Shadwen im Test: Abwechslungsarme Schleichorgie mit Zeitmanipulation

Test Matthias Dammes 2,94 €
Shadwen im Test: Abwechslungsarme Schleichorgie mit Zeitmanipulation
Quelle: Frozenbyte

Wir stellen im Test die interessante Zeitmechanik von Shadwen auf die Probe, dem neuesten Spiel der Trine-Macher. Dabei verraten wir euch auch, warum das spannende Konzept leider nicht ausreicht, um auch ein gelungenes Spiel zu bieten. Im Angespielt-Video bekommt ihr einen Eindruck von der Spielweise.

Die finnischen Entwickler von Frozenbyte haben sich in den letzten Jahren mit der Trine-Trilogie bereits einen Namen im Indie-Sektor gemacht. Besonders die ersten beiden Teile begeisterten mit hübscher Optik und gelungenen Rätseln. Der dritte Ableger lies dann leider etwas zu wünschen übrig. Mit Shadwen hat sich das Team aus Helsinki nun an etwas ganz anderes gewagt. Heraus gekommen ist ein Stealth-Adventure mit einer interessanten Zeitmechanik.

Vor und zurück

Die Zeit läuft in Shadwen nämlich nicht einfach wie man es aus den meisten Spielen oder dem echten Leben gewohnt ist. Stattdessen befindet sich das Spiel standardmäßig in einem permanenten Pause-Modus. Nur wenn ihr euch bewegt, oder eine bestimmte Taste gedrückt haltet, läuft Selbst mitten im Sprung bleibt die Zeit stehen, wenn wir die Steuerung loslassen. Quelle: PC Games Selbst mitten im Sprung bleibt die Zeit stehen, wenn wir die Steuerung loslassen. die Zeit. Das erinnert ein wenig an den Indie-Shooter Superhot, nur mit dem Unterschied, dass man eben bei Bedarf die Zeit auch ohne eigene Bewegung voranschreiten lassen kann.

Auf diese Weise lassen sich Bewegungen und andere Aktionen ziemlich genau planen. So lasst ihr zum Beispiel mitten in einem Sprung die Zeit stehen, um in Ruhe mit eurem Greifhaken das nächste Ziel eurer Bewegung ins Visier zu nehmen. Doch die besondere Zeitmechanik von Shadwen funktioniert nicht nur vorwärts. Bei Bedarf lässt sich die Zeit nämlich auch rückwärts drehen. Ihr wurdet von einer Wache entdeckt? Kein Problem, per Knopfdruck dreht ihr das Geschehen bis zu dem Punkt zurück, ab dem ihr etwas anders machen wollt.

Ein Spiel als Eskort-Quest

Das ist auch bitter nötig, denn die Entdeckung durch einen Gegner bedeutet in diesem Spiel das sofortige Game Over. Ziel des Spiels ist es nämlich wirklich ungesehen zum jeweiligen Levelende zu gelangen. Dabei schlüpft ihr übrigens in die Rolle der namensgebenden Mörderin Shadwen. Diese kommt in die Stadt Rivenden, um den König zu ermorden. Auf dem Weg dorthin sammelt sie allerdings mehr unfreiwillig das kleine Mädchen Lily auf.

Die kleine Lily muss durch alle Level manövriert werden. Quelle: PC Games Die kleine Lily muss durch alle Level manövriert werden. Bei eurem Weg durch die 15 Level der Stadt müsst ihr daher nicht nur die Protagonistin ungesehen zum Ausgang bekommen, sondern auch Wege für die kleine Lily eröffnen, damit diese von Deckung zu Deckung dem Ziel näher kommt. Das erhöht zwar einerseits den taktischen Anspruch, entwickelt sich aber schnell auch zur längsten und nervigsten Eskort-Quest der Spielegeschichte. Ihr habt dabei die frei Wahl, ob ihr friedlich oder eher brutal zu Werke geht.

Jedes Level ist komplett ohne Kill lösbar, allerdings ist das Ausschalten von Wachen an vielen Stellen der einfachste Weg zum Ziel. Wie ihr euch entscheidet, hat allerdings auch minimalen Einfluss auf die Geschichte. Denn Lily registriert euer Verhalten und wird sich entsprechend im Verlauf der Handlung dazu äußern. Nun beeinflusst ein getöteter Gegner noch nicht automatisch die Haltung von Lily gegenüber Shadwen. Nur wenn die Kleine ihre Tat beobachtet oder Leichen findet, nimmt sie die Protagonistin als Mörderin zur Kenntnis. Ihr könnt also auch mordend durch die Level gehen und diese Veranlagung trotzdem vor Lily geheim halten.

Im nächsten Level nichts neues

Diese grundlegende Prämisse von Shadwen stellt eine spannende Grundlage für ein tolles Schleichspiel dar, aber leider vermiest der Titel einen Großteil des Spielspaßes mit langweiligem Design und technischen Mängeln. Optisch könnte das Spiel locker aus der letzten Generation stammen und bietet leider auch kaum Abwechslung. Jeder Level besteht aus dem gleichen braun-grauen Einheitsbrei. Da ist es auch nicht gerade von Vorteil, dass das Spiel durchgehend in der Dunkelheit spielt.

So oder so ähnlich sehen alle der 15 Spielabschnitte aus. Quelle: PC Games So oder so ähnlich sehen alle der 15 Spielabschnitte aus. Ebenso nicht zeitgemäß wirken viele der Animationen, vor allem der Wachen. Aber auch Shadwen selbst hätten ein paar schickere Bewegungen nicht geschadet. Mangelnde Abwechslung zieht sich übrigens durch das gesamte Spiel. Nicht nur die Level bieten optisch kaum Neues. Der Ablauf der Missionen ist ebenfalls immer der gleiche. Wachen ablenken oder töten und zum Ausgang gelangen. Überraschende Momente oder spezielle Mechaniken, die veränderte Vorgehensweisen erforden? Fehlanzeige.

Nach dem ersten Drittel des Spiels wird ein zweiter Gegner-Typ eingeführt, dessen einziger Unterschied es ist, dass er nicht von hinten erdolcht werden kann. Wer eh versucht ohne Tötung zu spielen, für den ändert sich dadurch also gar nichts. Die KI ist unabhängig von der Art der Wache gleich dumm. Einem angenehmen Stealth-Erlebnis abträglich ist leider auch die Steuerung, die häufig sehr hakelig ist. Besonders wenn man versucht mit dem Greifhacken irgendwo hinzukommen, kann das schnell zu Frust führen.

Warum mache ich das hier eigentlich?

Möglicherweise könnte man über alle das hinwegsehen, wenn das Spiel mit einer spannenden Story bei der Stange halten würde. Aber auch in diesem Bereich schwächelt Shadwen deutlich. Die Geschichte selbst ist relativ belanglos und wird lediglich durch ein paar Dialogfetzen zwischen Shadwen und Lily während der Ladebildschirme zwischen den einzelnen Levels erzählt. Nur am Anfang werden eine Handvoll hübsch gezeichnete Sequenzen gezeigt.

Die wenigen gesprochenen Dialoge und die Unterhaltungen der Wachen gibt es lediglich in englischer Sprachausgabe. Nur Bildschirmtexte und Untertitel sind auf Deutsch verfügbar. All diese Mängel machen leider das durchaus interessante Spielkonzept wieder zunichte. Knallharte Stealth-Fans, für die das Ausknobeln der perfekten Strategie das wichtigste ist, werden aber ein paar Stunden Spaß haben. Nur wirklich denkwürdig in Erinnerung bleiben wird auch ihnen das Spiel vermutlich nicht. Erhältlich ist Shadwen zum Preis von rund 17 Euro für PC, Linux und Mac bei Steam sowie im PSN für die PS4.

Shadwen im Angespielt-Video

Meinung

Wertung zu Shadwen (PC)

Wertung:

6.2 /10

Wertung zu Shadwen (PS4)

Wertung:

6.2 /10
Pro & Contra
interessantes Spiel-Konzept mit permanenter Pause und Rückspulfunktiontaktisch herausfordernd, vor allem, wenn man ohne Kill spielen willnützliche Gadgets zum Herstellen
hackelige Steuerungkeine Abwechslung bei Gegnern, Schauplätzen, Missionsablaufsehr dünne Story mit noch dünnerer Inszenierungkeine deutsche SprachausgabeGrafik und Animationen nicht zeitgemäßdumme Gegner-KI

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