Test zu Song of Horror: Intensive Erfahrung, die euch in Angstschweiß baden lässt

Test Lucas Ott Lukas Schmid
Test zu Song of Horror: Intensive Erfahrung, die euch in Angstschweiß baden lässt
Quelle: Protocol Games

Horror-Indiespiele gibt es heute wie Sand am Meer, da muss ein Titel schon besonders gruselig sein, um hervorzustechen. Song of Horror gelingt genau das. Mit dem Detektivthriller zeigt das Entwicklerstudio Protocol Games, dass auch ohne Triple-A-Status ein schrecklich gutes Spiel entstehen kann. Was den Titel so schaurig macht, lest ihr in unserem Test.

Für Dunkelheit, Schaudern und Monster ist aktuell eigentlich nicht die richtige Jahreszeit. Sonnenschein, gute Laune und Eis stehen dagegen eher auf der Tagesordnung. Umso schlimmer, dass das aktuelle Weltgeschehen uns, trotz sommerlicher Euphorie, das Fürchten lehrt und ein blonder Gockel, dessen Name hier jetzt nicht genannt werden muss, das Ganze noch mehr befeuert. All das gerät aber in Vergessenheit, wenn ihr mit der Angst und Paranoia in Song of Horror zu kämpfen habt.

Im Oktober letzten Jahres erschien die erste Episode des Horror-Abenteuers auf Steam. Jetzt, acht Monate später, veröffentlichte das Entwicklerstudio Protocol Games, in Kooperation mit dem Publisher Raiser, das fünfte und letzte Kapitel des wunderbar schrecklichen Spiels - mittlerweile auch erhältlich für PS4, bald soll die Xbox One auch noch beliefert werden.

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Dabei nutzt Song of Horror (jetzt kaufen 32,99 € ) bewährte Spielelemente aus Klassikern wie Silent Hill und Resident Evil, um eine schaurige Atmosphäre zu erzeugen.

Solide Geschichte mit packender Stimmung

Zu Beginn von Episode 1 übernehmt ihr die Kontrolle über Daniel Noyer. Ein gescheiterter Unternehmer, der gerade den Alkoholismus überwunden hat und durch die Arbeit bei einem Verlag versucht, über die Runden zu kommen. Eines Freitagabends bittet Daniels Chef ihn darum, den bekannten Autor Sebastian P. Husher aufzusuchen, weil dieser schon seit längerem nicht erreichbar ist. Widerwillig macht ihr euch auf den Weg zu Hushers Haus. Dort angelangt, findet ihr dessen Eingangstür unverschlossen vor. Zudem sind weder der Autor noch seine Familie aufzufinden. Während eurer anfänglichen Erkundungstour widerfahren euch schon einige seltsame Dinge, die Daniel aber zunächst als Einbildungen abstempelt. Kurz bevor ihr eure Suche aufgeben wollt, findet ihr eine seltsame Tür, die auf einmal einfach neben Daniel auftaucht. Klug ist das vielleicht nicht, aber da das Spiel ansonsten reichlich kurz wäre, beschließt Daniel, durch die mysteriöse Pforte hindurchzuschreiten.

Im Dunkeln müsst ihr unbedingt die Nerven bewahren. Quelle: PC Games Im Dunkeln müsst ihr unbedingt die Nerven bewahren. Während der fünf Episoden versucht ihr nicht nur herauszufinden, was mit den Hushers passiert ist, sondern erfahrt auch immer mehr über die dunklen Mächte, die für die ganzen Vorkommnisse verantwortlich sind. Jedes Kapitel trumpft dabei mit einem ganz eigenen Ambiente auf. Ob ein Antiquitätenladen, ein historisches Institut oder ein verlassenes Kloster, alle Orte haben eine extrem schaurige Grundstimmung, was durch die exzellente musikalische Untermalung noch weiter intensiviert wird. Überzeugend gut eingesetzte Licht- und Dunkelheitseffekte ergänzen das Ganze. Die Rahmenhandlung ist kurz vor der Jahrtausendwende angesiedelt, doch die Lokalitäten, in denen ihr euch aufhaltet, entsprechen eher dem Anfang und der Mitte des 20. Jahrhunderts. Die verschiedenen Kapitel bekommen dadurch ein altertümliches Flair, was die gruselige Stimmung noch weiter verstärkt. Außerdem sorgt diese Mischung dafür, dass ihr immer wieder sowohl modernen als auch veralteten Gegenständen und Techniken über den Weg lauft, die ihr oftmals auf raffinierte Weise einsetzen müsst, um weiter voranzukommen.

1-ups mit Persönlichkeit

Zu Beginn von jeder Episode habt ihr die Wahl zwischen einem von vier Charakteren, die alle unterschiedliche Stärken haben. Quelle: PC Games Zu Beginn von jeder Episode habt ihr die Wahl zwischen einem von vier Charakteren, die alle unterschiedliche Stärken haben. Jede Episode nach der ersten beginnt damit, dass ihr zunächst einen Charakter auswählen müsst, dazwischen wird immer wieder zu Daniel zurückgewechselt. Die Protagonisten unterscheiden sich dabei nicht nur visuell, sondern auch durch Attribute (Schnelligkeit, Unauffälligkeit, Stärke und Gelassenheit) und individuelle Gegenstände, die sie mit sich führen. Darüber hinaus Interagieren alle Spielfiguren unterschiedlich mit ihrer Umwelt, was sie stark vermenschlicht und es besonders schmerzlich macht, wenn eine das Zeitliche segnet. Im höchsten Schwierigkeitsgrad - welcher standardmäßig ausgewählt ist - steht die Zahl der Charaktere auch sinnbildlich für die Menge an "Leben", die ihr zu Verfügung habt.

Habt ihr alle Leben verbraucht, müsst ihr die gesamte Episode von vorne beginnen. Auch wenn das Konzept euren Toden deutlich mehr Bedeutung gibt, so ist es doch etwas komisch, dass das Ableben dieser Figuren von Hauptprotagonist Daniel kaum kommentiert wird. Ob es Lebensretter sind, die wegsterben, der Chef oder die Ex-Frau, Daniel bleibt locker und arbeitet einfach mit dem Nachfolger weiter, als wäre nichts gewesen. Immerhin ist der Nebencharakter, mit dem ihr die letzte Episode beendet habt, in der abschließenden Zwischensequenz sichtbar und auch im nächsten Kapitel erneut spielbar.

Strick gefällig? In Song of Horror gibt es für jeden einen. Quelle: PC Games Strick gefällig? In Song of Horror gibt es für jeden einen. Sobald ihr euch für einen Charakter entschieden habt, startet ihr vor dem Gebäude der aktuellen Episode. Bei der Erkundung werden Objekte gekennzeichnet, mit denen ihr interagieren könnt. Etwas störend ist dabei allerdings die schiere Anzahl an Interaktionsmöglichkeiten. Nur die wenigsten davon spielen eine Rolle für das weitere Vorankommen. Glücklicherweise sind die essenziellen Gegenstände und Werkzeuge gut genug erkennbar, sodass nicht jeder Punkt untersucht werden muss. Ähnlich wie viele andere Point&Click-Abenteuer hat auch Song of Horror Probleme mit der fixen Kameraperspektive. Bei einem Wechsel der Ansicht dauert es häufig einige Momente, bis eure Richtungseingaben vom Spiel auch so übernommen werden, wie ihr euch das vorstellt. Besonders, wenn es brenzlig wird und ihr etwa auf der Flucht seid, kann euch die Kamera manchmal einen Strich durch die Rechnung machen. Ärgerlich, weil alle Monster euch mit einem Treffer ausschalten.

Gameplay, nicht nur Jump Scares

Wenn die Entität versucht, in euren Raum zu gelangen, müsst ihr alles daran setzen, ihr Eindringen zu verhindern. Quelle: PC Games Wenn die Entität versucht, in euren Raum zu gelangen, müsst ihr alles daran setzen, ihr Eindringen zu verhindern. Wenn wir gerade schon bei den Ungetümen sind: Euch verfolgt durchgehend eine mysteriöse Entität, die verschiedenste Formen annehmen kann. Auch ihre Herangehensweisen sind stets unterschiedlich. Die Sequenzen, in denen ihr dem Monster begegnet, sind allesamt sehr nervenaufreibend und jagen einem meistens einen gehörigen Schrecken ein. Leider etwas bedauerlich sind die damit verbundenen Quick-Time-Events, welche zwar für panische Momente sorgen, jedoch schnell an Reiz verlieren und zu Krämpfen in den Fingern führen - besonders bei Charakteren mit 'geringen Werten im Stärke-Attribut.

Was mit andauerndem Spielverlauf wirklich anstrengend wird, ist, dass jeder Raum, den ihr noch nicht erkundet habt, eine mögliche Todesfalle darstellt. Um dem zu entgehen, könnt ihr an jeder Tür zuvor lauschen und, falls nichts verdächtig klingt, auch eintreten. Allerdings wird man dieser Mechanik nach 100 Türen und mehr doch etwas überdrüssig. Gut gefallen hat uns die Tatsache, dass das Auftauchen der meisten Widersacher nicht gescriptet ist. Dadurch fühlt man sich auch beim erneuten Besuchen von Arealen niemals sicher.

Für die Rätsel müsst ihr oftmals viel Zeit einplanen. Quelle: PC Games Für die Rätsel müsst ihr oftmals viel Zeit einplanen. Die schwierigsten Momente in Song of Horror sind aber nicht jene, in denen man den grauenhaften Geschöpfen entkommen muss. Stattdessen besteht die größte Herausforderung darin, die verschiedenen Rätsel zu lösen. Die Knobeleien sind alle komplett unterschiedlich aufgebaut und fordern eure Gehirnzellen stets auf kreative Weise. In einem der Rätsel müsst ihr zum Beispiel kaputte Sicherungen austauschen und beim Ersetzen darauf achten, dass ihr die gleichen Amperezahlen anlegt wie zuvor. Oder ihr müsst Chemikalien im richtigen Verhältnis zusammenmischen, um eine Flüssigkeit herzustellen, die Blutspuren sichtbar macht. Häufig benötigt man auch erst entsprechende Utensilien oder eine Anleitung, um ein Rätsel überhaupt lösen zu können. Die Kombination aus Detektivarbeit, Rätseln und dem ständigen Angstzustand, dass hinter der nächsten Ecke der sichere Tod lauern könnte, harmonieren ausgezeichnet miteinander.

Nichts für Angsthasen

Wer wirklichen Horror über lahme Jump Scares hinaus erleben will, der ist mit Song of Horror gut beraten. Die Stimmung an den verschiedenen Orten ist ausgezeichnet, die Geschichte überzeugt und fast alle Rätsel haben es wirklich in sich. Auch wenn es den ein oder anderen Schönheitsfehler gibt und leider keine deutsche Sprachausgabe verfügbar ist, so liefert der spielbare Detektivthriller eine durchgehend schaurige Erfahrung. Besonders dann, wenn ihr mit Kopfhörern und minimaler Beleuchtung spielt.

Wertung & Meinung

Meinung

Wertung zu Song of Horror (PC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Schöne LocationsGute LichteffekteMusik untermalt gut das GeschehenBildschirmtode haben BedeutungSolide GeschichteSehr fordernde Rätsel
Keine deutsche Sprachausgabe, nur Texte und Untertitel in DeutschStarre Kamera sorgt häufig für ProblemeQuick-Time-Events sind schnell ausgelutschtDas Lauschen an Türen nervtRätsel sind teilweise extrem komplexÜberflutung mit Interaktionsmöglichkeiten
Fazit

Packender Horror-Titel, der euch das Fürchten lehrt

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