Spider-Man Remastered ist fantastisch, obwohl es ein schlechtes Open-World-Spiel ist
Kolumne
Marvel's Spider-Man ist eines meiner Lieblingsspiele - und das, obwohl es eigentlich bei der Open World so ziemlich alles falsch macht, was möglich ist.
Ich habe Open Worlds inzwischen sowas von satt. Das war früher, genauer gesagt bis vor gar nicht mal allzu langer Zeit, noch anders. Assassin's Creed, Far Cry, Just Cause und wie sie nicht alle heißen. Bei mir ergab sich da immer fast ein Zen-Gefühl, wenn ich die zahllosen Icons auf der Map abgegrast habe.
Der große Wandel kam nicht wegen eines bestimmten Ereignisses. Eines Tages hatte ich einfach genug von den ja doch in so vielen Spielen immergleichen Abläufen: Gebiete, die man erobern muss, Türme, die man freischaltet, Hauptmissionen, die überhaupt nicht von der offenen Welt profitieren, Nebenaufgaben, die sich ständig wiederholen, Dutzende bis Hunderte Sammelgegenstände und so weiter und so fort. Mit Blick auf Spider-Man Remastered hatte ich deswegen fast ein wenig Angst, mich da noch einmal ranzuwagen. Zum ursprünglichen Release war es eines meiner Lieblingsspiele. Würde ich in meiner Übersättigung auf einmal gar keine Lust mehr auf das Spinnenabenteuer haben?
In diesem Artikel
Open-World-Gameplay nach Schema F
Eine, wie ich finde, berechtigte Angst. Denn, auf seine Essenz heruntergebrochen, ist Spider-Man bezüglich seiner Gestaltung so unfassbar formelhaft, dass es fast schon wehtut. Erinnert ihr euch noch an meine Aufzählung von eben?
Quelle: Sony
Spider-Man Remastered ist fantastisch, obwohl es ein schlechtes Open-World-Spiel ist (2)
Gebiete erobern, Quasi-Türme, lineare Hauptmissionen, sich wiederholende Nebenmissionen, Sammelgegenstände: Jupp, all das gibt's in Spider-Man, und noch viele Open-World-Designsünden mehr.
Würde man mir die Feature-Liste des Spiels vorlegen, ich würde wohl laut lachen und beschließen, es niemals spielen zu wollen. Vor allem, weil es halt inzwischen so viele Spiele gibt, die zeigen, wie man eine Open World so gestalten kann, dass sie ihre Vorteile gegenüber einem linearen Titel klar ausspielt.
Open World neu gedacht
Man denke an GTA 5, The Witcher 3 und Zelda: Breath of the Wild, die da allesamt schon vor Spider-Mans Release Pionierarbeit geleistet haben. Oder zuletzt natürlich an Elden Ring, an dem sich in Zukunft wohl fast alle Spiele mit offener Welt werden messen müssen.
Diese Spiele haben verstanden, dass eine Open World nicht dazu da ist, abgearbeitet zu werden, dass ein Radar voller Icons nicht das höchste der Gefühle ist. Sie erfüllen ihre Welten mit so viel Leben, lassen sie gleichzeitig glaubwürdig und absolut fantastisch und einzigartig wirken. Ja, und Spider-Man? Da ist es eben Manhattan, und Icons gibt es allenthalben.
... does what only the Spider-Man can
Weil das hier keine allzu interessante Kolumne wäre, würde jetzt nicht das "Aber" kommen: Aber trotzdem ist Spider-Man beziehungsweise ist Spider-Man Remastered auch heute noch eines meiner Lieblingsspiele und wird, von Zelda: Breath of the Wild vielleicht mal abgesehen, für mich persönlich auch von keinem der eben genannten Spiele übertroffen, die ihre offenen Welten deutlich kreativer gedacht haben.
