Spacebase Startopia: Weltraumbasis-Management zwischen Lust und Frust
Test 35,99 €
Im strategielastigen Genremix der deutschen Entwickler von Realmforge Studios seid ihr der Chef einer Weltraumbasis mit anspruchsvollen Aliens, massig Müll und großen Herausforderungen. Wir verraten euch in unserem Test, warum uns Spacebase Startopia zwar gefallen hat, uns aber nicht völlig überzeugen konnte.
Eine Raumstation zu managen kann eine ziemliche Herausforderung sein. Wer Star Trek: Deep Space Nine kennt, der kann sich vorstellen, warum das so ist. Auf so einer Station gehen zig außerirdische Völker mit eigenen Vorlieben und Problemen ein und aus. Das wiederum sorgt für Dauerbetrieb auf der Krankenstation oder den Bars und natürlich für Ärger mit Sicherheitskräften. Stromversorgung und Instandhaltung der Station sind ebenfalls ständige Problemherde. Und zu allem Überfluss greifen von Zeit zu Zeit auch noch widerliche Alien-Viecher und Piraten an. All das und noch viel mehr erwartet euch als Leiter von Weltraumstationen in Spacebase Startopia.
Eine Station, drei Decks und viel zu tun
Alle Stationen im Mix aus Echtzeitstrategie und Wirtschaftssimulation von Entwickler Realmforge Studios haben den gleichen Grundaufbau und drei Ebenen: Auf dem Sub-Deck kommen die Besucher an. Hier gibt es einfache Schlafräume, Fabriken, Recyclinganlagen, Krankenstationen, Lagerräume, eine Sicherheitsstation samt Gefängnis und auch eine Kommandozentrale. Halt alles, was man für den Betrieb einer Station unbedingt braucht. Auf dem Fun-Deck dürfen Angestellte und Besucher in Cafés, Bars, Restaurants, Discos und Attraktionen Spaß haben. Das Bio-Deck mit seinen bis zu neun unterschiedlichen Biomen ist nicht nur die grüne Lunge der Station, hier werden auch diverse Rohstoffe produziert, die für die Produktion von Gütern benötigt werden.
Aller Anfang ist einfach
Ihr startet mit einem Energiekern auf jeder Ebene und einem Aufzug, der alle Ebenen verbindet. Dazu gibt es noch eine Schleuse, über die Neuankömmlinge auf die Station kommen und sie wieder verlassen. Ziel ist es stets, die Aliens auf der Station, seien es nun Besucher oder Angestellte, dazu zu bringen, ihre Energie auszugeben. Denn diese Energie treibt die Station und alle eure Gebäude an.
Quelle: PC Games
Ziemlich voll: auf dem Sub-Deck findet ihr viele Gebäude, die für den Betrieb einer Station unerlässlich sind.
Sie ermöglicht euch auch, die Station Schritt für Schritt auszubauen, indem ihr neue Gebäude kauft oder bislang unbenutzte Areale öffnet. Die zweite relevante Währung in Spacebase Startopia (jetzt kaufen 1,57 € / 35,99 € ) ist Prestige, das ihr unter anderem benötigt um neue Gebäude, Besucherarten und Bauoptionen freizuschalten. Und sobald ihr ein Labor gebaut habt, braucht ihr Prestige um Forschungsprojekte durchzuführen und Upgrades für Sicherheitskräfte zu kaufen.
Personalmanagement für Profis
Quelle: PC Games
Party-Time: Die Celebramer auf dem Fun-Deck wissen, wie man feiert.
Natürlich funktioniert eine solche Raumstation nicht vollautomatisch, ihr benötigt für viele Gebäude qualifiziertes Personal. Im Laufe des Spiels lernt ihr neun Alien-Völker kennen, die alle spezielle Fähigkeiten haben und daher nur ebenso spezielle Aufgaben erfüllen können. Celebramer feiern für ihr Leben gern und sind daher in den Discos auf dem Fun-Deck am besten aufgehoben. Die bulligen Leviathane eignen sich perfekt als Sicherheitspersonal und Dryaden sorgen auf dem Bio-Deck dafür, dass alle Pflanzen dort gut gedeihen. Wie viel Personal ihr wirklich benötigt, sagt euch das Spiel nicht. Zu wenig und wichtige Stationseinrichten funktionieren nicht oder unzureichend. Zu viel und eure Angestellten sind gelangweilt und kündigen. Und wenn ihr vergesst, sie rechtzeitig zu befördern, gibt es natürlich auch Stress. Neben den Aliens befehligt ihr noch eine Armee von Roboterhelfen, sogenannten Fuzzys, die über verschiedenen Funktionen verfügen. Sie können Gebäude bauen und reparieren, Waren und Rohstoffe transportieren und Müll wegräumen. Ein kleiner Tipp: man kann nie genug Fuzzys haben. Dummerweise ist die Herstellung nicht unbedingt günstig.
Viel Eigeninitiative nötig
Eine typische Mission startet in der Regel immer harmlos und gemächlich. Ihr baut die wichtigsten Startgebäude wie Kojen, Krankenstation, Lagerräume, Kommandozentrale, Recycling-Anlage und Fabrik auf dem Sub-Deck. Zusammen mit ein paar Atmosphärenfiltern für bessere Atemluft und den einigen Müll-Robotern. Dann errichtet ihr die erste Disco und wenn schon verfügbar vielleicht noch ein Café. Zusammen mit weiteren Müllrobotern und noch mehr Atmosphärenfiltern auf dieser Ebene. Für einige der komplexeren Räume wir Discos, Kojen oder Krankenstationen hat das Spiel passende Blaupausen in verschiedenen Größen parat, die euch den Bauvorgang deutlich erleichtern. Danach einen geht's für einen kurzen Abstecher auf das Bio-Deck, um zu sehen, welche Biome es hier von Beginn an gibt und welche ihr über Terraforming noch schaffen müsst, um für eine ausreichende Versorgung mit Sauerstoff (für eure Atmosphärenfilter) und den diversen Rohstoffen (Fasern, Mineralien, Nahrung und Medizin) zu sorgen. Umso mehr Pflanzen dort wachsen, desto mehr Ressourcen werden generiert. Eure Fuzzys sammeln zwar in regelmäßigen Abständen Material ein, was zu lange liegt, verdirbt aber nach einer Weile. Also müsst ihr oft selber mit Hand anlegen und Waren ins Lager oder direkt in die Fabrik bringen. Allzu viel Abwechslung bietet der Stationsaufbau nicht. Er läuft mehr oder weniger immer gleich ab.
Quelle: PC Games
Auf dem Bio-Deck wachsen die Rohstoffe, die ihr zum Betreiben der Fabriken benötigt. Und noch wichtiger: hier wird Sauerstoff erzeugt.
Echtzeit-Strategiekämpfe der Marke "Light"
Das ist bei weitem nicht alles, um das ihr euch kümmern müsst. In einer typischen Mission (oder im freien Spiel) kommt irgendwann noch der Handel mit Gütern über einen Raumhafen hinzu. Sobald ihr über ein Labor verfügt, dürft ihr Upgrades für Gebäude und Kampfeinheiten erforschen. Ja, ihr habt richtig gelesen, gekämpft wird in Spacebase Startopia auch. Sobald ihr über eine Sicherheitsstation habt, befehligt ihr bewaffnete Drohnen und (je Sicherheitsstation) auch einen Mech. Mit diesen bekämpft ihr Piraten, die euch gelegentlich überfallen, Alien-Monster, die aus Kokons auf dem Bio-Deck schlüpfen oder unliebsame Kontrahenten, die sich auf ebenfalls auf der Raumstation niedergelassen haben. Die Kämpfe sind recht einfach gehalten und bieten auch keine nennenswerten Taktikoptionen. Wer über die größere Feuerkraft verfügt, gewinnt in der Regel.
Nichts für Spieler mit Herzinfarktrisiko
Quelle: PC Games
Auf dem Stationswertungsbildschirm könnt ihr sehen, was die Aliens über eure Station denken.
Darüber hinaus passiert gefühlt alle 20 Sekunden was auf eurer Spacebase: Angestellte sind unzufrieden oder kündigen, Händler wollen andocken, Putzkolonnen bieten ihre Dienste an, Hassprediger wiegeln Besucher auf, Rohstoffe verderben, Gebäude müssen repariert werden und Anti-Spaß-Fundamentalisten legen Sprengsätze auf dem Fun-Deck. Je umfangreicher und komplexer eure Station wird, desto stressiger wird es auch für euch und irgendwann versinkt das Ganze fast automatisch im Chaos. Vor allem, wenn ihr neue Gebäudetypen freischaltet und dadurch auch anspruchsvollere Aliens auf die Station kommen, denen einfache Schlafkojen und simple Freizeitaktivitäten nicht genügen. Abstimmungen, die alle paar Minuten unter den Besuchern durchgeführt werden, geben euch ein Rating das zeigt, wie zufrieden diese mit dem Angebot der Station sind. Und nur über positive Bewertungen bekommt ihr das dringend benötigte Prestige um wichtige Upgrades freizuschalten. Die größten Baustellen könnt ihr in einem entsprechenden Menü einsehen, das euch zu positiven und negativen Bewertungen auch Kommentare der Besucher anzeigt.
Hilfe, ich bin überfordert
Klingt alles gar nicht mehr so chillig, oder? Das ist auch einer der großen Kritikpunkte an Spacebase Startopia. Denn auch wenn euch kurze Tutorials grundlegende Spielmechaniken vermitteln und die ersten Kampagnenmissionen stets mit immer neuen Features vertraut machen, gibt es viele Details, die euch das Spiel nicht adäquat vermittelt. Vieles müsst ihr auf die harte Tour herausfinden, indem ihr viele Stunden investiert und Sachen ausprobiert. Selbst auf dem einfachsten von drei Schwierigkeitsgraden wird das Geschehen sehr schnell sehr komplex und ihr habt viel zu wenig Zeit, um euch um alle Problemherde zu kümmern. Und oft weiß man gar nicht, was man zuerst machen soll, um die verschiedenen immer weiter steigenden Ansprüche von Besuchern und Angestellten zu erfüllen. Dadurch treten der gelungene Humor und die vielen liebevoll designten Details, vor denen das Spiel nur so sprüht, zu sehr in den Hintergrund. Man hat eigentlich nie Zeit, sich das wuselige Treiben auf der Station mal in Ruhe anzuschauen. Eine Pausenfunktion sucht man hier auch vergebens. Es gibt zwar ein Feedback-System, das euch über Probleme informiert, aber es fehlt an zielgerichteten Tipps und einfachen Mechanismen, mit denen man Missstände in den Griff bekommen kann. Auch die witzige Stations-KI, für die es drei Sprachvarianten gibt (von denen eine wie die der verrückte Computer in Portal klingt), reißt das Ganze nicht heraus. Die englische Sprachausgabe schlägt die deutsche übrigens um Längen.
Quelle: PC Games
Unsere Armee, bestehend aus Mechs und Sicherheitsdroiden greift die Streitkräfte eines Kontrahenten an, um ihm einen Sektor abzuluchsen.
Technisch ordentliche PC-Fassung
Quelle: PC Games
Reparaturbedürftige Energieverteiler auf dem Fun-Deck legen den Betrieb lahm.
Wir haben uns für den Test die PC-Version angeschaut, die technisch ganz ordentlich geworden ist und wie oben angedeutet mit vielen liebevollen Details und gelungenem Humor glänzt. Einen grafischen Überflieger solltet ihr dennoch nicht erwarten. Steuerung und Menüdesign sind insgesamt gelungen und geben keinen Anlass zur Beanstandung. Bildschirmtexte und Spachausgabe gibt es in deutscher Sprache. Die englische Synchro ist aber deutlich besser. Was angesichts des guten Humors schade ist: Eine richtige Story, die diesen Namen verdient, gibt es in Spacebase Startopia nicht. Lediglich ein Handlungskorsett, in dem die Kampagnenmissionen ablaufen. Daneben bietet der Titel einen "Freies Spiel"-Modus, der euch verschiedenen Einstellungsmöglichkeiten und Zielvorgaben bietet. Hier könnt ihr euch mit bis zu drei KI-Kontrahenten messen. Einen Mehrspielermodus, den wir uns aus Zeitgründen noch nicht näher anschauen konnten, bietet Spacebase Startopia ebenfalls. Mittlerweile hatten wir die Möglichkeit uns Spacebase Startopia (erscheint auch auf PS4/5 und Xbox One bzw. Series S/X) auf der Playstation 4 Pro anzuschauen. Grafisch ist der Titel auf dieser Plattform durchaus vergleichbar mit dem PC, alles andere ist aber deutlich schlechter und läuft bei weitem nicht so flüssig. Die Ladezeiten sind viel länger und durch das Nachladen beim Wechseln von Ebenen kommt es zu Rucklern und Soundaussetzern. Zudem ist die Steuerung recht träge, was angesichts des oft stressigen Gameplays fürchterlich nerven kann. Die Belegung des Controllers ist schon durchdacht und kann mit viel Übung bestimmt verinnerlicht werden. Aber es gibt schon einen (guten) Grund, warum es recht wenige Strategiespiele auf Konsole gibt. Die Steuerung mit Maus und Tastatur ist um Galaxien besser, schneller und präziser. Aus den genannten Gründen können wir aktuell von der PS4-Fassung nur abraten!
