Shadow of the Tomb Raider in der Vorschau: Viel Licht, kaum Schatten - mit Preview-Video

Special Andreas Szedlak 35,99 €
Shadow of the Tomb Raider in der Vorschau: Viel Licht, kaum Schatten - mit Preview-Video
Quelle: Square Enix

Lara Croft stürzt sich am 14. September in ihr nächstes Abenteuer: Wir haben die deutsch synchronisierte Fassung von Shadow of the Tomb Raider stundenlang gespielt und dabei viel Zeit im peruanischen Dschungel verbracht. Dabei haben wir natürlich überprüft, wie sich die Neuerungen - etwa der mehrstufige Schwierigkeitsgrad - auf den Spielspaß auswirken.

Die bekannteste Abenteurerin der Videospielwelt macht sich bereit für ihren nächsten Auftritt in Shadow of the Tomb Raider (jetzt kaufen / 35,99 € ). Bevor sich Lara Croft am 14. September 2018 in ihr nächstes Action-Adventure stürzt und dabei keinerlei Gefahr aus dem Wege geht, konnten wir bei einem in Hamburg veranstalteten Event des Tomb Raider-Publishers Square Enix Hand an Miss Croft legen. Dabei durften wir nicht nur den Anfang des neuen Lara-Abenteuers spielen, sondern uns auch erstmals durch den peruanischen Dschungel kämpfen. Was wir dabei alles erlebt haben, lest ihr in unserer Hands-on-Vorschau zu Shadow of the Tomb Raider.

Shadow of the Tomb Raider in der Vorschau

Erinnert ihr euch noch daran, als Lara Croft ihr erstes Reh erlegt hat? Es war zu Beginn der Tomb Raider-­Reboot-Trilogie. Lara hatte Mitleid mit dem armen Tier. Sie war von Gewissensbissen ­geplagt, da sie ihr Leben über das des Rehs stellte. Wir sahen eine verletzliche junge Frau, deren Abenteuerlust mit Angst einherging. Angst vor den ­Gefahren. Angst vor dem Tod.

Die Lara, die wir während der mehrstündigen Zock-Session von Shadow of the Tomb Raider erleben, ist merklich anders: Im peru­anischen Dschungel blickt sie plötzlich in das zähnefletschende Antlitz eines Jaguars. Sie schafft es, sich zu befreien und schwächt die Raubkatze mit gezielten Pfeilschüssen. Letztlich kann das Tier kaum noch laufen und Lara verpasst ihm den Gnadenschuss. Dann kniet sie sich vor den toten Jaguar, zieht ihm mit chirurgischer Ruhe das Fell ab und trägt es von nun an stolz an ihrem muskulösen Frauenkörper, als wolle sie signalisieren: "Nicht einmal ein Jaguar kann mir etwas anhaben, nehmt euch vor mir in Acht!"

Shadow of the Tomb Raider in der Vorschau: Miss Croft hat sich verändert

Das neue Lara-Abenteuer entstand unter veränderten Vorzeichen. Während die Verantwortung für die beiden letzten Tomb-Raider-Teile bei Crystal Dynamics lag und das Team von Eidos Mon­tréal nur Zuarbeiter war, ist es diesmal genau andersherum. Die Kanadier haben nicht nur die charakterliche Weiterentwicklung von Lara Croft fortgeführt, die bereits in Rise of the Tomb Raider taffer rüberkam als im ersten Teil der Trilogie. Sie haben auch den Wunsch vieler Serien-Fans erhört, die mehr von der Essenz der "Ur-Tomb ­Raider"-Spiele spüren wollten: Mehr Wegfindungsarbeit, mehr Rätsel, weniger Kämpfe - auf diese Formel lässt sich Shadow of the Tomb Raider herunterbrechen.

Den Test von Rise of the Tomb Raider lest ihr hier!

Nur blöd, wenn man gar nicht zu den eingefleischten Hardcore-Abenteurern gehört, die gerne viel Zeit investieren, um schwierige Rätsel zu knacken oder frustriert sind, wenn sie mal wieder in den Abgrund stürzen. Alleine in unserer Redaktion gibt es total unterschiedliche ­Geschmäcker: Matthias Dammes etwa liebt es, Gefechten aus dem Weg zu gehen, er vertieft sich dafür lieber in herausfordernde Rätsel. Unsere Redaktions-Zwillinge Thomas und ­Andreas Szedlak sind dagegen eher ungeduldige ­Naturen. Sie betätigen lieber den Abzug von Pistole oder ­Maschinengewehr - natürlich nur virtuell - und versuchen ihre grauen Zellen nicht zu überanstrengen.

Einige Rätsel sind ganz schöne Kopfnüsse. Je nach eingestellter Rätselschwierigkeit bekommt ihr Tipps oder müsst alleine auf die Lösung kommen. Quelle: Square Enix Einige Rätsel sind ganz schöne Kopfnüsse. Je nach eingestellter Rätselschwierigkeit bekommt ihr Tipps oder müsst alleine auf die Lösung kommen.

Shadow of the Tomb Raider in der Vorschau: Wie hättet ihr es gerne?

Deutliche Geschmacksunterschie­de konnte das Entwicklerteam um Level Design Director Arne Öhme, der gemeinsam mit ­Narrative ­Director Jason Dozois beim Hamburger Anspiel-Event dabei war, ebenfalls feststellen, als sie im Montrealer Studio zahlreiche Testspieler an Shadow of the Tomb Raider setzten. Daher haben sich die Macher etwas überlegt, um möglichst viele Geschmäcker treffen zu können. Die Gesamtschwierigkeit des neuen Lara-Abenteuers setzt sich aus drei Kategorien zusammen: Kampf-, Gelände- und Rätselschwierigkeit. Stellt man die Geländeschwierigkeit auf "Leicht", dann wird an jeder Kletterwand sofort die Taste eingeblendet, die es zu drücken gilt. Allerdings fühlt man sich da schnell wie ein kleines Kind, das von seiner Mama an die Hand genommen wird. Uns hat die Einstellung "Normal" am besten gefallen, bei der wie im Vorgänger an Kletterstellen weiße Spuren zu erkennen sind. Auf "Schwer" fehlen diese Markierungen, außerdem hat Lara dann nur ganz wenig Zeit, um mit der zweiten Hand nachzugreifen und einen Absturz zu verhindern.

Langwierige Schießereien sind in Shadow of the Tomb Raider die absolute Ausnahme. Zumeist lassen sich Gegner separieren und überraschen. Quelle: Square Enix Langwierige Schießereien sind in Shadow of the Tomb Raider die absolute Ausnahme. Zumeist lassen sich Gegner separieren und überraschen. Die Kampfschwierigkeit regelt die Häufigkeit von Munitionskisten und Laras Schadensintensität - natürlich auch die der ­Gegner. Auf "Schwer" verschwinden Silhouetten, mit denen Feinde in der Überlebenssicht markiert werden: Gelb signalisiert, dass sich der Widersacher gerade nicht im Blickfeld eines Kameraden ­befindet.

Da man die drei Schwierigkeitsgrade jederzeit ändern kann, lässt sich das Spielerlebnis stets nach Lust und Laune verändern. Wir halten dies für eine hervorragende Mechanik, die sich hoffentlich viele Spiele künftig zum Vorbild nehmen - einige Titel mit mehrteiligen Schwierigkeitsstufen gab es in der Vergangenheit ja schon.

Shadow of the Tomb Raider in der Vorschau: Lautlose Abenteurerin

Allzu viele Feuergefechte erleben wir in den Anfangsstunden des Spiels tatsächlich nicht. Das liegt allerdings auch daran, dass Lara seit Rise of the Tomb Raider dazugelernt hat und den schwer bewaffneten Trinity-Soldaten nun mit anderen Mitteln begegnet. Sie darf sich etwa mit Lehm beschmieren und kann sich fast komplett unsichtbar machen. So lässt sich die Schar an Widersachern Stück für Stück ausdünnen. Im Grunde passen lautlose Kills auch mehr zu einer Abenteurerin wie Lara Croft als rambomäßige Einer-gegen-­alle-Schießereien.

In Mexiko und Peru - wo wir uns beim Probespielen austoben durften - lauern jedoch noch mehr Gefahren als "nur" die Soldaten der Geheimorganisation ­Trinity: Wir bekommen es mit riesigen Wasserschlangen zu tun, müssen Lara vor dem Aufspießen durch hinterhältige Fallen bewahren oder schwingen uns regelmäßig, abgeseilt von einer Felswand, waghalsig auf einen Vorsprung. Die Häufigkeit derartiger Herausforderungen ist gegenüber dem Vorgänger gestiegen.

Lara bekommt es diesmal mit deutlich mehr Fallen zu tun, als in den beiden letzten Teilen. Quelle: Square Enix Lara bekommt es diesmal mit deutlich mehr Fallen zu tun, als in den beiden letzten Teilen.

Upgrades: Lara entwickelt sich
Rollenspiel-Features in Action-­Titeln sind ja schwer im Kommen. Lara Croft ist auf diesen Zug noch nicht aufgesprungen, ihr neues Abenteuer bietet zum Beispiel keine Levelauf­stiege oder Kleidungsstücke mit Schutzwirkung. Mittels Fähigkeitspunkten lassen sich jedoch zahlreiche Upgrades für Lara freischalten. Diese sind unterteilt in drei Kategorien: „Sucher“ verbessert Laras Erkundungs- und Beobach­tungsfähigkeiten. So kann sie zum Beispiel mit der Überlebenssicht auch Fallen anzeigen lassen. „Krieger“ erhöht ihr Kampf- und Waffengeschick. Beispielsweise widersteht Lara nach einer Wundheilung kurzzeitig feindlichem Schaden. „Sammler“ wirkt sich positiv auf ihre Heimlichkeit und Herstellungsfähigkeiten aus. Lara kann etwa Feinde nach Lautlos-Kills automatisch plündern. ­Insgesamt lassen sich mehr als 60 Upgrades mittels Fähigkeitspunkten kaufen. Lara kann auch ihre Standardwaffen wie Bögen oder Messer upgraden. Der Recurvebogen etwa lässt sich mit verstärkten Armen ausrüsten, die eine erhöhte Spannung und damit schnellere Pfeile ermöglichen, was mehr Schaden verursacht. Ein verstärkter Schaft lässt ein höheres Zuggewicht zu, was ebenfalls den Schaden erhöht. Auch wenn die Upgrade-Möglichkeiten insgesamt im Vergleich zum Vorgänger gestiegen sind, spricht nichts dagegen, dass künftige Tomb Raider-Teile auch mit motivierenden RPG-Features ausgestattet werden, wie etwa Assassin’s Creed: Origins oder God of War.

Für Nervenkitzel sorgen auch die grandios inszenierten Skript-Sequenzen: Am nachdrücklichsten bleibt dabei der Tsunami auf der mexikanischen Halbinsel Yucatán im Gedächtnis. Zwar ersparen uns die Entwickler allzu emotionale Szenen weitestgehend, dennoch nimmt einen die Bildgewalt gefangen, vor allem wenn man den Tsunami wie wir in 4K-Auflösung und mit HDR-Effekten erlebt - an der Xbox One X mit konstanten 30 ­Bildern pro Sekunde.

Während die Inszenierung der bislang gesehenen Skript-Sequenzen beeindruckend ist, hält sich der spielerische Anspruch hier in Grenzen. Als wir von den Wassermassen mitgerissen werden, müssen wir Lara lediglich per Analog­stick nach links oder rechts treiben lassen, um Hindernissen zu entgehen. Toll inszeniert, aber spielerisch arm - von solchen Abschnitten haben wir in den ersten Spielstunden mehrere erlebt. Beispielsweise müssen wir eine Felswand hochklettern und dabei herabfallenden Objekten ausweichen.

Shadow of the Tomb Raider in der Vorschau: Maya-Apokalypse

Die häufigen und teilweise recht langen Cutscenes sind wieder filmreif gestaltet. Dabei ist die deutsche Synchronisation auf gewohnt hohem Niveau, Im peruanischen Örtchen Kuwaq Yaku können sich Lara und ihr Begleiter Jonah von den Anstrengungen erholen. Jonah wirft dabei ein Auge auf die Kurzhaarige mit dem Cappy - vielleicht geht da was ... Quelle: Square Enix Im peruanischen Örtchen Kuwaq Yaku können sich Lara und ihr Begleiter Jonah von den Anstrengungen erholen. Jonah wirft dabei ein Auge auf die Kurzhaarige mit dem Cappy - vielleicht geht da was ... sie reicht aber an die englische Sprachausgabe nicht ganz heran. Gespannt waren wir darauf, zu sehen, wie sich die freundschaftliche Beziehung zwischen Lara und Jonah entwickelt und ob die erzählte Geschichte ähnlich fesselt wie etwa in einem Uncharted 4. Bislang jedoch wollen bei uns keine intensiven Emotionen aufkommen, selbst als Lara unfreiwillig eine Maya-Apokalypse auslöst und sie dies offensichtlich mitnimmt. An die fesselnden Uncharted-Momente mit Nathan, Bruderherz Sam, Gattin Elena und Freund Sully kommen die Dialoge zwischen Lara und ihrem Begleiter Jonah nicht heran - bislang wohlgemerkt, denn wir haben lediglich die ersten Stunden des ­Action-Adventures erlebt.

Die Nase vorn hat das neue Lara-­Abenteuer dafür bei Rätseldichte und -Komplexität. Es gibt mehr Gräber denn je zu erforschen und die Lösungswege sind teilweise erst auf den zweiten oder dritten Blick ersichtlich. In der leichtesten Rätselstufe gibt Lara in Form von Selbstgesprächen Hinweise, allerdings so, dass man dennoch die Augen offenhalten und das Gehirn einschalten muss. Oft ist auch Geschick und eine schnelle Reak­tion gefragt, wie man es ebenn von den ersten Tomb-Raider-Teilen aus den 1990ern kennt - ihr wisst schon, als Laras Proportionen noch "leicht" aus den Fugen ­geraten waren.

Lustigerweise dürft ihr das neue Abenteuer auch mit der Lara von damals bestreiten. Zumindest, sobald ihr das entsprechende "Outfit" freigeschaltet habt - das solltet ihr mal ausprobieren, vor allem ­Dialog-Cut-Scenes zwischen der Ur-Lara und Jonah ­sehen urkomisch aus.

Shadow of the Tomb Raider in der Vorschau: Viel Licht, kaum Schatten

Grafisch hat uns vor allem der Anfangsabschnitt in Yucatán schlichtweg vom Hocker gerissen, als Lara in einer Höhle aufwacht und aus ihr Auf diesem Screenshot steht ausnahmsweise mal nicht Lara im Mittelpunkt, sondern die Dschungelumgebung. Der Detailreichtum des peruanischen Urwaldes ist beeindruckend. Quelle: Square Enix Auf diesem Screenshot steht ausnahmsweise mal nicht Lara im Mittelpunkt, sondern die Dschungelumgebung. Der Detailreichtum des peruanischen Urwaldes ist beeindruckend. entkommen muss. Die hoch aufgelösten Texturen sehen ebenso brillant aus wie die HDR-Lichteffekte. Das Entwicklerteam versucht immer wieder, durch ganz enge Passagen ein klaustrophobisches Gefühl zu erzeugen und lässt die Kamera dabei ganz nah an Lara heranrücken. Auch das farbenfrohe und belebte peruanische Örtchen ­Kuwaq Yaku hat uns ob der liebevollen Gestaltung prima gefallen.

Atmosphärisch erstklassig sind die Dschungelabschnitte in Peru. Pflanzen reagieren auf ­Laras Berührungen, bewegen sich physikalisch korrekt. Vielleicht sind die Lichteffekte nicht ganz so beeindruckend wie in einem Horizon: Zero Dawn, allerdings lief Aloy durch Blätter einfach hindurch, das muss man fairerweise dazusagen.
Noch detailreicher und lebendiger als Kuwaq Yaku ist das peruanische Paititi. Es ist ungemein reizvoll die "Verlorene Stadt der Inka" zu erkunden. Was es hier alles zu entdecken und zu tun gibt, seht ihr im Video unten.

Positiv ins Auge gestochen sind uns überdies die zahlreichen Wasserabschnitte. Es wird beim Spielen überdeutlich, dass die Entwickler die Foundation-Engine merklich aufgemotzt haben. Wir prophezeien mal: Shadow of the Tomb Raider wird das bislang schönste Lara-­Abenteuer, vor ­allem in 4K-­Auflösung!

Shadow of the Tomb Raider in der Vorschau: Laras Meisterstück?

Ob der Abschlussteil der Tomb -Raider-Trilogie auch der beste sein wird, lässt sich noch nicht mit Bestimmtheit sagen. Es spricht nach den gespielten Abschnitten jedoch einiges dafür, dass Laras neuestes Abenteuer zumindest in puncto Herausforderung, Umfang und Grafik die sehr guten Vorgänger in den Schatten stellen wird.

Skeptisch sind wir noch, ob die erzählte Geschichte ein allzu großer Motivationsfaktor sein wird, auch wenn die Macher dies versprechen - siehe Lara kann sich nun mit Lehm beschmieren und auch aus dem Schatten oder hohen Gras heraus Feinde überraschen. Quelle: Square Enix Lara kann sich nun mit Lehm beschmieren und auch aus dem Schatten oder hohen Gras heraus Feinde überraschen. Interview. Insbesondere Sony-­Titel wie The Last of Us, Uncharted 4 oder ­Horizon: Zero Dawn haben die Story-Messlatte sehr hoch gelegt.

Auf jeden Fall bietet die ­Ge­schichte um die drohende Maya-­Apokalypse das Potenzial, intensive Emotionen zu wecken. Unser Test wird die Auflösung bringen. Shadow of the Tomb Raider erscheint am 14. September für PC, PS4 und Xbox One. Alles zum neuen Lara-Abenteuer lest ihr hier.

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Meinung

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