Die Serie Secret Level funktioniert auf so vielen Ebenen, dass mir zunächst einige Details und Ansätze entgangen sind. Aber dafür lohnt sich ein Nochmalschauen umso mehr.
Zwei Bedeutungsebenen
Es folgt ein leichter Spoiler zur Folge 5: Warhammer 40.000
Doch erst beim zweiten Schauen, merkt man, dass es nicht so einfach ist. Nimmt man etwa Warhammer 40.000, wirkt es so, als ob jemand ohne Angst unverwundbar ist und obendrauf wird stark angedeutet, dass die Angst selbst das Problem ist. Schaut man die Folge aber öfter, wird klar, dass sie eher davon spricht, dass man ohne Angst seine Menschlichkeit verliert. Denn es haben nur diejenigen keine Angst, denen nichts wichtig ist und die nichts und niemanden Lieben.
Die erste, offensichtliche Motivation sämtlicher Protagonisten aller Episoden serviert uns die Serie nicht nur auf einem Silbertablett, sondern reibt sie uns förmlich ins Gesicht. Oft ist der letzte Satz einer jeden Episode einfach die moralische Kernaussage ausgesprochen nervig plakativ ausformuliert.
Ob das ein Seitenhieb gegen Videospiele sein soll, die oft nicht sehr dezent in ihren Erzählungen sind? Kann durchaus sein. Um eine Lanze für entsprechende Spiele zu brechen, will ich aber darauf hinweisen, dass flache Plots auch Vorteile haben können. Zum Beispiel, dass man sich einfach in die Action fallen lassen kann und nicht erst die Dechiffriermaschine auspacken muss. So wie ich das jetzt gerade bei Secret Level machen muss, aber das trägt das "Geheim" ja auch schon im Namen (haha).
Nun könnte man versuchen, die tieferen Bedeutungsebenen von Secret Level komplett zu ignorieren und die Serie ebenfalls nur für ihre Action zu schauen. Aber dafür sind die philosophischen Ansätze nicht versteckt genug und schimmern immer wieder durch das Gezeigte durch. Ob man es nun darauf anlegt, einen tieferen Sinn im Gesehenen zu finden oder einfach nur die Folgen durchrattern lässt: Man sitzt so oder so am Ende vor dem Bildschirm und fragt sich, was einem das jetzt sagen soll.
Alles eine Frage der Interpretation?
Schließlich habe ich mich aber trotzdem gefragt, ob ich nicht viel zu viel in die Serie und Herrn Millers Fähigkeiten hineininterpretiere. Und was, wenn mein erstes Bauchgefühl richtig gewesen wäre und die offensichtlichen Handlungsfäden sind der eigentliche Plotpoint der Serie?
In dem Fall wären die Folgen mit sechs bis 14 Minuten viel zu kurz und für reine Action-Kurzfilme ohne Tiefgang viel zu aufwendig produziert. Die Episoden führen die Charaktere nicht wirklich ein und es entsteht überhaupt keine Bindung oder echtes Interesse an ihnen. Und schließlich ist einem das Schicksal der einzelnen Figuren einfach egal. Doch genau auf diesem Schicksal wird so herumgeritten, dass man gar nicht unbedingt sieht, was eigentlich passiert.
Und wenn ich die Wahl habe zwischen zwei Ansätzen, bei denen Secret Level entweder mies wegkommt oder sich vor mir als Meisterwerk entfaltet, entscheide ich mich für Letzteren. Es gibt genügend enttäuschende Dinge, ohne dass man nach ihnen suchen muss. Da kann man auch aufs Meckern verzichten und sich schon einmal auf die Suche nach der geheimen Concord-Folge machen.
