Songs of Conquest im Test: Ein Indie-Strategie-Rollenspiel auf den Spuren von Heroes of Might & Magic

Test Matthias Dammes
Songs of Conquest im Test: Ein Indie-Strategie-Rollenspiel auf den Spuren von Heroes of Might & Magic
Quelle: Lavapotion

Nach zwei Jahren Early Access ist Songs of Conquest erschienen und wir prüfen im Test, ob es ein würdiger Erbe von Heroes of Might & Magic geworden ist.

Wenn große Publisher ihre Marken verkommen lassen, springen häufig engagierte Indie-Entwickler in die Bresche, die sich an bekannten Konzepten versuchen und diesen mit ihrem eigenen Charme neues Leben einhauchen. Das trifft auch auf das kleine Team von Lavapotion zu. Die Schweden haben mit Songs of Conquest einen Titel veröffentlicht, der ganz klar in die Fußstapfen von Heroes of Might & Magic treten will. Von Ubisoft wurde die Marke nun seit fast zehn Jahren mit keinem neuen Teil mehr bedacht. Fans freuen sich daher um so mehr auf einen potenziellen Erben. Seit ziemlich genau zwei Jahren befindet sich das Spiel bereits im Early Access. Bei unseren ersten Eindrücken zum damaligen Release attestierten wir Songs of Conquest bereits das Potenzial, die gleiche Sogwirkung wie sein großes Vorbild erzeugen zu können. Nun, da die finale Version erschienen ist, haben wir das Spiel für den Test erneut unter die Lupe genommen.

Von Siegern lernen

Wie schon sein großes Vorbild ist Songs of Conquest eine spannende Mischung aus rundenbasierter Strategie und Rollenspiel. Mit Heldencharakteren, den sogenannten Hütern, und deren Armee ziehen wir rundenweise über eine Weltkarte. Dort sammeln wir alle möglichen Ressourcen, Ausrüstung für unseren Helden sowie temporäre und dauerhafte Buffs ein. In Städten und Siedlungen errichten wir Gebäude, um neue Einheiten für unsere Armee auszubilden, den Rohstoffgewinn zu steigern und Verbesserungen zu erforschen.

Bei der Reise durch die Spielwelt stellen sich uns immer wieder Gegner in den Weg. Egal ob neutrale Monster oder Einheiten verfeindeter Fraktionen, die Kämpfe werden auf eigenen Hexfeld-Schlachtfeldern ebenfalls rundenbasiert ausgetragen. Soweit die grobe Beschreibung des Spielkonzepts, das Kennern von Heroes of Might & Magic sehr vertraut vorkommen dürfte. Die Entwickler von Lavapotion haben die erfolgreiche Formel sehr getreu übernommen und trotzdem ihren eigenen Charme mit eingebracht.

Bild der Spielwelt aus der Kampagne von Arleon Quelle: Lavapotion

Vier Fraktionen

Schauplatz des Spiels ist eine Fantasywelt, in der mehrere Fraktionen um die Vorherrschaft kämpfen. Das aus einem alten Reich hervorgegangene Arleon ist eine Ansammlung von Baronien, die um die Vorherrschaft kämpfen. Die Rana sind ein Sumpfvolk, das lange Zeit versklavt wurde und sich nun einen Weg in die Freiheit erkämpfen will. Vor allem an ihrem Profit interessiert sind die Barya, ein Zusammenschluss unabhängiger Händler-Staaten. Und dann ist da noch die Baronie Loth, die sich eigentlich auf dem absteigenden Ast befindet, aber mithilfe eines Kults die glorreichen Tage des alten Reiches wiederauferstehen lassen will.

Die sich immer wieder kreuzenden Geschichten dieser vier Fraktionen werden in vier entsprechenden Kampagnen erzählt. Jede Kampagne umfasst vier Missionen. Das klingt erstmal wenig, ergibt am Ende jedoch trotzdem 20-30 Stunden an Spielzeit. Gerade die letzten Missionen jeder Kampagne finden auf recht großen Karten statt, sodass man sehr viel Zeit damit verbringen kann. Vor allem, wenn man auch noch die letzte Ecke der Map nach spannender Beute erkunden will. Die Story wird dabei vor allem durch Texteinblendungen während der Missionen erzählt. Eine Sprachausgabe gibt es leider nicht.

Insgesamt konnte uns die Erzählung auch nicht wirklich fesseln. Sie diente viel mehr als Hintergrundrauschen für die dafür umso packenderen Herausforderungen, vor die uns die einzelnen Missionen der Kampagne stellten. Selbst auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad sollte man zumindest ein wenig seine grauen Zellen bemühen, um die Missionsziele erfolgreich zu bewältigen. Leider auch, weil die KI ziemlich offensichtlich cheatet. In diesem Zusammenhang fanden wir es auch schade, dass unsere mühsam erarbeitete Streitmacht nicht in die nächste Mission der Kampagne übernommen wird. Unser Held behält zwar alle Stufenaufstiege, Upgrades und Ausrüstungsgegenstände, die Startarmee ist auf jeder Karte aber fest vorgegeben.

Blick auf eine voll ausgebaute Festung. Quelle: Lavapotion

Sammeln und Bauen

Um so mehr Ansporn für uns, uns auf jeder neuen Karte gründlich umzuschauen. Gefühlt alle zwei Meter findet man etwas Nützliches. In zerfallenen Häusern lassen sich Rohstoffe finden, an mystischen Quellen verpassen wir unserer Truppe einen erfrischenden Buff und in einem Camp am Wegesrand finden sich vielleicht ein paar rastende Soldaten, die wir verpflichten können. Neben diesen einmaligen Entdeckungen nehmen wir auch diverse Objekte für unsere Fraktion ein. Besonders wichtig sind dabei Gebäude wie Farmen und Minen, die uns mit einem dauerhaften Strom an Ressourcen wie Stein, Holz und, ganz wichtig, Gold versorgen.

Um unsere Armee zu verstärken, wird sehr viel von der schimmernden Währung benötigt. Wie gut wir unsere Kampfkraft steigern können, hängt also direkt von unserer Fähigkeit ab, Einkommen zu generieren. Eine gute Quelle für neue Mittel sind die Siedlungen und Städte auf der Karte. Haben wir so eine Niederlassung übernommen, garantiert diese uns einen ordentlichen Batzen dauerhafter Einnahmen.

Allerdings müssen wir auch erstmal einiges investieren, um das volle Potenzial einer Siedlung zu nutzen. Dazu errichten wir auf kleinen, mittleren und großen Bauplätzen verschiedenste Gebäude. Mit Wachtürmen verteidigen wir die Stadt, verschiedene Gebäude helfen uns, neue Truppentypen zu rekrutieren, und Forschungsanlagen lassen uns zahlreiche Verbesserungen freischalten. Die Bauslots sind je nach Größe der Siedlung aber stark begrenzt. Es ist also wichtig, sich genau zu überlegen, wo welches Gebäude von strategischem Nutzen ist.

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