Shaq Fu: A Legend Reborn im Test - Ein Festival der schnellen Fäuste und schlechten Witze
Test
Das in den 90ern erschienene Prügelspiel Shaq Fu rund um den ehemaligen NBA-Profi Shaquille O'Neil genießt nicht unbedingt den besten Ruf. Dennoch haben sich die Entwickler von Big Deez Productions nun an ein Sequel gewagt. Das ist zweifelsohne besser als das Original - aber leider noch immer kein gutes Spiel. Was uns zu dieser Einsicht gebracht hat, erfahrt ihr in unserem Test.
Was sich die Entwickler beim 1994 veröffentlichten Shaq Fu gedacht hatten, das wird wohl für immer ihr Geheimnis bleiben. Offen bekannt ist, dass das Fighting Game rund um den amerikanischen Basketballspieler Shaquille O'Neil mittlerweile in die Videospiel-Geschichte eingegangen ist - alleine wegen seiner absurden Grundidee und hanebüchenen Story. Nicht selten wird Shaq Fu als eines der schlechtesten Spiele aller Zeiten bezeichnet. Grund genug eigentlich, das Machwerk von Delphine Software auf ewig in der Mottenkiste verschwinden zu lassen.
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Das sahen aber wohl nicht alle so. 20 Jahre später tauchte auf der Crowdfunding-Plattform Indiegogo nämlich ein Projekt namens Shaq Fu: A Legend Reborn (jetzt kaufen 6,99 € ) auf. Das große Comeback des "Big Daddy" also, mit dem er sich wohl entweder rehabilitieren oder seinen Meme-Status endgültig zementieren wollte. Fans des Vorgängers war die Idee jedenfalls viel Geld wert: 1.339 Unterstützer brachten insgesamt 458.884 US-Dollar zusammen und das Spiel so auf den Weg. In der Folge hörte man aber nur wenig über den Titel: Der Entwicklungsstand blieb lange ein gut gehütetes Geheimnis. Shaq Fu machte nur Schlagzeilen, weil die Versionen für die Old Gen-Konsolen gecancelt wurden oder sich der Release aufgrund von unerwarteten Lizenz-Problemen verzögerte. Allen Umständen zum Trotz ist A Legend Reborn nun seit dem 5. Juni endlich erhältlich. Ein Meisterwerk ist es allerdings nicht geworden - das kann man schon einmal getrost vorwegnehmen.
Humor mit der Brechstange
Quelle: PC Games
Vorsicht, der kommt flach! Einige der Sprüche in Shaq Fu: A Legend Reborn sind wirklich an der Grenze des guten Geschmacks.
Auch im Sequel schlüpft ihr wieder in die Rolle von Shaquille O'Neil. Ansonsten gibt es aber kaum noch Ähnlichkeiten zum Original. Anstatt ihn als den bekannten Basketballer zu präsentieren, der er ist, schrieben die Macher eine komplett neue Geschichte um den NBA-Star. Diese könnte eins-zu-eins aus einem - zugegeben nicht besonders einfallsreichen - Hollywood-Drehbuch stammen. Es ist die klassische Story des Auserwählten: Shaq ist ein Waisenjunge, der an einem chinesischen Flussufer angespült und in der Folge unter die Fittiche des Dorfältesten genommen wird. Der lehrt ihn die Geheimnisse der uralten Kampfkunst "Wu Xing", die Shaq auch direkt einsetzen muss, als sein kleines Dorf von Dämonen angegriffen wird.
Das muss als Hintergrundgeschichte dann auch reichen. Den Rest füllt Shaq Fu: A Legend Reborn mit markigen Sprüchen und flachen Witzen auf. Diese gehen gerne unter die Gürtellinie, manchmal aber auch unter die Grenze des guten Geschmacks. Der Titel baut viel auf pubertären Humor, mit dem nicht jedermann etwas anzufangen weiß. Späße über den seltsamen Browser-Verlauf unseres Meisters, ringen uns beispielsweise nicht mehr als ein gequältes Lächeln ab. Ähnlich sieht es auch beim Meta-Humor aus, wenn etwa über die eigene Crowdfunding-Kampagne gewitzelt wird. Da bekommen wir dann Dialoge angeboten wie: "Warum kämpfst du nicht?" "Wir haben auf Indiegogo nicht genug Geld für meine Kampfanimationen zusammenbekommen."
Quelle: PC Games
Sind Sie das, Mister President? Manche Bossgegner sehen Celebrities aus dem echten Leben zum Verwechseln ähnlich.
Auch beim Gegnerdesign werden einige lustige Seitenhiebe verteilt, die nicht immer alle sitzen. Im Laufe des Abenteuers, müsst ihr euch etwa mehreren Bossen stellen, deren erklärtes Ziel es ist, die Menschheit zu verblöden. Diese erinnern stark an einige US-amerikanische Berühmtheiten - etwa Justin Bieber, Donald Trump oder Paris Hilton. Auch wenn die Entwickler zu Beginn des Spiels natürlich versichern, dass alle Charaktere und Ereignisse "vollkommen fiktiv" und jede Ähnlichkeit "rein zufällig" seien. Soziale Themen wie die Geschlechterfrage werden ebenso durch den Kakao gezogen wie das Konzept von Free-to-Play-Titeln. Die Entwickler von Big Deez Productions machen vor nichts Halt, treffen aber nur selten unseren Geschmack. Der Rest ist viel Humor mit der Brechstange.
Das könnte auch ein 10-Jähriger!
Aber hey, wir sind ja zum Prügeln hier! Dabei unterscheidet sich das Gameplay deutlich von dem des Vorgängers. War Shaq Fu noch ein Kampfspiel im Stile von Street Fighter, ist der Nachfolger ein Side-Scrolling Beat'em-Up in einer 2,5 D-Spielwelt. Optisch macht die Neuauflage natürlich mehr her. Ansonsten ist die Grafik aber nicht sonderlich erwähnenswert. Die sechs Stages fallen nicht durch ausgefallene Designs oder Gimmicks auf. Einzige Besonderheit sind die dynamischen Levels, in denen ihr Bombenhagel oder Autos ausweichen müsst.
Quelle: Saber Interactive
Shaq Attack - In speziellen Kampfoutfits wie dem Shaq Diesel-Anzug verteilt ihr noch großzügiger Schaden.
Ansonsten stehen die Welten nur Kulisse für die Massen-Keilerei auf dem Bildschirm. Genretypisch werdet ihr von allen Seiten mit Gegner überhäuft, die ihr mit einer Kombo aus Schlägen, Tritten und der "Shaq-Welle" dezimieren müsst. Zusätzlich könnt ihr Waffen und Umgebungsgegenstände wie etwa Fässer zu eurem Vorteil nutzen. Die Steuerung ist auf der Tastatur dabei etwas fummelig und wenig abwechslungsreich. Ihr rennt durch die Gegend und hackt auf die Tasten wie ein verrückter Specht auf Speed. Einfacher zu bedienen sind die Passagen, in denen ihr spezielle Kampfoutfits tragt, die an O'Neils Spitznamen angelehnt sind - etwa "Shaq Diesel" oder "Shaqtus". Diese spielen sich quasi von allein, weshalb einige der Steam-Errungenschaften wohl auch "Jeder 10-Jährige könnte das" heißen. Erleidet ihr doch einmal Schaden, könnt ihr Energiekugeln sammeln, die besiegte Gegner oder zerstörte Objekte fallen lassen. Alternativ füllt eine Dose Icy Hot (eine schmerzlindernde Salbe, für die Shaq als Werbepate diente) eure Gesundheit wieder vollständig auf.
Quelle: PC Games
Eine Hand voll IcyHot macht all eure Schmerzen vergessen.
Insgesamt sind die Kämpfe leider wenig unterhaltsam und ziemlich repetitiv. Durch die Perspektive sind Angriffe manchmal schwierig zu koordinieren, sodass ihr an einem Gegner vorbeischlagt, weil ihr ein Stück zu weit vorne oder hinten steht. Da ein ordentliches Treffer-Feedback fehlt, werdet ihr zudem gerne mal unter Gegnern begraben und verliert den Überblick. Positiv anmerken können wir hingegen die kurzen Finisher-Szenen, in denen ihr in Zeitlupe Dropkicks oder Suplex-Griffe verteilt. Auch ein random Dance-Battle wertet das Spielerlebnis noch einmal auf, ebenso wie die Zwischensequenzen im Comic-Look sowie Vertonung und Soundtrack.
Unschöne Nebengeräusche
Je nach Schwierigkeitsgrad und Können, habt ihr euch in etwa zwei bis maximal drei Stunden durch das Abenteuer geboxt. Das ist nicht
Quelle: PC Games
Ein ziemlich schlechter Witz: Mit der Ingame-Währung lässt sich absolut nichts anfangen.
sonderlich viel Spiel für 20 Euro, für den Preis bekommt man andernorts wesentlich mehr geboten. Zumal Shaq Fu: A Legend Reborn keinerlei Wiederspielwert aufzuweisen hat. Es gibt keinen Koop-Modus, keine Minispiele wie etwa in Bud Spencer und Terence Hill: Slaps and Beans. Zwar könnt ihr das Abenteuer noch einmal auf einer höheren Schwierigkeitsstufe angehen und dabei mehr Punkte sammeln. Dabei toppt ihr allerdings nur eure eigenen Bestleistungen - eine globale Highscore gibt es nicht. Auch freischaltbare Zusatzinhalte sucht ihr vergebens. Zwar bekommt ihr für jeden besiegten Gegner Münzen, mit denen lässt sich allerdings nichts anstellen. Darauf scheinen die Entwickler sogar noch stolz zu sein. Im Ingame-Lexikon, der Shaq-o-Pedia, werden sie als "wertlose Währung" aufgeführt, die "absolut nutzlos" ist.
Zu guter Letzt gibt es bei Shaq Fu: A Legend Reborn noch einige unschöne Randerscheinungen. Spieler beschweren sich im Netz über Bugs, zudem stehen einige Backer noch ohne ihre versprochenen Perks und Inhalte da. Mehrere Unterstützer wurden nicht in den Credits genannt oder warten noch auf ihre Codes. Das hinterlässt alles in allem einen bitteren Nachgeschmack.
Quelle: Saber Interactive
Shaq Fu: A Legend Reborn ist für manche Indiegogo-Unterstützer fast schon ein Schlag ins Gesicht.
