Ich war auf dem Summer Game Fest und spürte schon wieder einen gewissen E3-Vibe
SpecialPC-Games-Redakteur Matthias Dammes berichtet von seinem Trip zum Summer Game Fest und warum es sich für ihn wie eine kleine Wiedergeburt der E3 anfühlt.
Es war seit Mitte der 90er-Jahre ein jährliches Ritual, dass die gesamte Spielebranche im Juni nach Los Angeles gepilgert ist, um sich und die kommenden Spiele zu feiern und zu präsentieren. Die E3 war jedes Jahr das große Schaulaufen der Publisher und vieler kleiner Entwickler. Auch ich durfte 2018 und 2019 zweimal vor Ort Teil dieses faszinierenden Ereignisses sein. Zwar befand sich die Messe schon damals auf einem absteigenden Ast, 2019 war Sony erstmals der Veranstaltung ferngeblieben, trotzdem sah es noch nicht wirklich nach ihrem Ende aus. Doch dann kam Corona.
Die Pandemie setzte der legendären Messe in einer Weise zu, dass sie sich davon nicht wieder erholen sollte. Als im vergangenen Dezember endgültig bekannt gegeben wurde, dass es nie wieder eine E3 geben wird, war das für mich schon irgendwie traurig, weil ich die Messe als Ort, wo man in persönlichen Kontakt mit Entwicklern treten konnte, immer sehr genossen habe. Diesen Austausch von Angesicht zu Angesicht wollte ich eigentlich nicht missen. Die Gründe waren aber nachvollziehbar. Die Publisher haben über die zwei Jahre, in denen so gut wie keine In-Person-Events stattfanden, gemerkt, dass sie nicht auf eine teure Veranstaltung wie die E3 angewiesen sind. Sie erreichen ihr Publikum auch im digitalen Raum wunderbar - und das alles ohne Standkosten.
Quelle: PC Games
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Die Play Days wachsen
Umso überraschter war ich von einer Entwicklung, die ich kürzlich während des Summer Game Fest beobachtet habe. Ich schreibe diesen Text ungefähr eine Woche, nachdem ich aus Los Angeles von ebenjenem Fest zurückgekehrt bin. Das Summer Game Fest wurde von Game-Awards-Erfinder Geoff Keighley ursprünglich während der Pandemie als digitaler Ersatz zur E3 ins Leben gerufen. Seit letztem Jahr gehören dazu aber auch die sogenannten Play Days - eine Vor-Ort-Veranstaltung in Los Angeles, wo Fachbesucher bei Entwicklern und Publishern die neuesten Spiele anschauen und ausprobieren können.
Im vergangenen Jahr - ich war auch vor Ort - waren die Play Days noch eine kleine Randerscheinung neben den von vielen Leuten hauptsächlich verfolgten Showcases des Summer Game Fest sowie von Xbox und Ubisoft. In diesem Jahr hatte ich ein ganz anderes Gefühl. Das ging schon vor meiner Abreise los, als ich verschiedene Termine für meine Zeit vor Ort vereinbart habe. Wesentlich mehr hochkarätige Projekte buhlten um meine stark begrenzte Zeit, wodurch ich selbst den einen oder anderen namhaften Termin nicht wahrnehmen konnte.
Quelle: PC Games
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Backstreet-Convention
Statt im großen Convention Center wie die E3 finden die Summer Game Fest Play Days in einer zur Event-Location umfunktionierten Hinterstraße im Fashion District von Downtown Los Angeles statt. Die einzelnen Publisher haben sich dabei jeweils in eines der angrenzenden Gebäude einquartiert, oder einen gemeinschaftlichen Event-Space geschaffen. Das war schon fast wieder wie auf einer richtigen Messe, mit einzelnen Ständen, die ich je nach Termin ansteuern muss. Es versprühte aber auch seinen ganz eigenen Charme.
Durch die überschaubare Location wirkte die ganze Veranstaltung sehr gemütlich und familiär. Dazu trug auch bei, dass die Play Days nicht so überlaufen waren, wie es die E3 in ihren letzten Jahren war, als diese mit tausenden Wildcard-Besuchern künstlich aufgeblasen wurde. Hier waren wirklich nur streng limitiert akkreditierte Fachbesucher zugelassen. Das merkte ich bei jedem Schritt über das Gelände, wo ich gefühlt alle zwei Meter ein bekanntes Gesicht wahrgenommen habe. Sei es Jason Schreier, Geoff Keighley, Greg Miller oder andere, die ich vor allem aus amerikanischen Gaming-Medien kannte.
Quelle: PC Games
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Ein vertrautes Gefühl
Trotzdem stellte sich bei mir in kleinem Maßstab wieder das alte E3-Gefühl ein. Da gibt man sich bei Terminen bei Electronic Arts, Playstation, Capcom und anderen mit den Kollegen die Klinke in die Hand und sucht sich in eventuellen Pausen eine Sitzgelegenheit, um an ersten Artikelentwürfen zu arbeiten. Am Abend setzt sich das dann im Hotelzimmer fort, wo ich fertige Artikel in die Heimat funke und dann ins Bett gehe, während die Kollegen in Fürth gerade mit der Arbeit beginnen. Am nächsten Tag geht es dann zurück auf das Gelände zu den nächsten Terminen.
Auch der Besuch des Live-Showcase von Ubisoft am letzten Tag des Summer Game Fest hatte viel von der E3. Zwar fanden die damals noch Pressekonferenzen genannten Präsentationen in der Regel vor der eigentlichen Messe statt, aber inhaltlich hat sich nicht viel verändert. Ich sitze mit zahlreichen Kollegen in einem schicken Saal und verfolge Live-Auftritte von Musikern auf der Bühne und sauge packende Trailer zu neuen Spielen auf. Klar kann man sich das auch alles zu Hause im Stream anschauen, aber live vor Ort ist es doch noch mal ein anderes Feeling.
So fühlten sich meine vier Tage in Downtown Los Angeles durchaus wieder ein wenig wie E3 an. Zwar alles noch auf kleinerer Flamme - die E3 war zum Beispiel auch im Stadtbild deutlich präsenter -, aber es hatte etwas von einer gewissen Aufbruchstimmung. Denn auch bei den Entwicklern und PR-Menschen, mit denen ich in diesen Tagen Kontakt hatte, hatte ich den Eindruck, dass sie diesen direkten Kontakt mit der Industrie nicht missen wollen. Daher bin ich sehr auf die weitere Entwicklung des Summer Game Fest gespannt. Wer weiß, vielleicht war ich in diesem Jahr ja Zeitzeuge einer Entwicklung, die den Beginn einer neuen traditionsreichen Fachbesucher-Messe markiert. Ich persönlich würde mich darüber auf jeden Fall sehr freuen.