Synchronisationswahn in Deutschland: Warum das Original nicht zu schlagen ist
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Egal ob Film oder eben Spiel: In Deutschland wird fast vorausgesetzt, dass deutsche Sprachausgabe vorhanden ist. Redakteur Lukas findet: Von mehr Mut zum Original profitieren alle. Kolumne mit Video!
Sie gehört in Deutschland quasi zum guten Ton, aber auch in Österreich und den angrenzenden deutschsprachigen Gebieten: deutsche Synchronisation. Das gilt vor allem für Filme, wo es schwieriger ist, Filmvorstellungen mit Versionen im Originalton zu finden als übersetzte Fassungen, aber eben auch für Spiele. Da gibt es sie zwar häufiger, die nicht übersetzten Titel, aber nur selten fehlt die Synchro bei Blockbustern, und in den jeweiligen Ausnahmefällen wird dieser Umstand dann lang und breit thematisiert.
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Für manche Leute ist eine deutsche Synchro sogar ein K.O.-Kriterium: Fehlt diese, sind sie raus. Und ich kann das verstehen, wenn man der Sprache nicht mächtig ist und keine Untertitel angeboten werden - kommt selten vor, aber passiert. Gerade japanische Spiele aus dem Hause Atlus gehen da gerne den Weg des geringsten Aufwands und beschränken sich auf englische Texte.
Sind aber Untertitel in der eigenen Sprache vorhanden, so finde ich die Nicht-Übersetzung-Aufregung übertrieben und plädiere im Gegenteil dafür, soweit vorhanden immer die Originalsprache zu wählen.
Über den Autor
Quelle: Lukas Schmid
Synchronisationswahn in Deutschland: Warum das Original nicht zu schlagen ist (6)
Lukas Schmid arbeitet seit 2010 in unterschiedlichen Funktionen bei Computec Media und damit bei PC Games, zuerst als Praktikant, anschließend als freier Mitarbeiter, dann als Volontär, Redakteur und inzwischen als Leitender Redakteur für pcgames.de, videogameszone.de, gamesaktuell.de und gamezone.de. Er liebt Action, Adventure, Action-Adventures, Shooter, Jump & Runs, Horror und Rollenspiele, mit Strategietiteln, den meisten Rogue-likes und Militärsimulationen kann man ihn jagen. Jeden Samstag um ca. 09:00 Uhr teilt er euch in seiner Kolumne mit, was ihn gerade wieder nervt oder freut. Hasskommentare und Liebesbriefe gerne in die Kommentare unter der Kolumne, an [email protected] oder auf Twitter an @Schmid_Luki.
Do you speak German?
Warum existiert sie überhaupt, diese Ansicht, dass alles eingedeutscht werden muss? Das ist eine kulturelle Vorliebe, die im deutschsprachigen Raum über das letzte Jahrhundert hinweg erwachsen und in nur wenigen Teilen der Welt so ausgeprägt wie hier ist. Ist ja nicht so, dass das Deutsche jetzt weltweit betrachtet eine Sprache von so ungemeiner Relevanz wie Englisch oder Chinesisch wäre.
Die Amerikaner filmen zwar gerne mal neu, eignen sich also Medienprodukte, vor allem Filme, einfach an. Ist dies aber keine Option, sind Untertitel der Standard. In Asien existieren Länder, die recht exzessiv übersetzen, ein großer Teil greift aber auch stattdessen als Norm auf Untertitel zurück.
Und im Norden Europas, in den skandinavischen Ländern, wird man bei der Idee von Synchros schräg angesehen. Da sind diese fast ausschließlich Kindersendungen und -filmen vorbehalten, bei denen nicht davon ausgegangen werden kann, dass die Rezipienten schon lesen können.
Lost in translation
Quelle: Nintendo
Synchronisationswahn in Deutschland: Warum das Original nicht zu schlagen ist (5)
Egal ob Film oder Spiel: Mit einer Übersetzung geht unweigerlich ein Qualitätsverlust einher. Die ursprünglichen Schauspieler oder Voice Actor wurden ja aus gutem Grund gewählt. Was nicht heißt, dass sie ihre Sache immer toll machen, und im Gegenzug, dass die deutschen Sprecher immer einen schlechten Job abliefern. Aber jede sprachliche Umsetzung ist auch eine Interpretation, und je weiter weg man sich bewegt vom Original, desto verwegener werden die Unterschiede.
Und es ist nicht so, als ob Übersetzungen sich immer auf das Original beziehen. Ich habe einen Bekannten, der als Übersetzer für Nintendo gearbeitet hat, er werkelte zum Beispiel an Animal Crossing: New Leaf und Xenoblade Chronicles. Er kann aber nur aus dem Englischen übersetzen - die Version, die wir, ihr gespielt habt, wurden also sogar zweimal verändert, bevor sie im Regal landete.
Das ist kein Einzelfall, das wird bei wahnsinnig vielen Studios so gehandhabt.
Er hat sich stets bemüht
Quelle: Disney
Synchronisationswahn in Deutschland: Warum das Original nicht zu schlagen ist (4)
Man kann sich denken, dass sich viele Dinge nicht übersetzen lassen, weil die Autoren auf eine Art und Weise mit der Sprache spielen, die sich nicht in eine andere Sprache übertragen lässt. Und es passieren auch einfach unfassbar doofe Fehler.
Ich ziehe da gerne die Simpsons als Beispiel heran, wo Bart in Season 7, Episode 2, "Radioactive Man", im Vorspann an die Tafel schreibt "Bewitched does not promote Satanism", also "Bewitched fördert nicht den Satanismus". Ein klarer Verweis auf die 1960er-Jahre-Serie "Bewitched", hierzulande bekannt als "Verliebt in eine Hexe".
Was sagt Bart stattdessen in der deutschen Version? "Verhext sein fördert den Satanismus nicht". Oookay. Und solche Fehler passieren ständig, bei den Simpsons, aber auch bei anderen Serien, Filmen und Spielen, damals wie heute.
Learning by doing
Quelle: KAZÉ
Synchronisationswahn in Deutschland: Warum das Original nicht zu schlagen ist (3)
Klar, mir ist bewusst, Untertitel lösen dieses Problem nicht per se. Auch die können falsch, auch die können schlecht sein, und als Rezipient ohne Sprachkenntnisse fällt einem das dann nicht auf. Aber der Schaden einer falschen Sprachaufnahme ist meiner Überzeugung nach größer als jener einer falschen Textzeile. Außerdem kann man heutzutage bei Spielen mit einem kleinen Patch rasch einen Bugfix nachreichen.
Abgesehen davon ist die Auseinandersetzung mit fremden Sprachen doch auch immer eine Chance, diese besser kennenzulernen. Nein, entgegen der Überzeugung mancher Anime-Fans "kann" man nicht Japanisch, auch nicht ein bisschen, weil man Naruto oder One Piece mit Untertiteln schaut. Aber doch, ja, manche Phrasen, manche Grundzüge kann man mitnehmen.
Und seien wir mal realistisch, im Großteil der Fälle wird man ja doch mit Englisch konfrontiert, und da kann der Konsum entsprechender Filme, Serien und Spiele ganz ohne Frage dabei helfen, das eigene holprige Schulenglisch zu verbessern. Das ist keine Annahme, dazu gibt es genügend Untersuchungen - es ist kein Zufall, dass Menschen im skandinavischen Raum im Durchschnitt besseres Englisch sprechen als die Bewohner Deutschlands. Im Norden ist die Auseinandersetzung mit der weltweiten Fremdsprache Nr. 1 nicht Ausnahme, sondern Realität.
Je ne parle pas français
Quelle: PC Games Hardware
Synchronisationswahn in Deutschland: Warum das Original nicht zu schlagen ist (2)
Abgesehen davon: Sprache hilft doch auch immer mit, Atmosphäre zu tragen. Mein Schulfranzösisch ist eine Katastrophe, sogar die Wegbeschreibung zum Bahnhof traue ich mir nur noch mit Müh und Not zu. A Plague Tale: Innocence habe ich aber trotzdem auf Französisch gespielt und das hat ungemein geholfen, mich in die dargestellte Welt des französischen Mittelalters hineinzudenken (dass das Spiel extrem stark und atmosphärisch startete, dann aber schnell abbaute und so bescheuert endete, dass ich laut lachen musste, ist wieder ein anderes Thema).
Was hat er gesagt?
Quelle: 3L
Synchronisationswahn in Deutschland: Warum das Original nicht zu schlagen ist (1)
Klar hat vor allem das Spielen mit Untertiteln seine Macken. Man kann sich weniger auf das Geschehen konzentrieren, bei Nier Automata, wo gerne und viel in Kämpfen geredet wird, konnte ich mich als jemand, der kein Japanisch spricht, nur schwer fokussieren. Das ist aber meiner Meinung nach nur ein kleiner Makel gegenüber den vielen Vorteilen, die Originalsprache mit sich bringt.
Außer bei alten Asterix- und Bud-Spencer-Filmen. Da ist die deutsche Version objektiv jeweils wesentlich besser. Keine Widerrede.
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