Sekiro: Shadows Die Twice - Viel Spaß und ein paar Fragezeichen

Special Katharina Pache
Sekiro: Shadows Die Twice - Viel Spaß und ein paar Fragezeichen
Quelle: Activision

Activision hat uns eingeladen, ein letztes Mal vor dem Test Sekiro zu spielen. Nicht alle unsere Fragen wurden von den Eindrücken beantwortet, aber was wir herausfanden, lest ihr in unserer Vorschau.

Wir sind in London, und es regnet. Die hiesigen Wetterverhältnisse überraschen uns nicht, was wir beim Spielen von From Softwares neuem Werk mit dem Titel Sekiro: Shadows Die Twice (jetzt kaufen 53,53 € ) in der britischen Metropole erleben, hingegen schon. Wir haben weit mehr als eine Stunde mit Sekiro verbracht, sind gestorben, haben gesiegt und können sagen: Das wird wirklichanders als alle modernen From-Spiele zuvor. Zunächst die wichtigsten Eckpfeiler rund um das Stealth-Action-Abenteuer der Macher von Dark Souls und Bloodborne: Ihr verkörpert erstmals einen festgelegten Charakter, erkundet das Japan der Sengoku-Ära und versucht, den Erben der Drachenblut-Dynastie aus den Klauen eines feindlichen Clans zu retten.

Erst linear, dann offen

Zu Beginn der Veranstaltung saugen wir in einer Präsentation neue Informationen auf, unter anderem wird die Karte gezeigt, leider ist es nicht gestattet, die Map zu fotografieren. Sie ähnelt der von Dark Souls 3 (schaut sie euch hier an), nur dass in der Mitte statt ganz oben eine riesige Festung trohnt, außen herum einige kleinere Gebäude und markante Areale wie etwa ein See, die wahrscheinlich optionale Gebiete ausweisen.

Nach einem linearen Beginn des Abenteuers sollen Spieler später die Wahl haben, welchen Weg sie einschlagen. Das Schnellreisesystem steht von Anfang an zur Verfügung, wir teleportieren uns auf Knopfdruck zwischen entdeckten Götzenbildern (das Sekiro-Pendant zum Leuchtfeuer) und dem verfallenen Tempel, der unsere Hub-Umgebung darstellt, hin und her.

Ihr kämpft nicht nur gegen menschliche Feinde, sondern auch gegen Monster und Tierwesen. Quelle: PC Games Neben menschlichen Feinden und riesigen Bossen stellt ihr euch japanischen Sagengestalten - wie etwa diesem Hahn. Anders als in Dark Souls 3 starten wir nicht in der riesigen Burg in der Weltmitte, sondern müssen diese erreichen, um unseren jungen Schützling zu befreien. Der wird am Anfang des Spiels gekidnappt, während wir unseren Arm verlieren. Außerdem sehen wir das verzweigte Upgrade-System, bei dem eine Menge Fertigkeiten, Moves und Waffenverbesserungen aufs Freischalten warten.

Die Armprothese statten wir mit unterschiedlichen Sekundärwaffen wie Feuerwerk oder Wurfgeschossen aus. Verzaubern können wir die Extremität ebenfalls, wir tippen auf die üblichen Elementeffekte wie Feuer oder Elektrizität, außerdem fanden wir einen Gegenstand für eine okkulte Verzauberung. Wir erkundigen uns, ob man diese Upgrades unterwegs vornimmt oder ob man dazu einen NPC besuchen muss, allerdings vergeblich - eine Fragerunde ist nicht vorgesehen! Dabei brennen uns viele weitere Fragen unter den Nägeln, unter anderem: Wenn Sekiro auf Stealth-Elemente setzt, hat From Software dann auch die KI der Gegner an das neue System angepasst oder verhalten sich die Widersacher so berechenbar wie in den Vorgängern? Das müssen wir nun wohl selbst bei der Spielsession herausfinden.

Aller Anfang ist einfach

Das Bewegungsrepertoire wurde im Vergleich zu den vorherigen From Software-Spielen erweitert. Quelle: PC Games Sekiro ist sehr agil und hangelt sich an Vorsprüngen entlang. So könnt ihr Feinde einfach überraschen. Wir beginnen am Anfang, also beim Tutorial.Der erste Teil macht uns mit den Grundlagen der Stealth- und Fortbewegungstechnik vertraut. Sekiro ist schneller als jeder Dark Souls-Held es je war: An Wällen führt er Wandsprünge aus, der balanciert mit Felsen im Rücken über schmale Vorsprünge und hält sich an Kanten fest, die er natürlich auch erklimmen kann. In geduckter Haltung schleichen wir durch hohes Gras, vorbei an sich unterhaltenden Gegnern.

Im zweiten Teil der Einstiegslektion geht's ums Kämpfen, und auch wenn das System deutlich anders ist als in den Vorgängern, findet man sich als Souls-Veteran rasch heimisch. Mit der linken Schultertaste blockt Sekiro Hiebe, aber je mehr Schläge er abwehrt, desto stärker sinkt seine Balance. Ausdauer gibt es nicht mehr! Für die Feinde gilt fairerweise das gleiche System, wir decken sie also mit Hieben ein, bis sie aus dem Gleichgewicht geraten, parieren mit einem präzisen Block für einen schnellen Todesstoß oder schalten sie einfach aus dem Hinterhalt mit einem Finisher aus. Die normalen Samurai-Feinde, Wölfe und ein paar der kleinen Yokai-Monster sind mit einem gut getimten Streich Geschichte.

Wie man in den Wald hineinschleicht

Nach einer Weile bietet man uns an, einen späteren Bereich des Spiels zu begutachten. Aber gerne! Der weiter fortgeschrittene Spielstand versetzt uns in einen lauschigen Wald. Auch hier ertönt, ganz From-untypisch, die ganze Spielzeit über Hintergrundmusik. Bewohnt wird der Forst von mumienhaften Mönchen, die trotz ihres gefriergetrockneten Äußeren sehr flink auf den Beinen sind und uns mit Tritten und Stockhieben malträtieren. Wir merken schnell: War es schon in Souls-Spielen nicht ratsam, mehrere Gegner gleichzeitig zu bekämpfen, ist es in Sekiro mit Selbstmord (oder besser: Seppuku?) gleichzusetzen.

Gruppenkämpfe stellen euer Geschick auf eine harte Probe. Zieht euch lieber zurück und greift Feinde separat an. Quelle: PC Games Zusammen macht alles mehr Spaß? Von wegen. Gegnergruppen sind in Sekiro ungemein gefährlich, auch wenn Finisher-Attacken wie dieser hier euch kurz Sicherheit vor Angriffen gewähren. Anmerkung: Wir haben den Screenshot aufgehellt, damit man das Geschehen besser erkennt. Wir hauchen das Leben aus und warten kurz, bevor wir wiederauferstehen. Richtig gelesen: In Sekiro können wir auf Wunsch sofort nach der Niederlage den nächsten Versuch starten. Dieses Talent verdanken wir unserem entführten Schützling, der uns mit seinem Blut gesegnet hat, welches uns ermöglicht, dem Tod ein Schnippchen zu schlagen. Einmal eingesetzt, muss diese wertvolle Fähigkeit aber erst eine ganze Weile wieder aufgeladen werden.

Auch von der Wiederauferstehung abgesehen funktioniert der Bildschirmtod in Sekiro anders als noch in Dark Souls. Unsere gesammelte Erfahrung und auch das Geld liegen nicht an der Stelle, an der wir beides verloren haben - das Zeug ist für immer weg! Einzig die Gnade der Götter ermöglicht es uns, den Besitz zu retten: manchmal erbarmt sich Buddha und verhindert den Verlust. Ob uns das Glück zuteil wird, hängt wohl von diversen Faktoren ab. So fanden wir etwa Items, welche die Gunst, in der wir bei den Göttern stehen, senken. Gerne hätten wir mehr über die Mechanik erfahren, doch in der beschränkten Spielzeit blieb nicht viel Raum zum Experimentieren.

Die Schreinbewohner

Im Wald treffen wir aber nicht nur auf die Kampfmönche, sondern auch auf zwei unterschiedliche NPCs, die offensichtlich mit Nebenquests zu tun haben, gefährliche Speerkrieger im Grasmantel, einen riesigen, keulenschwingenden Mönch, Yokai, einen fackeltragenden Samurai und einen Kürbissamen. Letzterer ist sehr wertvoll. Geben wir ihn der rätselhaften Krankenschwester im verfallenen Schrein, wächst das Volumen unseres Flaschenkürbis, mit dem wir uns heilen - quasi der Estus-Flakon von Sekiro.

In Gesprächen mit NPCs hat Sekiro gelegentlich unterschiedliche Antwortmöglichkeiten. Quelle: PC Games Dieser arme Tropf sitzt im Wald und vermisst seine Freunde. Gerne hätten wir ihm geholfen. Im Schrein treffen wir abseits der Dame auf unseren rätselhaften Retter, einen Handwerker, der unablässig Buddhas schnitzt und unsere Armprothese verbessert. Zu guter Letzt wartet ein untoter Samurai am Rand des Gebiets auf Besucher. Da er anscheinend nicht sterben kann, bietet er sich als Gegner an, an dem wir Manöver wie den Angriff direkt nach einem Konter üben. Praktisch!

Rollenspiel light

In Sekiro verkörpern wir erstmals eine festgelegte Figur mit einer Hintergrundgeschichte und persönlichen Motiven. So haben wir in Dialogen mit Spielfiguren gelegentlich mehrere Antwortmöglichkeiten, ausufernde Unterhaltungen führen wir aber trotzdem nicht - manchmal beschränken sich Sekiros Sätze auf "...". Die typische Präsentation im From-Stil bleibt erhalten, mit Charakteren, die kryptisch vor sich hinbrabbeln und geheimnisvollen Item-Beschreibungen, die zum Interpretieren einladen. Viel zur Geschichte sagen können wir jedenfalls noch nicht, auf jeden Fall aber spielen Motive wie Blut, Krankheit und Untotenplage ein weiteres Mal eine wichtige Rolle in der Handlung. Sekiro als Persönlichkeit blieb während der Spielsession blass, aber wir steckten ja auch nur etwas weniger als zwei Stunden in der Haut des Ninja.

Bedenken schleichen sich ein

Ein Punkt, der uns noch ein wenig Kopfzerbrechen bereitet, ist wie eingangs erwähnt die Stealth-Mechanik. In Schleichspielen trägt gute Gegner-KI erheblich zum Spielspaß bei - stellt man fest, dass Feinde mit Scheuklappen durch die Gegend laufen, mindert das den Nervenkitzel erheblich. Während des Spielens machte keiner der vielen unterschiedlichen Widersacher durch besondere Intelligenz auf sich aufmerksam. Wenn ein Samurai angegriffen wird, stößt er nicht ins Horn, um andere zu warnen. Herumliegende Leichen stimmen die Gegner nicht misstrauisch, es ist recht einfach, sich von hinten oder der Seite an Feinde heranzupirschen. Gegner reagierten nicht auf die Keramikstücke, die wir ihnen zum Ablenken vor die Füße warfen.
Mit jedem erfolgreichen Block sinkt eure Balance. Zieht euch zurück, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Quelle: PC Games Nicht alle Hiebe könnt ihr blocken. Lauft ihr Gefahr, von einem unparierbaren Angriff getroffen zu werden, erscheint ein Warnsymbol über eurem Haupt. Durch die erhöhte Mobilität ist es zudem nicht allzu schwierig, Feinden zu entkommen - einige haben zwar Wurfgeschosse dabei, aber als wir etwa in einem Tempel im Wald durchs Fenster fliehen, schlagen die Mönche innen stumpf gegen die Wand, im hoffnungslosen Versuch, uns zu folgen. Bedenken muss man zudem, dass die Duelle gegen menschliche Spieler wegfallen, die von Natur aus fordernder sind als Kämpfe gegen computergesteuerte Figuren. Allerdings haben wir auch nur einen Bruchteil des Spiels ausprobiert und es ist gut möglich, dass man an anderen Stellen klügeren Feinden begegnet.

Viele Fragen

Wir haben viel gesehen, aber auch noch viele Fragen. Wie genau levelt man auf? Wie verbessert man das Katana? Warum konnten wir im Wald einen Drachen steigen lassen? Sind die Feinde untot, oder infiziert, oder ganz normale Menschen? Und was wollen eigentlich die Typen von unserem entführten Schützling? Glücklicherweise müssen wir nicht mehr lange auf die Antworten warten, denn am 22. März 2019 erscheint Sekiro: Shadows Die Twice auf PS4, Xbox One und auf dem PC. Und wenn es danach wochenlang regnen sollte, ist uns das auch egal. Denn wir werden damit beschäftigt sein, tief in die Welt des Japan der Sengoku-Ära vorzudringen.

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