South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe gespielt - Ein Darmwind kommt selten allein

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South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe gespielt - Ein Darmwind kommt selten allein
Quelle: Ubisoft

Traurig, aber wahr: Die macht des Darmwindes wird auch im Jahre 2017 noch immer sträflich unterschätzt. South Park macht sich daran, diesem Umstand Abhilfe zu leisten. Wir haben das Rollenspiel South Park: Die rektakuläre Zerreißprobe auf der E 2017 gespielt.

Mit South Park: Der Stab der Wahrheit gelang Ubisoft - beziehungsweise dem Rollenspiel-erprobten Entwicklerstudio Obsidian Entertainment - ein Überraschungshit, der bewies, dass ein Lizenzspiel der Vorlage mehr als gerecht werden und zudem auch noch spielerisch richtig gut sein kann. Der typische, extrem derbe Humor der Serie (hierzulande wurden sogar mehrere Sequenzen des Spiels zensiert) aus der Feder der Originalschreiber traf dabei auf simples, aber ansprechendes rundenbasiertes RPG-Gameplay nach Art von Paper Mario. Nun steht nach einigen Verschiebungen der Nachfolger vor der Tür, zwar unter neuer Entwickler-Schirmherrschaft, dem bisherigen Anschein nach aber mindestens ebenso gelungen wie der Erstling. Im Rahmen der E3 2017 konnten wir erstmals selbst Hand anlegen.

Coon and Friends: Age of Cartman

Wieder spielen wir den Neuen im Dorf, dessen Aussehen wir vor Spielbeginn selbst festlegen können. Neu: Diesmal können wir wahlweise auch als weibliche Heldin an den Start gehen. Wo es uns in Der Stab der Wahrheit in einen Konflikt zwischen rivalisierenden Fantasy-RPG-Stereotypen, verkörpert von Cartman, Kyle, Butters, Kenny und Co. verschlug, sind diesmal die Superhelden dran; und wieder kommt es zum Konflikt, diesmal zwischen der Superheldenvereinigung Coon and Friends und den Freedom Pals, weil, sich die Fraktionen nicht einigen können, wie die Filmverwertung der Superhelden-Clique am besten vonstatten gehen soll. Was folgt, dürfte, unterlegt mit Schimpfwörtern, sexuellen Anspielungen, zutiefst politisch unkorrekten Witzen und so, so, SOOO vielen Fürzen wieder auf extrem humorvolle Art und Weise alle Grenzen des guten Geschmacks sprengen, kommt aber sich spielerisch deutlich überarbeitet daher.

Wie man seine Backen streit in zwei einfachen Schritten

Die Neuerungen wurden in der knapp 15-minütigen Demo, die wir spielen durften, schnell offenbar. Wir steigen in medias res und durchs Klofenster des unter Serienfans bekannten Strip Clubs The Pepermint Hippo ein und sehen uns mit der Mission konfrontiert, irgendwie mit einer von uns gesuchten Stripperin ins Gespräch zu kommen. Noch im Klo können wir einige der bekannten und neuen Spielmechaniken ausprobieren: Auf Knopfdruck prügeln wir auf NPCs (die individuell darauf reagieren) und auf zerbrechliche Gegenstände ein, furzen an, was nicht bei drei auf den Bäumen ist und werfen mit Zielcursor Feuerwerkskracher durch die Gegend. Übrigens, auch Fürze lassen sich gezielt abfeuern. Weiterhin sammeln wir Ressourcen ein, untersuchen als interaktiv markierte Gegenstände und lassen auf der Toilette eine ebenfalls für Crafting und andere Aktivitäten wertvolle Wurst ins Wasser platschen. Dafür setzen wir uns auf die Schüssel und ziehen mit den beiden Analogsticks - wir spielten auf der PS4 - unsere Arschbacken auseinander. Wie im richtigen Leben eben.

Wechselnde Standpunkte

Im Stripclub selbst stach uns neben besoffenen Perversen, jeder Menge Orangenhaut und schlecht rasierter Schamhaare sowie liebevoll animierter Ekeltitten vor als dieTatsache ins Auge, dass das Spiel einen noch deutlich ausgeprägteren Adventure-Anteil besitzt als der erste Teil. So gilt es, mit verschiedenen Tänzerinnen zu sprechen und dadurch Hinweise zu erhalten, an ein auf einem Schrank befindliches, benötigtes Item zu gelangen, indem wir unseren Fürze und unsere Feuerwerkskracher clever kombinieren und die benötigten Gegenstände für einen Sperma-Rattenscheiße-Furz-Gin-Tonic aufzutreiben. Iiih, Gin! Damit dieser entstehen kann, müssen wir das neue Crafting System zum Einsatz bringen - allerdings wirkt es bisher recht rudimentär.

Bis auf die Tatsache, dass wir erneut durch gut getimtes Drücken von Knöpfen besonders starke Angriffe ausführen oder beim Verteidigen auf diese Weise Schaden minimieren können, ist dafür das Kampfsystem wesentlich komplexer als in Der Stab der Wahrheit Statt auf vorgegebenen Positionen kämpfen wir nun auf einem Mini-Raster, auf dem wir uns entsprechend unseres Radius bewegen können. Auch unsere Angriffe nehmen einen vorgegebenen Platz am Raster ein und reichen von Flächen- über Einzel- und Spezialattacken, die auch gerne mal das Interieur in das Gefecht mit einbeziehen. Je nach Positionierung können wir auch Gegner ineinanderwerfen, sie auf ein Party-Mitglied stolpern lassen und ein weiteres Mal zuschlagen oder durch Positionswechsel der feindlichen Strategie ein Schnippchen schlagen. Sehr schön, wir doch damit der größte Kritikpunkt am Erstling, eben das unterhaltsame, aber zu simple Kampfsystem, in Angriff genommen. Klar, sobald man das Prinzip verstanden hat, sind die Duelle noch immer recht einfach, sie bieten aber wesentlich mehr kreativen Spielraum.

Ein Darmwind kommt selten allein

Ebenfalls wieder mit dabei sind Minispiele, und jenes, welches wir bereits ausprobieren konnten, war bereits auf so vielen Ebenen falsch, dass wir aus dem dämlichen Kichern kaum noch herauskamen. Als Striptease-Tänzerin müssen wir dabei durch rhythmische Analogstick-Bewegungen und richtig ausgeführte Tastenbefehle zwei besoffene Freier gleichzeitig scharf machen und ihnen in rascher Abfolge auf Hemd und Hose furzen, gekrönt von einem finalen Superfurz. Wir sparen uns an dieser Stelle alle weiteren Worte.

Stattdessen sagen wir: Die rektakuläre Zerreißprobe verspricht trotz der vielen Verschiebungen, die sonst selten Gutes verheißen, qualitativ dem Vorgänger zumindest ebenbürtig zu werden. Das stark erweiterte Kampfsystem und die Adventure-Elemente heben es positiv ab und der ebenso einzigartige wie gestörte Humor tut sein Übriges, dass Fans der Serie sabbernd auf en 17. Oktober warten, wenn das Spiel erscheint - diesmal wirklich. Vielleicht.

Meinung

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