Soleil: Retro-Special zu Segas Zelda-Konkurrent

Special Lukas Schmid
Soleil: Retro-Special zu Segas Zelda-Konkurrent
Quelle: N-ZONE

Retro-Special zu Soleil: Anno dazumal als Segas Zelda-Killer gefeiert, ist Soleil mit fast 25 Jahren Abstand betrachtet vor allem eines: ziemlich schlecht gealtert. Wir werfen in unserer Retro-Reportage einen Blick zurück auf den Action-Adventure-Titel für das Sega Mega Drive von 1994.

Das größte Lob, das wir für Soleil (jetzt kaufen 16,49 € )üübrig haben, zuerst: Es sieht fantastisch aus. Die Pixel-Grafik des Action-Adventures gehört mit zu den besten der 16-Bit-Ära und ist wirklich famos gealtert. Auch der Soundtrack überzeugt durch abwechslungsreiche und atmosphärische Klänge. So, nachdem das erledigt ist, die bittere Wahrheit: Der Rest des Spiels kann sich 2018 leider nicht mehr behaupten. Worum geht's in Soleil? Wir spielen einen frei von uns benennbaren Protagonisten, der als Neuritter im Fantasy-Reich Rafflesia für Recht und Ordnung sorgen soll, gerade angesichts der Tatsache, dass seit geraumer Zeit fiese Monster das Land heimsuchen. Weil irgendetwas schiefgehen muss, sieht sich unser Recke aber sehr schnell mit einem Fluch konfrontiert, aufgrund dessen er auf einmal nicht mehr mit Menschen kommunizieren kann. Glück im Unglück: Dafür versteht er sich nun darauf, mit Tieren zu reden, und macht es sich zur Aufgabe, den Fluch zu brechen und das Land vor den Monstern zu retten.

The Legend of Naja

So weit, so klassisch, auch wenn der Twist mit dem Sprachverlust recht interessant ist. Eine allzu spannende Geschichte ergibt sich aus dieser Prämisse aber auch nicht. Die richtigen Probleme, mit denen sich Soleil herumschlagen muss, betreffen aber das Gameplay. Die Anleihen bei The Legend of Zelda: A Link to the Past - das Nintendo-Abenteuer erschien 1991, Soleil 1994 - sind offensichtlich. Wir begeben uns mit Schwert bewaffnet durch eine isometrische Spielwelt, wo wir unter anderem kleine Dörfer, düstere Wälder und weite Felder erforschen. Regelmäßig müssen wir zudem in düstere Dungeons hinab, in denen es gilt, allerlei Rätsel zu lösen und am Ende einen Boss zu bezwingen. Anstelle einer zusammenhängenden Oberwelt wie in Zelda dient im Sega-Abenteuer eine relativ simpel aufgebaute Oberwelt-Map dazu, die verschiedenen Areale des Spiels anzusteuern. Zudem bekommt unser Protagonist im Verlauf seiner Reise nur relativ wenige Items spendiert. Stattdessen schließen sich an vorgegebenen Punkten verschiedene Tiere seiner Sache an, von denen er eine Auswahl gleichzeitig "ausrüsten" kann und die ihm dann besondere Fähigkeiten verleihen. Daraufhin kann der Held zum Beispiel schneller rennen oder Feinde kurzzeitig einfrieren, während er durch die Gebiete rennt. Eine interessante Idee, die im Grunde aber auch nicht anders funktioniert als normale Gegenstände und dafür sorgt, dass ständig nur dürftig animierte Tierchen hinter uns her schweben. Die Areale, durch die wir uns begeben, sind zudem überraschend linear aufgebaut, Backtracking ist nur relativ selten nötig. Trotzdem weiß man aufgrund der diffusen Spielführung oft nicht, was als Nächstes von einem verlangt wird. Nein, wir wollen kein Händchenhalten, aber die Aufgabenstellungen in Soleil sind viel zu kryptisch, wenn sie denn überhaupt vorhanden sind. Das gilt auch für manche versteckte optionale Items sowie Geld-Depots. Da müssen wir dann mehrere dutzend Male auf einem Zaunpfosten hüpfen, damit er verschwindet oder auf eine spezifische Holzlatte auf einer Brücke springen, worauf eine kletterbare Ranke erscheint, ohne dass einem der Weg zu diesen Secrets wirklich irgendwie sinnvoll kommuniziert wird. Zudem sehen die Gebiete einander zu oft zu ähnlich, das Leveldesign lässt zu wünschen übrig und auch die Dungeons könnnen nicht wirklich überzeugen. Wie es sich für einen Fantasy-Helden gehört, begibt sich unser Protagonist von einem kleinen, idyllischen Dörfchen aus hinaus in die abenteuerreiche Spielwelt. Quelle: N-ZONE Wie es sich für einen Fantasy-Helden gehört, begibt sich unser Protagonist von einem kleinen, idyllischen Dörfchen aus hinaus in die abenteuerreiche Spielwelt.

Kampf-Krampf

Anstatt knackiger Rätsel und anderer interessanter Herausforderungen warten hier simpelste Kopfnüsse auf uns, während die Bosse zwar generell toll gestaltet sind, aber kaum Spaß machen. Vorhersehbare Angriffsmuster treffen auf unfaire Momente, in denen es fast unmöglich ist, einer Attacke auszuweichen. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass das Kampfsystem vermurkst wurde. Erstens existiert so gut wie kein Trefferfeedback, Gegner gehen durch unsere Attacken einfach hindurch. Zweitens ist die Kollisionsabfrage furchtbar, sodass uns Feinde oftmals treffen, ohne dass wir auch nur wirklich in ihrer Nähe waren. Das wird durch die etwas hakelige Steuerung unseres Heroen nicht besser gemacht. Man gewöhnt sich zwar daran, jedoch fehlt die Kontrolle, die etwa ein A Link to the Past so auszeichnet. Das wird spätestens in Geschicklichkeitsabschnitten offensichtlich, in denen präzise Hüpfer vorausgesetzt werden, die aber oft genug nicht genau so hinhauen, wie wir das eigentlich gerne hätten.

Zehn Stunden mal acht

Immerhin, eine Sache macht Soleil spielerisch gut: Immer wieder erwarten uns Minispiele, etwa auf der Jagd nach unseren tierischen Kumpanen. Auch wenn wir uns hier ebenfalls eine etwas griffigere Steuerung gewünscht hätten, fallen diese Momente abwechslungsreich aus, sie sind kreativ und sorgen für Spaß. Zudem erwarten uns hier einige nette Easter Eggs, etwa ein Rennen, das wir gegen niemand Geringeren als Sonic the Hedgehog veranstalten müssen. Davon hätten wir gerne mehr gesehen - allerdings ist im Rahmen der kurzen Spielzeit halt nur ein gewisses Maß an Minigames möglich. Wo wir bei der Nintendo-­Konkurrenz gerne mal dreißig oder vierzig Stunden in Hyrule verbringen können, ist bei Soleil nach etwa zehn Stunden Schicht im Schacht; und das, wenn wir alle optionalen Aufgaben im Spiel erledigt haben. Das ist insofern interessant, als die Macher auf der Rückseite der Spieleverpackung nicht weniger als "über 80 Stunden Spielspaß" versprechen. Das kommt allerhöchstens dann hin, wenn man den Titel pausiert, übers Wochenende einen Kurzurlaub macht und anschließend weiterspielt. Anstatt eine zusammenhängende Oberwelt à la The Legend of Zelda zu erforschen, begeben wir uns von einer Übersichtsmap aus zu den verschiedenen Gebieten des Spiels. Quelle: N-ZONE Anstatt eine zusammenhängende Oberwelt à la The Legend of Zelda zu erforschen, begeben wir uns von einer Übersichtsmap aus zu den verschiedenen Gebieten des Spiels.

Kein zeitloser Klassiker

Das klingt jetzt wie ein Totalverriss. Tatsächlich aber hat Soleil durchaus Elemente, die es auszeichen, auch abseits der Technik. Einige wenige Abschnitte machen Spaß, ein paar Rätsel sind kreativ und das Finale ist nicht uninteressant, sowohl erzählerisch als auch spielerisch. Allerdings stecken diese guten Momente in einem Abenteuer, dass so viel besser hätte sein können, als es ist und zu Recht fast in Vergessenheit geraten ist.

Meinung

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