Sniper: Ghost Warrior 3: Frische Angespielt-Eindrücke zum Shooter offenbaren tolles Gameplay, aber auch Optimierungsbedarf in Sachen KI

Special Benedikt Plass-Fleßenkämper Stefan Weiß
In puncto Grafik kann sich der Shooter sehen lassen. Das Licht- und Schattenspiel auf Basis der Cryengine sorgt für eine stimmige Atmosphäre im Spiel.
Quelle: CI Games

Vom spannenden Spielkonzept in Sniper: Ghost Warrior 3 waren wir schon beim letzten Anspiel-Event im August diesen Jahres recht angetan. Was sich seitdem getan hat, wie sich der Open-World-Shooter im aktuellen Entwicklungszustand anfühlt, wo die Stärken und Schwächen liegen - das durften wir in einer mehrstündigen Anspiel-Session in München ausprobieren.

Sei es nun CD Projekt mit The Witcher 3: Wild Hunt, 11 bit studios mit This War of Mine oder das Team The Astronauts mit The Vanishing of Ethan Carter - polnische Computer- und Videospiel-Entwickler haben sich in den letzten Jahren einen hervorragenden Ruf erarbeitet. Allerdings gibt es auch Gegenbeispiele für weniger mitreißende Produktionen. Die ersten beiden Teile von Sniper: Ghost Warrior etwa: Mit über fünf Millionen verkauften Exemplaren kommerziell zwar überaus erfolgreich, konnte der Scharfschützen-Shooter Kritiker bisher kaum überzeugen. Der erste Teil musste sich beispielsweise auf metacritic.com mit einem Review-Ranking von 55 begnügen, Teil 2 schaffte es gerade mal auf 52-53 Punkte (je nach Plattform).Die Trendwende soll nun Sniper: Ghost Warrior 3 bringen, dessen neueste Version wir Ende November mehrere Stunden lang in München anspielen konnten. Soviel vorweg: Im Vergleich zur unterhaltsamen, aber technisch nicht einwandfreien Gamescom-Fassung lässt sich ein deutlicher Qualitätssprung nach vorne bescheinigen. Nervige Ruckler zum Beispiel waren komplett verschwunden. Aber auch sonst wirkte "Mining Town" - das erste von insgesamt drei riesigen Open-World-Arealen - deutlich aufpolierter als damals in Köln auf der Messe.

Kreativität ist Trumpf in Sniper: Ghost Warrior 3

Für zahlreiche Herzklopf-Momente sorgte vor allem die Mission "Cut Off". Die Aufgabe hierbei: In eine gut bewachte Radarstation eindringen und drei riesige Satellitenschüsseln neu ausrichten, um brisante Feindkommunikation abzufangen. Doch das ist leichter gesagt als getan. Einerseits, weil die Funkwellen der gigantischen Parabolantennen das Kamerabild unserer frei lenkbaren Flugdrohne massiv beeinträchtigen - entspanntes "Gegner aus der Luft markieren" ist also nur eingeschränkt möglich. Anderseits, weil es in der Basis von gut ausgerüsteten Truppen nur so wimmelt. Die Lösung für die eben skizzierten Probleme? Nun, im Optimalfall wartet man ab, bis es dunkel wird und Regen aufzieht. Dann nämlich reduziert sich die Sichtweite gegnerischer Wachposten auf ein Minimum, was ungesehenes Eindringen in die Basis spürbar vereinfacht.Wer mag, kann in Sniper: Ghost Warrior 3 natürlich auch einfach einen mit C4-Sprengstoff beladenen Jeep vor der Basis parken, unbemerkt flüchten, warten, bis die Wachen neugierig werden und dann den Zünder aktivieren. Oder ihr legt euch an einem der zahlreichen Sniper-Spots auf die Lauer und lichtet die Reihen erst einmal aus der Distanz. Ebenfalls denkbar: Fiese, lautlos wirkende Gasgranaten herstellen und diese gezielt in den Sektoren des Lagers zünden, wo sich viele Wachen auf einem Fleck tummeln. Ihr seht schon: Der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. Dass unser Held im Spielverlauf insgesamt 36 Fähigkeiten ­- verteilt auf die drei Talentbäume Sniper, Ghost und Warrior - freischalten kann, unterstützt den überall durchschimmernden Experimentieransatz zusätzlich. Gleiches gilt für den jederzeit zuschaltbaren Scout-Modus, der wichtige Interaktionsobjekte wie Geheimpassagen oder explodierende Objekte innerhalb der Umgebung grau hervorhebt.

Rein in den Hexenkessel

Lob gibt's zudem für die brandneue Anspielmission von Sniper: Ghost Warrior 3 auf der erstmals gezeigten Winterkarte "Slaughterhouse". Der auf einem sehr kompakten Areal stattfindende Rettungsauftrag beginnt vergleichsweise ruhig, entpuppt sich dann aber als echter Spießrutenlauf. Zumindest wenn man die Wachen aufscheucht und riskiert, dass diese per Funk Verstärkungstruppen herbeirufen. Wesentlich effektiver: Die wendige Drohne upgraden, um damit dann - Watch Dogs 2 lässt grüßen - die Schaltkreise der Kameraüberwachungssysteme zu hacken. Sind die Augen des Feindes dann erst einmal offline, ist der Weg bis zum Gefangenen nicht mehr allzu weit.

KI-Check: Zurück ins Trainingscamp!

Noch nicht komplett überzeugte uns beim Probespiel hingegen die Feind-KI in Sniper: Ghost Warrior 3. Besonders deutlich wurde dies bei der gewaltsamen Erstürmung eines Eisenbahndepots und dem damit einhergehenden Ausschwärmen der örtlichen Sicherheitskräfte. Die konkrete Situation: Wir befanden uns auf einem drei Stockwerke hohen Wachturm, während ein knappes Dutzend Söldner auf eben diesen zustürmte. Besonders clever stellten sich die Jungs dabei allerdings nicht an. Denn statt uns mit Granaten aus der Reserve zu locken und uns aus unterschiedlichen Positionen mit Sperrfeuer zu belegen, rannte ein Großteil der Wachen einfach die Treppe empor - und damit direkt ins Mündungsfeuer unseres Sturmgewehrs.Ein weiteres, jedoch primär das Schleichen betreffendes Problem: Wenn brutal mit dem Kampfmesser erdolchte Wachen auf den Boden klatschen, bekommen das selbst nur einen Meter davon entfernte Gegner in der Regel nicht mit. Oder anders formuliert: Die Geräuschempfindlichkeit der KI-Lauscher lässt bisher zu wünschen übrig. Ferner stießen wir auf einige unfreiwillig komische Situationen im Zusammenhang mit Zivilisten in Fahrzeugen. Ein Busfahrer etwa entschloss sich kurzerhand völlig grundlos, sein Vehikel quer auf der Straße zu parken.Um fair zu bleiben, möchten wir dennoch anmerken, dass die KI in der Mehrzahl der Fälle relativ nachvollziehbar reagierte und uns speziell in mittelgroßen Missionsarealen ganz schön ins Schwitzen brachte. Richtig klasse gemacht: Attackiert man einen Außenposten zu häufig von ein und demselben Standort, nehmen feindliche Mörser-Trupps unsere groben Koordinaten umgehend unter Beschuss. Gleichzeitig verschanzen sich viele der verbleibenden Einheiten solange hinter Mauern, Containern und dergleichen, bis der Alarm aufgehoben wird. Beides in Kombination bringt ordentlich Dynamik ins Gameplay von Sniper: Ghost Warrior 3 und zwingt euch so, regelmäßige Positionswechsel vorzunehmen beziehungsweise neue Angriffspläne auszuhecken.

Detailverliebtheit in Sniper: Ghost Warrior 3

Sniper: Ghost Warrior 3 überraschte beim Anspielen mit vielen liebevoll umgesetzten Details. Zwei besonders denkwürdige fassen wir an dieser Stelle zusammen. Los geht's mit den "Heavys" - besonders dick gepanzerten Infanteristen, die zu allem Übel auf dem Kopf eine zentimeterdicke Rundum-Maske tragen. Diese Gegnerbrocken zu Fall zu bringen, ist Schwerstarbeit. Es sei denn natürlich, man kennt ihre Schwachstelle am Rücken. Alternativ zirkeln echte Schützenkönige ihnen ein Projektil direkt ins Auge, was allerdings meisterhafte Präzision verlangt. Detail Nummer zwei: Weil Georgien als Schauplatz dient, erklingen im Autoradio auch kaukasische Volksmusik sowie regionale Pop-Songs. Tolle Idee - und obendrein erstaunlich hörenswert.

Meinung

Meinung

Bildergalerie

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk