Sherlock Holmes: Chapter One in der Vorschau - Detektivspiel ohne Deppenfaktor
Special 53,99 €
Sherlock Holmes is back! Nachdem Entwickler Frogwares zuletzt mit The Sinking City einen Abstecher in die unheimlichen Gefilde des Cthulhu-Myhos gemacht hatte, kehrt man jetzt zu den Wurzeln zurück. Jedoch nicht, ohne dem Meisterdetektiv eine Verjüngungskur zu spendieren - sowohl im Aussehen, als auch bezüglich des Gameplays. Unsere Vorschau.
Die Entwickler von Frogwares hatten es nicht leicht in den letzten Jahren. Mit The Sinking City hat das Studio, das eigentlich für seine Sherlock-Holmes-Spiele bekannt ist, einen Abstecher in die unheimliche Welt des Cthulhu-Mythos gemacht. Obendrauf experimentierten die Ukrainer mit dem Open-World-Genre herum - zumindest teilweise erfolgreich. Doch ewige Scherereien mit dem Publisher und anhaltende Gerichtsverfahren brachten die Entwickler laut eigenen Aussagen an den Rand der Verzweiflung.
Davon will man sich aber nicht unterkriegen lassen und das nächste Eisen im Feuer ist schon heiß. Sherlock: Holmes Chapter One (jetzt kaufen 53,99 € ) soll eine Verjüngungskur für den Meisterdetektiv werden mit offener Welt, knackigen Kriminalfällen und einer packenden Story rund um den jungen Sherlock. Nur den Publisher, den spart man sich dieses Mal.
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Sherlock Jungspund Holmes
Während einer circa zweistündigen Demo konnten wir einen Haupt- und einen Nebenfall selbst lösen und uns einen Eindruck vom Spiel rund um den jungen Sherlock machen. Moment, ein junger Sherlock Holmes? Korrekt, denn Sherlock Holmes: Chapter One zeigt einen gerade mal 21-jährigen Detektiv. Als Meisterdetektiv ist dieser noch lange nicht bekannt, trotzdem hat auch der Jungspund schon einiges auf dem Kasten und den ein oder anderen Kriminalfall erfolgreich ausgeknobelt.
Quelle: Frogwares
Sherlock ist gerade mal 21 Jahre im Spiel, hat aber auch in jungen Jahren die Weisheit mit Löffeln gefuttert.
Deshalb dreht sich die Story des Spiels nicht um einen Auftrag, den wir von einem Klienten erhalten haben, sondern um ganz private Bedürfnisse. Sherlock ist nämlich im Jahr 1880 auf dem Weg zur fiktiven Mittelmeerinsel Cordona, seiner Heimat. Dort möchte er das Grab seiner verstorbenen Mutter besuchen, um sich vernünftig zu verabschieden. Bei der Beerdigung selbst war er noch ein Kind und wurde gehetzt von Bruder Mycroft weggezogen, um die Insel schleunigst zu verlassen. 10 Jahre später stößt Holmes beim Heimatbesuch auf Ungereimtheiten. So wurde stets behauptet, seine Mutter sei eines natürlichen Todes gestorben, doch findet er heraus, dass es eine Polizeiermittlung rund um ihren Tod gab.
Dabei ist Sherlock nicht allein unterwegs. Immer an seiner Seite ist sein bester Freund Jonathan - kurz "Jon". Wer da an den guten alten John Watson denkt, liegt wohl falsch. In unserer Demo wird Jons Nachname nie erwähnt - vermutlich mit Absicht - und in den Originalwerken treffen sich Watson und Holmes ebenfalls erst später in ihrem Leben. Jon hingegen ist uns auch als junger Sherlock ein treuer Begleiter und kommentiert unsere Handlungen mit neckischen Sprüchen.
Open World, die euch nicht für Deppen hält
Eingebettet ist das Spiel in eine Open World. Ja, Frogwares setzt weiter auf den Trend der offenen Spielwelt. Wer das Vorgängerspiel The Sinking City gespielt hat, dem wird auch schnell auffallen, dass ebendieses Spiel vermutlich als Testballon für die Entwickler gedient hat. Während man im Cthulhu -Abenteuer herumexperimentiert hat, verfeinert man die Spielmechaniken für Sherlock Holmes: Chapter One. Trotzdem finden sich einige Spielelemente fast eins zu eins wieder. So könnt ihr wie im Tentakeldorf Oakmont auch auf Cordona ein Archiv aufsuchen, um nach geschichtlichen Ereignissen zu suchen.
Quelle: Frogwares
Das Stadtgebiet der Insel Cordona ist mehr oder weniger frei begehbar.
Vor allem aber der Anspruch ist wieder mit dabei. Als Gegenentwurf zu aktuellen Open-World-Trends hält Frogwares seine Spieler nicht für Deppen und baut keine großen Hilfen ein. Frage- oder Ausrufezeichen sucht ihr vergeblich und euer Ziel müsst ihr selbst finden. Beispielsweise bekommt man den Hinweis "der Ort des Verbrechens ist Knights Road - Ecke Trinity Way". Mit dieser Orientierungshilfe geht's dann auf die Karte des Spiels, auf der wir Straßennamen studieren müssen, um uns am Ende den richtigen Ort zu markieren.
Das führt durchaus zu Problemen. Natürlich ist es erfrischend, wenn uns ein Spiel nicht für komplette Vollidioten hält, die an der kurzen Leine gehalten werden müssen. Dadurch kam es aber durchaus mal vor, dass wir länger eine Location durchsucht haben, als uns lieb war. Einfach nur, weil wir die richtige Tür nicht fanden. Frogwares macht sich die Open-World-Aufgabe also schwerer als die Genrekollegen. Ohne Interfacehilfe sind die Leveldesigner mehr denn je gefragt, subtile Hinweise in der Spielwelt zu setzen, um die Spieler zu führen.
Kombiniere, kombiniere
Die sind nämlich mehr damit beschäftigt, über den Kopfnüssen zu brüten, die einem das Spiel auftischt. Fünf Hauptquests und über 30 Nebenaufgaben erwarten euch in Sherlock Holmes: Chapter One. Hauptbestandteil unserer Demo ist einer der Hauptfälle, der gleichzeitig als Tutorial dient. Schauplatz ist ein Hotel, in dem wir unsere erste Nacht auf Cordona verbringen. Dort wird eine Séance, also eine Geisterbeschwörung abgehalten, die schiefgeht. Am Ende gibt es eine gebrochene Nase, einen Todesfall und einen gestohlenen Diamanten.
Quelle: Frogwares
Sherlock am Grab seiner Mutter
Um dem auf den Grund zu gehen, greift Sherlock Holmes: Chapter One auf ein bekanntes Repertoire aus Kombinieren und Untersuchen zurück. Während wir den Tatort beäugen und Zeugen befragen, ploppen im Tagebuch verschiedene Hinweise auf. Wählen wir einen an, können wir NPCs gezielt danach fragen. Obendrauf absolvieren wir Minispiele oder verkleiden uns. Auf letzteres wird großen Wert gelegt. Wollen wir am Hafen Informationen beschaffen, müssen wir auch aussehen wie ein abgerissener Hafenarbeiter und können nicht im feinen Zwirn rumlaufen. Neue Kleidungsstücke treiben wir in der Open World auf. Sind genug Hinweise gesammelt, rekonstruieren wir den Tathergang, indem wir in einer Visualisierung die richtigen Personen an die richtigen Tatorte sortieren. Außerdem fügen wir im Gedankenpalast unsere verschiedenen Vermutungen zu einer Schlussfolgerung zusammen.
Dabei ist Vorsicht geboten. Da Sherlock noch kein Meisterdetektiv ist, können ihm respektive den Spielern durchaus Fehler passieren. Das reicht vom falschen Einschätzen einer Person bis zur falschen Anschuldigung. Zusätzlich entschieden wir in der Demo, ob wir den Täter verhaften oder entkommen lassen wollten. Das schlägt ebenfalls in die Kerbe des freien Spielens, nur muss sich hier zeigen, wie stark sich die Entscheidungen schlussendlich auswirken.
Das Thema Kampf wird zurückgefahren, doch Sherlocks Abenteuer auf Cordona soll nicht gänzlich ohne Auseinandersetzungen auskommen. Leider konnten wir uns noch kein Bild von diesen machen, denn in unserer Demo fehlten die Kämpfe. Nervige Ballereien wie in The Sinking City scheinen aber der Vergangenheit anzugehören. Sherlock Holmes: Chapter One will sich wieder stärker auf spannende Kriminalfälle konzentrieren, bei denen die Gewalt schon vorbei ist.
Solides Design mit technischen Krücken
Quelle: Frogwares
Die Insel Cordona überzeugt mit gemütlichen Lichtstimmungen und einem mediterran-viktorianischen Stil.
Der neue Ausflug mit dem angehenden Meisterdetektiv ist noch einige Monate vom finalen Release entfernt, daher ist es schwierig zu beurteilen, wie die technische Qualität am Ende ausfallen wird. Eine grobe Einschätzung erlauben wir uns aber dennoch. Frogwares nutzt für den neuen Sherlock-Teil eine angepasste Unreal Engine 4, die auch schon in The Sinking City zum Einsatz kam. Doch wer jetzt mit Entsetzen an die düsteren und etwas langweiligen Orte von Oakmont denkt, kann beruhigt sein. Die Insel Cordona liegt im sonnigen Mittelmeer und ist viel einladender. Die schicke Beleuchtung taucht das Eiland mit der gleichnamigen Stadt in warme Farbtöne und die viktorianische Gestaltung versprüht viel Charme.
Trotzdem ist nicht alles rosig im Sherlock-Land. Zwar ploppen NPCs nicht mehr nervig auf oder verschwinden, wenn man sich mal kurz umdreht, dafür sind sie weiterhin in steifen Animationen gefangen. Vor allem die Gesichtsanimationen brauchen dringend eine Frischzellenkur, denn die sind teilweise noch recht seelenlos. Das wird von der eigentlich guten Vertonung nur noch unterstrichen. Wenn uns jemand wütend anschreit, das Gesicht uns aber nur ausdruckslos anschaut, ist das ein fetter Stimmungskiller. Was hier in einem Detektivspiel möglich ist, hat uns L.A. Noire schon vor über 10 Jahren gezeigt.
Obwohl sich die Spielwelt belebt anfühlt, ist sie beim genauen Betrachten doch nur Kulisse. Frogwares versichert aber, dass man die Open World mit interessanten Aufgaben füllen möchte und viele davon in unserer Demo noch fehlten. Hier muss sich also noch zeigen, ob es wirklich zusätzliche Anreize gibt, einfach mal so durch Cordona zu schlendern.
Den Spaziergang könnt ihr euch bereits für dieses Jahr in den Kalender eintragen. Sherlock Holmes soll noch 2021 für PC, PS4, PS5, Xbox One und Series X/S erscheinen. Spätestens dann werden wir auch sehen, ob sich der Befreiungsschlag aus den Fängen des vermeintlich bösen Publishers mit höherer Kreativität auszahlt.
