Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings: Wie ein Münchner Boxer Hollywood aufmischt

Special Christian Fussy
Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings: Wie ein Münchner Boxer Hollywood aufmischt
Quelle: Marvel Studios

Wir haben uns mit Florian Munteanu über seine Rolle als Handlanger Razor Fist in "Shang-Chi and the Legends of the Ten Rings" unterhalten und den jungen Schauspieler über seine Karriere als Quereinsteiger in Hollywood und seine Zukunftspläne ausgefragt.

Im neuesten Marvel-Film "Shang-Chi and the Legend of the Ten Rings" bekommt es der Titelheld mit dem Schurken Razor Fist zu tun. Gespielt wird der Handlanger mit dem Schwertarm vom ehemaligen Münchner Boxer Florian "Big Nasty" Munteanu, der bereits in "Creed 2" in einer Hauptrolle als Victor Drago zu sehen war. In der kommenden Verfilmung von "Borderlands" wird er an der Seite von Cate Blanchett, Jack Black und Kevin Hart als der aus Borderlands 2 bekannte Psycho Krieg auftreten und damit ebenfalls eine tragende Rolle einnehmen.

In den Comics tragen mehrere Figuren den Namen Razor Fist, die erste Version des Schurken existiert bereits seit 1975 und gab ihr Debüt in der Shang-Chi-Comicreihe "Master of Kung-Fu". Im Gegensatz zu seinem Comic-Counterpart verfügt Florian Munteanus Live-Action-Interpretation des Charakters nur über einen Schwertarm statt zwei und scheint zudem eine andere Hintergrundgeschichte zu haben. Wie Munteanu selbst, hat Razor Fist in "Shang-Chi and the Ten Rings" rumänische Wurzeln.

Wir haben uns mit dem 30-jährigen über seinen Senkrechtstart in Hollywood, seine Liebe zum MCU, professionelle Ambitionen und die Gemeinsamkeiten zwischen seiner täglichen Routine als Sportler und seinem Handwerk als Schauspieler unterhalten.

Der Weg ins MCU, Marvel-Geheimhaltung und die Zukunft von Razor Fist

PC Games: Obwohl du jetzt noch nicht in so vielen Filmen mitgespielt hast, muss man sagen: beeindruckendes Résumé. Von Sylvester Stallone entdeckt, in "Creed 2" eine Hauptrolle und jetzt in einem Marvel-Film. Wie kommt's dazu?

Florian Munteanu: Es war immer ein langfristiges Ziel, auch vor "Creed", aber vor allem nach "Creed", wenn man dann schon die Füße in dieses Business reingesetzt hat, irgendwann im MCU stattzufinden. Das war natürlich immer das Ziel. Ich habe aber niemals gedacht, dass es so schnell gehen wird. Damals, als ich von Sly die Chance bekommen hatte und wir "Creed 2" abgedreht hatten, war natürlich die große Frage "was kommt als Nächstes?" Und es ist natürlich nicht leicht. Das ist auch ein Haifischbecken, sag ich dir ganz ehrlich, um die Rollen selbst. Und vor allem, wenn man am Anfang steht, herrscht da eine Ellbogengesellschaft und man muss sich jede Rolle hart erkämpfen. Das heißt, es gibt sicherlich auch Rückschläge, du kassierst einige Neins auf dem Weg dahin. Aber ich habe immer weiter gemacht, weil ich auf gar keinen Fall wollte, dass ich diese Chance, die sich mir da geboten hat, ungenutzt lasse. Natürlich, als meine Agency mir dann vorgeschlagen hat, eine Audition dafür zu machen, vor allem als Marvel auch gesagt hat, wir wollen, dass er vorspricht für diese Rolle, habe ich diese Chance natürlich direkt wahrgenommen und dann ging alles sehr, sehr schnell. Munteanu in Creed 2 Quelle: Warner Bros. Pictures Munteanu in Creed 2

Wie hast du dich von der Konkurrenz abgehoben?

Ich denke schon, dass die Rolle allgemein eher körperlich betont war, [aber] ich glaube, dass ich mit meiner eigenen Weise, wie ich die Schauspielerei interpretiere und wie ich es meiner Meinung nach schaffe, den Rollen Herz zu verleihen, am Ende des Tages den ausschlaggebenden Grund geliefert habe. Meiner Meinung nach sieht man, dass Razor Fist eben mehr als nur ein Söldner oder ein Soldat ist. In ganz kleinen Szenen sieht man es immer wieder, dass ich ihm auch eine menschliche Partie verliehen habe. Ich glaube, das war den Producern ganz, ganz wichtig.

Wie läuft der Prozess ab, wenn man dann die Zusage hat und in so einem großen Film besetzt ist? Wie viel vom Skript steht zu dem Zeitpunkt schon fest? Worauf, von dem, was auf einen zukommt, kann man sich eigentlich einstellen?

Ein Skript bekommst du erst mal gar nicht bei Marvel (lacht). Die geben dir das erste Mal wirklich was in die Hand, wenn du tatsächlich vor Ort bist. Die schicken nichts rüber. Das ist wie beim FBI. Die wollen alles super geheim halten. Und dann setzt du dich mit dem Regisseur zusammen und versuchst, Ideen zu kreieren, was man da machen kann. Wie es so oft bei solchen Filmen ist, hat es noch viel mehr Szenen über den Charakter Razor Fist gegeben, die am Ende dann geschnitten worden sind und es vom Director's Cut nicht in den finalen Cut geschafft haben. Aber ich denke, dafür ist das MCU da. Dass man eben auch in zukünftigen Filmen hoffentlich noch mehr von dem Charakter sehen wird.

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Razor Fist hat ein personalisiertes Auto. Kannst du mir darüber mehr erzählen?

Ich weiß nicht, ob man es [im Film] sieht, aber auf der Mittelkonsole stand auf jeden Fall immer "Welcome Razor". Du kennst doch sicher Duftbäume, die normalerweise Tannenbäume sind. Da hing ein Schwert. Da haben wir schon auf die Details geachtet und konnten uns ausleben, was die verrückten Ideen angeht. Natürlich muss der Regisseur erst mal auf einen zukommen und sagen "hey, ich hab Bock da etwas Cooles zu kreieren" und dann tauscht man sich aus und so ist die Vision um das Auto entstanden. BMW hat natürlich auch super gepasst, weil ich aus München komme, der Heimat von BMW. Als ich das erste Mal das Auto gesehen habe, final mit der Lackierung, der Folierung - das war schon geil.

Du hast gesagt, das MCU war dein Traum als nächster Karriereschritt. Ist das auch etwas, was dich persönlich interessiert? Bist du comicaffin?

Voll. Seit Tag Eins. Comichefte habe ich immer gehabt und gesammelt. Bin immer im Comicstore gewesen als Kind. Zeichentrickserien gesehen. "X-Men" vor allem damals angeschaut mit Wolverine. Die ersten Spider-Man-Filme mit Tobey Maguire, die würde ich sagen sind in der Kindheit brutal hängengeblieben. Das gab's damals so noch nicht. Seitdem es das MCU wirklich gibt mit dem Hulk-Film und "Iron Man" hab ich alles mitgenommen. Ich bin allgemein ein Fan solcher Geschichten. Ich zieh mir auch DC-Filme rein (lacht). Das kann ich auch ganz offen so sagen. Von allem, was mit Sci-Fi zu tun hat, bin ich auf jeden Fall ein Fan. Munteanu als Razor Fist Quelle: Marvel Studios Munteanu als Razor Fist

Die Figur Razor Fist ist schon etwas obskur. Kanntest du ihn?

Ich muss tatsächlich sagen, der war mir nicht bekannt. Was mir bekannt war, war Shang-Chi. Ich kannte den Charakter, weil da immer eine Parallele zu Bruce Lee gezogen wurde und ich riesengroßer Fan von Bruce Lee bin. Razor Fist kannte ich allerdings nicht. Als ich die Rolle dann bekommen habe, hab ich angefangen mich näher mit ihm zu beschäftigen.

Aus der Komfortzone

"Creed 2" war als Boxfilm eher in deiner Komfortzone. In "Shang-Chi" sind die Kampfszenen wilder. Wie hat sich deine Art zu Kämpfen weiterentwickelt von "Creed 2" zu "Shang-Chi"?

Ich wusste natürlich, dass ich mich umstellen muss. Ich hab mich natürlich sehr an einen Boxstil gewöhnt, ich hab das ja auch mein ganzes Leben lang gemacht. Dementsprechend wusste ich, dass ich mich bei einem Film, der eher MMA-lastig ist - und MMA beinhaltet ja viele verschiedene Kampfkünste - umstellen muss. Und das fängt bei der Beinarbeit an. Bei der Grundstellung. Ich wusste, dass ich neue Sachen dazulernen muss. Deswegen haben wir auch mit einem super Stuntteam zusammengearbeitet über mehrere Wochen und Monate, die uns vorbereitet haben. Es war schwer, vor allem am Anfang, diese Routinen aufzubrechen, aber ich denke am Ende des Tages hat sich das Ganze gelohnt.

Du kämpfst auch gegen Dinge, die nicht wirklich da sind. Wie hast du das erlebt?

Wenn du dich an die Dämonen am Schluss erinnerst, das war eigentlich komplett Fantasie. Wir haben eigentlich gegen die Luft geschlagen die ganze Zeit. Aber das war auch das Geile, das, was so viel Spaß gemacht hat, weil du wieder Kind warst. Wenn wir irgendwie am Spielplatz Superhelden gespielt haben, war das genau das gleiche. Wir haben uns Sachen vorgestellt, eine komplett neue, andere Welt vor unseren Augen kreiert. Und das ist genau das, was du in dem Fall auch gemacht hast. Nur wirst du jetzt dafür bezahlt und es ist dein Job. Was kann es Geileres geben?

Tägliches Training und große Ambitionen

Wie verbesserst du dein Handwerk als jemand, der nicht vom Schauspiel kommt?

Ich bin tatsächlich von Kind auf ein Film-Fanatiker gewesen. Jetzt, wo ich in der Szene drin bin und mit der Industrie zu tun habe, schaue ich natürlich einen Film oder eine Serie auch ganz anders. Ich arbeite das wirklich auf und wenn mich Szenen ergreifen, wenn ich eine schauspielerische Leistung eines Kollegen wirklich feiere und gut finde, dann picke ich mir die Szene raus und spiele sie einfach nach. Ich arbeite sehr, sehr viel vorm Spiegel. Das ist wie mit dem Training. Ich übe eigentlich tagtäglich, Emotionen zu kreieren, mit meinem Gesicht zu spielen vor dem Spiegel. So bleibt man in der Routine drin. So verbessert man sich die ganze Zeit. Dieses Szenen nachspielen ist eigentlich das tägliche Training, das ich als Schauspieler mache.

Würdest du auch Rollen in Genres annehmen, die nicht so stark auf Physis setzen? Also mal eine Komödie, ein klassisches Drama oder sogar ein Musical?

Hundert Prozent. Dahin will ich mich auch hin entwickeln. Ich brauche niemandem mehr etwas beweisen. Optisch gesehen bringe ich alle Voraussetzungen dafür mit, kämpfen kann ich, das ist jetzt nichts mehr was mich selbst herausfordert. Das heißt, wenn ich aufs nächste Level kommen will, wenn ich mich weiterentwickeln will, muss ich natürlich Sachen machen, mit denen ich mich noch nicht auskenne. Aus der Komfortzone heraustreten. Und dahin wird auch die Entwicklung stattfinden.

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