Shadow Tactics: Aiko's Choice im Test: Wenn's vom Guten mehr sein darf

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Shadow Tactics: Aiko's Choice im Test: Wenn's vom Guten mehr sein darf
Quelle: PC Games

Mit Shadow Tactics hat sich Mimimi Games ins Spitzenfeld der deutschen Entwicklerstudios katapultiert. Nun legen die Münchner mit einer kleinen, aber feinen Erweiterung nach, die selbstständig lauffähig ist. Im Test kann Aiko's Choice auf ganzer Linie überzeugen, daran ändert auch die knappe Spielzeit nichts.

Wer auf Echtzeit-Taktik à la Commandos steht, kommt an Mimimi Games nicht vorbei: Vor fünf Jahren haben die Münchner das Genre im Alleingang wiederbelebt, ihr Japan-Abenteuer Shadow Tactics: Blades of the Shogun wurde mit Preisen überhäuft und kam auch bei den Käufern bestens an. Danach ließ Mimimi das hervorragende Desperados 3 folgen, das sogar noch besser abgeschnitten hat (hier gibt's unseren umfangreichen Test). Seitdem ist das Studio mit dem nächsten Spiel beschäftigt, das offiziell noch den Arbeitstitel Süßkartoffel trägt. Doch etwas ist diesmal anders: Die Entwickler erkannten früh, dass sie zwischen ihren beiden Großprojekten ein wenig Luft hatten. Also beschloss man, noch ein kleineres Spiel in Angriff zu nehmen, bevor das mysteriöse Süßkartoffel in Vollproduktion geht. Schnell war Shadow Tactics: Aiko's Choice geboren, eine eigenständig lauffähige Erweiterung, die zwar weniger Spielzeit bieten, ansonsten aber das gleiche Niveau wie im Hauptspiel erreichen soll.

Im Test erfüllt Aiko's Choice alle Erwartungen: So gut hat uns ein Nachschlag schon lange nicht mehr geschmeckt.

Starke Rückkehr ins alte Japan

Obwohl Aiko's Choice eigenständig lauffähig ist, empfehlen wir, zuerst das Hauptspiel zu beenden oder es zumindest ausführlich zu spielen. Die Erweiterung setzt nämlich mitten in der zentralen Story ein und quetscht gekonnt eine nette Nebenhandlung dazwischen. Das heißt, zu Beginn sind alle Figuren bereits voll etabliert und werden nicht mehr weiter erklärt. Schon allein deshalb ist Aiko's Choice für Neulinge nicht unbedingt die beste Wahl.
Verwandlungskünstlerin Aiko steht im Mittelpunkt der Geschichte. Quelle: PC Games Verwandlungskünstlerin Aiko steht im Mittelpunkt der Geschichte. Umso bemerkenswerter finden wir aber, wie es Mimimi scheinbar mühelos gelingt, an alte Stärken anzuknüpfen: Von der Atmosphäre über die Figuren bis hin zur Sprachausgabe, einfach alles ist so gestaltet, als wären seit Blades of the Shogun keine zwei Wochen vergangen. Wer also schon die letzte Geschichte der fünf Assassinen mochte, wird auch hier wieder seine helle Freude haben. Der bittersüße Abschluss bildet außerdem eine clevere Überleitung zum Hauptspiel, dadurch fühlt sich Aiko's Choice nie wie ein Fremdkörper, sondern wie eine gelungene Ergänzung an.

More of the same? Aber gern!

Auch das ist mal eine angenehme Abwechslung: Die Entwickler reden Klartext. Dadurch wussten wir schon seit der Ankündigung, dass Aiko's Choice keine neuen Features bieten wird, beim Gameplay alles bleibt wie gehabt: Ihr seid wieder mit eurem fünfköpfigen Spezialistentrupp unterwegs, bringt feindliche Wachen lautlos um die Ecke und nutzt dazu Spezialfähigkeiten wie Fallen, Wurfsterne, Blendpulver und vieles mehr. Neue Elemente, die mit Desperados 3 eingeführt wurden (z.B. die coolen Zusammenfassungen bei Missionsende) sucht man hier vergebens. Egal ob Steuerung, Grafik oder KI, das ist 1:1 das gleiche Shadow Tactics, das wir schon 2016 gespielt haben.

Neben der Story sind also wirklich nur die Missionen frisch - doch die machen wieder so unverschämt viel Spaß, dass wir zusätzliche Features gar nicht vermisst haben. Aiko's Choice besteht aus drei großen Hauptmissionen sowie drei kleinen Zwischenlevels, in denen vor allem die Story vorangetrieben wird. Während die Zwischenspiele nur für ein paar Minuten beschäftigen, sind die drei Hauptmissionen dafür genau so schön und gehaltvoll, wie man es von Shadow Tactics gewohnt ist. Auch die Abwechslung stimmt: Auf der ersten Map müsst ihr euer Team durch eine hübsche Stadtkulisse schleusen, wo es vor Wachen nur so wimmelt. Besonders agile Helden, die sich über Dächer und Mauern bewegen können, spielen hier ihre Stärken aus. Auf der zweiten Karte erwartet uns dann schon der erste Tapetenwechsel, hier ist der Großteil der Karte nämlich mit Wasser bedeckt. Wir lassen unsere Truppe zu mehreren Inseln schwimmen, wo sie Munitionskisten zerstören und dabei peinlich darauf achten müssen, im Sand keine verdächtigen Fußspuren zu hinterlassen.
Die drei Hauptmissionen sind so clever gestaltet wie im Hauptspiel. Quelle: PC Games Die drei Hauptmissionen sind so clever gestaltet wie im Hauptspiel. Die dritte Map schickt uns dann in einen angenehm weitläufigen Tempel, eingerahmt in eine prächtige Naturkulisse. Dort müssen wir mehrere Missionsziele erfüllen, zum Beispiel ein Kostüm für Aiko stehlen, eine Giftmischung anrühren oder eine Sprengfalle herstellen, wobei wir stets aus zwei Möglichkeiten wählen dürfen. Vor allem hier spielt Shadow Tactics wieder eine seiner großen Stärken aus: Es gibt für die meisten Situationen mehrere Lösungswege. Manche Spieler werden eine Wache lieber im richtigen Moment aus der Ferne ausschalten, andere lenken sie dafür mit einem Steinwurf ab oder schicken die verkleidete Aiko vor, damit sie den Gegner in ein Gespräch verwickelt. Es gibt Brunnen und Gebüsche, in denen sich prima ein paar Leichen verstecken lassen, außerdem fiese Umgebungsfallen, die mehrere Wachen auf einmal ausknipsen. Ihr könnt manche Feinde von ihren Posten weglocken, andere muss dafür der bärenstarke Samurai Mugen umholzen. So knobelt ihr euch Stück für Stück über die weitläufige Karte, räumt einen Bereich nach dem nächsten leer und arbeitet euch zu euren Zielen vor - das ist genau so motivierend und befriedigend wie vor fünf Jahren.

Spielzeit und Preis

Aiko's Choice ist grundsätzlich fair, nicht zu schwer und nicht zu leicht. Aber: Wer Shadow Tactics und Desperados 3 bereits rauf und runter gespielt hat, dürfte die drei neuen Missionen relativ problemlos knacken. Wir haben die Erweiterung jedenfalls nie so knifflig empfunden wie beispielsweise die letzte Mission des Hauptspiels. Die meisten Spieler dürften auf dem normalen Schwierigkeitsgrad gute 6 Stunden bis zum Abspann brauchen, Profis sind sicher auch schneller durch, Anfänger werden dagegen länger brauchen. Mit drei wählbaren Schwierigkeitsgraden, optionalen Achievements und mehreren Lösungswegen bieten die drei Levels aber zumindest einen gewissen Wiederspielwert.

Bildergalerie

Shadow Tactics: Blades of the Shogun (jetzt kaufen 9,95 € / 33,99 € )- Aiko's Choice bietet genau wie das Hauptspiel nur englische und japanische Sprachausgabe, deutsche Sprecher gibt es nicht. Ihr bekommt die Standalone-Erweiterung für 20 Euro bei Steam, GOG und im Epic Games Store. Das Spiel ist seit dem 6. Dezember nur für PC erhältlich, Konsolenumsetzungen sind diesmal nicht geplant.

Meinung

Wertung zu Shadow Tactics: Blades of the Shogun - Aiko's Choice (PC)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Story fügt sich gut ins Hauptspiel ein Nettes Wiedersehen mit alten Bekannten Drei umfangreiche Hauptmissionen plus drei kurze Zwischenlevels Gewohnt starkes Leveldesign mit verschiedenen Lösungswegen Drei Schwierigkeitsgrade für Profis und Einsteiger Stimmungsvoll gestaltete Maps Kostet nur 20 Euro
Mit ca. 6 Stunden nicht gerade umfangreich Keine neuen Spielideen oder Fähigkeiten für die Helden Fade Zwischensequenzen 

Habt ihr unseren Test zu Shadow Tactics verpasst? Hier gibt's unser Testvideo!

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