eine Minderheit. Demgegenüber stehen die 'Casual Cheater'. Sie stellen die Mehrheit dar und wollen das Spiel in erster Linie leichter und angenehmer für sich selbst gestalten - möglichst so, dass sie anderen dabei nicht allzu sehr den Spaß verderben."

Dritter im Bunde sind die sogenannten "Achievers", eine Bezeichnung, die sich vom englischen Verb "to achieve" (zu Deutsch: erreichen) ableitet. "Ihnen geht es vor allem darum, jeden Wettbewerb zu gewinnen und dabei nicht erwischt zu werden", führt Allaeys aus. Weiter geht's mit der Gruppe Vigilantes, deren Motivation darin besteht, es anderen Cheatern heimzuzahlen. "Vigilantes sind selbst Opfer von Schummeleien geworden", so Marktführer: Valve Anti Cheat (kurz VAC) wurde zunächst für Counter-Strike entwickelt. Mittlerweile findet es in mehr als 550 Spielen Verwendung.  Quelle: Steam Marktführer: Valve Anti Cheat (kurz VAC) wurde zunächst für Counter-Strike entwickelt. Mittlerweile findet es in mehr als 550 Spielen Verwendung.  Allaeys weiter. "Also googeln sie nach Cheats und gehen online, um sich an denen zu rächen, die ihnen etwas angetan haben." Als letzte Gruppe identifiziert Allaeys die sogenannten "Follower". Sie gehören in der Regel einer sehr leidenschaftlichen Spielergruppe an, die trotz zunehmender Schummelproblematik einfach nur weiterspielen möchte und alles daran setzt, ihrem Lieblingsspiel zu folgen. "Um ihre Chancen auszugleichen und ihren Gegnern auf Augenhöhe zu begegnen, verwenden sie Cheats", sagt Allaeys.

Spannende Randinformation: Geht's nach Eugen Harton, Anti-Cheat-Verantwortlicher und Produktionsleiter bei Bohemia Interactive (ArmA, DayZ, Y Lands), können viele Cheater kaum mehr von ihrem Laster ablassen. "Ich habe die Daten unserer knapp 44.000 gebannten DayZ-Nutzer sehr intensiv ausgewertet und dabei festgestellt, dass 76 Prozent von ihnen zum wiederholten Mal auffällig wurden. Oder anders formuliert: Viele derjenigen, die cheaten, würden eher mit dem Spiel aufhören, statt mit dem Cheaten." Ein zugegebenermaßen erschreckendes Ergebnis, das Cheat-Entwicklern weiteren Rückenwind geben dürfte.

Skript-Kiddies, Programmier-Asse, Analyse-Profis

Genau wie die Cheater lassen sich natürlich auch die Hacker in verschiedene Personengruppen einteilen. Am unteren Ende des Fähigkeitenspektrums stehen laut Allaeys die Scripter. "Sie sind besonders häufig vertreten, kopieren alles, was sie finden können, experimentieren viel, hacken zusammen mit anderen und entwerfen eher simple Cheats. Ganz anders die Senior-Hacker. Sie agieren deutlich professioneller, verfügen über wirklich gute Programmierkenntnisse und stellen Feature-geladene Cheats auf die Beine, die sie eventuell sogar kommerzialisieren." Nicht nur Steam und Co., sondern auch Konsolenanbieter wie Sony und Microsoft wehren sich mittlerweile rigoros gegen Schummler, meist mit temporären Sperren oder einer vollständigen Kontenschließung. Quelle: Google Nicht nur Steam und Co., sondern auch Konsolenanbieter wie Sony und Microsoft wehren sich mittlerweile rigoros gegen Schummler, meist mit temporären Sperren oder einer vollständigen Kontenschließung.
Blieben noch die sogenannten Researcher. Wie der Name andeutet, weist diese eher kleine Personengruppe einen sehr hohen Wissensdurst auf, weshalb sie auch nicht selten davor zurückschreckt, intensives Reverse-Engineering von Spiel und Anti-Cheat-Mechanismen zu betreiben. Allaeys weiter: "Ihnen geht es jedoch nicht unbedingt um kommerziell verwendbare Cheats, sondern vielmehr darum, einen Proof of Concept zu liefern." Kaum verwunderlich: Um im Kampf gegen Cheater die Oberhand zu behalten, sind Spiele-Entwickler häufig daran interessiert, speziell aus der letztgenannten Gruppe neue Anti-Cheat-Mitarbeiter zu rekrutieren.

Wie Cheats in Umlauf gelangen

Keinesfalls außer Acht lassen sollte man zudem das Bindeglied zwischen Entwicklern und Abnehmern der Cheats - die sogenannten Provider. Vor allem sie sind es, die in letzter Zeit für eine Cheat-Kommerzialisierung in völlig neuen, beängstigenden Dimensionen sorgten. Zur besseren Einordnung: Bereits Ende 2016 bezifferte der finnische Anti-Cheat-Hersteller Kamu das Marktvolumen der kommerziell agierenden Cheat-Branche auf mehr als 100 Millionen US-Dollar - Tendenz stark steigend.

Geld verdienen die Schummel-Anbieter in der Regel durch zwei Finanzierungsmodelle: Den Direktverkauf von Cheats an den Endkunden sowie - und diese Variante scheint besonders beliebt - den Verkauf von Cheat-Abos mit unterschiedlicher Laufzeit. Ein All-Access-Monatsabo etwa schlägt mit durchschnittlich 20 bis 25 US-Dollar, sprich 17 bis 22 Euro zu Buche. Entscheidet sich der Kunde für eine längerfristige Bindung (etwa drei, sechs oder zwölf Monate), sinken die monatlich zu entrichtenden Gebühren kontinuierlich - wie man es von Abodiensten (etwa Netflix) kennt. Nicht zu vergessen die Lifetime-Schummel-Flatrates, die immer häufiger auftauchen, im Schnitt 250 Euro kosten und ein weiterer Beweis für die steigende Geschäftstüchtigkeit der Mogelware-Händler sind. Abgerechnet wird meist mit PayPal, manchmal aber auch mit Kreditkarte.

Fair geht anders: Radar-Hacks zeigen jederzeit die Position von Feinden auf der Minikarte an. In Kombination mit Aimbots und Wallhacks wird der Nutzer zur echten Killermaschine.  Quelle: SystemCheats Fair geht anders: Radar-Hacks zeigen jederzeit die Position von Feinden auf der Minikarte an. In Kombination mit Aimbots und Wallhacks wird der Nutzer zur echten Killermaschine.  Nicht minder erstaunlich: Viele dieser Anbieter zeigen mittlerweile keinerlei Scham und bewerben ihre Hacks auf sehr professionell designten Websites mit Hochglanz-Optik. Nehmen wir als Beispiel Cheatautomation. Auf einer mehr als zehn Scroll-Bildschirme umfassenden Startseite preisen die Betreiber hier ihre Dienste mit selbst entworfenen Symbolen, dreist kopierten Spielelogos, großspurig inszenierten Statistiken und überschwänglich ausformulierten Nutzermeinungen an. Ja, sogar mit "klassenbestem Kundenservice" und einer besonders freundlichen Community wird geworben.

Will man mehr über einzelne Hacks erfahren, erhält man über die Menüleiste außerdem Zugriff auf rasant geschnittene Videos und ellenlange Feature-Listen. Hier wird immer wieder betont, dass sich Hacks angeblich nicht erkennen lassen. Ergänzt wird das Angebot mit Direktverknüpfungen zu einschlägigen Social-Media-Kanälen, allen voran YouTube, wo nicht nur Cheatautomation fleißig die Werbetrommel rührt. Wer genau die Seite betreibt und was mit den eigenen Daten passiert, sobald man sich angemeldet hat, wird dagegen dezent unter den Teppich gekehrt. Kein Wunder, schließlich bewegen sich die Betreiber hier bereits in einer klassischen Internet-Grauzone.

Elitäre Clubs, individuelle Cheats

Schnell über Suchmaschinen auffindbare Cheat-Anbieter mit Bezahlfunktion sind eine Sache. Zugriff auf ausgefallene, meist nur für kleine Dieses Portal prahlt mit 103.924 Nutzern. Seltsamerweise veränderte sich diese Ziffer im Laufe unserer Recherche nicht. Ein klarer Hinweis auf eine Scam-Seite.  Quelle: PC Games  Dieses Portal prahlt mit 103.924 Nutzern. Seltsamerweise veränderte sich diese Ziffer im Laufe unserer Recherche nicht. Ein klarer Hinweis auf eine Scam-Seite.  Personengruppen entwickelte Mogeleien (die dadurch deutlich schwieriger von Anti-Cheat-Programmen zu erkennen sind) erhält man in der Regel allerdings erst, wenn man bereit ist, deutlich höhere Preise zu zahlen. 400 bis 500 US-Dollar pro Cheat sind hier keine Seltenheit. Eine weitere Hürde: Eben diese Premium-Cheats erhalten in der Regel nur Mitglieder eingeschworener Cheat-Communitys, die rigorose Hintergrund-Checks über sich ergehen lassen. Eugen Harton von Bohemia Interactive bringt es auf den Punkt: "Viele solcher Anbieter fordern, dass man sich mit einem Personalausweis identifiziert. Darüber hinaus muss man häufig eine Art Vorstellungsgespräch via Skype durchführen, um zu beweisen, dass man der ist, für den man sich ausgibt. Manche verlangen sogar Checks von Facebook und anderen Social-Media-Konten. Kurz gesagt: Die Paranoia dieser Leute, enttarnt zu werden, ist sehr real."

So wehren sich Entwickler und Publisher

Doch welche Mittel gibt es, um die Cheater-Invasion abzuwehren? Die gute Nachricht: Lösungsansätze aus der Industrie (die meist kombiniert werden) gibt es zur Genüge. Ganz oben auf der Agenda einer wirksamen Anti-Cheat-Strategie steht zweifelsohne der Schutz des Spiel-Clients. "Im Anti-Cheat-Lösungen sind unabdinglich. Manchmal treffen sie aber auch leider die Falschen, so geschehen 2006, als Blizzard hunderte Nutzer aussperrte, die das Online-Rollenspiel World of Warcraft mit der Linux-Kompatibilitäts-Software Cedega abspielten. Quelle: Blizzard Anti-Cheat-Lösungen sind unabdinglich. Manchmal treffen sie aber auch leider die Falschen, so geschehen 2006, als Blizzard hunderte Nutzer aussperrte, die das Online-Rollenspiel World of Warcraft mit der Linux-Kompatibilitäts-Software Cedega abspielten. Falle von DayZ implementierten wir unter anderen einen sogenannten 'Ring0 Kernel Agent', OB-Callback-Routinen und DLL-Whitelists", erklärt Eugen Harton kryptisch. "Gleichzeitig schützen wir wichtige Spieldateien vor Reverse Engineering und erlauben es dem Spieler nicht, das Spiel im Windows-Testmodus zu starten".

Beim Thema Anti-Cheat-Mechanismen dürfen natürlich statistische Methoden nicht fehlen. Sie erkennen Unregelmäßigkeiten im Spielverhalten, indem sie Ereignisse im Spiel protokollieren, analysieren und mit zu erwartenden Werten abgleichen. Eugen verdeutlicht: "Jedes Spiel folgt bestimmten Logiken. Wenn man beispielsweise jemanden mit einer Waffe trifft, weiß man, dass das Projektil danach nicht einfach eine Kurve fliegen und noch etwas anderes treffen kann. Genau solche Logikveränderungen können wir erkennen."
Einziger Nachteil der statistischen Methoden: Zuweilen spielen besonders erfahrene Nutzer so routiniert und präzise, dass die statistische Erkennung ihren Spielstil als "abseits der Norm" einstuft. Die Folge: Sie werden zu Unrecht als Cheater verdächtigt und in einem entsprechenden Bericht vermerkt. Sofern diese Reports jedoch von einem gut geschulten Community-Team ausgewertet werden, hat der Betroffene wenig zu befürchten. Eine weitere gern genutzte Anti-Cheat-Methode ist die sogenannte Mustererkennung. Dabei scannt die Anti-Cheat-Software den Arbeitsspeicher sowie die Festplatte des Anwender-PCs und schlägt Alarm, sobald es Cheat-Programme oder Unregelmäßigkeiten erkennt. Das funktioniert gut, erfordert jedoch - genau wie ein Virenscanner - häufige Updates und hat in der Vergangenheit bereits Datenschutzbedenken hervorgerufen.

Neben diesen und anderen, sehr technischen Maßnahmen kann man Cheatern allerdings oft mit gezielten Änderungen am Gameplay das Handwerk legen oder zumindest den Wind aus den Segeln nehmen. Ein schönes Beispiel ist der Survival-Shooter Rust. Zur Erinnerung: Wer hier erfolgreich überleben will, muss unter anderem Festungen bauen und gefundene Ressourcen darin lagern. Die Türen zu solchen Gebäuden werden mit vierstelligen Zahlenkombinationen versiegelt. Was die Entwickler zunächst nicht ahnten: Schon bald setzten schummelnde Spieler sogenannte Brute-Force-Mechanismen ein, bei denen ein Skript im Schnellverfahren alle erdenklichen Zahlenkombinationen durchprobierte und die Türen im Handumdrehen öffnete. Die Lösung seitens der Entwickler war simpel, aber effektiv, denn nach dem Update des Spiels erhielt man fortan nach jeder falschen Code-Eingabe einen Elektroschock, dessen Intensität sich kontinuierlich erhöhte. Wer also Brute-Force-Mechanismen einsetzte, riskierte den Tod seiner eigenen Spielfigur - und das kann in einem knallharten Survival-Spiel wie Rust eine schmerzhafte Erfahrung sein. Auf Trustpilot.com bewerten Nutzer die Zuverlässigkeit von dubiosen Cheat-Entwicklern. Dabei wird schnell klar: Viele Anbieter bieten Programme, die nicht wie versprochen funktionieren. Viren sind ebenfalls keine Seltenheit. Quelle: Trustpilot.com) Auf Trustpilot.com bewerten Nutzer die Zuverlässigkeit von dubiosen Cheat-Entwicklern. Dabei wird schnell klar: Viele Anbieter bieten Programme, die nicht wie versprochen funktionieren. Viren sind ebenfalls keine Seltenheit.

Keine klassische Gameplay-Anpassung, aber ebenfalls effektiv ist es, Schummler ohne deren Wissen auf spezielle Server umzuleiten. Hier treffen sie auf Gleichgesinnte und erfahren am eigenen Leib, was es heißt, ständig betrogen zu werden. Harton schwärmt: "Auch wir haben solche Cheaterserver für DayZ kreiert. Sich dort einmal umzuschauen, ist einfach unglaublich. Denn plötzlich siehst du Fahrzeuge, die zehnmal größer sind als sonst; dazu gibt's überall Kugelhagel und Tornados, die durch die Gegend wirbeln. Kurz gesagt: ein echtes Spektakel!"

Ergänzend dazu lassen viele Entwickler zudem verstärkt auf rechtlicher Ebene die Muskeln spielen. Activision Blizzard zum Beispiel verklagte den langjährigen, aus Deutschland stammenden Overwatch-Cheat-Entwickler Bossland im Sommer 2016 auf Schadenersatz in Höhe von 8,5 Millionen US-Dollar. Und Nachrichten über polizeiliche Festnahmen machen mittlerweile immer häufiger die Runde. Ende April 2018 etwa wanderten 15 Hacker aus China hinter Gitter, weil sie PUBG-Cheats verkauften, die zu allem Übel mit Backdoor-Viren präpariert waren. Kurzum: Die Branche wehrt sich - laut Bohemia Interactive sogar mit bezahlten Spionen, die Cheat-Communitys gezielt infiltrieren, um auf diesem Wege an die neuesten Exploits zu gelangen.

Lösungen für die Zukunft: Ist Deep Learning der neue Heilsbringer?

Der Kampf gegen Cheater erfolgt an vielen Fronten. Doch kann er auf Dauer überhaupt gewonnen werden? Die meisten Experten würden die Frage derzeit vermutlich noch verneinen. Fakt ist allerdings, dass auch Spiele-Entwickler ihrerseits mit völlig neuen Methoden experimentieren, Input-Converter wie der XIM4 ermöglichen das Anschließen von Maus und Tastatur an PlayStation 4 und Xbox One und gewähren nicht zu unterschätzende Präzisionsvorteile. Kostenpunkt für dieses Modell: 499 US-Dollar.  Quelle: Amazon Input-Converter wie der XIM4 ermöglichen das Anschließen von Maus und Tastatur an PlayStation 4 und Xbox One und gewähren nicht zu unterschätzende Präzisionsvorteile. Kostenpunkt für dieses Modell: 499 US-Dollar.  um dem Problem entgegenzutreten. Valve zum Beispiel, Betreiber des immens erfolgreichen Download-Portals Steam, führte vor einiger Zeit bei Counter-Strike: Global Offensive das sogenannte Overwatch-System ein. Die Funktionsweise ist denkbar einfach: Spieler mit hoher Erfahrung, Aktivität und Reputation erhalten über den Menüpunkt "Overwatch" Zugriff auf Videowiederholungen mutmaßlicher Betrugsfälle. Auf freiwilliger Basis können sie nun das betroffene Material acht Runden lang begutachten, um danach ein Urteil darüber abzugeben, mit welchen Mitteln (Aimbot, Wallhack etc.) geschummelt wurde. Wichtig: Jeder Fall wird von mehreren Overwatch-Nutzern begutachtet. Sind sie sich zu 99,8 Prozent einig, erfolgt eine Sperre des Angeklagten seitens Valve.

Was viele nicht wissen: Auf Basis der so gesammelten Daten (ca. 700.000 Replays) begann Valve im Jahr 2017 damit, VACnet zu trainieren - ein von circa 7.000 Prozessoren befeuertes neuronales Netzwerk, dessen Zweck einzig und allein die Cheater-Erkennung ist. Das System - welches sogenannte Deep-Learning-Methoden einsetzt - analysierte etwa, wie präzise ein Match-Teilnehmer vor und nach dem Abfeuern eines Projektils zielte. Nach Abschluss der Trainingsphase erfolgte dann die Probe aufs Exempel, bei welcher VACnet pro Tag knapp 600.000 5-vs.-5-Partien auswertete. Ergebnis: Während das von Menschen verwaltete Overwatch-Verfahren höchstens 15 bis 30 Prozent der Cheat-Entwickler trödeln nicht: Selbst zu Cliff Bleszinskis PUBG-Konkurrenten Radical Heights gibt es bereits die volle Bandbreite an Cheats, wie dieser Foren-Eintrag auf SystemCheats belegt.  Quelle: SystemCheats Cheat-Entwickler trödeln nicht: Selbst zu Cliff Bleszinskis PUBG-Konkurrenten Radical Heights gibt es bereits die volle Bandbreite an Cheats, wie dieser Foren-Eintrag auf SystemCheats belegt.  Cheater erkennt, erreicht VACnet satte 80 bis 95 Prozent. Das sehr rechenintensive Verfahren ist also mindestens dreimal so effektiv und soll nun kontinuierlich ausgebaut werden, um in Zukunft auch bei Spielen wie Dota 2 sowie in anderen Betrugsfällen zum Einsatz zu kommen.

Deep-Learning-Methoden klingen überaus vielversprechend und könnten in Zukunft große Mengen Cheater filtern. Geht's nach dem australischen Entwickler Evil Badger, werden es aber vor allem die aus dem Finanzsektor bekannten Blockchain-Technologien sein, die im Mehrspieler-Sektor künftig für mehr Sicherheit und weniger Schummelei sorgen. Bis es so weit ist, werden wir aber wohl noch den einen oder anderen Mogelskandal erleben.

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