Wie Trophäen meine Spielweise verändert haben - Seite 2
Kolumne 53,99 €
Achievements beeinflussen, wie wir Games spielen: Auf der Jagd nach der nächsten Platin-Trophäe bleibt der Spielspaß manchmal zwangsläufig auf der Strecke.
Noch schlimmer wird es aber bei Sammelgegenständen. Besonders dann, wenn man lineare Titel spielt, die keine gescheite Kapitelauswahl haben. Ich schaue dich an, Marvel's Guardians of the Galaxy! Aus Angst, irgendein relevantes Collectible zu verpassen, hangelt man sich irgendwann nur noch von Heldenkostüm zu Heldenkostüm. Anstatt sich auf das Spiel zu konzentrieren und einfach mal die Welt, die Atmosphäre oder die Dialoge zu genießen, ist man immer nur so halb bei der Sache: Das eine Auge schielt immer auf den zweiten Bildschirm mit dem Trophäen-Leitfaden.
Und zu guter Letzt wirkt sich das Trophäensammeln auch auf meine Spielauswahl aus: Ich habe etwa mit anderthalb Jahren Verspätung Astro's Playroom aus meiner Bibliothek gekramt, weil das recht einfach zu platinieren war. Ich habe mir aber auch schon mal ein Spiel lieber für die PlayStation gekauft, um es mit Trophäen spielen zu können, obwohl es auf dem PC oder der Xbox viel billiger gewesen wäre. Da wird's dann schon langsam ein klein wenig absurd.
In diesem Artikel
Quelle: PC Games
Tortur für Trophäen: Wie Achievements meine Spielweise verändert haben (2)
Alles nur Zeitverschwendung?
Zumal sich bei all dem ja immer die Frage stellt: Welchen Mehrwert ziehe ich eigentlich aus den digitalen Fleißsternchen? Angeben kann ich mit meinen Internetpunkten nicht wirklich, einem Großteil meines Freundeskreises sind die Dinger komplett egal. Und bis ich über das tolle neue PlayStation-Stars-Programm meine Trophäen gegen PSN-Guthaben eintauschen kann, wird es wohl auch noch etwas dauern.
In der Zwischenzeit sind sie aber mindestens mal für eine Sache gut: Sie sorgen dafür, dass ich mich intensiver mit den Titeln beschäftige, die ich spiele. Dafür, dass ich auch mal andere Dinge ausprobiere, auf die ich normalerweise nicht gekommen wäre. Eines meiner liebsten Beispiele ist hier bis heute Deus Ex: Mankind Divided. Da gibt es eine Auszeichnung namens Pazifist, für die man die gesamte Story abschließen muss, ohne auch nur einen einzigen Menschen umzubringen. Da galt es dann entsprechend, meine Spielweise ein wenig anzupassen: Schleichen statt Konfrontation, Betäubungspfeile statt tödlicher Munition. Das Erlebnis war plötzlich ein ganz anderes! In Arkane Studios' Prey habe ich dann während meines Spieldurchlaufs komplett auf die Alien-Kräfte der Typhons verzichtet. Durch Death's Door habe ich mich nur mit einem Regenschirm bewaffnet geprügelt.
Nicht um jeden Preis
Ganz allgemein gesprochen verbringe ich jetzt viel mehr Zeit mit einzelnen Spielen und lasse mich mehr auf deren Inhalte ein. Mein aktueller Anspruch ist es, immer mindestens 50 Prozent aller Trophäen abgeschlossen zu haben. Das sorgt dafür, dass ich auch nach Ende der Story noch dranbleibe und mir neue Herausforderungen suche: Wenn ich weiß, dass es eine Auszeichnung dafür gibt, ein bestimmtes Ende in Detroit: Become Human zu sehen, dann hänge ich eben nochmal einen weiteren Durchlauf dran. Wenn ich erfahre, dass ich in Hitman 3 dafür belohnt werde, einen Gegner in einer Weinpresse zu zerquetschen, dann will ich das natürlich ausprobieren! Am Ende helfen Trophäen mir so, mehr von einem Spiel zu sehen, mehr für mein Geld zu bekommen.
Also ja, vielleicht ist meine Sammelei doch gar nicht so problematisch: Ich habe auch noch nie Schrottspiele wie My Name is Mayo gekauft, um künstlich meine Statistiken zu boosten. Ebenso habe ich noch nie auf ein gutes Spiel verzichtet, weil die Achievements zu schwer waren. Und ich habe auch nicht den Anspruch, jede Trophäe ums Verrecken mitzunehmen. Wenn Gran Turismo 7 von mir möchte, dass ich 16 Millionen Credits grinde, um mir drei legendäre Autos zu kaufen, dann ist mir meine Zeit dafür definitiv zu schade. Da spiele ich dann doch lieber God of War Ragnarök. Ich habe schließlich gehört, das soll gar keine verpassbaren oder auf die Schwierigkeit bezogenen Trophäen haben. Ich kann also auch ganz entspannt ohne einen Guide loslegen.
