Sexismus, PTBS, und mehr: Was ist denn mit der Spiele-Industrie los?
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In letzter Zeit kommen immer mehr Sexismus-Skandale, Berichte über Crunch, Frat-Boy-Culture und Ähnliches aus der Spiele-Industrie an die Öffentlichkeit. Insgesamt wirkt es derzeit so, als wäre die gesamte Videospiel-Industrie von diesem Problem betroffen. Ich begebe mich daher auf die Suche nach Spielen, die man noch guten Gewissens unterstützen kann.
Natürlich ist nicht die ganze Videospiel-Industrie so, wie es diese Beispiele darstellen. Beispielsweise kündigte Eidos-Montréal vor kurzem an, dass sie auf eine Vier-Tage-Woche umsteigen werden. Der beste Weg, um Crunch zu bekämpfen, ist immerhin, schlichtweg weniger zu arbeiten. Hiermit ist Eidos-Montréal das erste AAA-Studio, welches auf dieses Arbeits-Modell umsteigt und wie zahlreiche Studien belegen, wirkt sich eine Vier-Tage-Woche positiv auf die Produktivität, das Arbeitsklima, und alle anderen Dinge aus, welche das Arbeitsleben erleichtern.
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Kürzere Arbeitszeiten erhöhen die Produktivität
Es gab schon einmal eine Bewegung, die Erfolg hatte und bewies, dass lange Arbeitszeiten eben nicht mit viel Ertrag einhergehen müssen. Jahre 1817 sprach der Labor-Rights-Activist Robert Owen den Satz: "Eight hours labor, eight hours recreation, eight hours rest". Das entsprang einer Zeit, in der viele Menschen noch sechs Tage die Woche arbeiteten, was sie sich übrigens auch erst einmal erkämpfen mussten, da die Arbeitszeiten davor noch viel brutaler ausfielen. Henry Ford verzichtete im Jahr 1926 auf diesen sechsten Arbeitstag und fand heraus, dass seine Arbeiter tatsächlich produktiver waren, wenn sie nur 40 Stunden die Woche arbeiteten, statt 48 Stunden.
Und in den ersten beiden Monaten des Jahres 1974 wurde die Arbeitswoche in England auf drei Tage beschränkt, um Energie zu sparen. Die Produktivität im Vergleich zu einer 40-Stunden-Woche sank gerade mal um sechs Prozent. Menschen arbeiteten weniger, waren dafür jedoch wesentlich produktiver. Ob sich eine Reduktion der Arbeitszeit überhaupt über Produktivität rechtfertigen muss, sei natürlich zusätzlich dahingestellt.
Es geht auch ohne Crunch
Dass man Videospiele auch ohne Crunch entwickeln kann, zeigen Studios wie Supergiant Games, bekannt unter anderem durch Hades. Das Rogue-lite ist äußerst beliebt und wohl eines der besten Spiele aus dem Jahre 2020, trotzdem ist das Studio völlig ohne Crunch ausgekommen. Auch bei Psychonauts 2 kam es laut den Entwicklern nicht zu Crunch. Wir bekommen also gute Spiele, und die Entwickler müssen bei ihrer Arbeit nicht leiden. Außer ein paar empörten Schreihälsen im Internet wird sich auch keiner aufregen, wenn ein Titel länger benötigt, um fertig zu werden, und es dafür allen Beteiligten gutgeht. Im Gegenteil, für entsprechende Berichte gab es in der Vergangenheit regelrechte Lovestorms und Studios wie Insomniac, bei denen das zumindest beim neuen Ratchet & Clank offenbar gelebte Praxis war, liefern trotzdem wahnsinnig gute Titel ab.
Dann gibt es natürlich noch Dinge, welche den Verbraucher direkt betreffen. Beispielweise hat es Sony wesentlich schwerer gemacht, digitale Inhalte auf der PlayStation 3 und der PSVita zu kaufen. Tatsächlich wollte Sony die Stores dieser Konsolen völlig offline nehmen, wodurch eine sehr große Anzahl an Titeln, die nur digital für diese Konsolen erhältlich sind, für immer verschwinden würden.
Doch auch hier tragen die Entwickler dieser Titel den meisten Schaden davon. Laut eigenen Aussagen wurden beispielsweise PSVita-Entwickler nicht vorher von Sony informiert, dass ihre Spiele in Zukunft schlichtweg nicht mehr gekauft werden können, sondern erfuhren es gleichzeitig mit dem Rest der Welt. Klar, irgendwann ist es nicht mehr wirtschaftlich, ein altes Spielesystem am Leben zu erhalten. Aber es hätte Sony nicht wehgetan, hier frühzeitig mit offenen Karten zu spielen und dadurch diese Studios vor großen Problemen zu bewahren.
Indie-Studios statt den großen Namen
Welche Spiele kann man nun also noch guten Gewissens kaufen und spielen, wenn einem all diese Hintergründe wichtig sind? Indie-Titel sind eine gute Wahl, was natürlich nicht heißt, dass es nicht auch hier problematische Berichte gibt, auch hier gilt es also, die Augen offenzuhalten. Im Regelfall geht es hier durch die wesentlich kleineren Teamgrößen und entsprechend gesündere Hierarchien aber besser zu.
So unterschiedlich Indies sind, haben sie doch eines gemeinsam: Hinter ihnen stecken meist keine riesigen Entwicklerstudios, sondern Indie-Entwickler, welche durch den Erfolg ihres Spiels direkt profitieren. Hollow Knight ist etwa ein fantastisches Spiel und wurde von gerade mal drei Entwicklern von Team Cherry kreiert, die sich ihren Auftritten nach ziemlich gut verstehen. Auch der Soundtrack von Christopher Larkin ist ein wahres Meisterwerk. Indie-Studios kreieren oftmals die interessantesten Spiele und können freier arbeiten, als das in einem großen Unternehmen der Fall wäre.
Boykott ohne Boykott?
Eine weitere Möglichkeit ist es, Spiele einfach gebraucht zu kaufen, zumindest bei Retail-Titeln. Wenn man im hiesigen Gaming-Laden eine gebrauchte Kopie von Far Cry 6 erspäht, dann unterstützt man mit dessen Kauf nicht direkt Ubisoft und kann das Spiel immer noch genießen. Hiermit kann man sozusagen einen Boykott ohne Boykott vollführen.
Klar, gibt es auch größere Studios, bei welchen solche Skandale bisher nicht vorkamen. Hierunter beispielsweise Larian Studios, welche unter anderem für das grandiose Divinity Original Sin 2 verantwortlich zeichnen. Mit Fokus auf Crunch gibt es sogar eine Seite, die speziell Studios hervorhebt, die sich hier bewusst dagegen aussprechen, darunter Playground Games, Ninja Theory, und Digital Extremes.
Für mich sind viele Indie-Titel eine gute Alternative
Man kann sich nie sicher sein, wie die Zustände bei einem Entwicklerstudio in der Praxis aussehen. Doch zu große Teams fördern solche toxischen Strukturen offenbar, und solange sich niemand findet, der die Methoden offensichtlich macht, kann sich eine solche Kultur leider über Jahre hinweg entwickeln und immer dramatischer werden.
Solange, bis kein großer Skandal bei Hopoo Games an die Öffentlichkeit gebracht wird, werde ich weiterhin mit Freude Risk of Rain 2 spielen. Bitte, Hopoo Games, enttäuscht mich nicht.
