Silence: Daedalic läutet mit dem Quasi-Nachfolger von The Whispered World eine neue Ära seiner Adventures ein - wir haben es angespielt.

Special Stefan Weiß
Renie und ihr großer Bruder Noah sind die neuen Heldenfiguren im Nachfolger zu The Whispered World.
Quelle: PC Games

Silence versteht sich als modernes Adventure: Für Hersteller Deadalic bedeutet das "Weg vom Rätselmarathon und hin zu intensiverer Erzählweise", so die Devise. Das erklärte Ziel der Entwickler ist, das Adventure-Genre inhaltlich ordentlich aufzupolieren und einem breiteren Publikum schmackhaft zu machen. Wie sich das spielt und anfühlt, haben wir in der Preview-Version von Silence ausprobiert.

Nach vier Jahren Entwicklungszeit zeigt das ursprünglich noch mit dem Untertitel The Whispered World 2 versehene Adventure Silence nach Meinung der Entwickler so viel Eigenständigkeit, dass es für sich alleine stehen kann. Was es damit auf sich hat, konnten wir in der von uns gespielten Preview-Version ausgiebig antesten. In gut vier Spielstunden absolvierten wir die ersten zwei von insgesamt vier Story-Kapiteln des Grafik-Adventures.

Aus Sadwick wird Noah

Während wir in The Whispered World den traurig-melancholischen Clown Sadwick durchs Abenteuer klickten, verkörpern wir in Silence den sechzehnjährigen Jungen Noah. Was beide miteinander verbindet, ist die Zwischenwelt namens Silence, eine Region zwischen Leben und Tod. Wie Noah und Sadwick auch als Figuren zusammengehören, das erfährt man schon in den ersten, als Tutorial inszenierten Spielminuten. Darin erfahrt ihr im Schnelldurchlauf die wichtigsten Ereignisse von The Whispered World.
Wiedersehen mit Spot - klar, die Super-Raupe aus dem Vorgänger darf natürlich nicht fehlen. Quelle: PC Games Silence: Wiedersehen mit Spot - klar, die Super-Raupe aus dem Vorgänger darf natürlich nicht fehlen. Noah erzählt diese Geschichte seiner kleinen Schwester Renie, der zweiten Hauptfigur im Spiel. Beide Geschwister sind in einen Bunker geflüchtet, denn Silence schlägt zu Beginn recht düstere Töne an. Es herrscht ein nicht näher definierter Krieg und ein Luftangriff sorgt dafür, dass die beiden Waisen völlig alleine in dem Schutzraum landen. Nach einer Explosion wacht Noah im Dunkeln auf, von Renie fehlt jede Spur. Dafür öffnet sich der Zugang in die Fantasiewelt Silence und das Adventure kann losgehen.

Weniger Kopfnussbremsen, mehr Storyflow!

Manche Kombinationsrätsel lassen sich auf Wunsch überspringen. Das erspart Frustmomente. Quelle: PC Games Silence: Manche Kombinationsrätsel lassen sich auf Wunsch überspringen. Das erspart Frustmomente. Mit Silence rückt Daedalic ganz bewusst vom Pfad des klassischen, rätsellastigen Adventures ab. Typische Vertreter, wie etwa auch die hauseigene Deponia-Reihe, zeichnen sich nicht selten durch ein zunehmend "verkopftes" Gameplay aus. Charaktere und die eigentliche Geschichte geraten dabei gerne mal in den Hintergrund, wenn man sich an der Lösung zahlloser Kopfnüsse festbeißt. In Silence sind es aber gerade die Figuren und die Erzählung, die den Spieler fesseln sollen. So sind weder Puzzle- und Hotspot-Überfluss noch ein Inventar mit unzähligen Items vorhanden. Die Rätsel sollen für den Spieler logisch nachvollziehbar ausfallen und mehr an die jeweilige Location angepasst sein. Die Gegenstände oder Objekte, mit denen man interagiert, trugen in der Preview-Version in der Regel im gleichen oder maximal im benachbarten Bildschirm zur Lösung bei. Für mehr Kombinationsgabe sorgt hingegen Super-Raupe Spot, der knuddelig-charmante Begleiter von Noah/Sadwick.

Wie schon in The Whispered World ist Spot auch in Silence in der Lage, verschiedene Formen anzunehmen. Mal platt wie eine Flunder, mal zu einem Ball aufgeblasen, mal mit Wasser gefüllt oder zur "Fackel" umfunktioniert - an etlichen Stellen kommt ihr nur weiter, wenn ihr die richtige Verwandlungsform für den niedlichen Spot wählt.

Entschlackt haben die Entwickler das Dialogsystem. Anstelle von "Klicke dich durch fünf oder mehr Antwortmöglichkeiten" setzt Daedalic diesmal eher auf Entscheidungs-Anworten, so wie man es etwa von Telltale-Spielen her kennt. Für grundlegende Änderungen am Fortgang der Geschichte sorgen diese Entscheidungen in Silence aber nicht - zumindest nicht in der von uns gespielten Version. Laut Entwickler wird es aber später im Spiel Situationen geben, in denen sich die Antworten letztlich drastisch auf das Spielende auswirken.
Zahlreich vorhandene Hotspots geben euch viele Informationen. Um Rätsel zu lösen, benötigt ihr in der Regel aber nur wenige solcher Interaktionspunkte. Quelle: PC Games Silence: Zahlreich vorhandene Hotspots geben euch viele Informationen. Um Rätsel zu lösen, benötigt ihr in der Regel aber nur wenige solcher Interaktionspunkte. An einigen Stellen gilt es, kleinere Geschicklichkeitseinlagen zu absolvieren, etwa wenn man mit Noah auf einer Globuskugel balancieren muss. Mit dem Gamepad lässt sich das höchst bequem mithilfe des linken Analogsticks bewältigen, mit der Maus spielt sich das in der Preview-Version noch etwas träge, hier sollten die Entwickler nachbessern.

3D-Technik für mehr Cineasmus

Mithilfe verschiedener Optionen lässt sich die spielinterne Hilfefunktion nach Belieben anpassen. Wer alle Tipps aktiviert, braucht gar nicht mehr nachzudenken, darf sich dann aber auch nicht über zu wenig Rätselanspruch aufregen. Quelle: PC Games Silence: Mithilfe verschiedener Optionen lässt sich die spielinterne Hilfefunktion nach Belieben anpassen. Wer alle Tipps aktiviert, braucht gar nicht mehr nachzudenken, darf sich dann aber auch nicht über zu wenig Rätselanspruch aufregen. Der wohl auffälligste Unterschied zu den bisherigen Daedalic-Adventures dürfte die technische Umsetzung sein. Statt flacher 2D-Charaktere agieren komplett in 3D modellierte und animierte Figuren auf den weiterhin herrlich gezeichneten 2D-Bildschirmbühnen. Dabei arbeiten die Entwickler mit mehreren Ebenen pro Bildschirm. Durch das Zusammenspiel von entsprechenden Kameraeinstellungen, -schwenks und der äußerst gelungenen Beleuchtung entsteht eine wunderschön räumlich wirkende Spiel­umgebung. Wenn dann noch die melancholisch klingenden Melodien des Soundtracks ertönen, entfaltet Silence seine ganze prachtvolle Atmosphäre.

Adventures für mehr Spieler

Im Gespräch mit den Entwicklern erzählt uns Game Designer Ulrich Wanitschke, dass Daedalic mit Silence ganz bewusst den Schritt geht, um Erzählweise und Präsentation von Adventures für ein breiteres Publikum zu erweitern. Das Wichtigste dabei ist und bleibt, eine gute Geschichte zu erzählen, mit interessanten und glaubwürdigen Charakteren. Das heißt nicht, das Daedalic jetzt nur noch cineastisch inszenierte 3D-Adventures produzieren werde. Ab dem 15. November, wenn Silence für PC, PS4 und Xbox One in den Handel kommt wird sich zeigen, ob und wie sich das neue Adventure auf das Genre auswirkt.

Mehr zum märchenhaft schönen Grafikadventure Silence findet ihr auf unserer Themenseite zum Spiel.

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