Spoiler bei Spielen, Filmen und Serien: Entspannt euch, das Leben geht weiter
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SPOILER-WARNUNG! In dieser Kolumne wird es um Spoiler gehen und warum Redakteur Lukas Schmid findet, dass man im Umgang mit ihnen ein wenig mehr Entspanntheit an den Tag legen sollte.
SPOILER-WARNUNG zu Super Mario Bros.: Am Ende besiegt Mario Bowser und rettet Prinzessin Toadstool. Ja, ich weiß, das Ding ist 36 Jahre alt. Aber ich will denen, die es noch nicht gespielt haben, an dieser Stelle ja nicht den Spaß vergällen, indem ich das Ende vorwegnehme.
Man mag es ahnen, wenn man sich nicht schon durch Titel oder Einleitung hat spoilern lassen, diesmal geht es in meiner kleinen Wochenkolumne um Spoiler in Spielen, Filmen und Serien, genauer um den Umgang damit.
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Erst einmal: Ich finde es völlig legitim, sich Entwicklungen oder Twists in Geschichten nicht vorwegnehmen lassen zu wollen. Viele Leute wollen das Ding, auf das man sich freut, ja möglichst ohne Vorwissen genießen. Auf Twitter und Co. just for the lolz hinauszuposaunen, dass am Ende von Harry Potter der Dinosaurier kommt und alle frisst (SPOILER!), ist deswegen schon ein ziemliches Arschlochverhalten.
Allerdings, die Hysterie, die sich um Spoiler und vermeintliche Spoiler vor allem durch das Internet gebildet hat, ist inzwischen schon arg lächerlich.
Über den Autor
Quelle: Lukas Schmid
Spoiler bei Spielen, Filmen und Serien: Entspannt euch, das Leben geht weiter (1)
Lukas Schmid arbeitet seit 2010 in unterschiedlichen Funktionen bei Computec Media und damit bei PC Games, zuerst als Praktikant, anschließend als freier Mitarbeiter, dann als Volontär, Redakteur und inzwischen als Leitender Redakteur für pcgames.de, videogameszone.de, gamesaktuell.de und gamezone.de. Er liebt Action, Adventure, Action-Adventures, Shooter, Jump & Runs, Horror und Rollenspiele, mit Strategietiteln, den meisten Rogue-likes und Militärsimulationen kann man ihn jagen. Jeden Samstag um ca. 09:00 Uhr teilt er euch in seiner Kolumne mit, was ihn gerade wieder nervt oder freut. Hasskommentare und Liebesbriefe gerne in die Kommentare unter der Kolumne, an [email protected] oder auf Twitter an @Schmid_Luki.
Was ist in der Box?
Quelle: Ubisoft
Spoiler bei Spielen, Filmen und Serien: Entspannt euch, das Leben geht weiter (3)
Ja, wenn ich an dieser Stelle verraten würde, dass Protagonist Arthur Morgan nach der Hälfte von Red Dead Redemption 2 von Aliens entführt wird und das Ganze eine Vorgeschichte zu E.T. der Außerirdische darstellt (SPOILER!), dann wäre das uncool. Aber was mir da gerade in meinem Job teilweise als Spoiler angelastet wird, ist schon fast komisch.
Ich zeige zwei, drei Aussichtspunkte in Assassin'S Creed Syndicate / Valhalla? SPOILER!
Ich erwähne, in wie viele Kapitel The Evil Within unterteilt ist, welches aus dieser Tatsache übrigens noch dazu niemals ein Geheimnis macht? SPOILER!!
Ich verrate, dass die Zitadelle der Zeit aus Zelda: Ocarina of Time auch in Breath of the Wild vorkommt, etwas, was man innerhalb der ersten drei Spielminuten erfährt? SPOILER!!!
Das nur eine kleine Auswahl, ich greife auf einen reichen Fundus zurück.
Da scheint ein gewisser Beißreflex dahinterzustecken. Ohne auch nur den Kontext des Gezeigten zu kennen, wird gleich das große Spoilergeschrei ausgepackt. Und abseits davon finde ich es sowieso spannend, auch Umgebungen und Landschaften unter Spoilern zu subsumieren. Was, an einer Stelle im Spiel geht die Sonne über einem Hügel unter und MAN SIEHT DAS? SPOILER!
Ich sehe tote Menschen
Quelle: pcgames.de
Spoiler bei Spielen, Filmen und Serien: Entspannt euch, das Leben geht weiter (4)
Klar zeige ich nicht die Stelle, an der Ellie in Last of Us 2 die Bibliothek von Alexandria unter einer verlassenen Burger-King-Filiale entdeckt (SPOILER!), aber "Landschaft ist schön" verrät mir dann doch eher wenig über ein Spiel.
Will ich als Rezipient gar nix wissen und im Vorfeld auch gar nix sehen, dann kann ich mir halt auch nix dazu angucken und nix durchlesen. Keine Reviews, keine Vorschauen, keine Bildergalerien. Übrigens auch keine Trailer, die gar nicht mal so selten mehr vom Spiel, Film, der Serie zeigen als wir Spieleredakteure.
Denn, man mag es nicht glauben, gerade bei einem Video kommt man nicht umhin, die Dinge, die man sagt, auch mit Bildmaterial zu unterlegen. Ein schwarzes Standbild ohne Audio und Voice Over wäre bestimmt eine Option, um Spoiler 100% zu vermeiden, aber möglicherweise nur bedingt zweckdienlich.
Für so manche empfindliche Seele scheint es zur Empörung zu gereichen, wenn sie auf ein Video/einen Artikel zu einem Produkt klicken und dann völlig baff merken, dass es darin um das Produkt geht.
Nein, ich bin dein Vater!
Ich will nicht sagen, dass ich nicht manchmal die Grenze überschritten habe, hinter der eventuell tatsächlich zu viele (Late-game-)Eindrücke aus einem Spiel schlummern, gerade in meiner Anfangszeit als Spielejournalist. Inzwischen, so behaupte ich, habe ich da ein gutes Gespür, bei den Kollegen ist es ebenso. Das Spoiler-Geschrei wird deswegen freilich nicht weniger. Aber Plot Twists vorwegnehmen? Enden verraten? Das wird man bei keinem Redakteur finden, der etwas auf sich hält, außer natürlich in entsprechend markierten Artikeln und Videos, etwa Story-Analysen.
Wer ist Tyler Durden?
Quelle: PC Games
Spoiler bei Spielen, Filmen und Serien: Entspannt euch, das Leben geht weiter (5)
Persönlich bin ich das andere Extrem, jedoch auch nicht seit jeher. Ich weiß noch, als damals Super Mario Galaxy erschien, habe ich in einem Forum einen User doof angemacht, weil er auf überhaupt nicht böse Art und Weise erwähnte, dass man nach dem Durchspielen Luigi als spielbare Figur freischalten kann (Spoiler?). Andere User sprangen mir in meiner Empörung zur Seite, und der arme, offensichtlich noch ziemlich junge Mensch, der niemandem was Böses wollte, entschuldigte sich tausendfach und man meinte beinahe, ihn hinter der Tastatur schluchzen zu hören. Wegen eines bescheuerten Mario-Hüpfspiels. Wie erwähnt, ein absolut sinnloser Beißreflex.
Nicht meine edelste Stunde. Ich denke noch ziemlich oft daran und fühle mich schuldig.
... und wer ist Keyser Söze?
Quelle: Lucasfilm / Disney
Spoiler bei Spielen, Filmen und Serien: Entspannt euch, das Leben geht weiter (6)
Vielleicht tatsächlich unter anderem dadurch ausgelöst, hat sich meine Einstellung im Laufe der Jahre wie erwähnt gewandelt. Erzähl mir, wer Reys Eltern in Star Wars sind (Rüdiger und Renate Klapowski aus Geiersdorf in der Gemeinde Burgschleinitz-Kühnring - SPOILER!), was der Plot Twist in Sixth Sense 2 sein wird (der Film ist scheiße - SPOILER!) und warum da Stroh rumliegt (schlechter Putzdienst - SPOILER!) - es könnte mir egaler nicht sein.
Quelle: Highlight Communications
Spoiler bei Spielen, Filmen und Serien: Entspannt euch, das Leben geht weiter (7)
Und ich sage euch, was ist das Leben doch einfacher, wenn man sich wegen solcher Nebensächlichkeiten kein Magengeschwür heranzüchtet! Ist doch wurscht, ob ein fiktives Männlein dies oder das macht, mein Leben wird nicht besser dadurch, dass ich beim Rezipieren drei Sekunden lang milde überrascht war. Im Gegenteil, habe ich oft genug das Erlebnis, dass ich Filme, Serien und Spiele ganz anders erlebe, weil ich mit Vorwissen an sie herangehe. Ich verstehe Zusammenhänge, Anspielungen, scheinbar unwichtige Details, die später zu einer Konklusion führen, ohne die Dinger doppelt angucken oder spielen zu müssen.
Ja, oft genug google ich sogar bei manchen Dingen nach oder frage Kollegen, die die Storys schon kennen, einfach weil mich eine Entwicklung in einem Spiel oder einem Film interessiert und es mir eben egal ist, dass ich diesen Moment selbst erst eine Zeit später erleben werden.
Ich habe diesen Zustand
Quelle: Disney
Spoiler bei Spielen, Filmen und Serien: Entspannt euch, das Leben geht weiter (8)
Nein, ich sage keineswegs, dass das allgemeingültig die richtige Herangehensweise an Spoiler ist. Ich verstehe, wenn man überrascht werden will, das ist vollkommen legitim und ich würde niemals jemandem wegen meiner Sichtweise die Freude an einer Geschichte verderben wollen, auf die er sich freut.
Aber herrje, etwas Entspannung ist nun wirklich angesagt. Es gibt keinen Grund, sich da in irgendwelche Hasstiraden oder Empörungsorgien hineinzusteigern. Wenn man mal aus Versehen gespoilert wird - unangenehm, aber ist das eigene Leben deswegen schlechter geworden? Ich behaupte nein.
28 Tage, 6 Stunden, 42 Minuten, 12 Sekunden.
Erst einmal runterkommen und nicht gleich Spoiler schreien, wenn einer sagt, dass im nächsten Call of Duty Waffen vorkommen; überlegen, ob es wirklich wichtig ist, auch sich selbst den Tag zu versauen, weil ich einen Teilaspekt einer Handlung mitbekomme, die mich sonst noch an vielen Stellen überraschen kann; und generell hinterfragen, ob es wirklich lohnt, sich über so etwas Unwichtiges wie Videospiele und Filme aufzuregen. Da gibt es ja doch etwas wichtigere Dinge im Leben, die einen beschäftigen sollten, Klimawandel und so.
Und dann kann man auf einmal Super Mario Odyssey genießen, egal, ob man weiß, ob Mario am Ende gegen Bowser gewinnt oder nicht.
Tut er. Spoiler.
Hinweis in eigener Sache: Ich habe nach dem Erscheinen dieser Kolumne Urlaub, an den zwei kommenden Wochenenden gibt es also ausnahmsweise keine neuen Kolumnen von mir. Am 4. September 2021 bin ich dann wieder mit einem neuen Text am Start.
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