Shenmue 3: Ryos Reise geht endlich weiter
Special
Der dritte Teil von Yu Suzukis Meisterwerk nimmt konkrete Formen an. Zeit für eine Bestandsaufnahme.
In diesem Artikel
Yu Suzukis Fortsetzung von Shenmue 1 & 2 ist für viele Spieler der größte Titel 2017. Die epische Serie um Ryo Hazukis Odyssee auf der Suche nach dem Mörder seines Vaters ist ein Faszinosum, welches Teile der Videospielszene seit fast zwei Jahrzehnten beschäftigt. Seit dem Beginn des Mammutprojekts hat es zahlreiche Rekorde aufgestellt und die Branche beeinflusst. Zudem hat sich seit dem 47 Millionen Dollar teuren Erstling (damit das teuerste Videospiel zu dieser Zeit) eine enthusiastische Fangemeinde um die Sega-Klassiker gebildet.
Nachdem 1999 und 2001 die ersten beiden Teile für Sega Dreamcast erschienen, war eine Xbox-Portierung des Sequels lange Zeit das höchste der Gefühle. Geschlagene 14 Jahre später, im Juni 2015, kündigte Serienvater Yu Suzuki im Rahmen der E3 2015 endlich den dritten Teil an. Der Hype um Shenmue 3 explodierte daraufhin innerhalb von Stunden. Eineinhalb Jahrzehnte Stille um die Serie entlud sich in einem Kickstarter-Geldregen, den die ausgehungerten Fans auf Suzuki niederprasseln ließen. Eine unglaubliche Wende für alle Verzweifelten, die bereits jegliche Hoffnung auf eine Fortsetzung der Geschichte aufgegeben hatten. Damit war aber auch endgütig klar, welchen Ausnahmestatus die Serie inzwischen genießt.
Millionen für Ryo
Niemals zuvor konnte ein Videospiel auf Kickstarter mehr Geld einsammeln als Shenmue 3. Die Fangemeinde ist dabei sicher nicht die größte aller Spieleserien, doch nur um wenige bildet sich ein derartiger Kult. Sechs Millionen Dollar spendeten die Fans für die Fortsetzung und hievten den Titel auch gleich auf den sechsten Platz der erfolgreichsten Kickstarterkampagnen aller Zeiten. Doch nicht nur das: Die Aktion erreichte ihr Mindestziel von 2 Millionen Dollar bereits in weniger als acht Stunden. Schneller sammelte kein Kickstarter diese Summe ein. Damit war der dritte Teil der gefeierten Serie in trockenen Tüchern und die Rachegeschichte um Ryo Hazuki geht, sofern das Spiel nicht doch noch verschoben wird, Ende 2017 in eine neue Runde.
Quelle: YsNet
Shenmue 3: Ryos Reise geht endlich weiter (14)
Für Fans und Neueinsteiger wird Sega - wenn auch noch nicht offiziell bestätigt - mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die ersten beiden Teile neu auflegen. Eine gute Gelegenheit für beide Lager, den Einstieg in Teil drei zu finden. Wer sich die Zusammenfassung der Geschichte einmal durchlesen will, schmökert im Kasten auf der nächsten Seite. In diesem Text hier widmen wir uns zunächst der Entstehungsgeschichte der Serie, die zweifellos Yu Suzukis Lebenswerk darstellt - denn ohne diese zu verstehen, wird es schwierig, die Bedeutung von Shenmue 3 zu begreifen.
Alles beginnt im Jahre 1996. Damals befand sich Segas Saturn gerade im Dreikampf mit Nintendo 64 und der ersten Playstation von Sony. Die Japaner waren bekannt für ihre innovativen Spiele und talentierten Teams. Darunter AM2, das Studio, welches für die populäre Kampfspielserie Virtua Fighter verantwortlich zeichnete. Sega sorgte in diesem Jahr für Aufruhr, als es ankündigte, AM2 arbeite an einigen exklusiven Spielen für Heimkonsolen. Die Gerüchteküche brodelte, als 1998 Segas COO Bernie Solar in einem Interview mit dem amerikanischen Next Generation-Magazin verlautbarte, Yu Suzuki arbeite an einem Spiel, welches "die Spielewelt rocken wird."
Quelle: Shenmue Kickstarter Page
Shenmue 3: Ryos Reise geht endlich weiter (17)
Das Internet als Informationsquelle nahm damals gerade Fahrt auf und die Sega-Fangemeinde setzte die Puzzlestücke an Infoschnipselnzusammen, um auf ein Virtual Fighter-RPG zu schließen. Am 6. Oktober 1998 hielt Sega in Japan eine Pressekonferenz ab und kündigte Project Berkeley an. Ein Spiel mit mehr als 500 einzigartigen Charakteren, welches Yu Suzuki jedoch nicht als Rollenspiel bezeichnen wollte. Im November des gleichen Jahres folgte gar die vollmundige Ankündigung eines komplett neuen Genres, welches das Spiel begründen sollte: F.R.E.E. - Full Reactive Eyes Entertainment.
Am 20. Dezember 1998 war es dann endlich so weit. In der Yokohama International Assembly Hall wurde Shenmue für Sega Dreamcast enthüllt und sorgte für offene Münder. Dynamischer Tageszeiten-, Wetter- und sogar Jahreszeitenwechsel, eine riesige Spielwelt, Interaktionen mit NPCs und ein neuartiges GameplaySystem namens Quick-Time-Events versprachen eine völlig neue Spielerfahrung. Das hatte es so noch nie gegeben und Sega unterstrich einmal mehr seinen Ruf als Innovator.
